Gefühl und reiterlicher Sitz

Immer wieder bekommt man zu hören oder zu lesen, dass der Reiter den “richtigen“ SITZ mit der Zeit ERFÜHLEN wird. Solche oder ähnliche Aussagen sind richtig und falsch gleichermaßen.

Trust-your-Horse - Gefühl und reiterlicher Sitz

Um dies zu verstehen, muss man beim reiterlichen SITZ zunächst einmal differenzieren in

  1. jene Anforderung an den Sitz, der uns das OBENBLEIBEN auf dem Pferd in allen Gangarten ermöglicht und
  2. jene KOMMUNIKATIVE ANFORDERUNG an den Sitz, mit dem wir bewegungsverändernd auf den Pferdekörper einwirken können.

Für Ersteres, also das OBENBLEIBEN in allen Gangarten ist das HINEINFÜHLEN in die Bewegung des Pferdes elementar und absolut RICHTIG! Dies ist aber nur die – nennen wir sie mal Basisanforderung – an den reiterlichen Sitz – eben das OBENBLEIBEN, möglichst ohne das Pferd in seinen Bewegungen zu stören.

Für den zweiten Punkt, der KOMMUNIKATIVEN ANFORDERUNG an den Reitersitz, allerdings kommt man mit dem FÜHLEN nicht weit, um nicht zu sagen es ist nahezu unmöglich.

Dies liegt zum einen daran, dass man erst einmal wirklich wissen muss, was man eigentlich fühlen soll und zum anderen an dem nicht so ganz unwesentlichen Faktor, dass der menschliche Körper ein noch größerer Lügner als der menschliche Geist ist.
Unser Körper ist ein Weltmeister darin, uns den richtigen Sitz vorzugaukeln. So mögen wir glauben uns korrekt nach links gedreht zu haben – obwohl wir tatsächlich noch eine DEUTLICHE Rechtsdrehung aufweisen. Auch sind die meisten Reiter der Meinung sie würden gerade sitzen, obwohl sie sich gerade stark mit dem Oberkörper nach hinten neigen.

Das muss man doch spüren!“ wird hier vielleicht der eine oder andere naiv anmerken.

Nein, das spürt man eben nicht! Nur wenn man immer wieder und wieder korrigiert wird, wird das was!

Oft glaubt man selbst den Aussagen von gewissenhaften Beobachtern nicht, dass man falsch sitzt und es bedarf schon des Fotobeweises um die Lüge des eigenen Körpers zu entlarven.

100% (da lehne ich mich gar nicht einmal so weit aus dem Fenster) der Reiter kommunizieren (vor der konsequenten Korrektur) über ihren Sitz fehlerhaft. Nicht das FÜHLEN, sondern nur das DRILLMÄSSIGE (böses Wort) ÜBEN, jenes immer wieder Bewusstmachens der Sitzfehler, kann hier nachhaltig für Abhilfe sorgen.

Möchte man allerdings weiter auf sein FÜHLEN hoffen, dann korrigiert man immer das Pferd zu Unrecht, stört es in seinen Bewegungen und verlängert unnötig die Ausbildungszeit.

Ich gehe aus meiner Erfahrung davon aus, dass man 40% Ausbildungszeit des Pferdes einsparen könnte, wenn der Reiter bereit wäre, seinen KOMMUNIKATIVEN SITZ unter Anleitung (ohne geht nicht) zu verbessern!

Ein Sachverhalt, der sicher im Sinne des Pferdes wäre – aber natürlich viel ARBEIT FÜR DEN REITER bedeutet! Unteren Strich aber würde man erheblich Zeit sparen und man käme mit JEDEM, und nicht nur mit seinem eigenen Pferd (welches sich irgendwann auf die Reiterfehler eingestellt hat) zurecht.

Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet“
Autor: Richard Vizethum
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Der Schulgalopp – ein paar Worte dazu

Der GALOPP ist ein Galopp, eine NATÜRLICHE GANGART, ein SCHULGALOPP dagegen ist im eigentlichen Sinne KEIN Galopp und unterliegt somit nicht den Gesetzmäßigkeiten des Galopps!

