Gefühl und reiterlicher Sitz

Immer wieder bekommt man zu hören oder zu lesen, dass der Reiter den “richtigen“ SITZ mit der Zeit ERFÜHLEN wird. Solche oder ähnliche Aussagen sind richtig und falsch gleichermaßen.

Trust-your-Horse - Gefühl und reiterlicher Sitz

Um dies zu verstehen, muss man beim reiterlichen SITZ zunächst einmal differenzieren in

  1. jene Anforderung an den Sitz, der uns das OBENBLEIBEN auf dem Pferd in allen Gangarten ermöglicht und
  2. jene KOMMUNIKATIVE ANFORDERUNG an den Sitz, mit dem wir bewegungsverändernd auf den Pferdekörper einwirken können.

Für Ersteres, also das OBENBLEIBEN in allen Gangarten ist das HINEINFÜHLEN in die Bewegung des Pferdes elementar und absolut RICHTIG! Dies ist aber nur die – nennen wir sie mal Basisanforderung – an den reiterlichen Sitz – eben das OBENBLEIBEN, möglichst ohne das Pferd in seinen Bewegungen zu stören.

Für den zweiten Punkt, der KOMMUNIKATIVEN ANFORDERUNG an den Reitersitz, allerdings kommt man mit dem FÜHLEN nicht weit, um nicht zu sagen es ist nahezu unmöglich.

Dies liegt zum einen daran, dass man erst einmal wirklich wissen muss, was man eigentlich fühlen soll und zum anderen an dem nicht so ganz unwesentlichen Faktor, dass der menschliche Körper ein noch größerer Lügner als der menschliche Geist ist.
Unser Körper ist ein Weltmeister darin, uns den richtigen Sitz vorzugaukeln. So mögen wir glauben uns korrekt nach links gedreht zu haben – obwohl wir tatsächlich noch eine DEUTLICHE Rechtsdrehung aufweisen. Auch sind die meisten Reiter der Meinung sie würden gerade sitzen, obwohl sie sich gerade stark mit dem Oberkörper nach hinten neigen.

Das muss man doch spüren!“ wird hier vielleicht der eine oder andere naiv anmerken.

Nein, das spürt man eben nicht! Nur wenn man immer wieder und wieder korrigiert wird, wird das was!

Oft glaubt man selbst den Aussagen von gewissenhaften Beobachtern nicht, dass man falsch sitzt und es bedarf schon des Fotobeweises um die Lüge des eigenen Körpers zu entlarven.

100% (da lehne ich mich gar nicht einmal so weit aus dem Fenster) der Reiter kommunizieren (vor der konsequenten Korrektur) über ihren Sitz fehlerhaft. Nicht das FÜHLEN, sondern nur das DRILLMÄSSIGE (böses Wort) ÜBEN, jenes immer wieder Bewusstmachens der Sitzfehler, kann hier nachhaltig für Abhilfe sorgen.

Möchte man allerdings weiter auf sein FÜHLEN hoffen, dann korrigiert man immer das Pferd zu Unrecht, stört es in seinen Bewegungen und verlängert unnötig die Ausbildungszeit.

Ich gehe aus meiner Erfahrung davon aus, dass man 40% Ausbildungszeit des Pferdes einsparen könnte, wenn der Reiter bereit wäre, seinen KOMMUNIKATIVEN SITZ unter Anleitung (ohne geht nicht) zu verbessern!

Ein Sachverhalt, der sicher im Sinne des Pferdes wäre – aber natürlich viel ARBEIT FÜR DEN REITER bedeutet! Unteren Strich aber würde man erheblich Zeit sparen und man käme mit JEDEM, und nicht nur mit seinem eigenen Pferd (welches sich irgendwann auf die Reiterfehler eingestellt hat) zurecht.

Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet“
Autor: Richard Vizethum
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Trust-your-Horse - The old prussian Art of Riding

Das Pferd hat immer Recht!

Wie oft hört man Sätze wie „Mein Pferd verarscht mich doch schon wieder!“ oder „Der Gaul will mal wieder nicht!“. Solchen und ähnlichen Aussagen ist eines gemeinsam:

Sie geben dem Pferd die Schuld an einer Situation

Old-Rose - Das Pferd hat immer Recht

Da Pferde aber nicht, wie wir, über die Zukunft nachdenken, sind sie auch nicht zu arglistigen Gedanken fähig. Pferde handeln im Hier und Jetzt und sie reagieren IMMER angemessen auf die gegebene Situation. Dabei spielt natürlich auch der Selbstschutz eine große Rolle.

Das was wir Denken bestimmt unser Handeln!

Wenn man davon ausgeht, dass das Pferd schuld an einer Situation ist, dann wird man auch entsprechend korrigieren, denn das Denken („DAS PFERD ist schuld!“) bestimmt unser Handeln („Ich muss DAS PFERD korrigieren!“). Die Folge: Man korrigiert falsch und die Situation verschlechtert sich.

Verschlimmert wird dieses Denken auch dadurch, dass man den, von vielen Trainern immer wieder gerne verwendeten Begriff von „Dominanz“ im Hinterkopf hat und „Dominanzprobleme“ unterstellt. Bei Pferden geht es so gut wie nie um Dominanz, sondern immer nur um Vertrauen.

Eine falsche Korrektur aber stört dieses Vertrauen

Deshalb hört auf, solche Sätze wie oben auch nur zu denken. Fragt euch stets: „Was habe ICH falsch gemacht!“. Dann werdet ihr auch richtig und angemessen korrigieren und das Vertrauen eures Pferdes behalten.

Ecken machen Zirkel rund

Auf Zirkeln und Volten neigen Pferde dazu – abhängig von der Händigkeit – die innere Schulter mehr oder weniger stark „fallen“ zu lassen. Dies führt zu Überlastungssituationen und Balanceverlust. Diesen Balanceverlust versucht das Pferd unter Umständen durch Abkürzen oder Erhöhung der Geschwindigkeit auszugleichen.

Ein gut gerittener Zirkel dagegen ist einer, der rund ist. Ein Zirkel, bei dem das Pferd die Schultern oben behält und den Eindruck erweckt, als würde es auf Schienen laufen – die Spur der Zirkellinie mit dem Körper nachzeichnend.

Wie kann man dies erreichen?

MACHE DAS RUNDE ECKIG

Man teilt die Zirkellinie in 6 oder 8 Ecken ein. Diese Ecken kann man am Anfang als Orientierungshilfe mit Pylonen markieren.

Trust-your-Horse - Ecken machen Zirkel rund

Man reitet immer von einem Pylon zum nächsten. Am Pylon macht man eine Richtungsänderung, um daran anschließend das Pferd wieder auf die kurze Gerade bis zum nächsten Pylon zu entlassen.

Das Entscheidende bei dieser Übung sind nicht die Ecken, sondern die Geraden dazwischen!

Nach jeder Ecke richtet das Pferd die innere Schulter für die Gerade wieder auf. Je öfter man auf diese Weise ein Pferd auf dem „Zirkel“ arbeitet, desto grundsätzlicher wird das Pferd in Kurven die innere Schulter oben behalten.

DIE KOMMUNIKATION UND KORREKTUR

Jeweils am Pylon dreht man sich in die neue Richtung (Körperposition) und gibt ggf. einen unterstützenden Impuls mit dem äußeren Bein.

Sollte es dann noch notwendig sein, so fängt man ein Herauslaufen des Pferdes mit dem inneren Zügel durch einen Impuls nach vorwärts aufwärts und leicht nach innen auf und bringt das Pferd in die neue Richtung. Auf der Geraden richtet man sich gerade und gibt die Zügel etwas nach.

Ein unausbalanciertes Pferd wird am Anfang die gerade Linie nicht halten können. Läuft es über die äußere Schulter, dann bringt man es mit dem inneren Zügel und dem äußeren Bein wieder auf eine gerade Linie. Fällt es dagegen über die innere Schulter, dann verlagert man beide Zügelhände – etwas angehoben – nach außen und setzt die Vorhand wieder vor die Hinterhand.

Diese Übung kann in allen drei Grundgangarten (Schritt, Trab und Galopp) geritten werden.

NUTZE ECKEN UND MACH DEN ZIRKEL RUND!