Reiten auf schmalem Hufschlag

Eine schlichte, aber sehr schwer zu reitende Übung, welche die vollste Aufmerksamkeit und feine Abstimmung von Reiter und Pferd erfordert:

das REITEN AUF SCHMALEN HUFSCHLAG

Trust-your-Horse - Reiten auf schmalem Hufschlag

Ich bin nicht im Zweifel, daß Anglomanen wie geniale Reiter über dies Kapitel [Über das Reiten auf einem schmalen Hufschlage] mit Achselzucken hinweggehen werden, und doch sind grade diese Gattungen von Reiter diejenigen, welche von einem so wirkungsvollen Handwerkskniff einen äußerst vorteilhaften Gebrauch machen könnten, um wenigstens den Pferden, denen jede Schulbildung abgeht, Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen Zügel und Schenkel zu lehren. Auch sind ungebildete Reiter, die sich stets zerstreuen, gezwungen, hierbei unausgesetzt die Aufmerksamkeit auf das Pferd zu richten, da es ohne diese angespannte, für Reiter und Pferd schweißtreibende Aufmerksamkeit nicht ausführbar ist.
(Otto Digeon von Monteton)

AUSFÜHRUNG
Je nach Möglichkeiten zieht man mit einem einfachen Gartenrechen (Breite ca. 30-35 cm.) einen Kreis mit einem Durchmesser von 20-30 Meter [1]. Anfangs kann diese Spur noch die dreifachen Breite des Gartenrechens haben, nach ca. einem ½ Jahr aber sollte eine Gartenrechenbreite ausreichen.

Die Übung wird in der ersten Zeit nur im Schritt und Trab, später auch im Galopp geritten (Voraussetzung, dass Pferd ist in der Lage sich im Trab auf die Hinterhand zu setzen). Dabei sollte man im Minimum 20 Min. auf einer Hand reiten. Es wird ausschließlich auf Trense geritten, zunächst beidhändig, später einhändig.

Keine Pylone oder Stangen als Begrenzung nutzen, diese lenken die Konzentration ab.

ZIEL
DIE HUFABDRÜCKE DES PFERDES DÜRFEN NICHT AUSSERHALB DER GEZOGENEN KREISLINIE SEIN.

NUTZEN
Diese Übung verbessert die Koordination und den Feinheitsgrad der Hilfengebung beim Reiter und macht das Pferd sensibler auf die Hilfen des Reiters.

Hört sich einfach an – ist es aber überhaupt nicht!
Probiert es aus. Viel Spaß dabei

[1] Otto von Monteton („Über die Reitkunst“ – 11. Kapitel) sprach von 40-50 Schritt. Ein Schritt entsprach zur damaligen Zeit in etwa 75 cm. Die angegebenen Schritt entsprechen also einen Kreisdurchmesser von ca. 30 m – 37,5 m.

Ideenquelle: Otto Digeon von Monteton – „Über die Reitkunst“ – 1877 – 11. Kapitel.

Reiterliche Tipps
Autor: Richard Vizethum
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PAUSE in Parkposition

Entspannung hat immer sowohl eine körperliche als auch geistige Komponente und ist insbesondere nach herausfordernden und körperlich anspruchsvolleren Übungselementen sinnvoll und notwendig.

Trust-your-Horse - Parkposition als Lösungsmittel
(Bild: Oldenburger-Wallach „Luis“ | Pause in Parkposition | Status: müde)

Körperlich sollte das Pferd loslassen können und mental wieder zur Ruhe kommen. Womit sich immer auch ein LERNEFFEKT verbindet!

IST DAZU ABER BEWEGUNG NOTWENDIG UND SINNVOLL?

