Oft macht das angeblich Gesunde krank und das vermeindlich Belastende gesund

Etwas zum Nachdenken …
Notizen vom 01.09.2020

 

In der heutigen Zeit macht es den Eindruck, als wenn immer mehr Pferde Krankheiten aufweisen, welche man als Zivilisationskrankheiten bezeichnen kann. Allergien und Stoffwechselerkrankungen etc. sind auf dem Vormarsch. Ich gehe davon aus, das die Ursachen dafür im Wesentlichen in der Art und Weise begründet liegen, wie wir unsere Pferde nutzen und halten.

Trust-your-Horse - Vermeindlich Gesundes macht krank und vermeindlich Belastendes gesund

Mussten Pferde noch vor 100 Jahren deutlich höhere Leistungen vollbringen und dies bei viel geringeren Futtermengen natürlicheren Futters (Heu, Gras …) und ohne Zusatzpülverchen oder Mineralfuttergaben, so ist die Situation heute so, dass die Leistungsanforderungen massiv zurückgeschraubt wurden, aber gleichzeitig die Futtermengen gestiegen sind.
Für jedes Problemchen hat die Futtermittelindustrie ein Pülverchen parat. Wie bei Bodybuildern (Anabolika …) verspricht man beispielsweise den einfältigen Kunden/innen dass ein Zusatzfutter die Muskeln der Pferde wachsen lassen würde. Etwas was natürlich der menschlichen Bequemlichkeit entgegenkommt, jedoch der pferdischen Gesundheit abträglich ist.
Was wächst sind nicht die Muskeln der Pferde, sondern nur das Portemonnaie des Herstellers und die Fettpolster der Pferde. Wie oft muss ich mir von Pferdebesitzern erzählen lassen, wie gut bemuskelt ihr Pferd doch sei. Jedoch, in allen diesen Fällen blieb mir bisher nur die traurige Pflicht, mitteilen zu müssen, dass ihre Pferde zu fett seien und abspecken müssten.
Spricht man davon, dass man ein Pferd sieben Tage die Woche arbeiten sollte, am besten zweimal am Tag, was von der Belastung her immer noch weit unter den Leistungsanforderungen früherer Zeiten liegt, bekommt man befremdliche Blicke. Es gibt sogar Therapeuten/innen, die sich zu Aussagen versteigen wie: „Die Muskulatur muss unbedingt Ruhepausen bekommen um sich zu regenerieren“. Man empfiehlt allerhöchstens 2-3 Tage Arbeit und danach eine ebenso lange Zeit der „Regeneration“.
Heute habe ich eine Aussage über eine Pferdebesitzerin gehört, die ihr Pferd über Nacht in die Box stellen möchte damit – aufgepasst – die Muskeln endlich wachsen könnten. Kann man so machen. Was man erreicht: nicht belastbare Pferde, deren gesundheitliches Risiko exponentiell steigt.
Diese Situation: Wenig Belastung und ein zuviel an Futter (vor allem auch an Futtermischungen und Zusatzfuttermittel) dürfte massiv dazu beigetragen haben, dass in unseren Pferdepopulationen immer vermehrter Zivilisationserkrankungen wie Allergien und Stoffwechselprobleme auftreten. Die Widerstandskraft des Körpers sinkt und die Anfälligkeit für Erkrankungen steigt.
Auch, dass Insekten stärkere körperliche Reaktionen auslösen, als noch vor Jahren (Sommerekzem-Varianten, Schwellungen …), liegt nicht nur daran, dass über diese inzwischen vermehrt Gifte, die in der Umwelt ausgebracht wurden, in den Pferdekörper gelangen oder das uns der Klimawandel „giftigere“ Insekten beschert habe, sondern auch hier dürften die Ursachen in einer Schwächung der Immunabwehr zu suchen sein, welche durch zu geringe Leistungsanforderungen und fehlgeleiteter Fütterung der Pferde entstehen können.
Ein mehr an korrekter Ausbildung, ergänzt durch Geländereiten (in Haltung) und für viele Pferde eine drastische Reduzierung der Futtermengen, vor allem so manchem Spezialfutters, können durchaus Wunder wirken.
#trustyourhorse #denkspruenge
Autor: Richard Vizethum
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Die Nutzung des Pferdes oder Fühlen versus Wissen

Vor einigen Wochen hörte ich von einem neuzeitlichen Ausbilder „klassischer Reiterei“ die Aussage, dass der „VERSTAND der Teufel sei“. Damit aber hat er im Grunde die MENSCHLICHE GEDANKENLOSIGKEIT exkulpiert, quasi von der Sünde frei gesprochen.

