Gefühl und reiterlicher Sitz

Immer wieder bekommt man zu hören oder zu lesen, dass der Reiter den “richtigen“ SITZ mit der Zeit ERFÜHLEN wird. Solche oder ähnliche Aussagen sind richtig und falsch gleichermaßen.

Trust-your-Horse - Gefühl und reiterlicher Sitz

Um dies zu verstehen, muss man beim reiterlichen SITZ zunächst einmal differenzieren in

  1. jene Anforderung an den Sitz, der uns das OBENBLEIBEN auf dem Pferd in allen Gangarten ermöglicht und
  2. jene KOMMUNIKATIVE ANFORDERUNG an den Sitz, mit dem wir bewegungsverändernd auf den Pferdekörper einwirken können.

Für Ersteres, also das OBENBLEIBEN in allen Gangarten ist das HINEINFÜHLEN in die Bewegung des Pferdes elementar und absolut RICHTIG! Dies ist aber nur die – nennen wir sie mal Basisanforderung – an den reiterlichen Sitz – eben das OBENBLEIBEN, möglichst ohne das Pferd in seinen Bewegungen zu stören.

Für den zweiten Punkt, der KOMMUNIKATIVEN ANFORDERUNG an den Reitersitz, allerdings kommt man mit dem FÜHLEN nicht weit, um nicht zu sagen es ist nahezu unmöglich.

Dies liegt zum einen daran, dass man erst einmal wirklich wissen muss, was man eigentlich fühlen soll und zum anderen an dem nicht so ganz unwesentlichen Faktor, dass der menschliche Körper ein noch größerer Lügner als der menschliche Geist ist.
Unser Körper ist ein Weltmeister darin, uns den richtigen Sitz vorzugaukeln. So mögen wir glauben uns korrekt nach links gedreht zu haben – obwohl wir tatsächlich noch eine DEUTLICHE Rechtsdrehung aufweisen. Auch sind die meisten Reiter der Meinung sie würden gerade sitzen, obwohl sie sich gerade stark mit dem Oberkörper nach hinten neigen.

Das muss man doch spüren!“ wird hier vielleicht der eine oder andere naiv anmerken.

Nein, das spürt man eben nicht! Nur wenn man immer wieder und wieder korrigiert wird, wird das was!

Oft glaubt man selbst den Aussagen von gewissenhaften Beobachtern nicht, dass man falsch sitzt und es bedarf schon des Fotobeweises um die Lüge des eigenen Körpers zu entlarven.

100% (da lehne ich mich gar nicht einmal so weit aus dem Fenster) der Reiter kommunizieren (vor der konsequenten Korrektur) über ihren Sitz fehlerhaft. Nicht das FÜHLEN, sondern nur das DRILLMÄSSIGE (böses Wort) ÜBEN, jenes immer wieder Bewusstmachens der Sitzfehler, kann hier nachhaltig für Abhilfe sorgen.

Möchte man allerdings weiter auf sein FÜHLEN hoffen, dann korrigiert man immer das Pferd zu Unrecht, stört es in seinen Bewegungen und verlängert unnötig die Ausbildungszeit.

Ich gehe aus meiner Erfahrung davon aus, dass man 40% Ausbildungszeit des Pferdes einsparen könnte, wenn der Reiter bereit wäre, seinen KOMMUNIKATIVEN SITZ unter Anleitung (ohne geht nicht) zu verbessern!

Ein Sachverhalt, der sicher im Sinne des Pferdes wäre – aber natürlich viel ARBEIT FÜR DEN REITER bedeutet! Unteren Strich aber würde man erheblich Zeit sparen und man käme mit JEDEM, und nicht nur mit seinem eigenen Pferd (welches sich irgendwann auf die Reiterfehler eingestellt hat) zurecht.

Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet“
Autor: Richard Vizethum
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Der Schulgalopp – ein paar Worte dazu

Der GALOPP ist ein Galopp, eine NATÜRLICHE GANGART, ein SCHULGALOPP dagegen ist im eigentlichen Sinne KEIN Galopp und unterliegt somit nicht den Gesetzmäßigkeiten des Galopps!

T.Y.H. Der Schulgalopp - ein paar Worte dazu

De la Guérinière nannte diese SCHULGALOPP „Galopade“ und ordnete diese den KÜNSTLICHEN GANGARTEN zu.

Die Galopade oder der Bahngalopp ist ein vereinigter wohl zusammengenommener Galop, in welchem die Bewegung der Vorhand abgekürzt und die der Hinterhand geschwind ist; das heißt: ein Galop, in welchem die Hinterhand nicht geschleppt wird, und der durch die Gleichförmigkeit der Sprünge des Pferdes jene schöne abgemessene Bewegung hervorbringt, die den Zuschauer eben so sehr einnimmt, als sie dem Reiter Vergnügen gewährt.“[1]

Im Gegensatz zu einem korrekten NATÜRLICHEN GALOPP, welcher in einem Dreischlag ausgeführt wird, ist der SCHULGALOPP eine VIERSCHLAG-GANGART!
Dies ist aufgrund der starken Beugung der Hinterhand, als eine Charakteristika des SCHULGALOPPS, und der damit verbunden hohen Lastaufnahme auf diese, auch nicht anders möglich.

