Die Nutzung des Pferdes oder Fühlen versus Wissen

Vor einigen Wochen hörte ich von einem neuzeitlichen Ausbilder „klassischer Reiterei“ die Aussage, dass der „VERSTAND der Teufel sei“. Damit aber hat er im Grunde die MENSCHLICHE GEDANKENLOSIGKEIT exkulpiert, quasi von der Sünde frei gesprochen.

Reiten jedoch und das brachte Max Ritter von Weyrother zum Ausdruck, erfordert den DENKENDEN REITER und dies aus gutem Grunde. REITEN ist eine WISSENSCHAFT. Das dies so sein muss, liegt in der Natur des Pferdes und dem menschlichen Wunsch dieses Lebewesen zu NUTZEN, begründet.

Trust-your-Horse - Nutzung des Pferdes oder Fühlen versus Wissenschaft

Nun wird man sich vielleicht wieder an dem Wort NUTZEN stören, doch was ist es denn anderes. Wir NUTZEN Pferde für unsere Zwecke. Zwecke, welche vielfältig sein können.

Allgemein bekannte Formen der NUTZUNG sind REITEN und FAHREN (auch etwas ziehen). Man könnte dies auch als die KÖRPERLICHEN Nutzungen des Pferdes bezeichnen. Da Pferde groß und stark erscheinen, sind wir meist der irrigen Meinung, man könnte sie, ohne diese z.B. auf das REITEN physisch und psychisch vorzubereiten, einfach nur BENUTZEN. Das wir damit ihre körperliche und seelische Gesundheit opfern ignorieren wir nur zu gerne.

Wir BENUTZEN Pferde als Projektionsfläche für unsere Gefühle und Emotionen. Dabei nehmen wir nicht die geringsten Rücksichten auf deren Befindlichkeiten. Ohne Skrupel belästigen wir diese Lebewesen mit unserer oft verkorksten Gefühlswelt. Wir beachten nicht, dass Pferde ebenfalls Gefühle und Emotionen besitzen. Sie sind keine AUSGEBILDETEN COACHES, sondern selbst oft Wesen, die der Hilfe bedürfen um in dieser menschlichen Welt zurecht zu kommen.

Wir BENUTZEN sie in der Therapie und gehen wie selbstverständlich davon aus, dass dies bei den Pferden keine seelischen Spuren hinterlässt. Solche Therapien – welche auch immer –  sind keine Win-Win-Situation. Der Mensch gewinnt, dass Pferd verliert immer!

Wir BENUTZEN sie, um unsere Profilneurosen zu befriedigen. Höher, schneller, weiter sind nur ein Ausdruck davon. Freiheitsdressur, Pferde-Agility und viele andere ähnliche Formen der NUTZUNG helfen nicht dem Pferd, nur dem Menschen, um sich – über das Pferd, welches man oft dabei maximaler KONTROLLE unterwirft, selbst aufzuwerten.

Das alles tun wir aus unserem FÜHLEN heraus. Aus dem unreflektierten GEFÜHL, dass das, was wir da verlangen auch im Sinne des Pferdes wäre.

Nun ist es aber so, dass die Pferde in unserer hoch urbanisierten Welt kaum Überlebensmöglichkeiten hätten. Auch leben sie schon Jahrtausende in einer engen Co-Existenz mit uns Menschen und haben sich, wie Hunde und andere Tiere auch, weit von ihrem natürlichen Ursprung (auch im Verhalten) entfernt.

Würden wir sie nun nicht mehr NUTZEN, ginge ihre Population drastisch zurück.

Im Grunde stellt sich nicht die Frage nach der NUTZUNG an sich, sondern WIE wir sie NUTZEN. Und hier gibt es nur EIN EINZIGES ZIEL:

Bei allen was wir mit ihnen tun, dürfen die Pferde KEINEN SCHADEN AN KÖRPER UND GEIST nehmen!

Wir müssen sie auf ALLES was wir von ihnen verlangen so vorbereiten, dass wir diesem Ziel gerecht werden können.

Dazu gehört EMPATHIE, also SINNLICHE WAHRNEHMUNG – umgangssprachlich mag man auch von GEFÜHL sprechen – um sich in diese Lebewesen hineinzuversetzen und RICHTIG, OHNE VERMENSCHLICHUNG, beurteilen zu können, was die Pferde, bei dem was wir gerade mit ihnen tun, empfinden und in welchem physischen und psychischen Zustand sie dabei sind.