T.Y.H. Der Schulgalopp - ein paar Worte dazu

De la Guérinière nannte diese SCHULGALOPP „Galopade“ und ordnete diese den KÜNSTLICHEN GANGARTEN zu.

Die Galopade oder der Bahngalopp ist ein vereinigter wohl zusammengenommener Galop, in welchem die Bewegung der Vorhand abgekürzt und die der Hinterhand geschwind ist; das heißt: ein Galop, in welchem die Hinterhand nicht geschleppt wird, und der durch die Gleichförmigkeit der Sprünge des Pferdes jene schöne abgemessene Bewegung hervorbringt, die den Zuschauer eben so sehr einnimmt, als sie dem Reiter Vergnügen gewährt.“[1]

Im Gegensatz zu einem korrekten NATÜRLICHEN GALOPP, welcher in einem Dreischlag ausgeführt wird, ist der SCHULGALOPP eine VIERSCHLAG-GANGART!
Dies ist aufgrund der starken Beugung der Hinterhand, als eine Charakteristika des SCHULGALOPPS, und der damit verbunden hohen Lastaufnahme auf diese, auch nicht anders möglich.

Diese Belastung der Hinterhand und deren „geschwinden“ Bewegung führen dazu, dass das äußere Vorderbein minimal zeitversetzt nach dem inneren Hinterbein fußen muss. Der „Diagonalsprung“ ist also „gebrochen“ und der „Galopp“ wird zur Vierschlagbewegung. Beim NATÜRLICHEN GALOPP wären diese beiden Beine assoziiert, würde also gleichzeitig fußen.

Waldemar Seunig schrieb dazu:
Das äußere Vorderbein fußt, den Sinnen kaum wahrnehmbar – so wie in der Pirouette -, erst einen Augenblick nach dem inneren Hinterbein“.[2]

Weiter führt Seunig aus: „In der Praxis werden wir bei deutlich hör- und sichtbarem VIERSCHLAG immer auch gleichzeitig die Wahrnehmung machen, daß der Galopp sein Hauptmerkmal – das fleißige Unterspringen – einbüßt. Seine Bewegungen verlieren ihre Flüssigkeit und Rundung, er wird schleppend und matt, steif und hackig.“[3] Damit wirft Seunig indirekt eine kleine akademische Fragestellung bezüglich des Versammlungsgrades und der Qualität der Ausführung des SCHULGALOPPS auf.

Je höher der Versammlungsgrad, desto größer der Verlust des Hauptmerkmals des Galopps et vice versa.

Eines aber ist immer gegeben:
Der korrekte SCHULGALOPP ist ein VIERSCHLAGGALOPP und wird deshalb auch zu Recht zu den KÜNSTLICHEN GANGARTEN gezählt.

Nuno Oliveira bekräftigt diese Aussage und positioniert sich klar gegen die Vorstellung, dass der SCHULGALOPP ein DREISCHLAG wäre:
Behaupten auch manche, der Galopp müsse immer ein Dreischlag sein, so kann man doch Galopp auf der Stelle und Pirouetten nur im Vierschlag ausführen.“[4].

Er bezieht dies nicht nur auf den Galopp auf der Stelle und die Pirouetten, sondern explizit auch auf den versammelten Galopp (Schulgalopp):

„Geht man zu einem Galopp mit sehr hankenverlagertem Gleichgewicht über, wird dieser versammelte Galopp [Schulgalopp] zu einem Vierschlaggalopp. Die Zweizeitigkeit des äußeren diagonalen Fußpaares erfolgt durch Aufsetzen des inneren Hinterbeines vor dem äußeren Vorderbein.“[5]

Nun kann man nach der Sinnhaftigkeit des SCHULGALOPPS fragen, doch auch diese Fragestellung hat in gewisser Weise nur akademischen Charakter, welche mit dem flapsigen Satz „Man kann ihn machen – muss es aber nicht!“ einfach beantwortet werden kann.

Der SCHULGALOPP erfordert vom Pferd ein hohes Maß an Balance, Koordination und vor allem auch Kraft. Er ist deshalb ein sehr großer Prüfstein für die RITTIGKEIT eines Pferdes.

