Die Konzentration des Pferdes

Pferde sind konzentrationsschwache Lebewesen. Für ein Fluchttier sind im Grunde längere Spannen der Konzentration nicht nötig – anders bei einem Raubtier.

Oft wird gesagt, dass die Konzentrationsspanne eines (jungen) Pferdes etwa 20 Minuten betragen würde.

Trust-your-Horse - Die Konzentration des Pferdes

Diese Aussage will ich so nicht mittragen.

Man kann ein (junges) Pferd durchaus 1-2 Stunden arbeiten und die Konzentration dabei immer wieder „beleben„. Denn meiner Erfahrung nach ist die Konzentration NICHT ABHÄNGIG VON DER ZEITDAUER, sondern von dem was man vom Pferd verlangt und wie gut das Pferd dieses bereits kann.

Bei einer wenig anspruchsvollen Übung ist die Konzentrationsspanne länger, bei einer schwierigen ggf. auch noch unbekannten Übung dagegen deutlich kürzer.

Während ich bei einer leichten Übung durchaus 10 Minuten am Stück ohne Pause mit einem Pferd arbeiten kann, würde eine schwere Übung schon nach 10 Sekunden eine Pause erfordern.

Wenn ich hier von Pause spreche, dann heißt das STEHPAUSE und das unbedingt MINUTENLANG! Das Pferd bekommt dadurch Zeit nachzudenken, sich zu erholen und lernt als weiteren positiven Nebeneffekt lange stehenzubleiben!

Noch ein Hinweis:

PFERDE LANGWEILEN SICH NICHT, wenn man immer wieder und wieder dasselbe verlangt.

Wenn ein Pferd bei einer Übung Übersprungsreaktionen zeigt, dann keinesfalls aufgrund von Langeweile! Solche Reaktionen entstehen allermeistens dann, wenn das Pferd die Übung (noch) nicht versteht oder es müde wird.

MÜDE = PAUSE – immer noch MÜDE = Feierabend (auch schon mal nach 20 Minuten)!

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Couchpotatos

Webdefinitionen
„(Couchpotato) Couch-Potato ist das Klischee einer Person, die einen Großteil ihrer Freizeit auf einem Sofa oder einem Sessel mit Fernsehen, Junk Food essen und Bier trinken verbringt. Der Begriff hat eine negative Konnotation. …“

Als ich einmal, schon vor einer ganzen Weile, darauf hinwiesen habe, dass Pferde sechs Tage in der Woche, am besten 2 x pro Tag je 20-40 Minuten gearbeitet werden sollten, bekam ich von einer ausgebildeten Therapeutin ein sehr harsche Antwort.

Trust-your-Horse - Couchpotatos

Ihrer Meinung nach seinen sechs Tage Arbeit für ein Pferd ein absolutes No-Go. Drei Tage wäre ein anzustrebendes Maximum, denn schließlich müssten die Muskeln genügend Zeit haben sich (von der Anstrengung) zu erholen.

Von was erholen – bitte?

Machen wir mal eine kleine Rechnung auf …

Eine Woche hat 7 Tage á 24 Stunden, also insgesamt 168 verfügbare Stunden.

Nun wollen wir, wie ich dies sehen würde, dem Pferd einen Tag Ruhepause „gönnen“. Es verbleiben also noch 144 Stunden.

Ziehen wir für die verbleibenden 6 Tage, pro Tag noch 16 Stunden (welche der Zeit entsprechen, die man den Pferden nachsagt, dass sie diese mit der Futtersuche, dem Fressen und Schlafen verbringen würden), in Summe 96 Stunden „Freizeit“ ab, verbleiben immer noch

48 STUNDEN VERFÜGBARE ZEIT!

Nun gehen wir mal davon aus, so wie ich das gerne hätte – auch wenn es in der heutigen Zeit in den seltensten Fällen realisierbar ist – das man ein Pferd jeden Tag, sechs Tage die Woche, 2 x pro Tag arbeiten würde – pro Einheit im Mittel 30 Minuten – dann würde das Pferd in Summe in der Woche
6 STUNDEN GEARBEITET WERDEN! (42 Stunden Rest-Freizeit)

Unterstellen wir für die Meinung der Therapeutin jeweils 1 Stunde pro Tag, dann kämen die Pferde bei ihr auf sensationelle
3 STUNDEN TRAININGSZEIT PRO WOCHE! (45 Stunden Rest-Freizeit)

Und jetzt sei nochmal gefragt: WOVON ERHOLEN?

Was tun wir denn in der Regel in dieser „Trainingszeit“ mit den Pferden?

Einer Trainingszeit, die dazu genutzt werden sollte, die Pferde so auszubilden, dass sie möglichst EIN LEBEN LANG, gesund, motiviert und leistungsbereit bleiben werden.

Unterstellen wir mal 1 Stunde Trainingszeit und unterstellen wir weiter, dass wir diese Zeit nicht mit „Spielen“ verbringen, sondern das Pferd reiten.

Was bekommt man allerorten zu sehen?

Schritt – Trab – Galopp, viel davon mitunter im Vorwärts-Abwärts, um das Pferd immer wieder zu „lösen“ oder „entspannen“ zu lassen.

Hier sei auch schon wieder eine Frage gestellt: Wovon entspannen lassen? Von den paar Runden in den genannten Gangarten? Da unterschätzt man gewaltig die (natürliche) Physis der Pferde!

Nun gut, wenn man die Nase des Pferdes, wie oft zu sehen, beim „Aufnehmen“, mit der Kraft der Arme vor die Senkrechte knallt –  egal in welcher Aufrichtung – dann muss man dieses Lebewesen schon mal rauslassen aus dieser Zwangshaltung und der, der das tut, sich selbst und seinen Handschuhen Erholung verschaffen.

Lange Rede – kurzer Sinn: Soviel müssen die Pferde in der Regel bei den allermeisten Reitern nicht leisten.

DIE FOLGE DAVON …

In unseren Ställen und auf den Weiden stehen zu fette Tiere, oder wie es eine Reitschülerin nett formuliert hat: „Pferde mit Muskeln im Fettmantel“ – vergleichbar eben mit menschlichen Couchpotatos.

