Die natürliche Haltung des Pferdes
oder Tiefe ist nicht gleich Tiefe

Die NATÜRLICHE HALTUNG und wie sie definiert ist

Der Begriff NATÜRLICHEN HALTUNG ist ein zentraler und bedeutender Begriff in der Pferdeausbildung. Er gehört aber auch zu den Begriffen, welche am stärksten missinterpretiert wurden und damit Fehlentwicklungen wie das Vorwärts-Abwärts (incl. Dehnungshaltung) begünstigt haben.

Dabei gibt es wohl kaum einen Begriff, der in der Vergangenheit präziser und interpretationsfreier beschrieben wurde, als der Begriff der NATÜRLICHEN HALTUNG.

Die NATÜRLICHE HALTUNG ist eine DEFINIERTE – also festgelegte GRÖSSE und nicht beliebig.

Sie ist jene Haltung des natürlichen, noch ungerittenen Pferdes, welche dem zukünftigem REITPFERD im Stand und in den Bewegungen am nächsten kommt und vom natürlichen Pferd eingenommen wird, um entspannt und energiesparend beispielsweise von A nach B zu gelangen.

Durch Stallmeister wie E.F. Seidler (1798-1865) oder Louis Seeger (1794-1865), beide Schüler des legendären Oberbereiters der Hofreitschule zu Wien, Max Ritter von Weyrother (1783-1833), welcher den Begriff des „denkenden Reiters“ prägte, wurde die NATÜRLICHE HALTUNG des Pferdes sehr präzise beschrieben und dargestellt. Im Folgenden finden wir Bild und Beschreibung von E.F. Seidler (1837 und unverändert 1843):

Trust-your-Horse - Die definierte NATÜRLICHE HALTUNG des Pferdes
Bild: grobe Skizze der definierte NATÜRLICHE HALTUNG

Das aus dem Remonte-Depot oder von dem Landmann erhaltene rohe Pferd [siehe Bild oben[1]] hat die Nase vorgestreckt, die Ganasche liegt nicht an den Unterhalsmuskeln an, die Ohrdrüse hat ihre Lage auf der innern Seite der Ganasche, das Genick hat eine Biegung rückwärts, die Halswirbel bilden einen Bogen abwärts, der Hals ist lang und gestreckt. Das untere Ende des Schulterblatts schiebt sich schräg nach vorn und unten, drückt auf das vordere Ende des Querarms, giebt demselben eine beinahe wagerechte Lage, das Buggelenk bildet einen kleinen Winkel, der Vorderfuß steht hinter der senkrechten Linie. Die Rückenwirbelsäule ist nach dem Widerrist zu niedriger, steigt nach der Lendengegend, zeigt daselbst sogar eine Neigung zum Bogen aufwärts. Der Hinterfuß steht bedeutend zurück, oft nicht einmal bis zur senkrechten Linie des Hüftgelenks, das Kniescheibengelenk ist noch hinter der senkrechen Linie der Hüfte, das Sprunggelenk gestreckt, überhaupt alle Gelenke der Hinterhand bilden stumpfe gedehnte Winkel, die vermehrte Schwere des Pferdekörpers neigt sich nach vorn[2]

Auch in den Reitinstruktionen und Vorschriften von 1882, 1912, 1926 und 1937 wird das Pferd in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG, wie eben von E.F. Seidler beschrieben abgebildet (in diesen schon unter dem Reiter bei der ersten Gewöhnung an das Reitergewicht).
Trust-your-Horse - Natürliche Haltung des Pferdes in den Richtlinien von 1882, 1912 und 1937
Von links nach rechts: 1882, 1912, 1937 (die Bilder von 1912 und 1937 wurden gespiegelt, so dass alle Pferde in die gleiche Richtung laufen). Auf dem Bild aus dem Jahre 1882 kann man in der Beschreibung das Wort „Natürliche Haltung“ lesen.

Louis Seeger, bei dem ich erstmalig den Begriff NATÜRLICHE RICHTUNG (die im Bild oben eingezeichnete Linie, welche von hinten oben, nach vorne unten verläuft) fand, beschreibt diese – ebenfalls für die weitere Ausbildung des Pferdes relevante Größe – wie folgt und bekräftigt damit die Darstellungen zur NATÜRLICHEN HALTUNG von E.F. Seidler:

„Was ferner die Wirbelsäule anbetrifft, die durch ihre Verbindung und Richtung doch eigentlich die Stellung des ganzen Pferdekörpers bestimmt, so sehen wir, dass sie vorn zwischen den Schultern niedriger gestellt ist, als hinten am Kreuz.[3]

Würde man nun die Linie der Wirbelsäulen-Dornfortsätze betrachten, dann möchte man der Aussage von Louis Seeger vielleicht nicht in Gänze folgen. Doch im weiteren Textverlauf präzisiert Seeger, was unter der NATÜRLICHEN RICHTUNG [im Folgenden auch als RÜCKENLINIE bezeichnet] exakt zu verstehen ist:

„Man muss hier nicht diejenige Linie des Rückens betrachten, die von den Wirbelfortsätzen, sondern die, welche von den Körpern der Wirbel gebildet wird; diese ist bei jedem Pferde ohne Ausnahme vorn niedriger als hinten.“ [4]

Im Zuge dieser Beschreibung weist er auch nachdrücklich darauf hin, dass dieser Ausrichtung der RÜCKENLINIE korrigiert werden muss:

„So lange als diesem Uebelstande [Vorwärts-Abwärts-Neigung – Anm. d. Red.] nicht abgeholfen wird, kann das Pferd nie im Gleichgewicht sein, besonders wenn es noch den Reiter tragen soll, dessen Gewicht durch diese Richtung der Wirbelsäule nach vorn geschoben wird, folglich nicht gleichmässig auf alle vier Beine vertheilt sein kann“.[5]

Bevor ich im weiteren Textverlauf das Thema NATÜRLICHE HALTUNG und GLEICHGEWICHT beleuchte, sei zunächst einmal festgehalten, was die NATÜRLICHE HALTUNG in seiner definierten Form auf keinen Fall ist …

Die NATÜRLICHE HALTUNG und was sie nicht ist

Keine für das REITEN bzw. für die Ausbildung der Pferde als relevant zu betrachtenden NATÜRLICHEN Kopf-Hals-Haltungen sind:

  • die Haltung eines grasenden Pferdes,
  • die Haltung eines Pferdes, das etwas auf dem Boden riecht,
  • die Haltung eines Pferdes, welches im Begriff ist, sich hinzulegen,
  • die Haltung eines Pferdes, welches in eine Angriffsbewegung geht,
  • sowie alle weitern, tiefen Haltungen die nicht der definierten NATÜRLICHEN HALTUNG entsprechen.

Ebenso sind Haltungen unter Anspannung, wie spektakulär und in der Natur vorkommend, diese auch immer sein mögen, KEINE NATÜRLICHEN HALTUNGEN im Sinne der beschriebenen Definition.

In der Reitliteratur voriger Jahrhunderte wurde stets davon gesprochen, dass die NATUR immer die Ausgangsbasis für die KUNST sein muss.