Eines tut der korrekte, auf einem RITTIGEN PFERD ausgeführte, SCHULGALOPP keinesfalls: Er sorgt nicht, wie mancher – eher neuzeitlich angehauchter Reiter meinen mag – zu einer Qualitätsverschlechterung des NATÜRLICHEN GALOPPS! Eher ist, wie auch bei den anderen SCHULGANGARTEN, das Gegenteil der Fall. Allerdings ist die Qualität der Ausführung dafür ausschlaggebend.

Bild:

Die linke Seite des Bildes zeigt eine „Galopade“ welche dem Buch von Francois Robichon de la Guérinière über die „Reitkunst“ entnommen wurde, die rechte Seite des Bildes zeigt eine „Galopade“ durchgeführt von meiner großartigen Schülerin Sonja Leitenstern (Zentrum für klassische Reiterei) auf ihrem wunderbaren 10-jährigen Württemberger-Hengst „Dantano„.

Quellen:

  • [1] Francois Robichon de la Guérinière | „Reitkunst“ | dt. Übersetzung von J. Daniel Knöll 1817 |Verlag Olms | Seite 140
  • [2] Waldemar Seunig | „Von der Koppel bis zur Kapriole“ | 4. Nachdruck der Ausgabe von 1943 | Verlag Olms | Seite 330
  • [3] Waldemar Seunig | „Von der Koppel bis zur Kapriole“ | 4. Nachdruck der Ausgabe von 1943 | Verlag Olms | Seite 330
  • [4] Nuno Oliveira | „Gedanken über die Reitkunst“ | 1999 | Verlag Olms Presse | Seite 191
  • [5] Nuno Oliveira | „Gedanken über die Reitkunst“ | 1999 | Verlag Olms Presse | Seite 191

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Millimeterarbeit

Das ideale Pferd, welches schon als Reitpferd geboren wurde, gibt es nicht, auch wenn man gerne davon spricht, dass die Zucht heute RITTIGE Pferde „produzieren“ würde.

Nur RITTIGE Pferde sind Pferde, die ein langes Pferdeleben lang, gesund, motiviert und leistungsbereit bleiben und die alle an sie durch uns gestellten Anforderungen, ohne Schaden an Körper und Geist zu nehmen, bewältigen können.

Trust-your-Horse - Millimeterarbeit

Kein Pferd wird als Reitpferd geboren. Nur Wenige werden begünstigt geboren. Die allermeisten Pferde jedoch haben mehr oder weniger Gründe die die Nutzung als Reitpferd zunächst einmal einschränken:

Sie liegen mit einem großen Teils ihres Gewichtes auf der Vorhand und sind schief. Viele Pferde sind vorne oder hinten überbaut, haben rückständige oder vorständige Vorderbeine. Gelenkswinkel sind nicht optimal, um für eine ausreichende Federung unter dem Reiter zu sorgen. Die Schultern sind zu kurz oder zu lang, Querarme liegen fast waagerecht und schränken die vordere Stoßdämpfung ein und so weiter …

Solche Einschränkungen können je nach Grad der Nutzung zu mehr oder weniger gesundheitlichen Problemen beim Pferd führen.

Schaden werden die Pferde – verändert man sie nicht körperlich – durch das Reiten auf jeden Fall nehmen, auch wenn uns dieser nicht immer bewusst wird, weil er sich oft langsam und schleichend einstellt und wir die Ursachen gerne anderen Gründen zuschieben wollen.

RITTIGE Pferde werden nicht geboren, sondern sie werden dazu AusGEBILDET!

Jedoch hat die Natur dem Körper eines jeden Lebewesens eine gewissen Umformungs-Flexibilität mitgegeben. So ist es möglich, das Pferd so umzuformen, dass es ihm ohne Probleme ermöglicht wird, einen Reiter und dessen Anforderungen ohne Schaden an Körper und Geist, zu ertragen.

Jedes Pferd MUSS vom NATÜRLICHEN PFERD zum REITPFERD umgeformt werden!