So, und nun dürft ihr Euch Gedanken darüber machen, ob sechs Tage die Woche (á 1 Stunde) tatsächlich zu viel Belastung für ein Pferd sind?

Ich persönlich sage NEIN!

Sechs Stunden pro Wochen ist ein ganz leicht zu verkraftendes Pensum. Wenn man diese Zeit dann auch noch mit sinn- und wertvoller Dressur und Gymnastizierung verbringt, dann leistet man einen großen Beitrag zur langfristigen Gesunderhaltung seines Reitpferdes.

Ach, im Übrigen bleibt auch bei sechs Stunden Trainingszeit pro Wochen noch genügend Zeit (beim Pferd), um mit einem dann trainierten und rittigem Pferd ins Gelände gehen zu können – dem Ort, an dem sich Pferd und Reiter genüsslich tummeln sollten.

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Reiten auf schmalem Hufschlag

Eine schlichte, aber sehr schwer zu reitende Übung, welche die vollste Aufmerksamkeit und feine Abstimmung von Reiter und Pferd erfordert:

das REITEN AUF SCHMALEN HUFSCHLAG

Trust-your-Horse - Reiten auf schmalem Hufschlag

Je nach Möglichkeiten zieht man mit einem einfachen Gartenrechen (Breite ca. 35 cm.) einen Kreis mit einem Durchmesser von 20-30 Meter [1]. Anfangs kann diese Spur noch die dreifachen Breite des Gartenrechens haben, nach ca. einem ½ Jahr aber sollte eine Gartenrechenbreite ausreichen.

Die Übung wird in der ersten Zeit nur im Schritt und Trab, später auch im Galopp geritten (Voraussetzung, dass Pferd ist in der Lage sich im Trab auf die Hinterhand zu setzen). Dabei sollte man im Minimum 20 Min. auf einer Hand reiten. Es wird ausschließlich auf Trense geritten, zunächst beidhändig, später einhändig.

Keine Pylone oder Stangen als Begrenzung nutzen, diese lenken die Konzentration ab.

ZIEL
DIE HUFABDRÜCKE DES PFERDES DÜRFEN NICHT AUSSERHALB DER GEZOGENEN KREISLINIE SEIN.

NUTZEN
Diese Übung verbessert die Koordination und den Feinheitsgrad der Hilfengebung beim Reiter und macht das Pferd sensibler auf die Hilfen des Reiters.

Hört sich einfach an – ist es aber überhaupt nicht!
Probiert es aus. Viel Spaß dabei

[1] Otto von Monteton („Über die Reitkunst“ – 11. Kapitel) sprach von 40-50 Schritt. Ein Schritt entsprach zur damaligen Zeit in etwa 75 cm. Die angegebenen Schritt entsprechen also einen Kreisdurchmesser von ca. 30 m – 37,5 m.

Ideenquelle: Otto Digeon von Monteton – „Über die Reitkunst“ – 1877 – 11. Kapitel.

Reiterliche Tipps
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

STRESS ist der Maßstab

Das Training von Pferd und Reiter muss im Kern stets darauf abzielen, bestimmte BEWEGUNGS-, HALTUNGS-, und REAKTIONSMUSTER bei beiden Lebewesen grundlegend zu verändern.

Trust-your-Horse - Maßstab STRESS

Nur so ist es möglich das hehre Ziel von Harmonie und wirklich feinem Reiten zu erreichen. Das „natürliche“ Pferd und der „natürliche“ Mensch sind ohne diese „Arbeit“ nicht wirklich kompatibel und neigen, häufiger als man vielleicht denken mag, zu „unkontrollierbaren“ INSTINKTIVEN Reaktionen.

Nun ist es aber so, dass viele dieser Muster sich im Laufe eines Lebens stark gefestigt haben und nur schwer veränderbar sind. Konsequentes Wiederholen (Drill) NEUER Muster, in immer der gleichen Art und Weise (Disziplin), ist hier der EINZIGE und vor allem NACHHALTIGE Weg.

Dieses KONDITIONIEREN hört sich nun zwar sehr eintönig und langweilig an – ist es im Grunde auch. Deshalb macht sich ja kaum noch jemand die Mühe solche Veränderungen der Muster akribisch zu erarbeiten.

Man reitet lieber Lektionen oder Manöver. Doch damit verändert man keine relevanten Muster. Man DRESSIERT nur das Pferd, lehrt ihm das Abspulen bestimmter Abläufe in BESTIMMTEN SITUATIONEN.

Der Reiter selbst verändert sich dabei auch nur insofern, dass er mit der Zeit immer besser darin wird – ohne besser zu sein – die „Probleme“ die er mit dem Pferd hat, zu korrigieren. Probleme, die er nicht hätte, wenn er SICH und das Pferd verändert hätte.

So, kommen wir nun zum Maßstab STRESS

Die Qualität einer Ausbildung drückt sich NICHT in schön gerittenen Lektionen oder Schulen aus. Die perfekteste Piaffe oder der schnellste Spin sind nichts wert, wenn das Pferd oder der Reiter bei STRESS in seine alten Bewegungs-, Haltungs- und Reaktionsmuster zurückfällt. Dann war die ganze Ausbildung – flapsig ausgedrückt – „für die Katz!“. Da ändern auch gewonnene Pokale und Schleifen nichts daran.

Nur wenn es gelungen ist – und das ist ECHTE KONZENTRIERTE MILIMETERARBEIT – die richtigen NEUEN MUSTER nachhaltig zu etablieren, dann werden Pferd und Reiter auch unter extremen Stress, im Sinne der neuen Muster gelassen und angemessen reagieren.

Angemerkt sei auch noch:
Das Leben von Pferd und Reiter sollte auch und besonders außerhalb der Reitbahn stattfinden.
JEDES Pferd sollte im Gelände geritten werden können! Gelingt dies nicht, dann ist die Ausbildung UNVOLLSTÄNDIG (freundlich ausgedrückt).

aus Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachet
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Warum MÜSSEN wir Pferde aufrichten?

