Wie nimmt ein Pferd wahr?

Nur ein kurzer Text dazu …

Es wird viel geschrieben und gesagt über die Wahrnehmung eines Pferdes. Doch, wie nimmt es wirklich wahr? Konzentrieren  wir uns in diesem Beitrag im Wesentlichen nur mal auf den optischen Sinn, das SEHEN des Pferdes.

Trust-your-Horse - Wahrnehmung des Pferdes

Oft wundert man sich, warum Pferde plötzlich reagieren, obwohl vermeintlich kein Anlass dazu gegeben scheint. Ein kleines Experiment wird Dir zeigen, warum das so ist.

Wir Menschen besitzen die SPRACHE. Sie hat uns in unserer Entwicklung sehr, sehr weit gebracht und sie ermöglicht es mir gerade, Dir etwas über die Wahrnehmung der Pferde zu vermitteln. Aber sie steht uns bei vielen „natürlicheren“ Dingen auch ganz heftig im Weg!

So neigen wir unbewusst dazu, beim Betrachten einer Landschaft, Objekte zu benennen (… ein Auto, ein Strauch, ein Vogel etc. etc.). Damit ISOLIEREN wir diese Objekte. Eine blaue Plane auf einem Reitplatz ist für uns auch in der freien Natur, so sie dort liegen sollte, eine blaue Plane und wir können eine Verbindung zwischen diesen Planen herstellen.

Nicht so für das Pferd. Dieses ist nicht in der Lage Objekte durch Benennungen zu isolieren.

Die blaue Plane auf dem Reitplatz ist für das Pferd nur ein blauer „Fleck“ im Gesamtbild des Reitplatzes. Dieselbe blaue Plane in das Gelände verbracht, wird vom Pferd als ein blauer „Fleck“ in der Landschaft wahrgenommen. Beide blauen Flecke haben nichts miteinander gemein und das Pferd kann auch (zunächst) keine Verbindung zwischen diesen „Flecken“ herstellen.

Das bedeutet: Wenn nun diese Plane am Vortag noch nicht an diesem Ort im Gelände war, dann ist es für das Pferd ein Grund zu reagieren! Durchaus egal wie oft man das Pferd auf dem Reitplatz auf die Konfrontation mit der, nach menschlichem Dafürhalten, blauen Plane vorbereitet hat.

Das ist EIN Aspekt.

Auf einen weiteren Aspekt, warum Pferde manchmal anders reagieren, als wir es erwarten, möchte ich nun mit dem angekündigten kleinen Experiment kommen. Auch hier spielt  ebenfalls die Sprache eine Rolle.

VERSUCH DOCH MAL DIE LANDSCHAFT VOR DIR SO ZU BETRACHTEN WIE DIES EIN PFERD TUT

Das heißt, LASS DIE SPRACHE WEG, benenne keine Objekte!

Dies ist nicht so ganz einfach und bedarf ein kleines bisschen Übung – ist aber machbar.

Du wirst nun erleben, dass plötzlich alles viel ruhiger, um nicht zu sagen langweiliger wirkt – zunächst einmal. Dein Unterbewusstsein stresst sich nicht mehr mit der Benennung von Objekten (schlicht ausgedrückt).

Das aber setzt Kapazitäten frei, die in die WAHRNEHMUNG investiert werden. Plötzlich nimmst Du den Schmetterling in 200 m Entfernung sofort wahr, weil er sich eben bewegt. Deine Wahrnehmung beschleunigt sich und Deine bisher gemachten Erfahrungen tragen nun auch viel schneller dazu bei, eine Situation als gefährlich oder ungefährlich einzustufen. Deine Reaktionsfähigkeit steigt deutlich an.

So, nun kennst Du zwei Gründe, warum Pferde etwas anders reagieren, als wir es erwarten würden 🙂

PROBIERE ES AUS UND DU WIRST DEIN PFERD WIEDER EIN KLEINES BISSCHEN BESSER VERSTEHEN!

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Übungen dürfen nie Selbstzweck sein

Eine Schule – beispielsweise Schulter(n)herein, welche zur Ausführung kommt, ist niemals Selbstzweck, sondern muss IMMER und in allererster Linie einem gymnastizierenden oder korrigierendem Nutzen folgen.

Trust-your-Horse - Schulterherein de la Guerinere

Jede Schule weißt dabei EINE optimale Form auf, in der der trainingstechnische NUTZEN vollends zur Entfaltung kommen kann.

Beim Beispiel SCHULTER(N)HEREIN wären dies z.B., ein Abstellwinkel des Pferdes zur Bande, von 40-42 Grad, die Nase innerhalb der UNTERSTÜTZUNGSFLÄCHE (Fläche zwischen den Verlängerungslinien der Schultern nach vorn), Aufrichtung und langsame Bewegungen im gleichmäßigen Fluss.