Dies geht nicht (nur) durch Vorwärts-Reiten und dem Prinzip der Anglomanen: Das Gelände wird es schon richten. Dies geht auch nicht durch das Pauken von Lektionen oder dadurch, dass man Pferde im Galopp durch Seitengänge fallen lässt …

Diese Formungs-Arbeit ist MILIMETERARBEIT und keine Spielerei. Sie kostet Zeit und Geduld und sie fordert viel Wissen!

Solche Arbeit geht nicht in ein paar Monaten oder Trainingseinheiten. Das Pferde muss aufgerichtet werden, die Halswirbelsäule in eine etwas andere Form gebracht werden, mit ihr die Rückenlinie (Wirbelkörper) in Richtung Waagerechte angehoben werden. Es müssen Gelenkswinkel in Vor- und Hinterhand verändert werden etc. etc. etc. …

Dies ist ein konzentrierter Entwicklungsprozess, bei dem ein sinnvoller Schritt auf den nächsten sinnvollen Schritt aufbaut und er folgt einem exponentiellem Verlauf. D.h. man sieht lange kaum Fortschritte, bis es schließlich zu einer Entwicklungsexplosion kommt.

Dies muss man bei der AusBILDUNG eines Pferdes berücksichtigen und diese AusBILDUNG muss getan werden – für die dauerhafte Gesundheit des Pferdes.

Wer dies nicht sehen will, oder glaubt dies durch diverse Spielereien zu erreichen, sollte sich entweder einmal etwas eingehender damit beschäftigen, oder sich besser ein Fahrrad kaufen!

Denn für das Pferd haben wir eine Verantwortung!

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Kraft vor Ausdauer

Bild

Trust-your-Horse - Kraft vor Ausdauer

AUSDAUER arbeitet auf der Vorhand. Ein Pferd, das auf der Vorhand arbeitet, arbeitet im Zweifel instinktiv immer gegen den Reiter.
Ein Pferd, das auf der Hinterhand arbeitet, weil dort KRAFT vorhanden ist, ist stets kontrollierbar und nimmt sich selbst aus der Hand des Reiters.

Trainiert man nun Ausdauer zuerst (was im Allgemeinen so stattfindet!) dann kann das Pferd AUSDAUERNDER gegen den Reiter arbeiten!

Noch zwei kleine Hinweise dazu:

AUSDAUER IST ZU 80% WILLE UND 20% KÖRPER
KRAFT IST ZU 80% KÖRPER UND 20% WILLE

IN DER KRAFT IST AUSDAUER ENTHALTEN
IN DER AUSDAUER ABER KEINE KRAFT

So und nun denkt mal über den Sinn von Longieren und Freilaufen unter dem Motto: „Das Pferd muss doch bewegt werden!“, nach.

#trustyourhorse #denkspruenge

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Umformung des Pferdes

In der heutigen Zeit herrscht die extrem angloman geprägte Meinung vor, dass man ein Pferd primär durch Vorwärts-Reiten ausreichend trainieren und gymnastizieren könnte.

Trust-your-Horse - Umformung des Pferdes

Diese Meinung stützt sich u.a. auf die Forderung von Gustav Steinbrecht, die er als „erste Hauptgrundsätze der Kunst“ jedem Reiter zurufen wollte:

Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade!“ [1]

Nur mit dem „Reite dein Pferd vorwärts“ hat Steinbrecht ganz was anderes gemeint, als das, was die gemeine anglomane Reiterwelt darunter verstehen WOLLTE.

Dies machte er in folgender Aussage deutlich:

Unter diesem Vorwärtsreiten verstehe ich nicht ein Vorwärtstreiben des Pferdes in möglichst eiligen und gestreckten Gangarten, sondern vielmehr die Sorge des Reiters, bei allen Übungen die Schubkraft der Hinterbeine in Tätigkeit zu erhalten, dergestalt, daß nicht nur bei den Lektionen auf der Stelle, sondern sogar bei Rückwärtsbewegungen dass Vorwärts, nämlich das Bestreben, die Last vorwärts zu bewegen, in Wirksamkeit bleibt. Man befähigt daher das Pferd durch Übung, seine Schubkraft durch Belastung bis zum Äußersten zu beschränken, man unterdrücke sie aber niemals durch Überlastung“ [1]

Ja“, wird nun der eine oder andere sagen, „… das ist mir schon klar, dass er nicht an das Vorwärtstreiben des Pferdes gedacht hat…“ und er wird, so oder so ähnlich, hinzufügen „Es geht um ein ruhiges Vorwärtsreiten!“.