Ja, warum überhaupt ist es notwendig, dass wir Pferde in eine AUFRICHTUNG bringen?

Der größte Teil der Reiterwelt findet doch sein Vergnügen darin, die Pferde häufig in Dehnungshaltung oder darunter zu reiten. Dies aber ist der FALSCHE Weg. Wir müssen Pferde aufrichten. Aber gut, ich versuchs mal zu erklären …

Trust-your-Horse - Warum müssen wir Pferde aufrichten?

Betrachten wir uns doch einmal die
GEWICHTSVERTEILUNG DES PFERDES IN SEINER NATÜRLICHEN HALTUNG

Ein Pferd von 500 Kg Gewicht, ohne Reiter, in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG bzw. Aufrichtung, (Nase in etwa Höhe Hüftgelenk) bringt in dieser Haltung etwa 46 Kg mehr Gewicht auf die Vorhand als auf die Hinterhand. Als Grundlage für diese Aussage wurden Messungen von Baucher/Morris (etwa um 1840) herangezogen und auf ein 500 Kg Pferd umgerechnet.

Die Natur hat das Pferd als Fluchttier mit dieser Vorhandlastigkeit ausgestattet, um bei Bedarf – energiesparend – höhere Fluchtgeschwindigkeiten zu erreichen. Wir merken uns hier schon mal HÖHERE FLUCHTGESCHWINDIGKEITEN.

Mitunter bringt – beispielsweise auf der Flucht – das Pferd, durch weiteres Absenken des Kopfes bzw. Brustkorbs noch mehr Gewicht auf die Vorhand und erzeugt damit – durch den Balanceverlust nach vorne – zusätzliche Geschwindigkeitssteigerungen. Dies aber i.d.R. nur für eine sehr kurze Distanz, denn tieferer Kopf bedeutet WENIGER SEHEN = HÖHERES RISIKO.

Also:
Kopf tiefer = höhere Geschwindigkeit = höheres Risiko = höherer Stress und bedeutet für den Reiter im Zweifelfall Kontrollverlust, da das Pferd seine instinktiven Kräfte zur vollen Entfaltung bringen kann.

SO, UND NUN SETZEN WIR DEN REITER DRAUF

Nehmen wir einen Reiter mit einem Gewicht von 60 Kg. Ebenfalls aufgrund der Messungen von Baucher/Morris kann man davon ausgehen, dass der Reiter mit 2/3 also 40 Kg die Vorhand und mit 1/3 also 20 Kg die Hinterhand stärker belastet. Eine Dissertation an der veterinärmedizinischen Fakultät Wien kommt zu etwas anderen Ergebnissen, basiert aber auf falschen Grundannahmen, wie im Übrigen viele aktuelle Studien nicht ganz frei von Fehlannahmen sind.

Unterstellen wir nun, dass das Pferd weiterhin in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG steht, dann sind jetzt 66 Kg. mehr Gewicht auf der Vorhand. In der Bewegung würde die Beschleunigungsfähigkeit quasi steigen.

Geht das Pferd jetzt beispielsweise in der DEHNUNGSHALTUNG (Nase Höhe Buggelenk, konvexe Oberlinie und offener Genickwinkel) dann würde das Pferd OHNE Reiter 68 Kg mehr Gewicht auf die Vorhand bringen, MIT REITER sogar 88 Kg!

Ein Gewicht, welches in dieser Haltung (Dehnungshaltung) nicht durch das vorgreifende Vorderbein abgestützt wäre. Der Teil, der über das Vorderbein kommt, liegt dem Reiter komplett in der Hand. Dies bedeutet: DAS PFERD IST DEUTLICHER AUS DER BALANCE nach vorne. Privat kann es das kurzzeitig mal so machen – unterm Reiter ist das keine gute Idee, kann zu massiven Kontrollverlusten führen!

Erwähnt sein noch, dass diese Gewichtsmessungen im STEHEN erfolgt sind, kommt Bewegungsdruck dazu – der ja in der Dehnungshaltung konsequent VORWÄRTS-ABWÄRTS geht – reden wir von anderen Größenordnungen.

Zurück zur Frage warum wir unbedingt AUFRICHTEN MÜSSEN …

DAS REITERGEWICHT MUSS KOMPENSIERT WERDEN

Nun gut. Wir setzten also einen Reiter auf das Pferd.
Nachdem sich das Pferd an diesen gewöhnt hat, was heißt: der STERNENGUCKER hat den Weg in die (korrekte) TIEFE (= Nase etwa Höhe Hüftgelenk) gefunden, der Rücken, der kurzzeitig etwas nach unten gegangen war hat sich wieder in seine URSPRÜNGLICHE POSITION aufgewölbt und das Pferd ist VERTRAUENSVOLL AM GEBISS und nicht wie beim STERNENGUCKER über dem Gebiss.

Das war damals, als man die Pferde noch NICHT durch sinnvolle Bodenarbeit vorbereitet hat, nach maximal einer Woche erledigt und das primäre Ziel wurde ins Auge gefasst – dieses war (und sollte noch immer sein):

DER HINTERHAND MEHR GEWICHT ZUZUSCHIEBEN. Dies hat – neben der Verbesserung der Sicherheit – primär mit der Gesund- und Leistungsbereiterhaltung des Pferdes zu tun.

Zunächst geschieht dies einfach nur dadurch, dass man das nach vorne überhängende Reitergewicht gleichmäßig (schlicht 50:50) auf Vorder- und Hinterbeine des Pferdes verteilt. D.h. bei dem 60 Kg-Reiter der mit 40 Kg die Vor- und mit 20 Kg die Hinterhand belastet, müssten 10 Kg nach hinten verschoben werden.

Und wie macht man das?

Alternative 1:

MAN SETZT DEN REITER WEITER NACH HINTEN. Diese dumme Idee gab es vor knapp 200 Jahren schon mal, wurde zum Glück für die Pferde wieder verworfen (na ja, nicht ganz: Die Islandreiterei praktiziert dies mitunter noch).