Im Verlaufe des Trainings wird man sich diesem trainingstechnischen Optimum, je nach Pferd, mehr oder weniger schnell annähern.

Oft aber ist man auch gezwungen Abweichungen von diesem Optimum für kurze Phasen oder auch über mehrere Trainingseinheiten, je nach Pferd, in Kauf zu nehmen, um Spezialprobleme zu lösen.

Was bringt das Bestreben sofort das Optimum erreichen zu wollen, wenn die Bewegungsmöglichkeiten des Pferdes dieses (noch) nicht zulassen und man dadurch nur Widersetzlichkeiten und Vertrauensverlust von Seiten des Pferdes provoziert.

Bestmöglicher Lernerfolg hat IMMER Priorität vor netter Darstellung und schnellen Showeffekten!

Dennoch aber ist dieses Optimum auch innerhalb einer „Korrektur“ immer wieder abzufragen, mit dem Ziel dieses möglichst schnell zu erreichen, denn nur das Optimum bietet 100%-Trainingsergebnis.

(Bild: Schulterherein de la Guérinière)

#trustyourhorse #denkspruenge

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Fühle – das Pferd zeigt Dir den Weg

Es ist so schnell dahingesagt „Du musst nur fühlen, dann sagt Dir das Pferd schon was zu tun ist …“.

Trust-your-Horse FÜHLE - das Pferd zeigt Dir den Weg

Ja, das Pferd sagt uns sehr viel, wenn wir nur genau HINFÜHLEN:

  • es sagt uns, wenn es müde ist,
  • es sagt uns, wenn es traurig ist,
  • es sagt uns, wenn es sich freut,
  • es sagt uns, wenn es Hunger hat,
  • es sagt uns, wenn es sich nicht wohl fühlt,
  • es sagt uns, wenn es uns mag oder auch nicht mag,
  • es sagt uns, wenn es etwas nicht versteht.

Das alles und viel mehr, sagt uns das Pferd, wenn wir unsere Sinne öffnen.

ABER DAS PFERD WIRD UNS NICHTS DARÜBER SAGEN, WIE WIR ES VERÄNDERN SOLLEN.

Denn das, was sich am Pferd verändern MUSS, um als Reitpferd ein langes Leben gesund, motiviert und leistungsbereit zu bleiben, KANN ES UNS NICHT SAGEN!

Wenn wir ein Pferd verändern, dann wird es uns dabei immer wieder die berechtigte Frage stellen: WAS SOLL DAS? Wir aber können ihm nicht erklären: „Du musst jetzt Deinen inneren Schweinhund überwinden und es tun, danach wirst Du Dich viel besser, stärker und stolzer fühlen“. Es wird uns nicht verstehen!

In sehr, sehr feinen, aber auch sehr, sehr groben  ÜBERSPRUNGSREAKTIONEN wird es immer wieder die Frage nach dem Sinn, dessen was wir gerade mit ihm tun, aufwerfen.

Diese ÜBERSPRUNGSREAKTIONEN, schon die Feinsten von ihnen, müssen wir wahrnehmen und vor allem richtig bewerten können. Dazu bedarf es sehr viel Empathie. Wer allerdings Emotionen zulässt, wird nur das Grobe erleben, NIE das FEINE erfühlen!

Nein, das Pferd sagt uns NICHT, wie wir es ausbilden sollen – das KANN ES NICHT!

Aber es sagt uns sehr viel, wie es sich bei dem, was wir mit ihm tun FÜHLT! Wir müssen RECHTZEITIG (den Hauch eines Anzeichens) erkennen, ob es beispielsweise

  • müde ist,
  • etwas nicht verstanden hat,
  • überfordert ist,

Und wir müssen sofort darauf reagieren!

UNSER „ZUHÖREN“ HILFT DEM PFERD NUR AUF DEM WEG, WIR WERDEN ABER NICHTS DARÜBER ERFAHREN, WAS ZU TUN IST, UM DAS PFERD KÖRPERLICH ZU VERÄNDERN – DAS WIRD UNS DAS PFERD NICHT ERZÄHLEN KÖNNEN!

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

Die Konzentration des Pferdes

Pferde sind konzentrationsschwache Lebewesen. Für ein Fluchttier sind im Grunde längere Spannen der Konzentration nicht nötig – anders bei einem Raubtier.

Oft wird gesagt, dass die Konzentrationsspanne eines (jungen) Pferdes etwa 20 Minuten betragen würde.

Trust-your-Horse - Die Konzentration des Pferdes

Diese Aussage will ich so nicht mittragen.