Nein, auch darum ging es Steinbrecht nicht, was dem aufmerksamen Leser des obigen Steinbrecht-Zitates möglicherweise beim Lesen des letzten Satzes aufgefallen sein dürfte: „Man befähigt daher das Pferd durch Übung, SEINE SCHUBKRAFT durch Belastung BIS ZUM ÄUSSERSTEN ZU BESCHRÄNKEN, man unterdrücke sie aber niemals durch Überlastung“.

Darüber dürft ihr jetzt mal nachdenken!

ZURÜCK ZUR UMFORMUNG

Den weiteren Ausführungen möchte ich einen Merksatz voranstellen:

DURCH VORWÄRTSREITEN BRINGT MAN KEIN PFERD INS GLEICHGEWICHT!
(vor allem nicht wenn man Vorwärts-Abwärts – egal in welcher Form reitet)

Wozu muss ich ein Pferd ins Gleichgewicht bringen, es hat doch schon ein (natürliches) Gleichgewicht?!“ mag der eine oder andere nun fragen.

WEIL EIN REITER AUF DES PFERDES RÜCKEN SITZT UND ES BEWEGUNGEN UND AKTIONEN AUSFÜHREN MUSS, DIE ES VON NATUR AUS ÜBERHAUPT NICHT ODER NUR FÜR GANZ KURZE MOMENTE DURCHFÜHRT!

Das Reaktionssystem des Pferdes ist darauf nicht ausgerichtet und muss dieses erst lernen. Über Vorwärtsreiten geht das schon auch (rudimentär), nach dem Prinzip: „Lerne oder fall aufs Maul!“.

Um das Pferd nicht in solch üble Verlegenheit zu bringen, und da waren sich alle wahren Reiter und Stallmeister der Vergangenheit einig, ist es das erste Ziel, nein die erste Pflicht eines guten Bereiters, dass Pferd in ein notwendiges NEUES GLEICHGEWICHT zu verbringen.

DIES GEHT NUR DURCH AUFRICHTEN!

Korrektes Aufrichten ist UMFORMUNG – notwendige UMFORMUNG!
Diese kann man sehr kunstvoll durchführen, so dass auch das hässlichste Pferdeentlein zum schönen (und rittigen) Schwan wird.

RICHTIGE UMFORMUNG IST WAHRE KUNST UND WIRD NUR VON WENIGEN BEHERRSCHT

Hierzu noch ein Zitat von Steinbrecht, welches meine Arbeit sehr gut beschreibt:

… so kann der Bereiter bei recht klarem Verständnis seiner Kunst viele natürliche Mängel und Übelstände beim Pferde beseitigen und bei solchen Fehlern und Gebrechen, die ihm durch Mißbrauch oder Unverstand früherer Reiter beigebracht sind, oft wahre Wunder wirken, indem es sie durch entsprechende Richtung [Ausrichtung] des Pferdekörpers oft gründlich zu heilen vermag, nachdem alle tierärztliche Hilfe vergebens angewendet war.“ [2]

#trustyourhorse #denkspruenge #gralswegreiten

Datenquellen:

  • [1] Gustav Steinbrecht | „Gymnasium des Pferdes“ | 16. Auflage 1995 (1. Auflage 1884) | Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen | Seite 72
  • [2] Gustav Steinbrecht | „Gymnasium des Pferdes“ | 16. Auflage 1995 (1. Auflage 1884) | Verlag Dr. Rudolf Georgi, Aachen | Seite 46

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Selbstbetrug Sperrriemen

Blättert man durch diverse Kataloge von Reitsportausstattern, dann kann man eine bedauerlichen Fakt erkennen: Kaum ein Kopfstück für die Bereiche Dressur, Springen, Vielseitigkeit … ist ohne Sperrriemen zu bekommen.