Doch schon die Zustands-Beurteilung ist ohne WISSEN(SCHAFT) nichts wert, und bleibt der Willkür und dem eigenen, meist eingeschränkten Weltbild überlassen. Vor allem aber ist das richtige HANDELN von WISSEN abhängig, welches weit über das ERFAHRUNGSWISSEN hinausgeht. Denn auch ERFAHRUNG braucht eine Einordnung und muss REPRODUZIERBAR SEIN.

Deshalb ist REITKUNST auch eine WISSENSCHAFT und keine romantische GEFÜHLSDUSSELEI.

Autor: Richard Vizethum
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Reitkunst – noch ein paar Gedanken dazu

Von allen Künsten ist die Reitkunst wohl die Anspruchsvollste.
Sie gehört, will man sie einordnen, sowohl zu den bildenden Künsten (durch die Umformung eines natürlichen Pferdes zu einem Reitpferd – also die räumlichen Verhältnisse der Kunst) aber auch zu den mimischen Künsten (durch den Ausdruck des Tanzes, als räumlich, zeitliche Verhältnisse).

Trust-your-Horse - Reitkunst, noch ein paar Gedanken dazu

In der REITKUNST ist das Kunstwerk – jenes vergängliche Werk – das zum Reitpferd umgeformte, rittige und ich möchte noch hinzufügen, an Körper und Geist dauerhaft gesunde Pferd.

Wahre Kunst offenbart sich nicht im Ausdruck grenzenloser Kreativität, sondern einer Kreativität die innerhalb von Grenzen zur maximal möglichen Entfaltung gelangt. Grenzen stellen für die Kreativität des Künstlers eine weit größere Herausforderung dar, als sich kreativ im Grenzenlosen zu artikulieren.

Die REITKUNST ist die einzige Kunst unter allen Künsten, welche seine Kreativität immer nur in einem begrenzten, durch die körperlichen und geistigen Möglichkeiten des Pferdes limitierten, Raum ausdrücken kann. Auch dies macht sie zur Herausforderndsten aller Künste und stellt hohe Anforderungen an Wissen und Können des Künstlers.

Während eine Partitur, ein Gemälde oder eine Skulptur letztendlich durch die Kreativität eines Künstlers aus toter Materie entstehen, lebt das Ausgangsmaterial der REITKUNST und ist bei weitem nicht so fügsam wie die Grundelemente eines Komponisten, Malers oder Bildhauers. Auch kann jeder der genannten Künstler sein Werk ohne moralische Bedenken, bei Nichtgefallen nach Belieben zerstören.

Nun gut, in der Reiterei wird dieses Werk der Pferdezerstörung tagtäglich, auf allen Ebenen reiterlicher Aktivität von Dilettanten durchgeführt, ohne dass diese es überhaupt geschafft hätten, über die Stufe groben Bearbeitens des Ausgangsmaterials – oft bemerkenswerter, nahezu perfekter Produkte aus der Zucht – hinausgekommen zu sein.

Gleichwohl betrachten diese, an Wissen und Fähigkeiten eingeschränkten Personen ihr Tun als Kunst und versteigen sich sogar soweit, dieses, ihr Tun, mit KLASSISCH zu etikettieren, obwohl die Epoche aus der sie ihr „klassisches“ Wissen ziehen, weit von dem entfernt ist, was die wahren KLASSIKER des Reitens ausmacht und dazu noch in vielen Teilen auf einer Entwicklung beruht, welche der Reitkunst diametral entgegensteht: der anglomanen Reiterei.

Einer Reiterei, die dem Gelände und dem Sport mehr Wert beigemessen hat, als der seriösen Ausbildung eines Pferdes. Einem Sachverhalt, zu dem sich auch schon de la Guérinière kritisch äußerte:

Die Schwierigkeit, diese Eigenschaften [reiterliche Voraussetzungen, welche de la Guérinière aufzählte [1]] zu erlangen, und die be-trächtliche Zeit, welche erfordert wird, um in dieser Kunst zu ei-ner Vollkommenheit zu gelangen, ist die Ursache, warum viele, die eine Kennermiene annehmen, vorgeben, daß die Reitbahn zu nichts tauge, daß sie die Pferde verderbe und zu Grunde richte, daß sie zu nichts diene, als sie springen und tanzen zu lehren, welche sie folglich zum gewöhnlichen Gebrauch unnütz mache. Dieses irrige Vorurtheil verursacht, daß eine Menge von Leuten eine so edle und nützliche Kunst vernachlässigen, die doch nur den einzigen Endzweck hat, die Pferde gelenksam, folgsam und gehorsam zu machen, sie auf die Hanken zu setzen, ohne welches ein Pferd, es seye Soldaten- Jagd- oder Schulpferd in seinen Bewegungen weder angenehm, noch für den Reiter bequem seyn kann. Das Urtheil derer, die eine solche Sprache führen, ist also ohne Grund, und es würde unnöthig seyn, Meinungen zu bestreiten, die sich hinlänglich selbst widerlegen [2]“.

Vor dem Können kommt das Wissen!“, sagt man. Denn ohne Wissen ist Können nicht erklärt und damit auch jede daraus resultierende „Kunst“ beliebig.

Die Meinung derjenigen, welche die Theorie in der Reitkunst für unnütz achten, wird mich nicht abhalten, zu behaupten, daß dies eins der nothwendigsten Stücke ist, zur Vollkommenheit zu gelangen. Ohne diese Theorie ist die Ausübung immer ungewiß [3]“.

Ein ausschließlicher „Könner“ erarbeitet Dinge intuitiv, ist aber i.d.R. nicht in der Lage zu beschreiben, was er tut und warum die Dinge so geschehen, wie sie geschehen. Dies wiederum verschließt ihm die Türen zur Entwicklung und zu den hohen Weihen der Reitkunst. Sein „Wissen“ ist auf seine Person individualisiert.

Vielleicht aber erhebt ein Kritiker, welchem in der Kunst die Funktion „eines Teilschöpfers des Kunstwerks zukommt [4]“ , durch seine Interpretation des Tuns jenes „Könners“ dessen „Werk“ zur Kunst. Im Falle der REITKUNST aber wäre dies fatal!

Mit den Worten von Du Paty de Clam möchte ich diesen Text zur Reitkunst abschließen und dem geneigten Leser zum Nachdenken ans Herz legen:

Die Reitkunst, die ihre Richtigkeit von so vielen andern Wissenschaften herleiten muß, bleibt bei dem Wachsthum der anderen Künste noch in ihrer ersten Schwäche; und so viele geschickte Männer auch das Jahrhundert des Ludwig des XIV. und das gegenwärtige [1777] hervorgebracht hat, so sind wir dennoch sehr weit von der Vollkommenheit zurück [5]“.

Inzwischen hat sich die Reiterei noch mehr von deren Vollkommenheit entfernt und die Suche nach dieser Wahrheit ist der Bequemlichkeit und der Anwendung nutzlosen Spielereien gewichen – zum Leidwesen der Pferde, welche man zu Sportgeräten und Tanzbären degradiert hat und auch vor Quälereien dieser wunderbaren Lebewesen nicht zurückschreckt. Alles nur um menschliche Eitelkeiten zu befriedigen.

Es ist allerhöchste Zeit um(ZU)(DENKEN) und der Kunst (die zur Gesunderhaltung des Pferdes beiträgt) wieder den Stellenwert zu geben, den sie verdient.

[1] Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“ | dt. Übersetzung von J. Daniel Knöll 1817 |Verlag Olms | Seite 107f
[2] Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“ | dt. Übersetzung von J. Daniel Knöll 1817 |Verlag Olms | Seite 108
[3] Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“ | dt. Übersetzung von J. Daniel Knöll 1817 |Verlag Olms | Seite 107
[4] Wolfram Eilenberger | „Zeit der Zauberer – Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919-1929“ | Verlag Klett-Cotta | 2018 | Seite 50 |nach Dr. Walter Benjamin „Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik“
[5] Du Paty de Clam | „Theorie und Praktik der höhern Reitkunst “ | Original 1777; dt. Übersetzung von Premier-Leutnant Blatte 1826 | Nachdruck Verlag Olms | Vorwort Seite 6

Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet“
Autor: Richard Vizethum
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Die stille Post reiterlichen Wissens

Es war einmal ein großer Lehrer, der hatte einen Schüler, dem er sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

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Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Und alle glaubten, sie lehrten nach den Prinzipien des großen Lehrers der Vergangenheit.

Denkt mal darüber nach!

P.S. mit dem geschriebenen Wort ist es noch schlimmer!

#trustyourhorse #denkspruenge

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
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