Reiten jedoch und das brachte Max Ritter von Weyrother zum Ausdruck, erfordert den DENKENDEN REITER und dies aus gutem Grunde. REITEN ist eine WISSENSCHAFT. Das dies so sein muss, liegt in der Natur des Pferdes und dem menschlichen Wunsch dieses Lebewesen zu NUTZEN, begründet.

Trust-your-Horse - Nutzung des Pferdes oder Fühlen versus Wissenschaft

Nun wird man sich vielleicht wieder an dem Wort NUTZEN stören, doch was ist es denn anderes. Wir NUTZEN Pferde für unsere Zwecke. Zwecke, welche vielfältig sein können.

Allgemein bekannte Formen der NUTZUNG sind REITEN und FAHREN (auch etwas ziehen). Man könnte dies auch als die KÖRPERLICHEN Nutzungen des Pferdes bezeichnen. Da Pferde groß und stark erscheinen, sind wir meist der irrigen Meinung, man könnte sie, ohne diese z.B. auf das REITEN physisch und psychisch vorzubereiten, einfach nur BENUTZEN. Das wir damit ihre körperliche und seelische Gesundheit opfern ignorieren wir nur zu gerne.

Wir BENUTZEN Pferde als Projektionsfläche für unsere Gefühle und Emotionen. Dabei nehmen wir nicht die geringsten Rücksichten auf deren Befindlichkeiten. Ohne Skrupel belästigen wir diese Lebewesen mit unserer oft verkorksten Gefühlswelt. Wir beachten nicht, dass Pferde ebenfalls Gefühle und Emotionen besitzen. Sie sind keine AUSGEBILDETEN COACHES, sondern selbst oft Wesen, die der Hilfe bedürfen um in dieser menschlichen Welt zurecht zu kommen.

Wir BENUTZEN sie in der Therapie und gehen wie selbstverständlich davon aus, dass dies bei den Pferden keine seelischen Spuren hinterlässt. Solche Therapien – welche auch immer –  sind keine Win-Win-Situation. Der Mensch gewinnt, dass Pferd verliert immer!

Wir BENUTZEN sie, um unsere Profilneurosen zu befriedigen. Höher, schneller, weiter sind nur ein Ausdruck davon. Freiheitsdressur, Pferde-Agility und viele andere ähnliche Formen der NUTZUNG helfen nicht dem Pferd, nur dem Menschen, um sich – über das Pferd, welches man oft dabei maximaler KONTROLLE unterwirft, selbst aufzuwerten.

Das alles tun wir aus unserem FÜHLEN heraus. Aus dem unreflektierten GEFÜHL, dass das, was wir da verlangen auch im Sinne des Pferdes wäre.

Nun ist es aber so, dass die Pferde in unserer hoch urbanisierten Welt kaum Überlebensmöglichkeiten hätten. Auch leben sie schon Jahrtausende in einer engen Co-Existenz mit uns Menschen und haben sich, wie Hunde und andere Tiere auch, weit von ihrem natürlichen Ursprung (auch im Verhalten) entfernt.

Würden wir sie nun nicht mehr NUTZEN, ginge ihre Population drastisch zurück.

Im Grunde stellt sich nicht die Frage nach der NUTZUNG an sich, sondern WIE wir sie NUTZEN. Und hier gibt es nur EIN EINZIGES ZIEL:

Bei allen was wir mit ihnen tun, dürfen die Pferde KEINEN SCHADEN AN KÖRPER UND GEIST nehmen!

Wir müssen sie auf ALLES was wir von ihnen verlangen so vorbereiten, dass wir diesem Ziel gerecht werden können.

Dazu gehört EMPATHIE, also SINNLICHE WAHRNEHMUNG – umgangssprachlich mag man auch von GEFÜHL sprechen – um sich in diese Lebewesen hineinzuversetzen und RICHTIG, OHNE VERMENSCHLICHUNG, beurteilen zu können, was die Pferde, bei dem was wir gerade mit ihnen tun, empfinden und in welchem physischen und psychischen Zustand sie dabei sind.