Leider wurde diese berechtigte Forderung von diversen Reiterpersönlichkeiten (ich meide hier den Begriff „Reitmeister“) ab Ende 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts fehlgedeutet und zum Anlass genommen, jede beliebige Haltung, solange diese nur vom Pferd NATÜRLICH eingenommen wird, als REITRELEVANT und als NATÜRLICHE HALTUNG einzustufen.

Deutlich tieferen Hals-Kopf-Positionen als die der DEFINIERTE NATÜRLICHEN HALTUNG (siehe oben), wurden von diesen neuzeitlicheren Reiterpersönlichkeiten gedankenlos als „Jagdhund-Schnüffelei“ und „Trüffelsucher“ etc. verniedlichend, zur Anwendung und Bekanntheit gebracht und lieferten eine der Grundlagen für das aktive Vorwärts-Abwärts-Reiten (incl. Dehnungshaltung) der heutigen Zeit.

Zu diesen tieferen Hals-Kopf-Positionen trug auch ein weiterer Begriff, den man völlig fehlinterpretiert hat, bei und zwar, der Begriff der TIEFE.

So wie dies schon E.F. Seidler mit „Aufrichtung aus der Tiefe“   formuliert hat, wird in den unterschiedlichsten Quellen, so oder so ähnlich, davon gesprochen, dass das Pferd „Anlehnung in der TIEFE finde müsse“ (sinngemäß: D.V.E. Nr. 12 von 1912) oder dass man dem Pferd „den Weg in die TIEFE zeigen müsse“ (ebenda), so es nicht bereit wäre, diese von selbst aufzusuchen.

Die alten Stallmeister – durch die Dienstvorschriften in die Neuzeit transportiert – haben uns, aber noch viel mehr den Pferden, unwissentlich mit der Verwendung des Begriffs TIEFE, ein ziemliches Ei, mit weitreichenden Folgen, ins Nest gelegt. Suggeriert uns neuzeitlichen Menschen (beginnend mit Anfang 20. Jahrhundert) dieser Begriff doch im Extrem eine Position der Pferdenase knapp über dem Boden – in der TIEFE eben.

Doch in der Zeit dieser Stallmeister, betrachtete man als TIEFE jene definierte GRUNDAUSRICHTUNG des Pferdes, quasi die „neutrale Haltung“, aus der heraus das Pferd nach OBEN-HINTEN („aus der Tiefe aufgerichtet“) gearbeitet wurde, bzw. zu der man mitunter bei Korrekturbedarf zurückfinden konnte oder musste. Dies mag ein Zitat aus der DVE 12 von 1912 (Seite 201) unterstreichen:

Findet eine Remonte nicht bald diese NATÜRLICHE HALTUNG, so muß sie einen Reiter erhalten, der es versteht, ihr gewissermaßen den Weg in die Tiefe zu zeigen.

Diese Grundausrichtung, also TIEFE ist die oben beschriebene und sehr klar definierte NATÜRLICHE HALTUNG des Pferdes!

Die NATÜRLICHE HALTUNG und das GLEICHGEWICHT

Besondere wichtig bei dieser Definition des Begriffes NATÜRLICHE HALTUNG ist DER zentrale Begriff der Reiterei (damaliger Zeit) schlechthin: das GLEICHGEWICHT.

Eine dauerhafte und nachhaltige Gesunderhaltung eines REITPFERDES ist nur im GLEICHGEWICHT möglich und alle Bestrebungen der Stallmeister dieser voranglomanen Zeiten waren auf die Erarbeitung der relevanten Gleichgewichtshaltungen ausgerichtet.

Gesunderhaltung der Pferde hatte hohe Priorität. Tierschutz ging, insbesondere in der preußischen Kavallerie, aber auch in der Folgezeit der deutschen Kavallerie bis in den 2. Weltkrieg hinein, vor Menschenschutz in der Ausbildung. Dies lag nicht nur an einer sentimentalen Einstellung zum Pferde, sondern auch daran, dass das Pferd, sein Unterhalt und seine lange Ausbildung, einen nicht unerheblicher Kostenfaktor für die Staatskasse darstellten.

Das Pferd war in der Kavallerie lange Zeit wichtiger als der Mensch. Denn das Pferd „war die Waffe“ oder „trug die Waffe an den Feind[6], und es bedurfte viel Zeit, ein Pferd auszubilden. Der Mensch dagegen war austauschbar.

Diese Wertschätzung gegenüber dem Pferd änderte sich allerdings etwas, als das Reiten „sportlicher“, anglomaner wurde. Das Pferd erbrachte die Leistung, der Reiter kassierte die Lorbeeren. Sportlich erfolgreiche Reiter wurden zu Helden in der öffentlichen Wahrnehmung. Das Pferd wurde austauschbar.

Zurück zum GLEICHGEWICHT …

Das GLEICHGEWICHT war stets das Ziel jeder DRESSUR, also jener formenden und gymnastizierenden Ausbildung des Pferdes.

In der obigen Beschreibung der definierten NATÜRLICHEN HALTUNG sprach Louis Seeger, von einem Übelstand, dem abgeholfen werden müsse und meinte damit die vorwärts-abwärts geneigte RÜCKENLINIE des NATÜRLICHEN PFERDES, denn ohne diese Korrektur „kann das Pferd nie im Gleichgewicht sein“.

Für das Pferd in seinem „Naturzustand“, also ohne Reiter, stellt dieses „fehlende“ GLEICHGEWICHT natürlich kein Problem dar, wie dies auch Gustav Steinbrecht (1808-1885), der Schüler von Louis Seeger treffend beschrieb:

Im Naturzustand mag daher das Pferd immerhin seiner natürlichen Neigung auf die Schultern folgen, denn es erleidet dadurch keinen Schaden, da es kein fremdes Gewicht zu tragen hat, seine Bewegungen nach eigenem Willen ausführt und seine Hinterbeine ungehindert nach Bedürfnis zur Unterstützung der Vorhand bereit hat.[7]

Jedoch – und nun darf man gut mitlesen – verändert der Reiter und dessen Anforderungen diese Situation für das Pferd und dessen körperliche Gesundheit grundlegend, wie Steinbrecht fortfährt:

Da es aber unter dem Reiter dessen Gewicht mit zu übernehmen hat und nach dessen Willen nicht nur bestimmte Gangarten, sondern dies auch noch in bestimmten Tempo und beliebig lange gehen soll, muß es, um dies mit Sicherheit und ohne Schaden für seine Beine tun zu können, ins GLEICHGEWICHT gerichtet werden, nach dem Grundsatz, daß einen richtig ausbalancierte Last viel leichter zu tragen und zu stützen ist, als ein außer Gleichgewicht befindliche.[8]

Eine Aussage, die wiederum auch Louis Seeger deutlich bekräftigte und gleichzeitig auf das weitere Vorgehen (AUFRICHTUNG) hinweist:

„Es ist daher von grösster Wichtigkeit, um das Pferd vollkommen ins Gleichgewicht zu richten, besonders unter dem Reiter, diesem Hindernisse des Gleichgewichts abzuhelfen. Wir haben gesehen, dass durch die Aufrichtung von Kopf und Hals die Richtung des Rückens [Rückenlinie – Anm.d.Red.] wagerechter wird, …[9]

Sowohl die Aussagen von Seeger und Steinbrecht belegen, dass in der definierten NATÜRLICHE HALTUNG (die Nase des Pferdes ist dabei in etwa auf einer Linie Höhe Hüftgelenk) sich nicht in einem (reitbaren) und für die Pferdegesundheit zuträglichem  GLEICHGEWICHT befindet.