Alternative 2:

WIR RICHTEN DAS PFERD AUF. Dies tun wir ausgehend von seiner NATÜRLICHEN HALTUNG!!!

Und dabei brauchen wir noch nicht an „Hankenbeugung“ denken, wie die Herrschaften, die glauben, man könnte ein Pferd in diesem Stadium von HINTEN NACH VORNE reitend RELATIV aufrichten.

NEIN, wir müssen das Pferd zunächst von VORNE NACH HINTEN arbeiten und OHNE HANKENBEUGUNG aufrichten. Das WIE lasse ich an dieser Stelle offen (da werde ich an anderer Stelle extra drauf eingehen – vielleicht). Wichtig ist zunächst nur das man es TUN MUSS und noch wichtiger ist, dass man das Pferd NICHT UNTER SEINE NATÜRLICHE HALTUNG lässt – also auch KEINE DEHNUNGSHALTUNG!

Mit diesem AUFRICHTEN einher geht im Training ein MUSKELUMBAU der die Oberlinie des Pferdes stärkt und es dem Pferd möglich macht – OHNE ANSTREGUNG – eine höhere Haltung (mit entsprechender Beizäumung) einzunehmen und diese sehr LANGE zu halten. Viele so gearbeitet Pferde laufen auch auf der Koppel mit mehr Aufrichtung.

Arbeitete man aber öfter in Dehnungshaltung oder darunter, verzögert sich dieser Muskelumbau deutlich, bis hin zu dessen Unmöglichkeit – reitet man Vorwärts-Abwärts aktiv. Korrekturen solchermaßen in Grund und Boden gerittener Pferde gestalten sich sehr schwierig und für Pferd und Reiter anstrengend (nimmt man diese Korrekturen ernst).

Jetzt hab ich ein bisschen über das WARUM MÜSSEN WIR AUFRICHTEN gesprochen. Nun stellt sich aber die Frage

WARUM ARBEITEN WIR IN DER REITEREI EIGENTLICH SO INTENSIV GEGEN DIESEN MUSKELAUFBAU?

Immer wieder höre ich die Argumentation:
Man muss doch mal ein in Aufrichtung gearbeitetes Pferd dehnen lassen!„, sozusagen als Gegenpart zur Aufrichtung.

JA, man muss es schon mal STRECKEN lassen – WENN, JA WENN man das Pferd FALSCH AUFGERICHTET und ZU ENG GENOMMEN hat, was heute in allen Fakultäten – mit wenigen Ausnahmen – zu sehen ist. Die Kandare spielt bei dieser fehlerhaften Arbeit eine nicht ganz unwesentliche Rolle – von wegen feines Instrument.

Aber auch zum Zwecke des Streckens wäre die DEHNUNGSHALTUNG völlig falsch. Das Pferd kommt vom Regen in die Traufe. Die Belastung der Muskulatur bleibt. Lediglich (bei falscher Aufrichtung/Beizäumung) würde sich die Luftzufuhr einer nicht mehr gequetschten Luftröhre verbessern. Da schnauben dann die Pferde auch schon mal gerne ab.

Ein korrekt aufgerichtetes Pferd dagegen geht NIE ZU ENG!

WAS ERREICHEN WIR DURCH DEHNUNGSHALTUNG UND SONSTIGEN VORWÄRTS-ABWÄRTS VARIANTEN?

Zum POSITIVEN hin:
Einfach gesprochen ABSOLUT NICHTS!

Zum NEGATIVEN hin:
Wir bringen das Pferd vermehrt auf die Vorhand. Wir erhöhen für das Pferd die Möglichkeiten seine instinktiven Kräfte noch stärker zu nutzen, statt diese zu reduzieren. Stichwort: HÖHERE FLUCHTGESCHWINDIGKEIT. Wir verzögern (im günstigsten Fall) den notwendigen Muskelumbau. Und … und … und …

SCHLUSSWORTE

So, ich beende den Text an dieser Stelle und hoffe sehr dass man diesen bis hierher gelesen hat. Großartig wäre es, wenn es mir damit gelingen würde, zum Nachdenken anzuregen.

Dies wäre insbesondere wichtig, da die heute gelehrte und auch von „renommierten“ Herrschaften und Fakultäten vertretene Biomechanik in vielen Teilen falsch ist, bzw. wichtige biomechanische Sachverhalte aus Unkenntnis und Unwissenheit nicht dargestellt werden. Was in seiner Konsequenz zu völlig falschen Trainingskonzepten und zu Lasten der Pferde geht!

Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Die Sucht mit Pferden zu spielen

Ich bin ein Idealist – nicht nur was das Reiten anbelangt. Doch die Belastbarkeit idealistischen Denkens und Handelns wird auf immer stärkere Probe gestellt.

Ich mag stolze Pferde, die mit vier Füßen kraftvoll im Leben stehen, Pferde, die vor Selbstbewusstsein strotzen und dieses auch in allen Lebenssituationen ausstrahlen. Pferde die deshalb auch sicher sind, egal wie sicher der Reiter in ihrem Sattel ist.

T.Y.H. SuchtSpielen

Dorthin versuche ich diese wunderbaren Tiere zu entwickeln, unabhängig von deren bisherigen Lebenserfahrungen und körperlichen Voraussetzungen.

Reiter ermuntere ich dazu nachzudenken und das zu werden, was Max Ritter von Weyrother, einer der prägendsten Personen an der Wiener Hofreitschule,  den „denkenden Reiter“ nannte. Ich lehre sie, Teil einer wundervollen Partnerschaft, auf Augenhöhe mit dem Pferd zu werden.

Es ist aber unglaublich, wie schwer dieser Weg ist bzw. einem gemacht wird.

Von 100 Reitern, die über feines Reiten philosophieren und dieses für sich proklamieren, ist vermutlich gerade mal EINER dabei, der hauchzart in die Nähe dieser Art des Reitens kommt.

Von 100 Reitern, die über einen partnerschaftlichen, fairen Umgang mit dem Pferd reden, ist vermutlich gerade mal EINER dabei, der diesen in seiner letzten Konsequenz wirklich auch pflegt.