Doch schon die Zustands-Beurteilung ist ohne WISSEN(SCHAFT) nichts wert, und bleibt der Willkür und dem eigenen, meist eingeschränkten Weltbild überlassen. Vor allem aber ist das richtige HANDELN von WISSEN abhängig, welches weit über das ERFAHRUNGSWISSEN hinausgeht. Denn auch ERFAHRUNG braucht eine Einordnung und muss REPRODUZIERBAR SEIN.

Deshalb ist REITKUNST auch eine WISSENSCHAFT und keine romantische GEFÜHLSDUSSELEI.

Autor: Richard Vizethum
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Wie nimmt ein Pferd wahr?

Nur ein kurzer Text dazu …

Es wird viel geschrieben und gesagt über die Wahrnehmung eines Pferdes. Doch, wie nimmt es wirklich wahr? Konzentrieren  wir uns in diesem Beitrag im Wesentlichen nur mal auf den optischen Sinn, das SEHEN des Pferdes.

Trust-your-Horse - Wahrnehmung des Pferdes

Oft wundert man sich, warum Pferde plötzlich reagieren, obwohl vermeintlich kein Anlass dazu gegeben scheint. Ein kleines Experiment wird Dir zeigen, warum das so ist.

Wir Menschen besitzen die SPRACHE. Sie hat uns in unserer Entwicklung sehr, sehr weit gebracht und sie ermöglicht es mir gerade, Dir etwas über die Wahrnehmung der Pferde zu vermitteln. Aber sie steht uns bei vielen „natürlicheren“ Dingen auch ganz heftig im Weg!

So neigen wir unbewusst dazu, beim Betrachten einer Landschaft, Objekte zu benennen (… ein Auto, ein Strauch, ein Vogel etc. etc.). Damit ISOLIEREN wir diese Objekte. Eine blaue Plane auf einem Reitplatz ist für uns auch in der freien Natur, so sie dort liegen sollte, eine blaue Plane und wir können eine Verbindung zwischen diesen Planen herstellen.

Nicht so für das Pferd. Dieses ist nicht in der Lage Objekte durch Benennungen zu isolieren.

Die blaue Plane auf dem Reitplatz ist für das Pferd nur ein blauer „Fleck“ im Gesamtbild des Reitplatzes. Dieselbe blaue Plane in das Gelände verbracht, wird vom Pferd als ein blauer „Fleck“ in der Landschaft wahrgenommen. Beide blauen Flecke haben nichts miteinander gemein und das Pferd kann auch (zunächst) keine Verbindung zwischen diesen „Flecken“ herstellen.

Das bedeutet: Wenn nun diese Plane am Vortag noch nicht an diesem Ort im Gelände war, dann ist es für das Pferd ein Grund zu reagieren! Durchaus egal wie oft man das Pferd auf dem Reitplatz auf die Konfrontation mit der, nach menschlichem Dafürhalten, blauen Plane vorbereitet hat.

Das ist EIN Aspekt.

Auf einen weiteren Aspekt, warum Pferde manchmal anders reagieren, als wir es erwarten, möchte ich nun mit dem angekündigten kleinen Experiment kommen. Auch hier spielt  ebenfalls die Sprache eine Rolle.

VERSUCH DOCH MAL DIE LANDSCHAFT VOR DIR SO ZU BETRACHTEN WIE DIES EIN PFERD TUT

Das heißt, LASS DIE SPRACHE WEG, benenne keine Objekte!

Dies ist nicht so ganz einfach und bedarf ein kleines bisschen Übung – ist aber machbar.

Du wirst nun erleben, dass plötzlich alles viel ruhiger, um nicht zu sagen langweiliger wirkt – zunächst einmal. Dein Unterbewusstsein stresst sich nicht mehr mit der Benennung von Objekten (schlicht ausgedrückt).

Das aber setzt Kapazitäten frei, die in die WAHRNEHMUNG investiert werden. Plötzlich nimmst Du den Schmetterling in 200 m Entfernung sofort wahr, weil er sich eben bewegt. Deine Wahrnehmung beschleunigt sich und Deine bisher gemachten Erfahrungen tragen nun auch viel schneller dazu bei, eine Situation als gefährlich oder ungefährlich einzustufen. Deine Reaktionsfähigkeit steigt deutlich an.

So, nun kennst Du zwei Gründe, warum Pferde etwas anders reagieren, als wir es erwarten würden 🙂

PROBIERE ES AUS UND DU WIRST DEIN PFERD WIEDER EIN KLEINES BISSCHEN BESSER VERSTEHEN!