Als Mittel des Entspannens („Lösens“), wird sehr häufig das Vorwärts-/Abwärts-Reiten empfohlen. An dieser Stelle möchte ich nicht in die Diskussion über Sinn oder Unsinn von Vorwärts-/Abwärts einsteigen, aber auf ein paar Punkte hinweisen …

Ein Pferd mit einem Gewicht von 600 Kg bringt im STEHEN in barocker Aufrichtung etwa 56 Kg Gewicht mehr auf die Vorhand als auf die Hinterhand. In einer Vorwärts-/Abwärtsposition sind dies schon 90 Kg. Im Stehen stellt diese Überlastungssituation für das Pferd kein Problem dar. Es kann dieses Gewicht gut mit den Vorderbeinen abstützen.

Vorwärts-/Abwärts-Reiten und Lösen?

Kommt dagegen Bewegung hinzu (Vorwärts-/Abwärts-Reiten), dann nimmt der Belastungsdruck auf die Vorhand erheblich zu.
Ein „Lösen“ mag nun zwar bei sehr tiefer Einstellung, körperlich in der Oberlinie (Wirbelsäule) stattfinden, aber findet seinen negativen Widerhall in den Vorderbeinen und der Schulter.
Ergo, ein körperliches und geistiges „Lösen“ ist eingeschränkt, körperliches Lernen findet nicht statt.

PARKPOSITON – DIE ECHTE PAUSE

Weit besser,  aus meiner Sicht, ist es die Bewegung wegzulassen und dem Pferd im STEHEN (gleichmäßig auf allen vier Füßen) die Möglichkeit des körperlichen und geistigen Entspannens zu geben.

Wie geht man vor?

Man hält das Pferd ruhig an, achtet dabei darauf, dass es auf allen vier Beinen gleichmäßig steht, also nicht in Schrittposition verharrt.

Dann gibt man dem Pferd durch kurzes seitliches Ausbreiten und darauf folgenden Ablegen der Zügel auf dem Hals, das Zeichen für PAUSE!

Dieses Signal („Du hast jetzt minutenlang PAUSE!„) wird nicht wiederholt, sollte das Pferd sich nicht strecken. Wir  akzeptieren seine Haltung und nehmen diese als Indikator für die aktuelle körperliche und mentale Verfassung des Pferdes.

Was zeigt uns das Pferd (Indikator Parkposition)?

  • Das Pferd senkt ruhig und langsam Hals und Kopf in Richtung Boden, dann ist es etwas müde und der Stress hält sich im Rahmen. In der Regel zeigt das Pferd an, wenn es wieder aufnahmebereit ist, indem es Hals und Kopf hebt. Nach der Pause kann man mit dem Training fortfahren.
  • Das Pferd zieht dem Reiter die Zügel aus der Hand und stößt mit dem Kopf vorwärts-abwärts, dann spricht das nicht für die Empathie des Reiters, denn das Pferd zeigt damit an, dass es schon länger müde und/oder stark gestresst ist, was vom Reiter ignoriert oder nicht bemerkt wurde. Sollte es auch nach minutenlanger Pause nicht wieder und ohne Spannung nach oben kommen, dann heißt das FEIERABEND (selbst wenn man gerade mal 15 Min. mit dem Pferd gearbeitet hat). Da ist auch kein „Ich muss noch einen positiven Abschluss finden!“ oder „Eine Runde im Trab geht noch!“  mehr sinnvoll.
  • Das Pferd bleibt mit Kopf und Hals entspannt oben. Hier kann man – aber auch erst nach der gewährten Pause – gleich weiterarbeiten. Das Pferd ist weder müde noch sonderlich gestresst.
  • Das Pferd hält Kopf und Hals angespannt oben. Das Pferd zeigt Unruhe und starken Stress. Dies kann verschiedene Gründe haben:
    1) Der Reiter ist gestresst. Hier muss dieser sich ehrlich die Frage stellen: „Komme ich davon runter?“. Beantwortet er dies mit NEIN – dann FEIERABEND!
    2) Die Übung war zu schwer. Nach der Pause kann man es mit einer deutlich leichteren Übung probieren, die Aussichten auf Erfolg für das Pferd hat.
    3) Viele Stressoren in der Umgebung. Auch hier hat man sich als Reiter zu fragen: Besteht die Chance, dass sich die Situation beruhigt. Wenn nicht – FEIERABEND!