Diese Belastung der Hinterhand und deren „geschwinden“ Bewegung führen dazu, dass das äußere Vorderbein minimal zeitversetzt nach dem inneren Hinterbein fußen muss. Der „Diagonalsprung“ ist also „gebrochen“ und der „Galopp“ wird zur Vierschlagbewegung. Beim NATÜRLICHEN GALOPP wären diese beiden Beine assoziiert, würde also gleichzeitig fußen.

Waldemar Seunig schrieb dazu:
Das äußere Vorderbein fußt, den Sinnen kaum wahrnehmbar – so wie in der Pirouette -, erst einen Augenblick nach dem inneren Hinterbein“.[2]

Weiter führt Seunig aus: „In der Praxis werden wir bei deutlich hör- und sichtbarem VIERSCHLAG immer auch gleichzeitig die Wahrnehmung machen, daß der Galopp sein Hauptmerkmal – das fleißige Unterspringen – einbüßt. Seine Bewegungen verlieren ihre Flüssigkeit und Rundung, er wird schleppend und matt, steif und hackig.“[3] Damit wirft Seunig indirekt eine kleine akademische Fragestellung bezüglich des Versammlungsgrades und der Qualität der Ausführung des SCHULGALOPPS auf.

Je höher der Versammlungsgrad, desto größer der Verlust des Hauptmerkmals des Galopps et vice versa.

Eines aber ist immer gegeben:
Der korrekte SCHULGALOPP ist ein VIERSCHLAGGALOPP und wird deshalb auch zu Recht zu den KÜNSTLICHEN GANGARTEN gezählt.

Nuno Oliveira bekräftigt diese Aussage und positioniert sich klar gegen die Vorstellung, dass der SCHULGALOPP ein DREISCHLAG wäre:
Behaupten auch manche, der Galopp müsse immer ein Dreischlag sein, so kann man doch Galopp auf der Stelle und Pirouetten nur im Vierschlag ausführen.“[4].

Er bezieht dies nicht nur auf den Galopp auf der Stelle und die Pirouetten, sondern explizit auch auf den versammelten Galopp (Schulgalopp):

„Geht man zu einem Galopp mit sehr hankenverlagertem Gleichgewicht über, wird dieser versammelte Galopp [Schulgalopp] zu einem Vierschlaggalopp. Die Zweizeitigkeit des äußeren diagonalen Fußpaares erfolgt durch Aufsetzen des inneren Hinterbeines vor dem äußeren Vorderbein.“[5]

Nun kann man nach der Sinnhaftigkeit des SCHULGALOPPS fragen, doch auch diese Fragestellung hat in gewisser Weise nur akademischen Charakter, welche mit dem flapsigen Satz „Man kann ihn machen – muss es aber nicht!“ einfach beantwortet werden kann.

Der SCHULGALOPP erfordert vom Pferd ein hohes Maß an Balance, Koordination und vor allem auch Kraft. Er ist deshalb ein sehr großer Prüfstein für die RITTIGKEIT eines Pferdes.

Eines tut der korrekte, auf einem RITTIGEN PFERD ausgeführte, SCHULGALOPP keinesfalls: Er sorgt nicht, wie mancher – eher neuzeitlich angehauchter Reiter meinen mag – zu einer Qualitätsverschlechterung des NATÜRLICHEN GALOPPS! Eher ist, wie auch bei den anderen SCHULGANGARTEN, das Gegenteil der Fall. Allerdings ist die Qualität der Ausführung dafür ausschlaggebend.

Bild:

Die linke Seite des Bildes zeigt eine „Galopade“ welche dem Buch von Francois Robichon de la Guérinière über die „Reitkunst“ entnommen wurde, die rechte Seite des Bildes zeigt eine „Galopade“ durchgeführt von meiner großartigen Schülerin Sonja Leitenstern (Zentrum für klassische Reiterei) auf ihrem wunderbaren 10-jährigen Württemberger-Hengst „Dantano„.

Quellen:

  • [1] Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“ | dt. Übersetzung von J. Daniel Knöll 1817 |Verlag Olms | Seite 140
  • [2] Waldemar Seunig | „Von der Koppel bis zur Kapriole“ | 4. Nachdruck der Ausgabe von 1943 | Verlag Olms | Seite 330
  • [3] Waldemar Seunig | „Von der Koppel bis zur Kapriole“ | 4. Nachdruck der Ausgabe von 1943 | Verlag Olms | Seite 330
  • [4] Nuno Oliveira | „Gedanken über die Reitkunst“ | 1999 | Verlag Olms Presse | Seite 191
  • [5] Nuno Oliveira | „Gedanken über die Reitkunst“ | 1999 | Verlag Olms Presse | Seite 191

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Millimeterarbeit

Das ideale Pferd, welches schon als Reitpferd geboren wurde, gibt es nicht, auch wenn man gerne davon spricht, dass die Zucht heute RITTIGE Pferde „produzieren“ würde.