Die Richtlinie für Reiten und Fahren der Deutschen Reiterlichen Vereinigung dagegen schreibt in ihrer Beschreibung zum „Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen“:

Das Pferd dehnt sich dabei VORWÄRTS-ABWÄRTS an das Gebiss heran. Um die Hinterhand aktiv zu halten, muss der Reiter evtl. etwas vermehrt treiben. Die Dehnung sollte mindestens so weit erfolgen, dass das Pferdemaul sich auf Höhe der Buggelenke befindet, aber höchstens so weit, wie es die Erhaltung des Gleichgewichts zulässt. Die Stirn-Nasenlinie des Pferdes bleibt vor bzw. an der Senkrechten. Die Hand des Reiters geht bei dieser Übung etwas in Richtung Pferdemaul vor, damit das anschließende Nachfassen und Verkürzen des Zügels leichter und weicher geschehen kann. [10]

Der Satz „Die Dehnung sollte mindestens so weit erfolgen, dass das Pferdemaul sich auf Höhe der Buggelenke befindet, aber höchstens so weit, wie es die Erhaltung des Gleichgewichts zulässt.“ ignoriert zum einen die Physik und zum anderen auch die Meinungen von Stallmeistern wie beispielsweise Louis Seeger oder E.F. Seidler, für welche eben das Pferd in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG, also einer höheren Einstellung, als Höhe der Buggelenke, zu Recht als NICHT IM GLEICHGEWICHT gilt.

Betrachtet man die dazugehörige Zeichnung auf der Folgeseite der Richtlinie“  erkennt man in dieser Darstellung zum „Zügel-aus-der-Hand-kauen-lassen“ jene Form, die gemeinhin als DEHNUNGSHALTUNG bezeichnet wird, welche häufig als „korrekte“ Variante des VORWÄRTS-ABWÄRTS genannt wird.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung steht damit in einem krassen Widerspruch zu den Aussagen wahrhaftiger Stallmeister wie Louis Seeger, E.F. Seidler oder Gustav Steinbrecht.

Und dies, obwohl man sich auf den Letztgenannten immer wieder sehr gerne beruft, um sich den Anstrich der KLASSIK zu geben.

Zum Abschluss dieses Beitrages über die NATÜRLICHE HALTUNG möchte ich noch einmal Gustav Steinbrecht – als kleinen Gedankenanstoß – zu Wort kommen lassen. In diesen Sätzen warnt er sehr deutlich vor den Folgen des Reitens auf der Vorhand. Eines Reitens welches in der heutigen Zeit Standard ist und durch aktives Vorwärts-Abwärts-Reiten weiter forciert wird:

Die Engländer, als Vertreter des Reitens in NATÜRLICHER RICHTUNG, müssen ihren Jagdpferden nach Beendigung der Jagden, trotz sorgfältiger und kostspieliger Stallpflege, durch Pflaster, Einreibungen und freie Bewegung in Boxen die Vorderbeine brauchbar zu erhalten suchen. Es sind dies alles vorzügliche Pferde, die besten für den praktischen Gebrauch, die England überhaupt zieht, weshalb sie auch ihren hohen Preise wegen selten durch die Händler auf das Festland kommen, sondern in England selbst verbraucht werden. Trotz alledem werden die meisten von ihnen schon nach wenigen Jagdsaisons noch im kräftigsten Alter bei Tattersall mit aufgeschlagenen Knien, Sehnenklapp oder anderen Gebrechen für wenige Guineen verkauft, um den Rest ihres Daseins in Posten, Omnibussen und Cabs zu verleben. Es hat mich oft geschmerzt, wenn ich diese schönen, starken Gestalten mit kräftiger und vollkommen unverbrauchter Hinterhand solchem Los verfallen sah, weil die geschwächten Vorderbeine dem Jagdreiter nicht mehr Sicherheit genug gewähren konnten. Verständen die Engländer, in der Zeit zwischen den Jagdsaisons diesen Pferden die Hinterhand richtig zu bearbeiten und zu belasten, so würden sie an ihnen nicht nur jahrein-jahraus die angenehmsten Promenadenpferde, sondern auch viel sicherere und ausdauernde Jagdpferde haben und sie ohne Pflaster und Salben bis ins hohe Alter hinein benutzen können. Es ist zu bedauern, daß eine Nation, bei der die Liebe zum Pferde Allgemeingut ist, und die in dessen Zucht und Erziehung unbestritten den ersten Rang einnimmt, einer Kunst so ganz untreu geworden ist, die früher auch bei ihr in so hoher Blüte stand. [11]

Und weiter schrieb Steinbrecht:

Die Gegner der Richtung des Pferdes ins Gleichgewicht [darunter darf sich gerne auch die neuzeitliche Reiterei subsummieren – Anm.d.Red.] eifern gegen eine Sache, die sie entweder gar nicht kennen, oder von der sie durch falsche Jünger der Kunst, die diese durch Unfähigkeit herabwürdigen und in dem Maße Schaden anrichten, als sie Nutzen stiften sollten, ganz unrichtige Anschauungen bekommen haben.[12]

Die NATÜRLICHE HALTUNG eine kurze Zusammenfassung

  1. Die NATÜRLICHE HALTUNG ist eine definierte Haltung ausgehend von einer REITBAREN HALTUNG des natürlichen Pferdes (Faustregel: Nase auf einer Linie Höhe Hüftgelenk bei einem normal gebautem Pferd)!
  2. Der Begriff TIEFE bezieht sich auf die NATÜRLICHEN HALTUNG des Pferdes. Alle Hinweise, wie z.B. „Anlehnung in der TIEFE suchen“ etc. haben ihre unterste Begrenzung in der NATÜRLICHEN HALTUNG!
  3. Alle Haltungen unterhalb der NATÜRLICHEN HALTUNG sind für das Reiten irrelevant und können zu Schädigungen der Gesundheit der Pferde führen.
  4. Das Hauptziel der Dressur ist das Verbringen des Pferdes in ein NEUES GLEICHGEWICHT (unter dem Reiter).
  5. Dies geschieht durch phasenweises AUFRICHTEN. Die Pferde bei den alten Stallmeistern wie z.B. E.F. Seidler oder Louis Seeger wurden zunächst durch Formung des Halses vorne aufgerichtet, bevor die Hinterhand „angefasst“ wurde.

Mit diesem Text, dass sei ergänzend angemerkt, soll auch manchem Experten der Zeitschrift CAVALLO (01/2020) die Möglichkeit gegeben werden, sich etwas ernsthafter mit der Materie auseinanderzusetzen.