Wir müssen uns eines merken: „Ein Pferd muss nichts abhaben können!„. Lieber FEIERABEND machen, als das Pferd in einer stressbeladenen Situation belassen. Dies bedeutet nämlich nur, dass Mensch und Pferd Energie investieren, der Lernerfolg aber ausbleibt und das Vertrauen des Pferdes in den Menschen gestört wird.

Erkenne den Zustand Deines Pferdes, PARKE es rechtzeitig und lass es  minutenlange (2-5 Min.) Pausen im STEHEN machen.

DAS PFERD LERNT IN SOLCHEN PAUSEN!!!
Die Ausbildungszeit verkürzt sich.

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Mit einer Heuschnur zur feineren Hand

Wie fein sind Deine Hände, wie weich deren Kontakt mit dem Pferdemaul?
Wie „schwer“ fühlt sich dieses vermeindliche Mysterium „Anlehnung“ – jener beispielsweise in der „Richtlinie für Reiten und Fahren“ der „Deutschen Reiterlichen Vereinigung„, als „stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul“ beschriebene Kontakt – bei Deinem Pferd an?

Trust-your-Horse - Heuschnur als Zügelersatz lehrt feines Reiten

Die Verbindung zum Kopf des Pferdes wird über Zügel hergestellt, und die Machart der Zügel bestimmt darüber wie „sicher“ der Kontakt ist. So gibt es beispielsweise – gerne benutzt – geflochtene Zügel, Zügel mit Gummibezug und Antirutschauflagen oder schwere, breite Zügel (Westernreiten). Was haben alle diese Zügel gemeinsam?

SIE HELFEN DEM REITER UND SCHADEN DEM PFERD

Dem Reiter wird es leichter gemacht die Zügel fest- und mit ihnen gegenzuhalten. Mit solchen Zügeln ist man eher versucht, anstelle der Finger, die Arme einzusetzen und  deren Kraft ziehend zu nutzen.

Nun ist „…ziehen mit den Armen zur Beherrschung eines Pferdes ein Beweis für die Unfähigkeit des Reiters„, wie es Jean-Claude Racinet ausdrückte. Denn wenn man zieht wird das Pferd dagegenziehen (Druck erzeugt Gegendruck | Zug erzeugt Gegenzug).

Dabei wird der Schmerz den das Pferd empfindet seinen Widerstand gegen die Reiterhand größer und größer werden lassen. Und auch der Reiter wird sich anstrengen müssen. „Jetzt hab ich mir schon wieder ein paar Handschuhe mit den Zügeln durchgescheuert…!„, sind neben Muskelkater das Ergebnis einer Auseinandersetzung bei der Reiter und Pferd verlieren.

Feines Reiten sieht sowieso anders aus.

MIT HEUSCHNUR UND OHNE HANDSCHUHE

Verwende doch mal, anstelle der Zügel eine Heuschnur, in der Stärke wie sie bei kleinen Heuballen üblich ist und verzichtet auch auf die Handschuhe.

Jetzt wirst Du merken, WIE fein Deine Hand tatsächlich ist. Wo sonst oft die Muskelkraft des Reiters das „Gleichgewicht“ beim Pferd herstellt – verlangt der Schmerz in der Hand mehr Intelligenz. Diese Erkenntnis kann man gewinnen, unabhängig davon, ob das Pferd ein Mundstück trägt oder gebisslos geritten wird. Gerade bei mancher gebisslosen Zäumung wird man plötzlich eine überaus schmerzhafte Überraschung erleben.

Und so manch, vermeindlich feine Hand, wird plötzlich spüren, dass doch mehr Kilos anstehen als gedacht.

Eine Heuschnur als Zügelersatz und Hände ohne Handschuhe lehren Dich, Deine Hände bewusster und feiner einzusetzen – zum Wohle des Pferdes.

Sicherheitshinweis
Man kann gerne die regulären Zügel als „Reserve“ eingeschnallt lassen.

Autor: Richard Vizethum
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