Die Reitsportausstatter demonstrieren damit neben völliger Ignoranz, nur ihr Bestreben eine große Nachfrage zu bedienen. Eine Nachfrage, die sie inzwischen durch ihr breites Angebot – bei dem das Wohlbefinden des Pferdes keine Rolle zu spielen scheint – gezielt steuern.

Trust-your-Horse - Selbstbetrug Sperrriemen

Auch die Reiter und Ausbilder, die diesen Riemen nutzen und damit dem Pferd das Maul zuschnüren oder diesen bei „Problemen“ gerne empfehlen, lassen dadurch nur erkennen, dass ihnen schlichtweg Wissen fehlt. Wissen über Biomechanik, Physik und über die Psyche des Pferdes.

Wenn das Pferd jedoch versucht das Maul aufzusperren, so hat das irgendeinen Grund, den man finden und abstellen sollte – einfaches Zusperren des Maules ist Selbstbetrug
(Paalman Anthony – Springreiten – 1989)

Genau diese Worte des bekannten Springreiters und Parcours-Bauers Anthony Paalman, sollten allen Nutzern des Sperrriemens zu denken geben.

Pikant dabei ist, dass es auch ein experimentierfreudiger SPRINGREITER war, der den Pull(er)riemen des Worcester-Reithalfters missbrauchte, um dem Pferd das Maul zuzubinden, sehr zur Freude der damaligen Reiterschaft. Vermutlich hoffte er dabei, seine reiterliche Unfähigkeit zu kaschieren, denn im Gegensatz zu Paalman hatte dieser Mensch nichts vom Reiten verstanden.

Warum nun aber kommt jemand auf die Idee, dem Pferd das Maul zuzubinden?

Der Erfinder des Hannoverschen Sperrhalfters (wahrscheinlich der Herr von Oeynhausen) wollte dadurch möglicherweise verhindern, dass die reiterlich wenig begabten Eleven der Kavallerieschule in Hannover den Pferden im Maul herumfuhrwerkten und diesen so Schaden zufügten. Ein durchaus, für die damalige Zeit, nachvollziehbarer Grund.

Aber warum dieses Zubinden des Pferdemauls durch die Nutzung des Sperrriemens noch steigern?

Na ja, sieht halt nicht schön aus, wenn das Pferd das Maul aufreißt, maulig ist, die Zunge ständig verdreht oder diese dabei sogar über das Gebiss bringt.

Dagegen „hilft“ Zubinden eben!

Die genannten Verhaltensmuster der Pferde sind aber keineswegs von Natur gegeben und dem Pferd anzulasten. Über 95% der Ursachen kann man getrost beim Reiter und dessen harter und unruhiger Hand, aufgrund eines wenig losgelassenen Sitzes und falscher Lehren suchen. Dies allerdings mag man sich nicht allzu gerne eingestehen. Lieber kaschiert man optisch.

So eine FALSCHE LEHRE und neuzeitlicher Unsinn ist die propagierte und bis in extremen Bewegungen von Reitern aller Klassen demonstrierte MITGEHENDE HAND.

Einige Pferde ertragen diese Tortur, indem sie mit der Zunge das Mundstück gegen den Gaumen drücken und so den ständigen Bewegungen des Mundstücks entgegenwirken können.

Viele andere Pferde aber drücken dies durch eine (ungute) Verstärkung der Maultätigkeit (z.B. „Kampfkauen“ …) als ÜBERSPRUNGSREAKTION aus. Manch pferdefreundliches menschliches Wesen sieht darin die Ablehnung der Trense! Mitnichten! ES IST DIE ABLEHNUNG EINER UNRUHIGEN REITERHAND!

Nebenbei bemerkt: Wer von ANLEHNUNG spricht sollte NIEMALS eine mitgehende Hand haben! Denn beides widerspricht sich!

Die Hand des Reiters sollte (bis auf kleine Korrekturen) stets STILLSTEHEN, sie sollte WEICH (runde Hand) und SCHNELL (bei Korrekturen) sein.

Die Reiterhand ist nicht zum (direkten) Lenken des Pferdes da!

Durch den Sperrriemen (für den es KEINE korrekte Verschnallung gibt!) wird auch die Aktivität des ZUNGENBEINS stark behindert. Das ist übel!