[1] Ernst-Friedrich Seidler | „Leitfaden zur systematischen Bearbeitung des Campagne- und Gebrauchspferdes“ | Druck und Verlag von Ernst Siegfried Mittler | 2. Unveränderte Auflage 1843 | Taf.IV Bild 1
[2] Ernst-Friedrich Seidler | „Leitfaden zur systematischen Bearbeitung des Campagne- und Gebrauchspferdes“ | Druck und Verlag von Ernst Siegfried Mittler | 2. Auflage 1843 | Seite 47f
[3] Louis Seeger | „System der Reitkunst“ | 1844 | Verlag Friedrich August Herbig | Allgemeiner Teil – Seite 17
[4] Louis Seeger | „System der Reitkunst“ | 1844 | Verlag Friedrich August Herbig | Allgemeiner Teil – Seite 17f
[5] Louis Seeger | „System der Reitkunst“ | 1844 | Verlag Friedrich August Herbig | Allgemeiner Teil – Seite 17f
[6] Klaus Christian Richter | „Die Geschichte der deutschen Kavallerie 1919 – 1945“ | 2. Auflage 1982 | Motorbuch-Verlag Stuttgart | Seite 54
[7] Gustav Steinbrecht | „Gymnasium des Pferdes“ | 16. Auflage 1995 (1.Auflage 1884) | Verlag Dr. Rudolf Georgi | Seite 54
[8] Gustav Steinbrecht | „Gymnasium des Pferdes“ | 16. Auflage 1995 (1.Auflage 1884) | Verlag Dr. Rudolf Georgi | Seite 54
[9] Louis Seeger | „System der Reitkunst“ | 1844 | Verlag Friedrich August Herbig | Allgemeiner Teil – Seite 17f
[10] Deutsche reiterliche Vereinigung (FN) | 2007 | „Richtlinie für Reiten und Fahren“ Band 1 | Seite 97
[11] Gustav Steinbrecht | „Gymnasium des Pferdes“ | 16. Auflage 1995 (1. Auflage 1884) | Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen | Seite 46f
[12] Gustav Steinbrecht | „Gymnasium des Pferdes“ | 16. Auflage 1995 (1. Auflage 1884) | Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen | Seite 47

Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet“
Autor: Richard Vizethum
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Trust-your-Horse - The old prussian Art of Riding

Warum MÜSSEN wir Pferde aufrichten?

Ja, warum überhaupt ist es notwendig, dass wir Pferde in eine AUFRICHTUNG bringen?

Der größte Teil der Reiterwelt findet doch sein Vergnügen darin, die Pferde häufig in Dehnungshaltung oder darunter zu reiten. Dies aber ist der FALSCHE Weg. Wir müssen Pferde aufrichten. Aber gut, ich versuchs mal zu erklären …

Trust-your-Horse - Warum müssen wir Pferde aufrichten?

Betrachten wir uns doch einmal die
GEWICHTSVERTEILUNG DES PFERDES IN SEINER NATÜRLICHEN HALTUNG

Ein Pferd von 500 Kg Gewicht, ohne Reiter, in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG bzw. Aufrichtung, (Nase in etwa Höhe Hüftgelenk) bringt in dieser Haltung etwa 46 Kg mehr Gewicht auf die Vorhand als auf die Hinterhand. Als Grundlage für diese Aussage wurden Messungen von Baucher/Morris (etwa um 1840) herangezogen und auf ein 500 Kg Pferd umgerechnet.

Die Natur hat das Pferd als Fluchttier mit dieser Vorhandlastigkeit ausgestattet, um bei Bedarf – energiesparend – höhere Fluchtgeschwindigkeiten zu erreichen. Wir merken uns hier schon mal HÖHERE FLUCHTGESCHWINDIGKEITEN.

Mitunter bringt – beispielsweise auf der Flucht – das Pferd, durch weiteres Absenken des Kopfes bzw. Brustkorbs noch mehr Gewicht auf die Vorhand und erzeugt damit – durch den Balanceverlust nach vorne – zusätzliche Geschwindigkeitssteigerungen. Dies aber i.d.R. nur für eine sehr kurze Distanz, denn tieferer Kopf bedeutet WENIGER SEHEN = HÖHERES RISIKO.

Also:
Kopf tiefer = höhere Geschwindigkeit = höheres Risiko = höherer Stress und bedeutet für den Reiter im Zweifelfall Kontrollverlust, da das Pferd seine instinktiven Kräfte zur vollen Entfaltung bringen kann.

SO, UND NUN SETZEN WIR DEN REITER DRAUF

Nehmen wir einen Reiter mit einem Gewicht von 60 Kg. Ebenfalls aufgrund der Messungen von Baucher/Morris kann man davon ausgehen, dass der Reiter mit 2/3 also 40 Kg die Vorhand und mit 1/3 also 20 Kg die Hinterhand stärker belastet. Eine Dissertation an der veterinärmedizinischen Fakultät Wien kommt zu etwas anderen Ergebnissen, basiert aber auf falschen Grundannahmen, wie im Übrigen viele aktuelle Studien nicht ganz frei von Fehlannahmen sind.

Unterstellen wir nun, dass das Pferd weiterhin in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG steht, dann sind jetzt 66 Kg. mehr Gewicht auf der Vorhand. In der Bewegung würde die Beschleunigungsfähigkeit quasi steigen.

Geht das Pferd jetzt beispielsweise in der DEHNUNGSHALTUNG (Nase Höhe Buggelenk, konvexe Oberlinie und offener Genickwinkel) dann würde das Pferd OHNE Reiter 68 Kg mehr Gewicht auf die Vorhand bringen, MIT REITER sogar 88 Kg!

Ein Gewicht, welches in dieser Haltung (Dehnungshaltung) nicht durch das vorgreifende Vorderbein abgestützt wäre. Der Teil, der über das Vorderbein kommt, liegt dem Reiter komplett in der Hand. Dies bedeutet: DAS PFERD IST DEUTLICHER AUS DER BALANCE nach vorne. Privat kann es das kurzzeitig mal so machen – unterm Reiter ist das keine gute Idee, kann zu massiven Kontrollverlusten führen!

Erwähnt sein noch, dass diese Gewichtsmessungen im STEHEN erfolgt sind, kommt Bewegungsdruck dazu – der ja in der Dehnungshaltung konsequent VORWÄRTS-ABWÄRTS geht – reden wir von anderen Größenordnungen.

Zurück zur Frage warum wir unbedingt AUFRICHTEN MÜSSEN …

DAS REITERGEWICHT MUSS KOMPENSIERT WERDEN

Nun gut. Wir setzten also einen Reiter auf das Pferd.
Nachdem sich das Pferd an diesen gewöhnt hat, was heißt: der STERNENGUCKER hat den Weg in die (korrekte) TIEFE (= Nase etwa Höhe Hüftgelenk) gefunden, der Rücken, der kurzzeitig etwas nach unten gegangen war hat sich wieder in seine URSPRÜNGLICHE POSITION aufgewölbt und das Pferd ist VERTRAUENSVOLL AM GEBISS und nicht wie beim STERNENGUCKER über dem Gebiss.

Das war damals, als man die Pferde noch NICHT durch sinnvolle Bodenarbeit vorbereitet hat, nach maximal einer Woche erledigt und das primäre Ziel wurde ins Auge gefasst – dieses war (und sollte noch immer sein):

DER HINTERHAND MEHR GEWICHT ZUZUSCHIEBEN. Dies hat – neben der Verbesserung der Sicherheit – primär mit der Gesund- und Leistungsbereiterhaltung des Pferdes zu tun.