Nur RITTIGE Pferde sind Pferde, die ein langes Pferdeleben lang, gesund, motiviert und leistungsbereit bleiben und die alle an sie durch uns gestellten Anforderungen, ohne Schaden an Körper und Geist zu nehmen, bewältigen können.

Trust-your-Horse - Millimeterarbeit

Kein Pferd wird als Reitpferd geboren. Nur Wenige werden begünstigt geboren. Die allermeisten Pferde jedoch haben mehr oder weniger Gründe die die Nutzung als Reitpferd zunächst einmal einschränken:

Sie liegen mit einem großen Teils ihres Gewichtes auf der Vorhand und sind schief. Viele Pferde sind vorne oder hinten überbaut, haben rückständige oder vorständige Vorderbeine. Gelenkswinkel sind nicht optimal, um für eine ausreichende Federung unter dem Reiter zu sorgen. Die Schultern sind zu kurz oder zu lang, Querarme liegen fast waagerecht und schränken die vordere Stoßdämpfung ein und so weiter …

Solche Einschränkungen können je nach Grad der Nutzung zu mehr oder weniger gesundheitlichen Problemen beim Pferd führen.

Schaden werden die Pferde – verändert man sie nicht körperlich – durch das Reiten auf jeden Fall nehmen, auch wenn uns dieser nicht immer bewusst wird, weil er sich oft langsam und schleichend einstellt und wir die Ursachen gerne anderen Gründen zuschieben wollen.

RITTIGE Pferde werden nicht geboren, sondern sie werden dazu AusGEBILDET!

Jedoch hat die Natur dem Körper eines jeden Lebewesens eine gewissen Umformungs-Flexibilität mitgegeben. So ist es möglich, das Pferd so umzuformen, dass es ihm ohne Probleme ermöglicht wird, einen Reiter und dessen Anforderungen ohne Schaden an Körper und Geist, zu ertragen.

Jedes Pferd MUSS vom NATÜRLICHEN PFERD zum REITPFERD umgeformt werden!

Dies geht nicht (nur) durch Vorwärts-Reiten und dem Prinzip der Anglomanen: Das Gelände wird es schon richten. Dies geht auch nicht durch das Pauken von Lektionen oder dadurch, dass man Pferde im Galopp durch Seitengänge fallen lässt …

Diese Formungs-Arbeit ist MILIMETERARBEIT und keine Spielerei. Sie kostet Zeit und Geduld und sie fordert viel Wissen!

Solche Arbeit geht nicht in ein paar Monaten oder Trainingseinheiten. Das Pferde muss aufgerichtet werden, die Halswirbelsäule in eine etwas andere Form gebracht werden, mit ihr die Rückenlinie (Wirbelkörper) in Richtung Waagerechte angehoben werden. Es müssen Gelenkswinkel in Vor- und Hinterhand verändert werden etc. etc. etc. …

Dies ist ein konzentrierter Entwicklungsprozess, bei dem ein sinnvoller Schritt auf den nächsten sinnvollen Schritt aufbaut und er folgt einem exponentiellem Verlauf. D.h. man sieht lange kaum Fortschritte, bis es schließlich zu einer Entwicklungsexplosion kommt.

Dies muss man bei der AusBILDUNG eines Pferdes berücksichtigen und diese AusBILDUNG muss getan werden – für die dauerhafte Gesundheit des Pferdes.

Wer dies nicht sehen will, oder glaubt dies durch diverse Spielereien zu erreichen, sollte sich entweder einmal etwas eingehender damit beschäftigen, oder sich besser ein Fahrrad kaufen!

Denn für das Pferd haben wir eine Verantwortung!

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Reitkunst – noch ein paar Gedanken dazu

Von allen Künsten ist die Reitkunst wohl die Anspruchsvollste.
Sie gehört, will man sie einordnen, sowohl zu den bildenden Künsten (durch die Umformung eines natürlichen Pferdes zu einem Reitpferd – also die räumlichen Verhältnisse der Kunst) aber auch zu den mimischen Künsten (durch den Ausdruck des Tanzes, als räumlich, zeitliche Verhältnisse).

Trust-your-Horse - Reitkunst, noch ein paar Gedanken dazu

In der REITKUNST ist das Kunstwerk – jenes vergängliche Werk – das zum Reitpferd umgeformte, rittige und ich möchte noch hinzufügen, an Körper und Geist dauerhaft gesunde Pferd.

Wahre Kunst offenbart sich nicht im Ausdruck grenzenloser Kreativität, sondern einer Kreativität die innerhalb von Grenzen zur maximal möglichen Entfaltung gelangt. Grenzen stellen für die Kreativität des Künstlers eine weit größere Herausforderung dar, als sich kreativ im Grenzenlosen zu artikulieren.