Noch übler aber ist es, dass der Sperrriemen verhindert, dass das Pferd sich selbst – von leichteren Blockaden des Zungenbeins – durch Verdrehen der Zunge befreien kann.

Der SPERRRIEMEN IST URSACHE UND LÖSUNGSVERHINDERER gleichzeitig.

Bitte ÜBERDENKT DIE NUTZUNG DES SPERRRIEMENS! Glaubt nicht an Ausbilder oder wohlmeinende „Bandenprofis“, die diesen bei einem „Problem“ empfehlen, denn es gibt IMMER EINE BESSERE UND PFERDEFREUNDLICHERE LÖSUNG!

Korrektes, pferdefreundliches Reiten kennt keinen Sperrriemen!

#trustyourhorse #denkspruenge #ridebyfairmeans

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Die stille Post reiterlichen Wissens

Es war einmal ein großer Lehrer, der hatte einen Schüler, dem er sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Trust-your-Horse - Die stille Post reiterlichen Wissens

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Dieser Schüler nahm das Wissen des Meisters, reduzierte es um das, was er nicht verstand und/oder nicht mochte, ergänzte es um eigene Ideen. Dann wurde der Schüler selbst zum Lehrer, der einem Schüler sein Wissen vermittelte.

Und alle glaubten, sie lehrten nach den Prinzipien des großen Lehrers der Vergangenheit.

Denkt mal darüber nach!

P.S. mit dem geschriebenen Wort ist es noch schlimmer!

#trustyourhorse #denkspruenge

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In eigener Sache – der Gralsweg

Je mehr man über das Reiten weiß, desto klarer wird es, dass es nur EINEN WEG gibt, ein Pferd auszubilden. Diesen Sachverhalt wird man solange negieren wollen, solange man noch nicht genug weiß und noch (hoffentlich) sucht.

Trust-your-Horse - In eigener Sache
(Bild: „GK Cutting Lena“ Leitstute)

SUCHEN heißt nicht, dass finden wollen, was zum jeweiligen eigenen Weltbild passt, sondern ALLES ANZUNEHMEN und darüber intensiv und ohne Scheuklappen NACHZUDENKEN. SUCHEN heißt auch, sich selbst und sein Tun und Denken stets zu hinterfrage.

Allerdings wird dieses Hinterfragen mit zunehmendem Wissen auf andere, feinere Ebenen gehoben und vieles muss nicht mehr in Frage gestellt werden.
Es stellt sich auch nicht die Frage, was man unter „gutem Reiten versteht“, sondern die Frage was gute, feine Pferdeausbildung und natürlich auch Reiterausbildung ausmacht.

Dazu habe ich an verschiedenen Stellen bereits viel geschrieben oder gesagt und dabei auch immer wieder das Wort GRALSWEG erwähnt. Damit bezeichne ich jenen EINEN WEG, der nicht mehr weiter optimierbar, hocheffizient und pferdefreundlich ist. Einen Weg, der auch heute noch nicht in Gänze beschritten ist – im Gegenteil, man hat sich mitunter sogar sehr weit davon entfernt.

Auf diesem Weg geht es nicht „nur“ um Gleichgewicht – das ist nur EIN ASPEKT – wenn auch der Allerwichtigste. Es geht nicht um Lektionen oder Übungen – diese sind nur Ausdrucksformen oder Hilfsmittel. Es geht nicht um die Show – das ist nur flacher Erfolg, meist zu Lasten der Pferde erkauft. Der GRALSWEG ist nicht laut, er ist leise und wirkt schlicht, manche würden ihn langweilig nennen.

Ein Pferd, welches physisch und psychisch gesund ist und motiviert unter dem Menschen problemlos all das leisten kann, was man von ihm verlangt, ohne daran Schaden zu nehmen, ist mein Ziel.

Ein sicheres Pferd – egal in welcher Situation ist mein Ziel. Was helfen schöne Showbilder, wenn das Pferd nicht im Gelände, selbst unter widrigsten Bedingungen geritten werden kann.

Ich will starke, stolze und sich selbstvertrauende Pferde.