Zunächst geschieht dies einfach nur dadurch, dass man das nach vorne überhängende Reitergewicht gleichmäßig (schlicht 50:50) auf Vorder- und Hinterbeine des Pferdes verteilt. D.h. bei dem 60 Kg-Reiter der mit 40 Kg die Vor- und mit 20 Kg die Hinterhand belastet, müssten 10 Kg nach hinten verschoben werden.

Und wie macht man das?

Alternative 1:

MAN SETZT DEN REITER WEITER NACH HINTEN. Diese dumme Idee gab es vor knapp 200 Jahren schon mal, wurde zum Glück für die Pferde wieder verworfen (na ja, nicht ganz: Die Islandreiterei praktiziert dies mitunter noch).

Alternative 2:

WIR RICHTEN DAS PFERD AUF. Dies tun wir ausgehend von seiner NATÜRLICHEN HALTUNG!!!

Und dabei brauchen wir noch nicht an „Hankenbeugung“ denken, wie die Herrschaften, die glauben, man könnte ein Pferd in diesem Stadium von HINTEN NACH VORNE reitend RELATIV aufrichten.

NEIN, wir müssen das Pferd zunächst von VORNE NACH HINTEN arbeiten und OHNE HANKENBEUGUNG aufrichten. Das WIE lasse ich an dieser Stelle offen (da werde ich an anderer Stelle extra drauf eingehen – vielleicht). Wichtig ist zunächst nur das man es TUN MUSS und noch wichtiger ist, dass man das Pferd NICHT UNTER SEINE NATÜRLICHE HALTUNG lässt – also auch KEINE DEHNUNGSHALTUNG!

Mit diesem AUFRICHTEN einher geht im Training ein MUSKELUMBAU der die Oberlinie des Pferdes stärkt und es dem Pferd möglich macht – OHNE ANSTREGUNG – eine höhere Haltung (mit entsprechender Beizäumung) einzunehmen und diese sehr LANGE zu halten. Viele so gearbeitet Pferde laufen auch auf der Koppel mit mehr Aufrichtung.

Arbeitete man aber öfter in Dehnungshaltung oder darunter, verzögert sich dieser Muskelumbau deutlich, bis hin zu dessen Unmöglichkeit – reitet man Vorwärts-Abwärts aktiv. Korrekturen solchermaßen in Grund und Boden gerittener Pferde gestalten sich sehr schwierig und für Pferd und Reiter anstrengend (nimmt man diese Korrekturen ernst).

Jetzt hab ich ein bisschen über das WARUM MÜSSEN WIR AUFRICHTEN gesprochen. Nun stellt sich aber die Frage

WARUM ARBEITEN WIR IN DER REITEREI EIGENTLICH SO INTENSIV GEGEN DIESEN MUSKELAUFBAU?

Immer wieder höre ich die Argumentation:
Man muss doch mal ein in Aufrichtung gearbeitetes Pferd dehnen lassen!„, sozusagen als Gegenpart zur Aufrichtung.

JA, man muss es schon mal STRECKEN lassen – WENN, JA WENN man das Pferd FALSCH AUFGERICHTET und ZU ENG GENOMMEN hat, was heute in allen Fakultäten – mit wenigen Ausnahmen – zu sehen ist. Die Kandare spielt bei dieser fehlerhaften Arbeit eine nicht ganz unwesentliche Rolle – von wegen feines Instrument.

Aber auch zum Zwecke des Streckens wäre die DEHNUNGSHALTUNG völlig falsch. Das Pferd kommt vom Regen in die Traufe. Die Belastung der Muskulatur bleibt. Lediglich (bei falscher Aufrichtung/Beizäumung) würde sich die Luftzufuhr einer nicht mehr gequetschten Luftröhre verbessern. Da schnauben dann die Pferde auch schon mal gerne ab.

Ein korrekt aufgerichtetes Pferd dagegen geht NIE ZU ENG!

WAS ERREICHEN WIR DURCH DEHNUNGSHALTUNG UND SONSTIGEN VORWÄRTS-ABWÄRTS VARIANTEN?

Zum POSITIVEN hin:
Einfach gesprochen ABSOLUT NICHTS!

Zum NEGATIVEN hin:
Wir bringen das Pferd vermehrt auf die Vorhand. Wir erhöhen für das Pferd die Möglichkeiten seine instinktiven Kräfte noch stärker zu nutzen, statt diese zu reduzieren. Stichwort: HÖHERE FLUCHTGESCHWINDIGKEIT. Wir verzögern (im günstigsten Fall) den notwendigen Muskelumbau. Und … und … und …

SCHLUSSWORTE

So, ich beende den Text an dieser Stelle und hoffe sehr dass man diesen bis hierher gelesen hat. Großartig wäre es, wenn es mir damit gelingen würde, zum Nachdenken anzuregen.

Dies wäre insbesondere wichtig, da die heute gelehrte und auch von „renommierten“ Herrschaften und Fakultäten vertretene Biomechanik in vielen Teilen falsch ist, bzw. wichtige biomechanische Sachverhalte aus Unkenntnis und Unwissenheit nicht dargestellt werden. Was in seiner Konsequenz zu völlig falschen Trainingskonzepten und zu Lasten der Pferde geht!

Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet
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Dehnungshaltung und MEHR

Dieses Thema ist nicht so ganz einfach in ein paar Sätzen erklärt. Ich versuche es trotzdem mal wieder:

1 | Natürliche Haltung

In seiner NATÜRLICHEN HALTUNG, die für jedes Pferd individuell festgestellt werden muss – welche aber i.d.R. meist auf Nase Höhe Hüftgelenk ist – können die Muskeln, Bänder und das Skelett OPTIMAL harmonieren und auch die Last des Reiters kompensieren.

Das Erkennen der „natürlichen Haltung“ stellt eine wichtige Aufgabe für den Ausbilder eines Pferdes dar, ist aber nicht immer so ganz einfach. Viele Pferde haben ja schon eine Vorgeschichte, einen bestimmten Ausbildungsstand, in dem man sie dieser Haltung „entfremdet“ hat – sei es nach OBEN – oder noch schlimmer: nach UNTEN.

Trust-your-Horse - Dehnungshaltung und MEHR

2 | Der Weg nach Oben

Grundsätzlich sollte man im Training von der „natürlichen Haltung“ ausgehend, nach OBEN arbeiten, denn zu den Hauptaufgaben der Ausbildung eines Pferdes gehört es der Hinterhand mehr Last zuzuschieben und damit die BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT des Pferdes zu erhöhen, was letztendlich auch einen Sicherheitsfaktor darstellt. Zu jedem Zeitpunkt dieser Arbeit ist darauf zu achten, dass der Rücken sich NICHT unter die Horizontale der Rückenwirbelsäule absenkt (geringgradige Absenkungen stellen kein Problem dar).

3 | „Aufwölbung des Rückens“

Eine „Aufwölbung“ des Rückens, von der man oft zu träumen scheint, über die horizontale Linie der Rückenwirbelsäule (im Kontext der „natürlichen Haltung“) hinaus, ist so gut wie nicht möglich und das Pferd müsste dazu Beugemuskeln „missbrauchen“, was zu Verspannungen führt.