Die REITKUNST ist die einzige Kunst unter allen Künsten, welche seine Kreativität immer nur in einem begrenzten, durch die körperlichen und geistigen Möglichkeiten des Pferdes limitierten, Raum ausdrücken kann. Auch dies macht sie zur Herausforderndsten aller Künste und stellt hohe Anforderungen an Wissen und Können des Künstlers.

Während eine Partitur, ein Gemälde oder eine Skulptur letztendlich durch die Kreativität eines Künstlers aus toter Materie entstehen, lebt das Ausgangsmaterial der REITKUNST und ist bei weitem nicht so fügsam wie die Grundelemente eines Komponisten, Malers oder Bildhauers. Auch kann jeder der genannten Künstler sein Werk ohne moralische Bedenken, bei Nichtgefallen nach Belieben zerstören.

Nun gut, in der Reiterei wird dieses Werk der Pferdezerstörung tagtäglich, auf allen Ebenen reiterlicher Aktivität von Dilettanten durchgeführt, ohne dass diese es überhaupt geschafft hätten, über die Stufe groben Bearbeitens des Ausgangsmaterials – oft bemerkenswerter, nahezu perfekter Produkte aus der Zucht – hinausgekommen zu sein.

Gleichwohl betrachten diese, an Wissen und Fähigkeiten eingeschränkten Personen ihr Tun als Kunst und versteigen sich sogar soweit, dieses, ihr Tun, mit KLASSISCH zu etikettieren, obwohl die Epoche aus der sie ihr „klassisches“ Wissen ziehen, weit von dem entfernt ist, was die wahren KLASSIKER des Reitens ausmacht und dazu noch in vielen Teilen auf einer Entwicklung beruht, welche der Reitkunst diametral entgegensteht: der anglomanen Reiterei.

Einer Reiterei, die dem Gelände und dem Sport mehr Wert beigemessen hat, als der seriösen Ausbildung eines Pferdes. Einem Sachverhalt, zu dem sich auch schon de la Guérinière kritisch äußerte:

Die Schwierigkeit, diese Eigenschaften [reiterliche Voraussetzungen, welche de la Guérinière aufzählte [1]] zu erlangen, und die be-trächtliche Zeit, welche erfordert wird, um in dieser Kunst zu ei-ner Vollkommenheit zu gelangen, ist die Ursache, warum viele, die eine Kennermiene annehmen, vorgeben, daß die Reitbahn zu nichts tauge, daß sie die Pferde verderbe und zu Grunde richte, daß sie zu nichts diene, als sie springen und tanzen zu lehren, welche sie folglich zum gewöhnlichen Gebrauch unnütz mache. Dieses irrige Vorurtheil verursacht, daß eine Menge von Leuten eine so edle und nützliche Kunst vernachlässigen, die doch nur den einzigen Endzweck hat, die Pferde gelenksam, folgsam und gehorsam zu machen, sie auf die Hanken zu setzen, ohne welches ein Pferd, es seye Soldaten- Jagd- oder Schulpferd in seinen Bewegungen weder angenehm, noch für den Reiter bequem seyn kann. Das Urtheil derer, die eine solche Sprache führen, ist also ohne Grund, und es würde unnöthig seyn, Meinungen zu bestreiten, die sich hinlänglich selbst widerlegen [2]“.

Vor dem Können kommt das Wissen!“, sagt man. Denn ohne Wissen ist Können nicht erklärt und damit auch jede daraus resultierende „Kunst“ beliebig.

Die Meinung derjenigen, welche die Theorie in der Reitkunst für unnütz achten, wird mich nicht abhalten, zu behaupten, daß dies eins der nothwendigsten Stücke ist, zur Vollkommenheit zu gelangen. Ohne diese Theorie ist die Ausübung immer ungewiß [3]“.

Ein ausschließlicher „Könner“ erarbeitet Dinge intuitiv, ist aber i.d.R. nicht in der Lage zu beschreiben, was er tut und warum die Dinge so geschehen, wie sie geschehen. Dies wiederum verschließt ihm die Türen zur Entwicklung und zu den hohen Weihen der Reitkunst. Sein „Wissen“ ist auf seine Person individualisiert.

Vielleicht aber erhebt ein Kritiker, welchem in der Kunst die Funktion „eines Teilschöpfers des Kunstwerks zukommt [4]“ , durch seine Interpretation des Tuns jenes „Könners“ dessen „Werk“ zur Kunst. Im Falle der REITKUNST aber wäre dies fatal!

Mit den Worten von Du Paty de Clam möchte ich diesen Text zur Reitkunst abschließen und dem geneigten Leser zum Nachdenken ans Herz legen:

Die Reitkunst, die ihre Richtigkeit von so vielen andern Wissenschaften herleiten muß, bleibt bei dem Wachsthum der anderen Künste noch in ihrer ersten Schwäche; und so viele geschickte Männer auch das Jahrhundert des Ludwig des XIV. und das gegenwärtige [1777] hervorgebracht hat, so sind wir dennoch sehr weit von der Vollkommenheit zurück [5]“.