Und ich will REITER, die diesen Pferden gerecht werden und die wissen was sie tun. Denkende Reiter, die Ruhe ausstrahlen, einen perfekten Sitz haben, deren Aktionen, die fein und unsichtbar sind, aus dem Unterbewusstsein kommen und nur den Geist als Richtungsgeber haben.

Und zu allem Überfluss will ich dies mit Menschen und deren Pferden erreichen, für die Reiten „nur“ ein Hobby ist und die im Grunde nur wenig Zeit investieren können.

Ich versuche den GRALSWEG in Gänze zu beschreiten, jeden Tag ein winziges Stückchen mehr. Dabei strebe ich danach, heute das zu übertreffen, was ich gestern geschafft habe. Für mich sind dabei Übungen nicht entscheidend, sondern die Perfektionierung des Wegs. Das ist meine Suche!

Dabei bewege ich mich inzwischen schon sehr stark auf dem GRALSWEG, auch wenn es noch so viel zu entdecken, zu erkennen, zu lernen und zu verändern gibt. Leider kann ich kaum noch mit jemanden darüber reden, bin ich doch gezwungen, immer wieder die kompletten Irrungen der Reiterei aufrollen zu müssen, um  vollständiges Verstehen zu ermöglichen.

So bin ich glücklich über die Ergebnisse, die ich mit meinen Reitschülern und ihren wunderbaren Pferden erziele – und auch in welcher Zeit und unter welchen – mitunter widrigen Rahmenbedingungen – ich diese Ergebnisse erziele!

Vielen Dank an all diejenigen, die mir ihr Vertrauen schenken und an all die wunderbaren Pferdeseelen, die mir Lehrmeister auf dem GRALSWEG sind und die Motivation und den Ansporn geben, immer weiterzumachen, egal wie hart es manchmal ist, dabei auch gegen den Strom schwimmen zu müssen. Ich werde es weiter tun.

FÜR DIE PFERDE!

#trustyourhorse #gralsweg #denkspruenge

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Eine Herzensangelegenheit

Bild

Weder aus trainings- noch aus entspannungstechnischer und vor allem nicht aus therapeutischer Sicht, kann ich VORWÄRTS-ABWÄRTS (tiefere Einstellung von Hals und Kopf des Pferdes) empfehlen.

Selbst bei diesen Pferdefiguren kann man erkennen, dass Pferde, die AUFGERICHTET im gesunden GLEICHGEWICHT unter dem Reiter gehen, stolzer und aufmerksamer schauen und (in der Realität) weniger physische und psychische Probleme haben!

Trust-your-Horse - NOFORWARDDOWN

Einzelbilder und Idee zu diesen Bildern: Nadine Beier
Hashtag #noforwarddown: Trust-your-Horse

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Reit- und Stallmeister

In den nächsten Wochen und Monaten versuche ich hier eine Liste bekannter Reit- und Stallmeister (mitunter finden sich hier aber auch Reiter, die nicht zwingend in diese Kategorien einzuorden sind, aber gewisser Bekanntheit frönen) chronologisch darzustellen. Dabei werde ich auch Lehrer-Schüler-Beziehungen aufzuzeigen, insbesondere unter dem Hintergrund der Weitergabe von Lehrmeinungen.

Plinzner, Paul (1855-1920) Leibstallmeister Kaiser Wilhelms des II, Schüler von Gustav Steinbrecht.

Steinbrecht, Gustav (1808-1885) Schüler von Louis Seeger.

Seeger, Louis (1794-1865) Schüler von Max Ritter von Weyrother.

Seidler, Ernst Friedrich (1798-1865) Schüler von Max Ritter von Weyrother.

Oeynhausen, Borries von (1812-1875) Schüler von Max Ritter von Weyrother.

Ritter von Weyrother, Max (1783-1833) stammte aus einer Dynastie von Oberbereitern. Sein Vater wr an der Hofreitschule zu Wien ebenso tätig, wie sein Bruder Gottlieb, dem er nach dessen Tod als Oberbereiter nachfolgte. Schon sein Großvater Adam Weyrother (ein Zeitgenosse de la Guérinière´s) war Oberbereiter an der Hofreitschule zu Wien.

De la Guérinière, François Robichon (1688-1751)

Diverse Quellen
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