Diese Ernüchterung macht mich persönlich sehr traurig.

Wir trainieren Pferd nicht mehr um sie zu gesunden, leistungsbereiten Reitpferden zu machen, wir spielen lieber mit ihnen. Dabei vergessen wir, dass Pferde ernste Lebewesen sind. Ihnen muss man mit Ernst und Liebe begegnen. „Neckerei macht Pferde sogar böse“, wie Otto von Monteton 1899 schrieb.

Doch Spielen ist einfacher, weniger anstrengend, vor allem weniger anstrengend für das Gehirn. Und wir Menschen neigen, ganz besonders in dieser heutigen, dekadenten Zeit, zur Faulheit! Dafür degradieren wir diese wunderbaren Wesen zu Tanzpuppen und sind dabei auch noch der Meinung, ihnen was Gutes angedeihen zu lassen. Nebenbei befriedigen wir damit auch noch unsere Eitelkeiten („Guck mal, was mein Pferd so alles kann …“).

Die Pferde machen mit – na ja, es bleibt ihnen ja auch wenig anderes übrig.

Pferde müssen in diesem Spiel funktionieren!

Tun sie es nicht, dann gibt es Mittel und Wege sie dazu zu bringen – die Kataloge und Regale von Reitausstattern sind übervoll davon. Was man dabei leider sehr selten einsetzt, ist das eigene Gehirn. Wofür auch – zum Nachdenken vielleicht? Das bedeutet Arbeit! Aber wie gesagt, die Fleißigsten sind wir ja nun mal nicht. Oder wie es Rittmeister von W. ausdrückte „Alles was lebt ist faul!„.

Finden sich unter den Pferden dann ein paar starke Charaktere, die darauf bestehen, dass der Mensch die Dinge die er zu tun hat auch richtig tut – und das wäre gar nicht so viel verlangt – dann landen sie  schnell in einer Verkaufsanzeige und werden häufig zum Wanderpokal. Pseudoexperten probieren sich an ihnen aus – bis, ja bis sich diese tapferen Kreaturen entweder aufgeben oder völlig unberechenbar werden.

Würde ich nun auch noch über die verschiedenen nutzlosen, aber gerne angewandten Methoden sprechen, mit denen man Pferde heute ausbildet oder besser gesagt TRAKTIERT, bekommt dieser Text etwas Endloses.

Ich ende erstmal hier und hoffe, ihr investiert etwas Arbeit und denkt über diese Worte nach. Vielen Dank!

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Dehnungshaltung und MEHR

Dieses Thema ist nicht so ganz einfach in ein paar Sätzen erklärt. Ich versuche es trotzdem mal wieder:

1 | Natürliche Haltung

In seiner NATÜRLICHEN HALTUNG, die für jedes Pferd individuell festgestellt werden muss – welche aber i.d.R. meist auf Nase Höhe Hüftgelenk ist – können die Muskeln, Bänder und das Skelett OPTIMAL harmonieren und auch die Last des Reiters kompensieren.

Das Erkennen der „natürlichen Haltung“ stellt eine wichtige Aufgabe für den Ausbilder eines Pferdes dar, ist aber nicht immer so ganz einfach. Viele Pferde haben ja schon eine Vorgeschichte, einen bestimmten Ausbildungsstand, in dem man sie dieser Haltung „entfremdet“ hat – sei es nach OBEN – oder noch schlimmer: nach UNTEN.

Trust-your-Horse - Dehnungshaltung und MEHR

2 | Der Weg nach Oben

Grundsätzlich sollte man im Training von der „natürlichen Haltung“ ausgehend, nach OBEN arbeiten, denn zu den Hauptaufgaben der Ausbildung eines Pferdes gehört es der Hinterhand mehr Last zuzuschieben und damit die BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT des Pferdes zu erhöhen, was letztendlich auch einen Sicherheitsfaktor darstellt. Zu jedem Zeitpunkt dieser Arbeit ist darauf zu achten, dass der Rücken sich NICHT unter die Horizontale der Rückenwirbelsäule absenkt (geringgradige Absenkungen stellen kein Problem dar).

3 | „Aufwölbung des Rückens“

Eine „Aufwölbung“ des Rückens, von der man oft zu träumen scheint, über die horizontale Linie der Rückenwirbelsäule (im Kontext der „natürlichen Haltung“) hinaus, ist so gut wie nicht möglich und das Pferd müsste dazu Beugemuskeln „missbrauchen“, was zu Verspannungen führt.

4 | Die „korrekte“ Dehnungshaltung

Die DEHNUNGSHALTUNG an sich stellt zunächst einmal kein Problem dar, so sich diese wie folgt definiert:

  • konvexe Oberhalslinie
  • Nase ÜBER Buggelenk
  • das Genick muss offen sein und die Nase vor der Senkrechten
  • das vorfußende Vorderbein MUSS unter das Nasenlot (gedachte lotrechte Linie von der Pferdenase zum Boden) treten.

ABER:

Der Punkt „vorfußendes Vorderbein unter Nasenlot„, dem heute keine Beachtung geschenkt wird, ist so gut wie nie in der Dehnungshaltung zu erreichen, was bedeutet, dass das Gewicht welches über das vorfußende Vorderbein hinausragt, vollständig in der Reiterhand liegt! Schon aus diesem Grund ist die Dehnungshaltung nicht anzuraten.

Der Reiter sollte, auch um dies (Gewichtsüberhang) festzustellen, sich grundsätzlich um eine „stillstehenden Hand“ bemühen. Folgt man aber stattdessen mit einer „mitgehenden Hand“ noch sehr übertrieben, den Bewegungen des Pferdekopfes, dann bekommt man von diesem Gewichtszuwachs in den eigenen Händen fast gar nichts mit. Das Pferd kann jetzt schauen, wie es mit dem Gewichtsüberhang selbst fertig wird. Einem Gewichtsüberhang, der durch eifriges Nachtreiben stetig erhalten und sogar gemehrt wird.