Inzwischen hat sich die Reiterei noch mehr von deren Vollkommenheit entfernt und die Suche nach dieser Wahrheit ist der Bequemlichkeit und der Anwendung nutzlosen Spielereien gewichen – zum Leidwesen der Pferde, welche man zu Sportgeräten und Tanzbären degradiert hat und auch vor Quälereien dieser wunderbaren Lebewesen nicht zurückschreckt. Alles nur um menschliche Eitelkeiten zu befriedigen.

Es ist allerhöchste Zeit um(ZU)(DENKEN) und der Kunst (die zur Gesunderhaltung des Pferdes beiträgt) wieder den Stellenwert zu geben, den sie verdient.

[1] Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“ | dt. Übersetzung von J. Daniel Knöll 1817 |Verlag Olms | Seite 107f
[2] Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“ | dt. Übersetzung von J. Daniel Knöll 1817 |Verlag Olms | Seite 108
[3] Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“ | dt. Übersetzung von J. Daniel Knöll 1817 |Verlag Olms | Seite 107
[4] Wolfram Eilenberger | „Zeit der Zauberer – Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919-1929“ | Verlag Klett-Cotta | 2018 | Seite 50 |nach Dr. Walter Benjamin „Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik“
[5] Du Paty de Clam | „Theorie und Praktik der höhern Reitkunst “ | Original 1777; dt. Übersetzung von Premier-Leutnant Blatte 1826 | Nachdruck Verlag Olms | Vorwort Seite 6

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Die stille Post reiterlichen Wissens

Es war einmal ein großer Lehrer, der hatte einen Schüler, dem er sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

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Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Und alle glaubten, sie lehrten nach den Prinzipien des großen Lehrers der Vergangenheit.

Denkt mal darüber nach!

P.S. mit dem geschriebenen Wort ist es noch schlimmer!

#trustyourhorse #denkspruenge

Eigene Notizen
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Reit- und Stallmeister

In den nächsten Wochen und Monaten versuche ich hier eine Liste bekannter Reit- und Stallmeister (mitunter finden sich hier aber auch Reiter, die nicht zwingend in diese Kategorien einzuorden sind, aber gewisser Bekanntheit frönen) chronologisch darzustellen. Dabei werde ich auch Lehrer-Schüler-Beziehungen aufzuzeigen, insbesondere unter dem Hintergrund der Weitergabe von Lehrmeinungen.

Plinzner, Paul (1855-1920) Leibstallmeister Kaiser Wilhelms des II, Schüler von Gustav Steinbrecht.

Steinbrecht, Gustav (1808-1885) Schüler von Louis Seeger.

Seeger, Louis (1794-1865) Schüler von Max Ritter von Weyrother.

Seidler, Ernst Friedrich (1798-1865) Schüler von Max Ritter von Weyrother.

Oeynhausen, Borries von (1812-1875) Schüler von Max Ritter von Weyrother.

Ritter von Weyrother, Max (1783-1833) stammte aus einer Dynastie von Oberbereitern. Sein Vater wr an der Hofreitschule zu Wien ebenso tätig, wie sein Bruder Gottlieb, dem er nach dessen Tod als Oberbereiter nachfolgte. Schon sein Großvater Adam Weyrother (ein Zeitgenosse de la Guérinière´s) war Oberbereiter an der Hofreitschule zu Wien.

De la Guérinière, François Robichon (1688-1751)

Diverse Quellen
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Die Geschichte der goldenen Kugel

Es war einmal vor sehr langer Zeit, da gab es in einem Land eine Kugel aus purem Gold. Jeder der sie erblickte war voll der Bewunderung und des Lobes ob dieser vollendeten Handwerkskunst. Sie galt als strahlendes Zeichen für Klarheit und reinem Wissen. Das gemeine Volk sagte dieser Kugel Wunderkräfte nach.

Trust-your-Horse - Die Geschichte der goldenen Kugel

Die Jahre vergingen, bis eine dunkle Zeit anbrach, in deren Wirren und Wandlungen die goldene Kugel verloren ging. Diejenigen, die über die Kugel gewacht hatten starben und die Kugel verschwand. Niemand suchte nach ihr.
Jedoch erinnerte sich manch einer dunkel an die Wunderkräfte dieser Kugel und man fragte nach ihr, um an ihrer Wunderkraft wieder teilhaben zu können. Nach einer Weile wurden die Nachfragen immer lauter und lauter. Die neuen Fürsten, die nichts von der Glorifizierung der goldenen Kugel hielten und die gar nichts so unglücklich darüber waren, dass die goldene Kugel verschwand, mussten etwas tun, um sich nicht den Unmut des Volkes zuzuziehen.

So ließen sie eine neue goldene Kugel herstellen. Da sie aber in diese weder viel Zeit, noch viel Geld investieren wollten, begnügte sie sich damit, eine Kugel mit einem Kern aus Holz und einer Ummantelung aus Gold herstellen zu lassen. Das gemeine Volk merkte den Schwindel nicht und glaubte die alte Kugel mit den Wunderkräften sei wiedergefunden worden.