4 | Die „korrekte“ Dehnungshaltung

Die DEHNUNGSHALTUNG an sich stellt zunächst einmal kein Problem dar, so sich diese wie folgt definiert:

  • konvexe Oberhalslinie
  • Nase ÜBER Buggelenk
  • das Genick muss offen sein und die Nase vor der Senkrechten
  • das vorfußende Vorderbein MUSS unter das Nasenlot (gedachte lotrechte Linie von der Pferdenase zum Boden) treten.

ABER:

Der Punkt „vorfußendes Vorderbein unter Nasenlot„, dem heute keine Beachtung geschenkt wird, ist so gut wie nie in der Dehnungshaltung zu erreichen, was bedeutet, dass das Gewicht welches über das vorfußende Vorderbein hinausragt, vollständig in der Reiterhand liegt! Schon aus diesem Grund ist die Dehnungshaltung nicht anzuraten.

Der Reiter sollte, auch um dies (Gewichtsüberhang) festzustellen, sich grundsätzlich um eine „stillstehenden Hand“ bemühen. Folgt man aber stattdessen mit einer „mitgehenden Hand“ noch sehr übertrieben, den Bewegungen des Pferdekopfes, dann bekommt man von diesem Gewichtszuwachs in den eigenen Händen fast gar nichts mit. Das Pferd kann jetzt schauen, wie es mit dem Gewichtsüberhang selbst fertig wird. Einem Gewichtsüberhang, der durch eifriges Nachtreiben stetig erhalten und sogar gemehrt wird.

5 | Dehnungshaltung und Remonten

Die DEHNUNGSHALTUNG ist darüber hinaus für junge Pferde (Remonten) völlig ungeeignet, da, wenn man sie so ausgeführt wie oben (Punkt 4) dargestellt, die Oberlinie ziemlich unter Druck steht, eine Belastung, die noch nicht dem Ausbildungsstand entsprechend wäre. Das Pferd des Weiteren die Hilfen (vor allem die Beinhilfe) gut annehmen muss.

6 | Dehnungshaltung und der „moderne“ Pferdetyp

Bei, vor allem kurzen Pferden (u.a. der moderne Pferdetyp), die meist auch mit den Vorderbeinen etwas rückständig stehen und sich bewegen (den Torso quasi über die Vorderbeine schieben – flapsig ausgedrück) oder bei hinten überbauten Pferden, verbietet sich AUCH die DEHNUNGSHALTUNG absolut! Denn bei diesen Pferden schadet sie nachhaltig deren Gesundheit! Weil das nicht erkannt wird (oder man es nicht erkennen will) schmipft man lieber auf die Zucht, statt das (ungeeignete) Trainingskonzept zu überdenken!

7 | Dehnungshaltung und Entspannung

Aus der dargestellten Art der Ausführung lässt sich auch sehr einfach schließen, das die DEHNUNGSHALTUNG keinesfalls dem Zwecke der Entspannung dienen kann. Ich persönlich lasse die Pferde im STEHEN Pause machen (siehe Parkposition als Lösungsmittel), sich dehnen und entspannen. Das hat noch den zusätzlichen Nutzen, dass sie STEHEN lernen – selbst der Zappeligste – auch wenn die Welt um sie herum tobt!

8 | Das Pferd muss sich doch mal strecken dürfen!

Als weiterer Punkt wird oft angeführt: Das Pferd muss sich doch mal strecken (dehnen) dürfen. Diese Aussage bringt man dann auch noch in Zusammenhang mit dem LÖSEN. Doch DEHNUNGSHALTUNG und LÖSEN haben, wie schon unter dem Aspekt der Entspannung angesprochen, im Grunde nichts gemein. LÖSEN heißt lockern. Doch in der Dehnungshaltung stehen manche Muskelgruppen ziemlich unter Druck – von Lösen also kaum eine Spur.

Auch ist es völlig kontraproduktiv ständig und beinahe schon reflexartig lösen zu wollen. Käme ein Pferd während des Trainings immer wieder in eine (vom Reiter) unkontrollierte Spannungssituation, dann wäre es für den Reiter sehr dringend an der Zeit sich einmal Gedanken über seine eigene Emotionalität und die Sinnhaftigkeit seines Trainingskonzeptes zu machen.

An dieser Stelle sei auch einmal auf die Arbeitsbelastung unserer Pferde verwiesen. Die allermeisten unserer Pferde sind Couch-Potatos. Wo werden Pferde denn noch mehr als 1 Std. pro Tag intensiv gearbeitet und das 6 Tage die Woche? Ich habe Aussagen von Therapeuten und Reiter/innen gehört, die mit Inbrunst der Überzeugung gefordert haben, dass man ein Pferd nicht mehr als drei Tage hintereinander arbeiten dürfe, dann wäre ein Pausentag notwendig, damit die Muskeln sich wieder erholen könnten! Erholen von WAS bitte?

Na gut, einen Grund hätte ich: SCHLECHTES REITEN!

9 | Ein Pferd ohne Not auf die Vorhand zu bringen ist trainingstechnisch kontraproduktiv

Alles was die Pferde im Laufe der Ausbildung auf die Vorhand bringt, behindert die korrekte Ausbildung! Wenn man nun auch noch sieht, welcher Aufwand z.T. betrieben wird, um den Pferden den Weg in die (VÖLLIG FALSCH VERSTANDENE UND UNSINNIGE) TIEFE zu zeigen, dann stellt sich die Sinnfrage erst recht! Insbesondere auch unter dem Aspekt, dass man diese Pferde schwer wieder hoch bringt! Ich korrigiere sehr, sehr häufig derart verrittene Pferde, arbeite daran, sie wieder nach oben und zum „sich selber tragen“ zu bringen! Das ist ein harter Job! Und vor allem wäre er nicht nötig, würde man korrekt (wie es die „Alten“ machten) ausbilden!

10 | Die Beliebigkeit der Kopf-/Halsposition bei korrekter Arbeit

Wenn man davon spricht, dass jedes Pferd in jeder Kopf-/Halsposition reitbar sein muss, so ist dies RICHTIG! Jede Gangart und jedes Tempo fordern eine etwas andere Kopf-/Halsposition. Arbeitet man die Pferde – ausgehend von der „natürlichen Haltung“ – nach OBEN, so ist das Erreichen dieses Ziels zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Die Pferde müssen die verschiedenen Positionen nicht lernen! Also effizientes Arbeiten!
Arbeitet man – insbesondere zu Beginn der Ausbildung verstärkt nach UNTEN, so ist dies NICHT im gleichen Maße und der gleichen Feinheit mehr möglich!

Ein KORREKT nach OBEN trainiertes Pferd wird jede beliebige Hals-/Kopfposition nach Aufforderung einnehmen können, ein nach UNTEN trainiertes Pferd dagegen NICHT (ohne Kraftaufwand durch den Reiter)!

11 | Zusammenfassung

Das war jetzt schnell mal runter geschrieben. Da fehlen noch viele Punkte. Nur so viel: Die Dehnungshaltung (Punkt 4) stellt sicher für die Gesundheit des Pferdes kein größeres Problem dar, macht aber trainingstechnisch keinen Sinn!