5 | Dehnungshaltung und Remonten

Die DEHNUNGSHALTUNG ist darüber hinaus für junge Pferde (Remonten) völlig ungeeignet, da, wenn man sie so ausgeführt wie oben (Punkt 4) dargestellt, die Oberlinie ziemlich unter Druck steht, eine Belastung, die noch nicht dem Ausbildungsstand entsprechend wäre. Das Pferd des Weiteren die Hilfen (vor allem die Beinhilfe) gut annehmen muss.

6 | Dehnungshaltung und der „moderne“ Pferdetyp

Bei, vor allem kurzen Pferden (u.a. der moderne Pferdetyp), die meist auch mit den Vorderbeinen etwas rückständig stehen und sich bewegen (den Torso quasi über die Vorderbeine schieben – flapsig ausgedrück) oder bei hinten überbauten Pferden, verbietet sich AUCH die DEHNUNGSHALTUNG absolut! Denn bei diesen Pferden schadet sie nachhaltig deren Gesundheit! Weil das nicht erkannt wird (oder man es nicht erkennen will) schmipft man lieber auf die Zucht, statt das (ungeeignete) Trainingskonzept zu überdenken!

7 | Dehnungshaltung und Entspannung

Aus der dargestellten Art der Ausführung lässt sich auch sehr einfach schließen, das die DEHNUNGSHALTUNG keinesfalls dem Zwecke der Entspannung dienen kann. Ich persönlich lasse die Pferde im STEHEN Pause machen (siehe Parkposition als Lösungsmittel), sich dehnen und entspannen. Das hat noch den zusätzlichen Nutzen, dass sie STEHEN lernen – selbst der Zappeligste – auch wenn die Welt um sie herum tobt!

8 | Das Pferd muss sich doch mal strecken dürfen!

Als weiterer Punkt wird oft angeführt: Das Pferd muss sich doch mal strecken (dehnen) dürfen. Diese Aussage bringt man dann auch noch in Zusammenhang mit dem LÖSEN. Doch DEHNUNGSHALTUNG und LÖSEN haben, wie schon unter dem Aspekt der Entspannung angesprochen, im Grunde nichts gemein. LÖSEN heißt lockern. Doch in der Dehnungshaltung stehen manche Muskelgruppen ziemlich unter Druck – von Lösen also kaum eine Spur.

Auch ist es völlig kontraproduktiv ständig und beinahe schon reflexartig lösen zu wollen. Käme ein Pferd während des Trainings immer wieder in eine (vom Reiter) unkontrollierte Spannungssituation, dann wäre es für den Reiter sehr dringend an der Zeit sich einmal Gedanken über seine eigene Emotionalität und die Sinnhaftigkeit seines Trainingskonzeptes zu machen.

An dieser Stelle sei auch einmal auf die Arbeitsbelastung unserer Pferde verwiesen. Die allermeisten unserer Pferde sind Couch-Potatos. Wo werden Pferde denn noch mehr als 1 Std. pro Tag intensiv gearbeitet und das 6 Tage die Woche? Ich habe Aussagen von Therapeuten und Reiter/innen gehört, die mit Inbrunst der Überzeugung gefordert haben, dass man ein Pferd nicht mehr als drei Tage hintereinander arbeiten dürfe, dann wäre ein Pausentag notwendig, damit die Muskeln sich wieder erholen könnten! Erholen von WAS bitte?

Na gut, einen Grund hätte ich: SCHLECHTES REITEN!

9 | Ein Pferd ohne Not auf die Vorhand zu bringen ist trainingstechnisch kontraproduktiv

Alles was die Pferde im Laufe der Ausbildung auf die Vorhand bringt, behindert die korrekte Ausbildung! Wenn man nun auch noch sieht, welcher Aufwand z.T. betrieben wird, um den Pferden den Weg in die (VÖLLIG FALSCH VERSTANDENE UND UNSINNIGE) TIEFE zu zeigen, dann stellt sich die Sinnfrage erst recht! Insbesondere auch unter dem Aspekt, dass man diese Pferde schwer wieder hoch bringt! Ich korrigiere sehr, sehr häufig derart verrittene Pferde, arbeite daran, sie wieder nach oben und zum „sich selber tragen“ zu bringen! Das ist ein harter Job! Und vor allem wäre er nicht nötig, würde man korrekt (wie es die „Alten“ machten) ausbilden!

10 | Die Beliebigkeit der Kopf-/Halsposition bei korrekter Arbeit

Wenn man davon spricht, dass jedes Pferd in jeder Kopf-/Halsposition reitbar sein muss, so ist dies RICHTIG! Jede Gangart und jedes Tempo fordern eine etwas andere Kopf-/Halsposition. Arbeitet man die Pferde – ausgehend von der „natürlichen Haltung“ – nach OBEN, so ist das Erreichen dieses Ziels zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Die Pferde müssen die verschiedenen Positionen nicht lernen! Also effizientes Arbeiten!
Arbeitet man – insbesondere zu Beginn der Ausbildung verstärkt nach UNTEN, so ist dies NICHT im gleichen Maße und der gleichen Feinheit mehr möglich!

Ein KORREKT nach OBEN trainiertes Pferd wird jede beliebige Hals-/Kopfposition nach Aufforderung einnehmen können, ein nach UNTEN trainiertes Pferd dagegen NICHT (ohne Kraftaufwand durch den Reiter)!

11 | Zusammenfassung

Das war jetzt schnell mal runter geschrieben. Da fehlen noch viele Punkte. Nur so viel: Die Dehnungshaltung (Punkt 4) stellt sicher für die Gesundheit des Pferdes kein größeres Problem dar, macht aber trainingstechnisch keinen Sinn!

Jede tiefere Einstellung als diese ist noch sinnloser und gefährdet dazu aber durchaus auch noch die Gesundheit des Pferdes. Solche Positionierungen sind daher abzulehnen. Man kann schon mal, zum Ende des Trainings „alle Fünfe gerade sein lassend“ und die Zügel hingeben. Das schadet dem Pferd nicht, vorausgesetzt es darf dabei SEIN (SCHRITT)TEMPO gehen – kein Nachtreiben durch den Reiter!