Die Zeit verging. Die Fürsten gingen nicht sehr pfleglich mit der neuen Kugel um, es war ihnen zu viel Arbeit. Durch Unachtsamkeit fiel die Kugel immer wieder zu Boden und die Goldbeschichtung bekam Riefen und Schrammen. Damit sie aber dennoch in schönem Glanze erstrahlte, gab man den Handwerkern die Anweisung sie immer wieder abzuschleifen.

Dadurch wurde aber die Goldschicht immer dünner und dünner. Irgendwann schimmerte plötzlich das Holz durch. Um dies vor dem gemeinen Volk zu verbergen, entschlossen sich die Fürsten die Beschichtung erneuern zu lassen. Da für sie die Bedeutung der Kugel im Laufe der Zeit immer weiter gesunken war, gaben sie, unter dem Siegel der Verschwiegenheit, die Anweisung anstelle des Goldes Messing zu verwenden.

Man polierte die Kugel so geschickt, dass sie wie Gold glänzte und man konnte die Menschen, die immer noch die wahre goldene Kugel mit den Wunderkräften vermuteten, täuschen. Sie ließen sich auch nur allzu gern täuschen, war doch ihre Erinnerung an die wahre Kugel verblasst und nur noch der Glaube daran vorhanden.

Die neuzeitlichen Bewahrer der Kugel, die nichts mehr von der vergangenen goldenen Kugel und ihrer wahrhaftigen Wunderkraft wussten, machten sich so lange vor, dass ihre Kugel diese ursprüngliche Kraft in sich trüge, bis sie selbst daran glaubten. Und sie verbreiteten ihren Glauben, der zur unumstößlichen Lehre erhoben wurde. Das Volk, bequem geworden, schloss sich dieser Lehre nur allzu gerne an.

Die wahre Kugel mit den Wunderkräften aber, sie liegt noch irgendwo da draußen und wartet auf ihre Wiederentdeckung.

Was das nun mit der Reiterei und der Reitkunst zu tun hat? Nun, das darf sich der geneigte Leser selbst beantworten.

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Ich habe es gelesen

Immer wieder findet man auf Facebook Posts in denen jemand Reitliteratur anbietet, manchmal mit Bemerkungen wie „Ich hab es gelesen …“.

Handelt es sich dabei auch noch um das Wissen „alter Meister“ welches man hier leichtfertig zu verschleudern gedenkt, dann kann man nur attestieren, dass die Person, die dieses tut, nicht wirklich Interesse am Verstehen der Reitkunst hat und das sie mit der ihr vorliegenden Literatur allenfalls ihren Zitaten-„Schatz“ vergrößern wollte.

Trust-your-Horse - Ich habe es gelesen

Dies kann man gerne mit dem größten Teil neuzeitlicher Reitliteratur so tun! Für die der Weg in den Altpapiercontainer mitunter die Reiterei und vor allem die Pferde, vor manchem Schaden bewahren würde.

Nicht so aber kann und darf man mit manchem Wissensschatz voriger Jahrhunderte verfahren. Die Reit- und Stallmeister der damaligen Zeiten konnten etwas, doch sie wirklich-wirklich zu verstehen ist äußerst schwierig.
Einmal lesen reicht dabei nun wirklich nicht aus.
So respektlos und vermessen sollte man keinesfalls sein.

Dieser Wissensfundus erschließt sich nicht durch das einmalige Lesen eines Buches, mag man selbst sich auch für noch so intelligent halten.

Ein wesentlicher und nicht zu umgehender Punkt für das WIRKLICHE Verstehen alter Reitliteratur ist die tägliche und umfangreiche PRAKTISCHE ARBEIT mit den Pferden – mit VIELEN Pferden unterschiedlicher Rassen und unterschiedlicher Konstitution und Disposition.

Diese Arbeit lässt manches Buch großer Reit- und Stallmeister mehrfach wieder zur Hand nehmen und studieren. Mehr und mehr erhält man dadurch die Chance das geschriebene Wort, an der Praxis gelebt, besser zu verstehen und besser zu werden in der Arbeit mit den Pferden.

Doch auch dies ist noch nicht ausreichend für das tiefe Verständnis. Man muss den jeweiligen Autor und sein Werk strikt im Kontext seiner Zeit beurteilen. Neuzeitliche Denkmuster und Begriffsinterpretationen sind hier eher hinderlich und führen – was man an den aktuellen Reitlehren und –methoden durchaus erkennen kann – zu problematischen Fehlinterpretationen und Logikbrüchen.

Auch ist es zum wahren Verständnis unabdingbar, sich mit dem zeitlichen DAVOR und DANACH des jeweiligen Autors zu beschäftigen. Woraus schöpfte er sein Wissen, wie wurde er von der mittel und unmittelbaren Nachwelt beurteilt und welche Zweckänderungen erlebte die Reiterei im Zeitablauf als Ganzes?