Jede tiefere Einstellung als diese ist noch sinnloser und gefährdet dazu aber durchaus auch noch die Gesundheit des Pferdes. Solche Positionierungen sind daher abzulehnen. Man kann schon mal, zum Ende des Trainings „alle Fünfe gerade sein lassend“ und die Zügel hingeben. Das schadet dem Pferd nicht, vorausgesetzt es darf dabei SEIN (SCHRITT)TEMPO gehen – kein Nachtreiben durch den Reiter!

Oben habe ich von BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT gesprochen. Ein Pferd, welches mit hoher Aufrichtung auf der Hinterhand arbeitet ist gut in der Balance und besitzt eine hohe Bewegungsflexibilität. Solche Pferde können sich auch in einem Raum von 12,5 m x 12,5 m TUMMELN. Vorwärts-Abwärts trainierte Pferde können das NICHT!

BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT ist ein SICHERHEITSFAKTOR!

Autor: Richard Vizethum
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Bild: Fotolia

Ein kleiner „technischer“ Vergleich

In diesem Vergleich geht es um die „Lenkbarkeit“ eines Pferdes.

Die Möglichkeit, ein Pferd in jeder Situation sicher steuern zu können, ist ein wesentlicher Faktor, der zur Sicherheit des Reitens beiträgt, ich denke, da wird mir jeder zustimmen.

Interessanterweise scheint man darauf keinen wirklich großen Wert zu legen.

Aber zunächst zurück zum Vergleich

Trust-your-Horse - Ein kleiner technischer Vergleich

Auf dem Bild sind verschiedene Kopf-Halspositionen grob skizziert. Die rote Linie stellt in etwa die Höhe des Hüftgelenks beim Pferd dar.

Von links nach rechts sind folgende Haltungen dargestellt:

  • „Jagdhundschnüffler“
  • Dehnungshaltung
  • Natürliche Haltung
  • Gebrauchshaltung
  • Klassische (max.) Aufrichtung

Nun kann jeder einmal darüber nachdenken, bei welcher Hals-/Kopfposition wohl die maximalste Lenkwirkung erreicht wird?!

Und wenn ich von LENKEN spreche, dann meine ich nicht das „gerade-mal-so-um-die-Ecke-kommen-ohne-das-die-Kruppe-nach-Außen-weicht“ (quasi das Dressur-/Springpferdemodell), sondern eine blitzschnelle Drehung nur ausgelöst durch eine Körperbewegung des Reiters – ohne Aktivitäten der Zügel und der Beine! Also das Reiten auf engstem Raum (weil das Thema gerade ja so eifrig diskutiert wird).

Ich will es mal abkürzen…

Je senkrechter der Hals steht, desto besser kann das Pferd auf engstem Raum blitzschnell bewegt werden – was ja einen riesigen Sicherheitsfaktor darstellen würde. Die KLASSISCHE AUFRICHTUNG wäre also das Modell mit maximaler SERVO-UNTERSTÜTZUNG – und jetzt sind wir beim Vergleich (zur Lenkung eines Autos).

Je tiefer Hals und Kopf eingestellt werden, desto geringer ist diese Servo-Unterstützung. Unterhalb der „natürlichen Haltung“ ist diese „Unterstützung“ so gut wie nicht mehr existent – insbesondere bei der „Jagdhundschnüffelei“. Hier muss man die Lenkachse selber drehen – will heißen: der Reiter muss mit Hand und Bein nachhelfen. Auch ist der Wendekreis – freundlich ausgedrückt – eher suboptimal.

Warum also sollten wir die Pferde unter ihre „natürliche Haltung“ zwingen, Lenkfähigkeit und damit Sicherheit aufgeben?

Anzumerken sei noch:
Jedes Tempo / jede Gangart hat ihre optimale Kopf-Halshaltung und in der sollte das Pferd auch gehen dürfen.

DOCH ALLES UNTER DER NATÜRLICHEN HALTUNG GEHÖRT NICHT DAZU!

Autor: Richard Vizethum
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1 URSACHE, 3 Aufgaben – eine Menge Fehlinterpretationen!

  1. Den Weg in die TIEFE finden
  2. Den Rücken (wieder) aufwölben
  3. Sich an die Hand/Gebiss herandehnen

Allen Dreien gemein ist der gleiche Ausgangspunkt: Ein Pferd (ein Remonte) – mitunter auch ein Korrekturpferd – welches unter der ersten Belastung des Reitergewicht (oder anderen Gründen) den KOPF unnatürlich HOCH TRÄGT, die Hinterhand ausstellt, was den optischen Eindruck eines WEGGEDRÜCKTEN RÜCKENS entstehen lässt und sich GEGEN DAS GEBISS WEHRT.

DER „STERNENGUCKER“

Trust-your-Horse - Der Sternengucker

DER KORREKTE WEG IN DER VERGANGENHEIT

  1. Die erste Aufgabe des Reiters war es nun, dem „SternenguckerDEN WEG IN DIE TIEFE FINDEN ZU LASSEN oder ZU ZEIGEN! Die TIEFE (wieder sei es erwähnt) ist die NATÜRLICHE HALTUNG des Pferdes (Faustregel: Nase des Pferdes auf einer Linie Höhe Hüftgelenk)!
  2. Dabei war natürlich darauf zu achten, dass der abgesenkte RÜCKEN DES PFERDES sich wieder bis zur ursprünglichen der, der NATÜRLICHEN HALTUNG ENTSPRECHENDEN, vorwärts-abwärts-geneigten Rückenwirbellinie (Wirbelkörper nicht Dornfortsätze betrachten) AUFWÖLBT – sprich das Pferd u.a. das Ausstellen der Hinterbeine wieder korrigiert. Geringgradig kann die Rückenlinie sogar etwas darunter bleibt, so dass die Muskulatur, in seine natürlich Spannung kommend, sowie die Bänder und das Skelett nun gleichermaßen ihren Beitrag zum Tragen (des Reitergewichts) leisten können.
  3. Die Gewöhnung an die Trense wurde i.d.R. bei der Kavallerie mehr oder weniger parallel durchgeführt und mit wenig Zeitaufwand betrieben. In der „Sternengucker-Position“ nimmt das Pferd die Trense nicht an und geht über die Trense. Im Zuge der vorgenannten Aktivitäten musste deshalb auch darauf geachtet werden, dass das Pferd sich AN DAS GEBISS HERANDEHNT. Also von seiner „Verweigerungs-„ zu einer „Kooperationsposition“ kommt.

Das war es, was erreicht werden sollte und was sich hinter den obigen Sätzen verbirgt! Wenn das Thema durch war, so nach ein paar Tagen, das Pferd also in seine NATÜRLICHE HALTUNG zurückgefunden hatte, dann kamen diese Aktivitäten höchsten noch zum Zwecke der KORREKTUR zum Einsatz.

WAS WURDE NEUZEITLICH DARAUS GEMACHT?

  1. Ein AKTIVES Vorwärts-Abwärts-Reiten, ausgehend von der für die Deutsche Reiterliche Vereinigung fast schon zu hohe Einstellung der Nase Höhe Buggelenk (sogenannte korrekte Dehnungshaltung) bis hin zur Nase unmittelbar über den Boden – als „Jagdhundschnüffelei“ verniedlichend umschrieben oder jener völlig sinnfreien Showeffekten bei den Westernreitern. Alles Varianten der Hals-Kopf-Position des Pferdes, welche KEINEN signifikanten Trainingsnutzen haben! Im günstigsten Fall beinträchtigen sie nur die Ausbildung und Entwicklung der Pferde in die richtige Richtung. Im ungünstigsten Fall aber schaden sie den Pferden auch gesundheitlich!
  2. Eine starke Betonung darauf, dass der Rücken sich aufwölben müsse. Dabei hat man Bilder von „nach oben gewölbter Rückenlinien“ im Kopf. Ein „Aufwölben des Rückens“, über die normale horizontale Linie der Rückenwirbelsäule hinaus, welches nur geringgradig möglich ist (Rückenmittelteil) ist nicht nur nicht notwendig, sondern hat auch stark nachteilige Effekte: a) Es müssen Beugemuskeln (die dafür nicht vorgesehen sind!) für diese Aktivität missbraucht werden, es entstehen VERSPANNUNGEN b) die langen Rückenmuskeln können nicht mehr beim Tragen unterstützen. Der Reiter sitzt quasi auf den Knochen!
  3. Das Herandehnen an die Hand/Gebiss wurde zur fixen Idee. Auf Gedeih und Verderben soll das Pferd an das Gebiss herantreten, um sich davon später wieder abzustoßen. In der Verbindung mit Vorwärts-Abwärts (auch Dehnungshaltung) ein sogar ausgemachter Unsinn! Es ging in der Vergangenheit nur darum, dass das Pferd das Gebiss willig akzeptierte (ausgehend vom Bild des „Sternenguckers“) – nicht mehr und nicht weniger!

Nun kann man sage: „Was soll es?!“ Aber so einfach ist das nicht. Aufgrund solcher Interpretationsfehler bekommen Pferde Probleme. Gelingt das neuzeitlich (FALSCHE) Vorgehen nämlich nicht, weil es auch trainingstechnisch unlogisch ist, dann ist eine Vielzahl der Reiter schnell bereit, zusätzliche Ausrüstungsgegenstände (wie z.B. Sperrriemen, Ausbinder, Schlaufzügel …) aber auch fragwürdige Methoden (wie z.B. Rollkur …) zu nutzen, um zu diesen NICHT NOTWENDIGEN Ergebnissen falscher neuzeitlicher Zielsetzungen zu gelangen!

Nutzt man es dagegen so, wie es die „Alten“ angedacht haben, dann erspart man sich und vor allem dem Pferd viel Ungemach.

Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet“
Autor: Richard Vizethum
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Trust-your-Horse - The old prussian Art of Riding

Der TAKT – ein paar Worte dazu

Neben einem schwingenden und möglichst aufgewölbten Rücken wird in der heutigen Zeit immer wieder die Wichtigkeit des TAKTES hervorgehoben und nachdrücklich betont.

Trust-your-Horse - Der Takt

Was aber ist dieser Takt und wie wichtig ist er wirklich?

Von vielen wird, insbesondere im deutschsprachigen Raum, darunter die Unterscheidung der Gangarten verstanden (Schritt ist ein 4-Takt, Trab ein 2-Takt und der Galopp ein 3-Takt …). Der Engländer sagt zu dieser Gangartenunterscheidung „Rhythm“ und differiert damit sinnvollerweise zu dem Takt in seinem eigentlichen Sinne.

Dieser Takt in seinem eigentlichen Sinne muss nochmal unterschieden werden in ein räumliches und ein zeitliches Gleichmaß der Tritte.

Räumliches Gleichmaß

Das räumliche Gleichmaß definiert sich durch die gleiche Trittlänge der Beine des Pferdes! Ein schiefes Pferd („natürliche Schiefe“) kann deshalb niemals im räumlichen Gleichmaß gehen. Auch in Kurven, auf Volten oder Zirkel etc. kann sich ein Pferd nicht im räumlichen Gleichmaß bewegen.

Zeitliches Gleichmaß

Hierbei handelt es sich um die Reinheit und das zeitliche Gleichmaß der Bewegungen. Man könnte auch hörbaren Takt dazu sagen. Bei einem „klar“ gehenden Pferd kommen die Hufschläge der einzelnen Beine immer im selben (hörbaren) Abstand auch wenn das räumliche Gleichmaß nicht gegeben ist. Lahmheiten oder Verspannungen sorgen für HÖRBARE Taktunreinheiten. Das zeitliche Gleichmaß ist also gewissermaßen EIN Indikator für die, auf die Bewegung bezogene körperliche Verfassung des Pferdes.

WELCHER TAKT IST NUN VON BEDEUTUNG?

Geht man in der Geschichte etwas zurück, ist der Takt in seiner massiven Präsenz erst ein relativ neuzeitliches Problem.

Ursprünglich war das GLEICHGEWICHT, welches in der heutigen Richtlinie ein Schattendasein führt, ein vorrangiges Ausbildungsziel. Im Verlauf der Ausbildung wurde dabei die Gleichgewichtssituation des Pferdes dergestalt verändert, dass man von Anfang an am Geraderichten des Pferdes arbeitete und schon unmittelbar nach der Gewöhnung an das Reitergewicht, damit begann das Pferd auf die Hinterhand zu setzen. Das Pferd zu „biegen“ beinhaltete damals u.a. auch das „Falten der Hanken“!

Damit wird natürlich auch der messbare Takt, das Gleichmaß der Schritte, verbessert. In diesem Zusammenhang aber spielte das Wort „Takt“ keine Rolle!

TAKT bekam aber seine Wichtigkeit in einem anderen Kontext, nämlich, wie oben schon beschrieben, als Indikator für die körperliche Verfassung des Pferdes im Zusammenhang mit der Bewegung.

Insbesondere bei der Ausbildung der Remonten – im Stadium der Gewöhnung an das Reitergewicht – war dies eine wichtige Größe, da das Pferd zu Beginn dieser Phase häufig die Rückenmuskeln anspannte und so der Rücken weggedrückt, sowie Hals und Kopf angehoben wurden. Ein solcher Art verspanntes Pferd konnte nur noch eingeschränkt korrekt im Sinne des HÖRBAREN TAKTES gehen.

Vorrangige Ziel war es an dieser Stelle die verspannten Rückenmuskeln zu LÖSEN, so dass das Pferd sich auch unter dem Reiter wieder in seiner NATÜRLICHEN POSITION (nicht wie „ein Jagdhund am Boden schnüffelnd“) frei vorwärts bewegte. Erkennbar am hörbar gleichen Abstand der Hufschläge.

Die Verbindung zwischen LOSGELASSENHEIT und HÖRBAREM Takt ist also korrekt, ABER Losgelassenheit ist Voraussetzung für einen klaren hörbaren Takt und nicht umgekehrt!

Leider hat man bereits in der HDv.12 – aus welcher Verwirrung heraus auch immer – neben dem zeitlichen Gleichmaß auch vom RÄUMLICHEN Gleichmaß gesprochen und diesen Sachstand, zu allem Überfluss, auch noch gedankenlos (wie so vieles) in die aktuelle Skala der Ausbildung übernommen.

Dies ist nicht korrekt und dem Ausbildungsstand nicht angemessen!

Autor: Richard Vizethum
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