Man kann ein (junges) Pferd durchaus 1-2 Stunden arbeiten und die Konzentration dabei immer wieder „beleben„. Denn meiner Erfahrung nach ist die Konzentration NICHT ABHÄNGIG VON DER ZEITDAUER, sondern von dem was man vom Pferd verlangt und wie gut das Pferd dieses bereits kann.

Bei einer wenig anspruchsvollen Übung ist die Konzentrationsspanne länger, bei einer schwierigen ggf. auch noch unbekannten Übung dagegen deutlich kürzer.

Während ich bei einer leichten Übung durchaus 10 Minuten am Stück ohne Pause mit einem Pferd arbeiten kann, würde eine schwere Übung schon nach 10 Sekunden eine Pause erfordern.

Wenn ich hier von Pause spreche, dann heißt das STEHPAUSE und das unbedingt MINUTENLANG! Das Pferd bekommt dadurch Zeit nachzudenken, sich zu erholen und lernt als weiteren positiven Nebeneffekt lange stehenzubleiben!

Noch ein Hinweis:

PFERDE LANGWEILEN SICH NICHT, wenn man immer wieder und wieder dasselbe verlangt.

Wenn ein Pferd bei einer Übung Übersprungsreaktionen zeigt, dann keinesfalls aufgrund von Langeweile! Solche Reaktionen entstehen allermeistens dann, wenn das Pferd die Übung (noch) nicht versteht oder es müde wird.

MÜDE = PAUSE – immer noch MÜDE = Feierabend (auch schon mal nach 20 Minuten)!

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership

STRESS ist der Maßstab

Das Training von Pferd und Reiter muss im Kern stets darauf abzielen, bestimmte BEWEGUNGS-, HALTUNGS-, und REAKTIONSMUSTER bei beiden Lebewesen grundlegend zu verändern.

Trust-your-Horse - Maßstab STRESS

Nur so ist es möglich das hehre Ziel von Harmonie und wirklich feinem Reiten zu erreichen. Das „natürliche“ Pferd und der „natürliche“ Mensch sind ohne diese „Arbeit“ nicht wirklich kompatibel und neigen, häufiger als man vielleicht denken mag, zu „unkontrollierbaren“ INSTINKTIVEN Reaktionen.

Nun ist es aber so, dass viele dieser Muster sich im Laufe eines Lebens stark gefestigt haben und nur schwer veränderbar sind. Konsequentes Wiederholen (Drill) NEUER Muster, in immer der gleichen Art und Weise (Disziplin), ist hier der EINZIGE und vor allem NACHHALTIGE Weg.

Dieses KONDITIONIEREN hört sich nun zwar sehr eintönig und langweilig an – ist es im Grunde auch. Deshalb macht sich ja kaum noch jemand die Mühe solche Veränderungen der Muster akribisch zu erarbeiten.

Man reitet lieber Lektionen oder Manöver. Doch damit verändert man keine relevanten Muster. Man DRESSIERT nur das Pferd, lehrt ihm das Abspulen bestimmter Abläufe in BESTIMMTEN SITUATIONEN.

Der Reiter selbst verändert sich dabei auch nur insofern, dass er mit der Zeit immer besser darin wird – ohne besser zu sein – die „Probleme“ die er mit dem Pferd hat, zu korrigieren. Probleme, die er nicht hätte, wenn er SICH und das Pferd verändert hätte.

So, kommen wir nun zum Maßstab STRESS

Die Qualität einer Ausbildung drückt sich NICHT in schön gerittenen Lektionen oder Schulen aus. Die perfekteste Piaffe oder der schnellste Spin sind nichts wert, wenn das Pferd oder der Reiter bei STRESS in seine alten Bewegungs-, Haltungs- und Reaktionsmuster zurückfällt. Dann war die ganze Ausbildung – flapsig ausgedrückt – „für die Katz!“. Da ändern auch gewonnene Pokale und Schleifen nichts daran.

Nur wenn es gelungen ist – und das ist ECHTE KONZENTRIERTE MILIMETERARBEIT – die richtigen NEUEN MUSTER nachhaltig zu etablieren, dann werden Pferd und Reiter auch unter extremen Stress, im Sinne der neuen Muster gelassen und angemessen reagieren.

Angemerkt sei auch noch:
Das Leben von Pferd und Reiter sollte auch und besonders außerhalb der Reitbahn stattfinden.
JEDES Pferd sollte im Gelände geritten werden können! Gelingt dies nicht, dann ist die Ausbildung UNVOLLSTÄNDIG (freundlich ausgedrückt).

aus Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachet
Autor: Richard Vizethum
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved
(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
www.trust-your-horse.com is a product of A.R.T. Leadership