Genau dieser Zweck macht es auch erforderlich, sich mit Wissen zu beschäftigen welches über das eigentliche Reiten mitunter weit hinausgeht, aber großen Einfluss darauf hat. Einfluss natürlich auch auf die Erfahrungen und das dargestellte Wissen des jeweiligen Autors.

Mit jedem Mosaiksteinchen wird man ihn, den gelesenen alten Meister, mehr und mehr verstehen lernen, doch dazu muss man sein Werk mitunter wieder und wieder – in Teilen oder als Ganzes – intensiv studieren, von Mal zu Mal aber geschieht dies mit wachsender Erfahrung und Wissen im eigenen Rucksack.

EINMAL, ZWEIMAL … LESEN REICHT NICHT!

Um nur mit Zitaten protzen zu wollen ist manches Buch zu teuer.  Google würde da auch schon reichen.

Doch wer wirklich das Reiten und die Reitkunst tiefer verstehen möchte, wird keines der Bücher wahrer alter Meister hergeben wollen. Für einen solchen „DENKENDEN REITER“ werden diese Bücher, vielleicht noch mit eigenen Randnotizen ergänzt, ein ewiges Nachschlagewerk und Schmuck für seine kleine private Bibliothek sein.

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Die Kandare – ein paar Worte dazu

Ist die Kandare wirklich DAS Instrument, welches die Hilfengebung verfeinert, wie man allendhalben zu hören oder lesen bekommt?

Otto Digeon von Monteton, mein Seelenverwandter, hat über die Kandare ganz pragmatisch gesagt, sie sei „DIE EINZIG MÖGLICHE KRIEGSZÄUMUNG“ .

Und genau das ist sie auch: eine Kriegszäumung!

Trust-your-Horse - Die Kandare - ein paar Worte dazu

Ansonsten war Otto, wie ich auch, der Meinung, dass „die gewöhnliche Wasser- oder Doppel-Trense das einzig brauchbare Ausbildungswerkzeug ist“ und die KANDARENREIFE dann erreicht ist, wenn alle Lektionen der Hohen Schule einhändig auf Trense geritten werden können.

Die Befürworter der Kandare dagegen scheinen der Meinung zu sein, dass man mit der Trense diesen hohen Grad von Feinheit, den sie erwarten, nicht erreichen könne, da die Trense beispielsweise beim Aspekt der BEIZÄUMUNG weniger wirksam sei.

Eine solche Aussage ist FALSCH und drückt in gewissem Sinne sogar Unkenntnis bezüglich der wahren, sehr vielfältigen Möglichkeiten der Trense aus!

Ein auf Trense beigezäumtes Pferd muss sich darauf eingelassen haben die Nase entsprechend der AUFRICHTUNG immer näher an die Senkrechte heranzunehmen. Dies bedarf Geduld und es ist stallmeisterliche Kunst einen Pferdehals mit Hilfe der Trense zu formen.

Bei der Kandare ist diese Willensäußerung des Pferdes nicht notwendig, die Beizäumung geht schneller, aber die Qualität der Halsausformung erreicht nicht das, mit Trense erreichbare Niveau. Im Gegenteil, durch die Genickwirkung der Kandare produziert man einen zweiten „falschen Knick“. Dieser kann das Pferd in manchen Situationen auf die Vorhand bringen.

Während man mit der Kandare tricksen und Ausbildungsfehler leicht überspielen kann, offenbart die Trense solche Fehler und Mängel schonungslos! Mit welchem Instrument also ist mehr Wissen und Erfahrung notwendig, mit der Trense oder mit der Kandare?

Oft hört man, insbesondere dann, wenn die Kandare als feines Mittel präsentiert werden soll folgenden Satz:

Die Trense bäumt, die Kandare zäumt!

Dabei wird einem gar nicht so bewusst, dass dieser Spruch – und hier wage ich eine gar nicht so abwegige Hypothese – wohl in einer Zeit seine Entwicklung nahm, in der Teile der Reiterschaft alles andere als fein und pferdefreundlich ritten.

Getreu nach dem Motto „Alles was lebt ist faul!“ (Rittmeister von W.) versuchte man die Aufrichtung und Beizäumung der Hohen Schule zu imitieren, dabei aber maßgebliche Entwicklungsschritte auslassend, eine gewaltige und für die Pferde sehr unfreundliche Abkürzung zu nehmen.

Nicht, wie bei der wahren HOHEN SCHULE, wo man erst zum Ende der Ausbildung die maximale Aufrichtung und Beizäumung zu erzielen trachtete, begannen diese „Reitersleut“ schon zu Beginn der Ausbildung die Pferde – auf Trense – hoch aufzurichten (DIE TRENSE BÄUMT) und dabei das Pferd stark auf die unvorbereiteten Hanken zu setzen.
Es war ihnen auch egal, dass der Kopf des Pferdes dabei in eine nahezu waagerechte Stellung gebracht und der Rücken weggedrückt wurde.

Diese, zunächst im Stehen erarbeitete Aufrichtung sollte auch in der Bewegung erhalten bleiben.