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
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Fühle – das Pferd zeigt Dir den Weg

Es ist so schnell dahingesagt „Du musst nur fühlen, dann sagt Dir das Pferd schon was zu tun ist …“.

Trust-your-Horse FÜHLE - das Pferd zeigt Dir den Weg

Ja, das Pferd sagt uns sehr viel, wenn wir nur genau HINFÜHLEN:

  • es sagt uns, wenn es müde ist,
  • es sagt uns, wenn es traurig ist,
  • es sagt uns, wenn es sich freut,
  • es sagt uns, wenn es Hunger hat,
  • es sagt uns, wenn es sich nicht wohl fühlt,
  • es sagt uns, wenn es uns mag oder auch nicht mag,
  • es sagt uns, wenn es etwas nicht versteht.

Das alles und viel mehr, sagt uns das Pferd, wenn wir unsere Sinne öffnen.

ABER DAS PFERD WIRD UNS NICHTS DARÜBER SAGEN, WIE WIR ES VERÄNDERN SOLLEN.

Denn das, was sich am Pferd verändern MUSS, um als Reitpferd ein langes Leben gesund, motiviert und leistungsbereit zu bleiben, KANN ES UNS NICHT SAGEN!

Wenn wir ein Pferd verändern, dann wird es uns dabei immer wieder die berechtigte Frage stellen: WAS SOLL DAS? Wir aber können ihm nicht erklären: „Du musst jetzt Deinen inneren Schweinhund überwinden und es tun, danach wirst Du Dich viel besser, stärker und stolzer fühlen“. Es wird uns nicht verstehen!

In sehr, sehr feinen, aber auch sehr, sehr groben  ÜBERSPRUNGSREAKTIONEN wird es immer wieder die Frage nach dem Sinn, dessen was wir gerade mit ihm tun, aufwerfen.

Diese ÜBERSPRUNGSREAKTIONEN, schon die Feinsten von ihnen, müssen wir wahrnehmen und vor allem richtig bewerten können. Dazu bedarf es sehr viel Empathie. Wer allerdings Emotionen zulässt, wird nur das Grobe erleben, NIE das FEINE erfühlen!

Nein, das Pferd sagt uns NICHT, wie wir es ausbilden sollen – das KANN ES NICHT!

Aber es sagt uns sehr viel, wie es sich bei dem, was wir mit ihm tun FÜHLT! Wir müssen RECHTZEITIG (den Hauch eines Anzeichens) erkennen, ob es beispielsweise

  • müde ist,
  • etwas nicht verstanden hat,
  • überfordert ist,

Und wir müssen sofort darauf reagieren!

UNSER „ZUHÖREN“ HILFT DEM PFERD NUR AUF DEM WEG, WIR WERDEN ABER NICHTS DARÜBER ERFAHREN, WAS ZU TUN IST, UM DAS PFERD KÖRPERLICH ZU VERÄNDERN – DAS WIRD UNS DAS PFERD NICHT ERZÄHLEN KÖNNEN!

Eigene Notizen
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Die Konzentration des Pferdes

Pferde sind konzentrationsschwache Lebewesen. Für ein Fluchttier sind im Grunde längere Spannen der Konzentration nicht nötig – anders bei einem Raubtier.

Oft wird gesagt, dass die Konzentrationsspanne eines (jungen) Pferdes etwa 20 Minuten betragen würde.

Trust-your-Horse - Die Konzentration des Pferdes

Diese Aussage will ich so nicht mittragen.

Man kann ein (junges) Pferd durchaus 1-2 Stunden arbeiten und die Konzentration dabei immer wieder „beleben„. Denn meiner Erfahrung nach ist die Konzentration NICHT ABHÄNGIG VON DER ZEITDAUER, sondern von dem was man vom Pferd verlangt und wie gut das Pferd dieses bereits kann.

Bei einer wenig anspruchsvollen Übung ist die Konzentrationsspanne länger, bei einer schwierigen ggf. auch noch unbekannten Übung dagegen deutlich kürzer.

Während ich bei einer leichten Übung durchaus 10 Minuten am Stück ohne Pause mit einem Pferd arbeiten kann, würde eine schwere Übung schon nach 10 Sekunden eine Pause erfordern.

Wenn ich hier von Pause spreche, dann heißt das STEHPAUSE und das unbedingt MINUTENLANG! Das Pferd bekommt dadurch Zeit nachzudenken, sich zu erholen und lernt als weiteren positiven Nebeneffekt lange stehenzubleiben!

Noch ein Hinweis:

PFERDE LANGWEILEN SICH NICHT, wenn man immer wieder und wieder dasselbe verlangt.

Wenn ein Pferd bei einer Übung Übersprungsreaktionen zeigt, dann keinesfalls aufgrund von Langeweile! Solche Reaktionen entstehen allermeistens dann, wenn das Pferd die Übung (noch) nicht versteht oder es müde wird.

MÜDE = PAUSE – immer noch MÜDE = Feierabend (auch schon mal nach 20 Minuten)!

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Emotionen und Reiten

Emotionen – ein missverstandener Begriff

Diskutiert man über den Begriff „Emotionen“ oder gar über „Emotionsloses Reiten„, dann wird es meist sehr schnell emotional. Die Vorstellung die eigenen Emotionen kontrollieren zu müssen, macht vielen Menschen Angst (Emotion).

Trust-your-Horse - Emotionslos Reiten

Doch, was sind „Emotionen“?

Emotionen sind Affekte, d.h. sie stoßen uns einfach so zu – ohne Vorwarnung und ohne das wir was dagegen tun können. Sie werden ausgelöst, durch die bewusste oder unbewusste Wahrnehmung eines Ereignisses oder einer Situation. Das unterscheidet sie von Gefühlen. Diese sind „langfristiger“ angelegt.

Wir Menschen sind – im Gegensatz zu Tieren – in der Lage, uns Emotionen einzureden oder manche dieser Emotionen – ohne jeglichen realen Grund – zu verstärken. Dazu erzeugen wir mit Worten Bilder in unserem Kopf. Panik, die Steigerungsform von Angst, ist ein Beispiel dafür. Zur Panik sind nur wir Menschen fähig.

Wir wollen nicht auf unsere Emotionen verzichten

Ja, es wird sehr emotional, wenn man über Emotionen diskutiert und vor allem, wenn man von Menschen verlangt Emotionen zu kontrollieren um besser mit ihrem Pferd zurecht zu kommen. „Das möchte ich nicht! Ich bin ein emotionaler Mensch und auch das Reiten und der Umgang mit dem Pferd sind zutiefst emotional!„. Man lässt sich vielleicht gerade noch zu dem Zugeständnis hinreißen „… na gut, die negativen Emotionen sollte man vielleicht schon kontrollieren – ABER die positiven Emotionen möchte ich auch und ganz besonders mit meinem Pferd teilen!„.

Nächster menschlicher Fehler: Es gibt keine positiven (im Sinne von GUT) oder negativen (im Sinne von SCHLECHT) Emotionen! Zu dieser Wertung sind wieder nur wir Menschen fähig. Dabei spielen unsere jeweiligen Wert- und Moralvorstellungen (auch wieder etwas, von uns Menschen künstlich Geschaffenes) eine zentrale Rolle. Pferde werten nicht – Menschen tun diese mit großer Leidenschaft!

Wer die Situation nicht erlebt hat, kann die Emotion nicht (nach)empfinden

Da freut sich der Mensch, der an diesem Tag von seinem Chef eine Gehaltserhöhung bekommen hat, über alle Maßen und fährt mit diesem Glücksgefühl zu seinem Pferd. Und natürlich möchte er mit diesem, seinem Freizeitpartner seine Freude teilen.

Doch schaut man in die Augen des Pferdes und beachtet dessen Reaktionen objektiv, dann wird man von völligem Unverständnis bis zu starker Verunsicherung beim Pferd viel Emotion erkennen – nur eine nicht: FREUDE.

Nur wenn ein Tier die Situation, den Auslöser der Emotion, miterlebt hat und darüber hinaus die Situation auch noch genauso empfunden hat, kann es die Emotion (nach)empfinden. Wir Menschen allerdings können – wieder mittels Sprache – Bilder im eigenen Kopf, aber auch in den Köpfen anderer erzeugen, so das wir es auch anderen Menschen möglich machen können, unsere Emotionen – auch körperlich – nachzuempfinden. Bei Tieren funktioniert das nicht!

Kontrolliere Deine Emotionen – ein guter Sitz hat keine Emotionen

Um zu einem harmonischen Verhältnis und einer klareren Kommunikation mit Deinem Pferd zu gelangen, ist es sehr wichtig, dass Du kontrolliert mit Deinen Emotionen umgehst. Ein guter und sinnvoll kommunizierender Sitz ist nur dann möglich, wenn Du weitgehend frei von Emotionen bist.

Emotionen bedeuten Spannungen und Spannungen bedeuten Kommunikation. Das Pferd versucht bewusst oder unbewusst diese Spannungen zu interpretieren – auch dann, wenn sie emotional motiviert, völlig sinnfrei sind. Du wirst mitunter Reaktionen vom Pferd bekommen, die Du nicht erwartet und auch nicht gewünscht hast. In solchen Momenten kann man dann oft den Satz „Er verarscht mich doch schon wieder!“ hören. Ein Satz, welcher völlig gedankenlos und ungerecht ist.

Kontrolliere Deine Emotionen und Du erleben, dass manches, was Du vielleicht Deinem Pferd an problematischem  Verhalten angelastet hast, wie von selbst verschwindet. Denn die Ursache dafür war nicht in Deinem Pferd zu suchen, sondern bei Dir und Deinen Emotionen – unabhängig davon, ob Du diese Emotionen als „positiv“ oder „negativ“ einstufst.

Autor: Richard Vizethum
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Mehr über Emotionen und wie man diese kontrollieren kann, kannst Du in meinem Theoriekurs EMOTIONSLOS REITEN erfahren.

Es menschelt – ein durchaus zulässiger Vergleich

Mitunter ist es ganz hilfreich, wenn man versucht über den Tellerrand hinaus zu blicken, eine Situation von einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten. So unterschiedlich wie wir Menschen oft glauben, sind Mensch und Tier gar nicht. Eine kleine Geschichte mit Mensch und Pferd als Protagonisten soll dies illustrieren.

Trust-your-Horse - Es menschelt

Es menschelt – ein durchaus zulässiger Vergleich

DER MENSCH (1)
Dieser Mensch, beispielsweise ein Buchhalter, der tagaus, tagein Zahlen in ein Buchhaltungssystem einträgt. So unspektakulär dies sein mag, so verhilft es ihm dazu ein relativ entspanntes Leben zu führen. Dies strahlt auch auf sein Privatleben aus, wo er sich in einer harmonischen Beziehung befindet. Mitunter schielt er vielleicht doch etwas neidisch auf manch „Besserverdienenden“.

DAS PFERD (1)
Ein etwas rangniedrigeres Tier, beispielsweise ein Wallach, welches tagaus, tagein mit den anderen Herdenmitgliedern über die Weide zieht, Gras frisst, ein Nickerchen macht oder Sozialkontakte pflegt. Seine Wachsamkeit hält sich in Grenzen und damit auch der alltägliche Stress. Nur manchmal wünscht es sich vielleicht einen begünstigteren Schlafplatz. Es freut sich, wenn seine Reiterin am Abend kommt und für Abwechslung sorgt. Gerne lassen beide zusammen den Tag bei einem entspannten Geländeritt ausklingen.

DER MENSCH (2)
Natürlich hat dieser Buchhalter auch immer mal wieder den Gedanken seinen Status zu verbessern, mehr Verantwortung, mehr Geld, vielleicht ein größeres Büro zu bekommen.

DAS PFERD (2)
Es würde dem Pferd durchaus gefallen, einen günstiger gelegenen Schlafplatz oder die Möglichkeit zu erhalten, früher an gutes Futter zu kommen.

DER MENSCH (3)
Eines Tages erhält der Buchhalter eine, über seinen beruflichen Alltag hinausgehende Herausforderung. Man eröffnet ihm, dass eine Betriebsprüfung anstehen würde und er dafür Sorge zu tragen habe, dass den Prüfern alle Unterlagen klar strukturiert zur Verfügung zu stellen sind.

DAS PFERD (3)
In der Pferdeherde ergibt sich ein Wechsel. Es gehen ein paar Pferde – darunter auch ein ranghoher Wallach – und es kommen zwei neue Pferde dazu. Mit einem Mal sieht sich der Wallach aus unserer Geschichte völlig unvermittelt in einer relativ ranghohen Position.

DER MENSCH (4)
Diese neue Verantwortung macht den Menschen unsicher. In einer vergleichbaren Situation war er bisher noch nicht. Er verspürt Nervosität und sein Stresspegel steigt.

DAS PFERD (4)
Auch für das Pferd bringt diese plötzliche neue Herdenposition Verantwortung mit sich. Wo er früher entspannt grasen konnte, muss er sich nun mehr und mehr der Herde und dessen Umfeld zuwenden. Im Grunde aber ist es keine Führungspersönlichkeit (wie beispielsweise eine echte Leitstute) und damit bringt diese Verantwortung eine Zunahme der Nervosität und ein Ansteigen des Stresses mit sich.

DER MENSCH (5)
An diesem Abend kommt unser Buchhalter nach Hause, nicht so entspannt wie sonst. Ihm beschäftigen die neue Aufgabe und die damit verbundenen Herausforderungen. Unbewusst fühlt er sich dem nicht gewachsen. Seine Partnerin hatte dagegen einen guten und entspannenden Tag gehabt und ist voller Vorfreude, hat sie doch den Plan gefasst, mit ihrem Mann ins Kino zu gehen. Sie hat sich extra einen Film herausgesucht, den er schon lange sehen wollte.

DAS PFERD (5)
Das Pferd läuft in der Herde immer wieder auf und ab und findet nur wenige Momente in dem es ruhig grasen kann. Am Abend kommt seine Reiterin, völlig entspannt und in Vorfreude auf einen gemütlichen Ausritt vorbei. Ihr Plan ist eine Strecke, auf der beide sehr gerne unterwegs sind.

DER MENSCH (6)
Der Kinobesuch kommt unserem Buchhalter gar nicht gelegen und er reagiert etwas gereizt auf das Ansinnen seiner Partnerin. Er will eigentlich nicht ins Kino, hat er doch seine Gedanken ganz wo anders. Doch seine Partnerin, die sein Verhalten so gar nicht verstehen kann, bringt ihn schließlich doch dazu mitzukommen, auch wenn ihre Stimmung durch sein Sträuben nicht mehr ganz so euphorisch ist. Angespannt machen sie sich auf den Weg ins Kino. Sie hofft, dass der Film ihn wieder etwas entspannt.

DAS PFERD (6)
Am Anbinder kehren die Gedanken des Pferdes immer wieder zur Herde zurück. Unruhig trippelt es, sehr zum Erstaunen seiner Reiterin, immer wieder hin und her. Sie putzt und sattelt es dennoch. Als sie losgehen, versucht das Pferd noch einmal deutlich zu machen, dass es heute ganz und gar nicht von der Herde wegmöchte. Reiterin und Pferd verlassen schließlich etwas angespannt den Hof. Die Reiterin hofft, dass sich ihr Pferd auf den schönen Sandwegen wieder beruhigen wird.

DER MENSCH (7)
Der Film bringt unseren Buchhalter keineswegs auf andere Gedanken, ganz im Gegenteil, alles um ihn herum reizt ihn. Die laute musikalische Untermalung des Films ebenso wie ein Popcorn essender Zuschauer ein paar Plätze weiter. In diesem Moment will er einfach nur noch nach Hause. Dieses Anliegen macht er auch seiner Partnerin deutlich, was diese wiederum überhaupt nicht verstehen mag und so kommt es zu einem Disput, der damit endet, dass der Buchhalter aufsteht und das Kino gereizt verlässt – Ziel: nach Hause.

DAS PFERD (7)
Jedes Geräusch erschreckt unser sonst so unerschrockenes Pferd. Auch die sonst so entspannenden Galoppaden auf den langen Sandwegen kann es nicht wirklich genießen. Bei jeder Abzweigung, die zum Hof zurückführt, versucht es seiner Reiterin deutlich zu machen, dass es nach Hause in den Stall möchte. Die Reiterin, die sich auf diesen Ausritt gefreut hatte, kann das Verhalten ihres Pferdes nicht verstehen und reagiert entsprechend missbilligend. Doch schließlich gibt sie sehr verärgert aber auch resigniert auf und nimmt den nächsten Weg zurück. Das Pferd will nur noch nach Hause.

DAS FAZIT dieser beiden Geschichten kann der geneigte Leser gerne selber ziehen.

Vielleicht aber helfen Dir diese Geschichtchen dabei genauer hinzusehen, um das Verhalten Deines Pferdes besser zu verstehen. DAS PFERD HAT IMMER RECHT! JA! – aber nicht immer ist der Reiter der Grund, warum man sich manchmal nicht versteht.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
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