Oben habe ich von BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT gesprochen. Ein Pferd, welches mit hoher Aufrichtung auf der Hinterhand arbeitet ist gut in der Balance und besitzt eine hohe Bewegungsflexibilität. Solche Pferde können sich auch in einem Raum von 12,5 m x 12,5 m TUMMELN. Vorwärts-Abwärts trainierte Pferde können das NICHT!

BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT ist ein SICHERHEITSFAKTOR!

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Bild: Fotolia

Ein kleiner „technischer“ Vergleich

In diesem Vergleich geht es um die „Lenkbarkeit“ eines Pferdes.

Die Möglichkeit, ein Pferd in jeder Situation sicher steuern zu können, ist ein wesentlicher Faktor, der zur Sicherheit des Reitens beiträgt, ich denke, da wird mir jeder zustimmen.

Interessanterweise scheint man darauf keinen wirklich großen Wert zu legen.

Aber zunächst zurück zum Vergleich

Trust-your-Horse - Ein kleiner technischer Vergleich

Auf dem Bild sind verschiedene Kopf-Halspositionen grob skizziert. Die rote Linie stellt in etwa die Höhe des Hüftgelenks beim Pferd dar.

Von links nach rechts sind folgende Haltungen dargestellt:

  • „Jagdhundschnüffler“
  • Dehnungshaltung
  • Natürliche Haltung
  • Gebrauchshaltung
  • Klassische (max.) Aufrichtung

Nun kann jeder einmal darüber nachdenken, bei welcher Hals-/Kopfposition wohl die maximalste Lenkwirkung erreicht wird?!

Und wenn ich von LENKEN spreche, dann meine ich nicht das „gerade-mal-so-um-die-Ecke-kommen-ohne-das-die-Kruppe-nach-Außen-weicht“ (quasi das Dressur-/Springpferdemodell), sondern eine blitzschnelle Drehung nur ausgelöst durch eine Körperbewegung des Reiters – ohne Aktivitäten der Zügel und der Beine! Also das Reiten auf engstem Raum (weil das Thema gerade ja so eifrig diskutiert wird).

Ich will es mal abkürzen…

Je senkrechter der Hals steht, desto besser kann das Pferd auf engstem Raum blitzschnell bewegt werden – was ja einen riesigen Sicherheitsfaktor darstellen würde. Die KLASSISCHE AUFRICHTUNG wäre also das Modell mit maximaler SERVO-UNTERSTÜTZUNG – und jetzt sind wir beim Vergleich (zur Lenkung eines Autos).

Je tiefer Hals und Kopf eingestellt werden, desto geringer ist diese Servo-Unterstützung. Unterhalb der „natürlichen Haltung“ ist diese „Unterstützung“ so gut wie nicht mehr existent – insbesondere bei der „Jagdhundschnüffelei“. Hier muss man die Lenkachse selber drehen – will heißen: der Reiter muss mit Hand und Bein nachhelfen. Auch ist der Wendekreis – freundlich ausgedrückt – eher suboptimal.

Warum also sollten wir die Pferde unter ihre „natürliche Haltung“ zwingen, Lenkfähigkeit und damit Sicherheit aufgeben?

Anzumerken sei noch:
Jedes Tempo / jede Gangart hat ihre optimale Kopf-Halshaltung und in der sollte das Pferd auch gehen dürfen.

DOCH ALLES UNTER DER NATÜRLICHEN HALTUNG GEHÖRT NICHT DAZU!

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Vorwärts-Abwärts – eine Story

Vor ein paar Wochen konnte ich, während der Arbeit mit einer Reitschülerin, parallel eine Reiterin beobachten, die mit ihrem Pferd Lektionen ritt. Das Pferd, war ein Warmblut, mit wunderbaren Gängen, welche man allerdings mehr erahnen als sehen konnte.

Trust-your-Horse - Vorwärts-Abwärts - noch eine Geschichte

Die junge Dame begann  nach einer sehr kurzen Schrittphase zu traben, dabei, wie auch im später folgenden Galopp, ließ sie ihr Pferd Vorwärts-Abwärts gehen, mitunter in einer sehr tiefen Einstellung.

Es wäre wirklich lohnenswert gewesen, diesen Ritt auf Video aufzuzeichnen, denn man konnte eine ganze Menge herauslesen, was Vorwärts-Abwärts (in welcher Variante auch immer) in Frage stellt! Hier ein paar Punkte:

  1. Der hohe Bewegungsdruck aus der Hinterhand musste vom Pferd mit stark stützenden Vorderbeinen abgefangen werden. Diese (die Vorderbeine) mussten dabei einen „Spagatschritt“ (in Bewegungsrichtung) machen!
  2. Durch die vermehrt stützende Funktion kamen die Vorderbeine nicht schnell genug aus dem Boden, so dass sich das Pferd ab und zu in die Unterseiten der Vorderhufe trat oder es seitliche Ausweichschritte vollführte.
  3. Die Kruppe wurde hinten ausgestellt und machte hüpfende Aufwärtsbewegungen!
  4. Sattel und Reiter wurden der Vorhand zugeworfen und drückten zwangsläufig in den Trapezmuskelbereich. Ein „Selbsttragen“ des Pferdes wird damit massiv eingeschränkt oder gar unmöglich gemacht.
  5. Ab einem bestimmten Tempo stellte das Pferd die Beschleunigung ein, da es sonst in ernstliche Schwierigkeiten gekommen wäre. In solchen Momenten wird oft durch den Reiter nachgetrieben und so das Pferd weiter unter Stress gesetzt.
  6. Als die junge Dame das Pferd wieder aufnehmen wollte, ging es sofort hinter die Hand und der Hals zeigte einen deutlichen „falschen Knick“. D.h. das Pferd legte sich zunächst auf die Hand (was man ihm ja durch V/A „beigebracht“ hat) und wich dem sich damit verstärkenden Druck auf Zunge und Lade schließlich nach hinten aus. Dies wurde – und das sei hier auch ausgeführt – durch den Sperrriemen, den das Pferd trug begünstigt. Welche Möglichkeiten der Artikulation hätte das Pferd denn auch sonst noch gehabt – außer Bocken vielleicht, wozu diese Hals-/Kopfposition geradezu als Einladung an das Pferd aufgefasst werden konnte.
  7. Insgesamt war das Pferd zu JEDEM Zeitpunkt, bei jeder Übung oder Lektion deutlich auf der Vorhand!