Erst nach einer Weile begann man, nun mit Kandare (DIE KANDARE ZÄUMT), den Pferdekopf heranzuarbeiten. Die Pferde ließen sich das natürlich nicht gefallen und versuchten, wenn sie die Möglichkeit hatten, vom Zügel loszukommen.

So geschah es auch bei jenem Quedlinburger Husarenregiment, welches den Auftrag bekam in der Zeit von 1842 – 1843 die Methode Bauchers auszuprobieren. Dieser Versuch ging voll in die Hose. Beim großen Kavalleriemanöver vor Berlin 1843 hoben sich die so ausgebildeten Pferde, „keinem Zügel mehr gehorchend“ (frei nach Schiller), reihenweise aus der Zäumung. Natürlich sehr ungünstig für ein Kavalleriepferd. Anzumerken sei allerdings noch, dass Baucher zu dieser Zeit die Pferde ausschließlich auf Kandare ausbilden ließ.

Die „unbedingte Beizäumung“ Bauchers, wurde daraufhin ein für alle Mal bei den Preußen verboten. Die Ablehnung hatte also, nicht wie einige Autoren dies darstellten, nationalistische, sondern rein pragmatische und sicherheitstechnische Gründe.

Das Ganze war natürlich alles andere als gesund für die Pferde, vielleicht auch ein Grund über den Satz: „Die Trense bäumt, die Kandare zäumt!“ nochmal nachzudenken.

Zum vorläufigen Abschluss noch ein Zitat von Otto Digeon von Monteton:

Ein gerittenes Pferd geht auf jeden alten Bindfaden statt des Mundstücks …
(geritten bedeutet hier rittig/voll ausgebildet)

aus Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachet
Autor: Richard Vizethum
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Die stillstehende Hand

Die STILLSTEHENDE HAND ist das wichtigste Element eines korrekten Reitersitzes.

Die STILLSTEHENDE HAND muss WEICH und SCHNELL sein. Sie sollte RUND sein, sich aber auch bei Bedarf kurzzeitig zur Faust schließen können. Ihre Muskeln dürfen nie angespannt sein, denn mit jedem Grad Anspannung verlieren die Muskeln mehr und mehr Gefühl. Jenes Gefühl, welches notwendig ist, damit die STILLSTEHENDE HAND auch SCHNELL und WEICH sein kann.

Trust-your-Horse - Die stillstehende Hand

Ohne STILLSTEHENDE HAND ist keine korrekte ANLEHNUNG möglich. Ohne Anlehnung kein GLEICHGEWICHT und damit auch keine VERSAMMLUNG (auch wenn es Reiter gibt, die der Meinung sind, dass das Gleichgewicht aus der Versammlung entsteht 🙂 ).

Ohne STILLSTEHENDE HAND wird das Pferd nie den Ruhepol finden, an dem es sich ausrichten und orientieren kann. Es wird immer in einem latenten Stress gehalten. Das Pferd lernt sicherlich mit diesem Stress umzugehen, aber gesund, im Sinne der psychischen Gesundheit, ist das nicht.

WAS ABER SEHEN WIR HEUTE IN DER REITERWELT?

Da gibt es eine falsch verstandene Nachgiebigkeit, ein durch Reiterhand erzeugter loser Zügel. Dieses gutgemeinte „Hingeben der Zügel“ ist FALSCH und absolut KONTRAPRODUKTIV. Die wahrhaftige und nachhaltige Nachgiebigkeit MUSS IMMER vom Pferd kommen!

Noch schlimmer ist die MITGEHENDE HAND, heute hochgelobt und auf allen Ebenen der Reiterei und in nahezu allen Reitweisen praktiziert.

Mit dieser „mitgehenden Hand“ soll „die weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul“ sichergestellt werden, wie es die Richtlinie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Bezug auf die Anlehnung fordert. Doch eine „mitgehende Hand“ lässt genau diese Anlehnung nicht zu. Hast Du schon einmal versucht Dich an einem Auto anzulehnen, das unmittelbar danach losfährt? Kann gut gehen …

Wer ein im Maul unruhiges Pferd hat, darf die Ursache durchaus in einer „mitgehenden Reiterhand“ suchen, welche das Pferd in ständigen Balancestress versetzt und die, nebenbei bemerkt, von KEINEM Reiter präzise geritten werden kann!

Und da haben wir dann auch noch das sinnlose „Klavieren“ baucheristischen Reitens. Hier wird keine Nachgiebigkeit auf Dauer, sondern nur ein temporär begrenzter und immer wieder aufzufrischender, fauler Kompromiss erzeugt.

NUR die STILLSTEHENDE HAND ist es, die dem Pferd Orientierung gibt, an der sich das Pferd ausrichten kann.
Die STILLSTEHENDE HAND ist der Anker, um den sich alles dreht, sie ist die Konstante in all der Bewegung. Sie muss unmittelbar vor dem Reiterkörper getragen werden um jedes unbewusste Vor- und Zurückgehen der Hände einzuschränken.

Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet
Autor: Richard Vizethum
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