Millimeterarbeit

Das ideale Pferd, welches schon als Reitpferd geboren wurde, gibt es nicht, auch wenn man gerne davon spricht, dass die Zucht heute RITTIGE Pferde „produzieren“ würde.

Nur RITTIGE Pferde sind Pferde, die ein langes Pferdeleben lang, gesund, motiviert und leistungsbereit bleiben und die alle an sie durch uns gestellten Anforderungen, ohne Schaden an Körper und Geist zu nehmen, bewältigen können.

Trust-your-Horse - Millimeterarbeit

Kein Pferd wird als Reitpferd geboren. Nur Wenige werden begünstigt geboren. Die allermeisten Pferde jedoch haben mehr oder weniger Gründe die die Nutzung als Reitpferd zunächst einmal einschränken:

Sie liegen mit einem großen Teils ihres Gewichtes auf der Vorhand und sind schief. Viele Pferde sind vorne oder hinten überbaut, haben rückständige oder vorständige Vorderbeine. Gelenkswinkel sind nicht optimal, um für eine ausreichende Federung unter dem Reiter zu sorgen. Die Schultern sind zu kurz oder zu lang, Querarme liegen fast waagerecht und schränken die vordere Stoßdämpfung ein und so weiter …

Solche Einschränkungen können je nach Grad der Nutzung zu mehr oder weniger gesundheitlichen Problemen beim Pferd führen.

Schaden werden die Pferde – verändert man sie nicht körperlich – durch das Reiten auf jeden Fall nehmen, auch wenn uns dieser nicht immer bewusst wird, weil er sich oft langsam und schleichend einstellt und wir die Ursachen gerne anderen Gründen zuschieben wollen.

RITTIGE Pferde werden nicht geboren, sondern sie werden dazu AusGEBILDET!

Jedoch hat die Natur dem Körper eines jeden Lebewesens eine gewissen Umformungs-Flexibilität mitgegeben. So ist es möglich, das Pferd so umzuformen, dass es ihm ohne Probleme ermöglicht wird, einen Reiter und dessen Anforderungen ohne Schaden an Körper und Geist, zu ertragen.

Jedes Pferd MUSS vom NATÜRLICHEN PFERD zum REITPFERD umgeformt werden!

Dies geht nicht (nur) durch Vorwärts-Reiten und dem Prinzip der Anglomanen: Das Gelände wird es schon richten. Dies geht auch nicht durch das Pauken von Lektionen oder dadurch, dass man Pferde im Galopp durch Seitengänge fallen lässt …

Diese Formungs-Arbeit ist MILIMETERARBEIT und keine Spielerei. Sie kostet Zeit und Geduld und sie fordert viel Wissen!

Solche Arbeit geht nicht in ein paar Monaten oder Trainingseinheiten. Das Pferde muss aufgerichtet werden, die Halswirbelsäule in eine etwas andere Form gebracht werden, mit ihr die Rückenlinie (Wirbelkörper) in Richtung Waagerechte angehoben werden. Es müssen Gelenkswinkel in Vor- und Hinterhand verändert werden etc. etc. etc. …

Dies ist ein konzentrierter Entwicklungsprozess, bei dem ein sinnvoller Schritt auf den nächsten sinnvollen Schritt aufbaut und er folgt einem exponentiellem Verlauf. D.h. man sieht lange kaum Fortschritte, bis es schließlich zu einer Entwicklungsexplosion kommt.

Dies muss man bei der AusBILDUNG eines Pferdes berücksichtigen und diese AusBILDUNG muss getan werden – für die dauerhafte Gesundheit des Pferdes.

Wer dies nicht sehen will, oder glaubt dies durch diverse Spielereien zu erreichen, sollte sich entweder einmal etwas eingehender damit beschäftigen, oder sich besser ein Fahrrad kaufen!

Denn für das Pferd haben wir eine Verantwortung!

Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet“
Autor: Richard Vizethum
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Reiten auf schmalem Hufschlag

Eine schlichte, aber sehr schwer zu reitende Übung, welche die vollste Aufmerksamkeit und feine Abstimmung von Reiter und Pferd erfordert:

das REITEN AUF SCHMALEN HUFSCHLAG

Trust-your-Horse - Reiten auf schmalem Hufschlag

Ich bin nicht im Zweifel, daß Anglomanen wie geniale Reiter über dies Kapitel [Über das Reiten auf einem schmalen Hufschlage] mit Achselzucken hinweggehen werden, und doch sind grade diese Gattungen von Reiter diejenigen, welche von einem so wirkungsvollen Handwerkskniff einen äußerst vorteilhaften Gebrauch machen könnten, um wenigstens den Pferden, denen jede Schulbildung abgeht, Aufmerksamkeit auf jeden einzelnen Zügel und Schenkel zu lehren. Auch sind ungebildete Reiter, die sich stets zerstreuen, gezwungen, hierbei unausgesetzt die Aufmerksamkeit auf das Pferd zu richten, da es ohne diese angespannte, für Reiter und Pferd schweißtreibende Aufmerksamkeit nicht ausführbar ist.
(Otto Digeon von Monteton)

AUSFÜHRUNG
Je nach Möglichkeiten zieht man mit einem einfachen Gartenrechen (Breite ca. 30-35 cm.) einen Kreis mit einem Durchmesser von 20-30 Meter [1]. Anfangs kann diese Spur noch die dreifachen Breite des Gartenrechens haben, nach ca. einem ½ Jahr aber sollte eine Gartenrechenbreite ausreichen.

Die Übung wird in der ersten Zeit nur im Schritt und Trab, später auch im Galopp geritten (Voraussetzung, dass Pferd ist in der Lage sich im Trab auf die Hinterhand zu setzen). Dabei sollte man im Minimum 20 Min. auf einer Hand reiten. Es wird ausschließlich auf Trense geritten, zunächst beidhändig, später einhändig.

Keine Pylone oder Stangen als Begrenzung nutzen, diese lenken die Konzentration ab.

ZIEL
DIE HUFABDRÜCKE DES PFERDES DÜRFEN NICHT AUSSERHALB DER GEZOGENEN KREISLINIE SEIN.

NUTZEN
Diese Übung verbessert die Koordination und den Feinheitsgrad der Hilfengebung beim Reiter und macht das Pferd sensibler auf die Hilfen des Reiters.

Hört sich einfach an – ist es aber überhaupt nicht!
Probiert es aus. Viel Spaß dabei

[1] Otto von Monteton („Über die Reitkunst“ – 11. Kapitel) sprach von 40-50 Schritt. Ein Schritt entsprach zur damaligen Zeit in etwa 75 cm. Die angegebenen Schritt entsprechen also einen Kreisdurchmesser von ca. 30 m – 37,5 m.

Ideenquelle: Otto Digeon von Monteton – „Über die Reitkunst“ – 1877 – 11. Kapitel.

Reiterliche Tipps
Autor: Richard Vizethum
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