Ein reelles Aufrichten eines solchermaßen trainierten Pferdes ist schlicht unmöglich oder allenfalls ein Produkt des Zufalls oder der Kraft in den Armen des Reiters.

Ergänzend sei noch angemerkt, dass diese Art zu Reiten für den modernen Pferdetyp – dem Rechteckpferd im Quadratformat mit enormer Schubkraft und großer Aktion – nahezu einer grob fahrlässigen Körperverletzung gleichkommt!

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

(Foto: fotolia.com)

1 URSACHE, 3 Aufgaben – eine Menge Fehlinterpretationen!

  1. Den Weg in die TIEFE finden
  2. Den Rücken (wieder) aufwölben
  3. Sich an die Hand/Gebiss herandehnen

Allen Dreien gemein ist der gleiche Ausgangspunkt: Ein Pferd (ein Remonte) – mitunter auch ein Korrekturpferd – welches unter der Belastung des Reitergewicht (oder anderen Gründen) den KOPF unnatürlich HOCH TRÄGT, den RÜCKEN WEGDRÜCKT und sich GEGEN DAS GEBISS WEHRT.

DER „STERNENGUCKER“

Trust-your-Horse - Der Sternengucker

DER KORREKTE WEG IN DER VERGANGENHEIT

  1. Die erste Aufgabe des Reiters war es nun, dem „SternenguckerDEN WEG IN DIE TIEFE FINDEN ZU LASSEN oder ZU ZEIGEN! Die TIEFE (wieder sei es erwähnt) ist die „natürliche Haltung“ des Pferdes (Nase des Pferdes auf Höhe Hüftgelenk)!
  2. Dabei war natürlich darauf zu achten, dass der abgesenkte RÜCKEN DES PFERDES sich wieder bis zur ursprünglichen „natürlichen horizontalen RückenwirbellinieAUFWÖLBT. Geringgradig sogar etwas darunter bleibt, so dass die Muskulatur, in seine natürlich Spannung kommend, sowie die Bänder und das Skelett nun gleichermaßen ihren Beitrag zum Tragen (des Reitergewichts) leisten können.
  3. Die Gewöhnung an die Trense wurde i.d.R. bei der Kavallerie mehr oder weniger parallel durchgeführt und mit wenig Zeitaufwand betrieben. In der „Sternengucker-Position“ nimmt das Pferd die Trense nicht an und geht über die Trense. Im Zuge der vorgenannten Aktivitäten musste deshalb auch darauf geachtet werden, dass das Pferd sich AN DAS GEBISS HERANDEHNT. Also von seiner „Verweigerungs-„ zu einer „Kooperationsposition“ kommt.

Das war es, was erreicht werden sollte und was sich hinter den obigen Sätzen verbirgt! Wenn das Thema durch war, so nach ein paar Tagen, das Pferd also in seine „natürliche Haltung“ zurückgefunden hatte, dann kamen diese Aktivitäten höchsten noch zum Zwecke der KORREKTUR zum Einsatz.

WAS WURDE NEUZEITLICH DARAUS GEMACHT?

  1. Ein AKTIVES Vorwärts-Abwärts-Reiten, ausgehend von einer „hohen“ Einstellung Nase Höhe Buggelenk (sogenannte korrekte Dehnungshaltung) bis hin zur Nase unmittelbar über den Boden – „Jagdhundschnüffelei“ oder sinnloser Showeffekt bei den Westernreitern. Alle diese Varianten haben KEINEN signifikanten Trainingsnutzen! Im günstigsten Fall beinträchtigen sie nur die Entwicklung der Pferde in die richtige Richtung. Im ungünstigsten Fall aber schaden sie den Pferden auch!
  2. Eine starke Betonung darauf, dass der Rücken sich aufwölben müsse. Dabei hat man Bilder von „nach oben gewölbter Rückenlinien“ im Kopf. Ein „Aufwölben des Rückens“, über die normale horizontale Linie der Rückenwirbelsäule hinaus, ist nicht nur nicht notwendig, sondern hat auch stark nachteilige Effekte: a) Es müssen Beugemuskeln (die dafür nicht vorgesehen sind!) für diese Aktivität missbraucht werden, es entstehen VERSPANNUNGEN b) die langen Rückenmuskeln können nicht mehr beim Tragen unterstützen. Der Reiter sitzt quasi auf den Knochen!
  3. Das Herandehnen an die Hand/Gebiss wurde zur fixen Idee. Auf Gedeih und Verderben soll das Pferd an das Gebiss herantreten, um sich davon später wieder abzustoßen. In der Verbindung mit Vorwärts-Abwärts (auch Dehnungshaltung) ein sogar ausgemachter Unsinn! Es ging in der Vergangenheit nur darum, dass das Pferd das Gebiss willig akzeptierte (ausgehend vom Bild des „Sternenguckers“) – nicht mehr und nicht weniger!

Nun kann man sage: „Was soll es?!“ Aber so einfach ist das nicht. Aufgrund solcher Interpretationsfehler bekommen Pferde Probleme. Gelingt das neuzeitlich (FALSCHE) Vorgehen nämlich nicht, weil es auch trainingstechnisch unlogisch ist, dann ist eine Vielzahl der Reiter schnell bereit, zusätzliche Ausrüstungsgegenstände (wie z.B. Sperrriemen, Ausbinder, Schlaufzügel …) aber auch fragwürdige Methoden (wie z.B. Rollkur …) zu nutzen, um zu diesen NICHT NOTWENDIGEN Ergebnissen falscher neuzeitlicher Zielsetzungen zu gelangen!

Nutzt man es dagegen so, wie es die „Alten“ angedacht haben, dann erspart man sich und vor allem dem Pferd viel Ungemach.

Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership