Couchpotatos

Webdefinitionen
„(Couchpotato) Couch-Potato ist das Klischee einer Person, die einen Großteil ihrer Freizeit auf einem Sofa oder einem Sessel mit Fernsehen, Junk Food essen und Bier trinken verbringt. Der Begriff hat eine negative Konnotation. …“

Als ich einmal, schon vor einer ganzen Weile, darauf hinwiesen habe, dass Pferde sechs Tage in der Woche, am besten 2 x pro Tag je 20-40 Minuten gearbeitet werden sollten, bekam ich von einer ausgebildeten Therapeutin ein sehr harsche Antwort.

Trust-your-Horse - Couchpotatos

Ihrer Meinung nach seinen sechs Tage Arbeit für ein Pferd ein absolutes No-Go. Drei Tage wäre ein anzustrebendes Maximum, denn schließlich müssten die Muskeln genügend Zeit haben sich (von der Anstrengung) zu erholen.

Von was erholen – bitte?

Machen wir mal eine kleine Rechnung auf …

Eine Woche hat 7 Tage á 24 Stunden, also insgesamt 168 verfügbare Stunden.

Nun wollen wir, wie ich dies sehen würde, dem Pferd einen Tag Ruhepause „gönnen“. Es verbleiben also noch 144 Stunden.

Ziehen wir für die verbleibenden 6 Tage, pro Tag noch 16 Stunden (welche der Zeit entsprechen, die man den Pferden nachsagt, dass sie diese mit der Futtersuche, dem Fressen und Schlafen verbringen würden), in Summe 96 Stunden „Freizeit“ ab, verbleiben immer noch

48 STUNDEN VERFÜGBARE ZEIT!

Nun gehen wir mal davon aus, so wie ich das gerne hätte – auch wenn es in der heutigen Zeit in den seltensten Fällen realisierbar ist – das man ein Pferd jeden Tag, sechs Tage die Woche, 2 x pro Tag arbeiten würde – pro Einheit im Mittel 30 Minuten – dann würde das Pferd in Summe in der Woche
6 STUNDEN GEARBEITET WERDEN! (42 Stunden Rest-Freizeit)

Unterstellen wir für die Meinung der Therapeutin jeweils 1 Stunde pro Tag, dann kämen die Pferde bei ihr auf sensationelle
3 STUNDEN TRAININGSZEIT PRO WOCHE! (45 Stunden Rest-Freizeit)

Und jetzt sei nochmal gefragt: WOVON ERHOLEN?

Was tun wir denn in der Regel in dieser „Trainingszeit“ mit den Pferden?

Einer Trainingszeit, die dazu genutzt werden sollte, die Pferde so auszubilden, dass sie möglichst EIN LEBEN LANG, gesund, motiviert und leistungsbereit bleiben werden.

Unterstellen wir mal 1 Stunde Trainingszeit und unterstellen wir weiter, dass wir diese Zeit nicht mit „Spielen“ verbringen, sondern das Pferd reiten.

Was bekommt man allerorten zu sehen?

Schritt – Trab – Galopp, viel davon mitunter im Vorwärts-Abwärts, um das Pferd immer wieder zu „lösen“ oder „entspannen“ zu lassen.

Hier sei auch schon wieder eine Frage gestellt: Wovon entspannen lassen? Von den paar Runden in den genannten Gangarten? Da unterschätzt man gewaltig die (natürliche) Physis der Pferde!

Nun gut, wenn man die Nase des Pferdes, wie oft zu sehen, beim „Aufnehmen“, mit der Kraft der Arme vor die Senkrechte knallt –  egal in welcher Aufrichtung – dann muss man dieses Lebewesen schon mal rauslassen aus dieser Zwangshaltung und der, der das tut, sich selbst und seinen Handschuhen Erholung verschaffen.

Lange Rede – kurzer Sinn: Soviel müssen die Pferde in der Regel bei den allermeisten Reitern nicht leisten.

DIE FOLGE DAVON …

In unseren Ställen und auf den Weiden stehen zu fette Tiere, oder wie es eine Reitschülerin nett formuliert hat: „Pferde mit Muskeln im Fettmantel“ – vergleichbar eben mit menschlichen Couchpotatos.

So, und nun dürft ihr Euch Gedanken darüber machen, ob sechs Tage die Woche (á 1 Stunde) tatsächlich zu viel Belastung für ein Pferd sind?

Ich persönlich sage NEIN!

Sechs Stunden pro Wochen ist ein ganz leicht zu verkraftendes Pensum. Wenn man diese Zeit dann auch noch mit sinn- und wertvoller Dressur und Gymnastizierung verbringt, dann leistet man einen großen Beitrag zur langfristigen Gesunderhaltung seines Reitpferdes.

Ach, im Übrigen bleibt auch bei sechs Stunden Trainingszeit pro Wochen noch genügend Zeit (beim Pferd), um mit einem dann trainierten und rittigem Pferd ins Gelände gehen zu können – dem Ort, an dem sich Pferd und Reiter genüsslich tummeln sollten.

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
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STRESS ist der Maßstab

Das Training von Pferd und Reiter muss im Kern stets darauf abzielen, bestimmte BEWEGUNGS-, HALTUNGS-, und REAKTIONSMUSTER bei beiden Lebewesen grundlegend zu verändern.

Trust-your-Horse - Maßstab STRESS

Nur so ist es möglich das hehre Ziel von Harmonie und wirklich feinem Reiten zu erreichen. Das „natürliche“ Pferd und der „natürliche“ Mensch sind ohne diese „Arbeit“ nicht wirklich kompatibel und neigen, häufiger als man vielleicht denken mag, zu „unkontrollierbaren“ INSTINKTIVEN Reaktionen.

Nun ist es aber so, dass viele dieser Muster sich im Laufe eines Lebens stark gefestigt haben und nur schwer veränderbar sind. Konsequentes Wiederholen (Drill) NEUER Muster, in immer der gleichen Art und Weise (Disziplin), ist hier der EINZIGE und vor allem NACHHALTIGE Weg.

Dieses KONDITIONIEREN hört sich nun zwar sehr eintönig und langweilig an – ist es im Grunde auch. Deshalb macht sich ja kaum noch jemand die Mühe solche Veränderungen der Muster akribisch zu erarbeiten.

Man reitet lieber Lektionen oder Manöver. Doch damit verändert man keine relevanten Muster. Man DRESSIERT nur das Pferd, lehrt ihm das Abspulen bestimmter Abläufe in BESTIMMTEN SITUATIONEN.

Der Reiter selbst verändert sich dabei auch nur insofern, dass er mit der Zeit immer besser darin wird – ohne besser zu sein – die „Probleme“ die er mit dem Pferd hat, zu korrigieren. Probleme, die er nicht hätte, wenn er SICH und das Pferd verändert hätte.

So, kommen wir nun zum Maßstab STRESS

Die Qualität einer Ausbildung drückt sich NICHT in schön gerittenen Lektionen oder Schulen aus. Die perfekteste Piaffe oder der schnellste Spin sind nichts wert, wenn das Pferd oder der Reiter bei STRESS in seine alten Bewegungs-, Haltungs- und Reaktionsmuster zurückfällt. Dann war die ganze Ausbildung – flapsig ausgedrückt – „für die Katz!“. Da ändern auch gewonnene Pokale und Schleifen nichts daran.

Nur wenn es gelungen ist – und das ist ECHTE KONZENTRIERTE MILIMETERARBEIT – die richtigen NEUEN MUSTER nachhaltig zu etablieren, dann werden Pferd und Reiter auch unter extremen Stress, im Sinne der neuen Muster gelassen und angemessen reagieren.

Angemerkt sei auch noch:
Das Leben von Pferd und Reiter sollte auch und besonders außerhalb der Reitbahn stattfinden.
JEDES Pferd sollte im Gelände geritten werden können! Gelingt dies nicht, dann ist die Ausbildung UNVOLLSTÄNDIG (freundlich ausgedrückt).

aus Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachet
Autor: Richard Vizethum
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Die Sucht mit Pferden zu spielen

Ich bin ein Idealist – nicht nur was das Reiten anbelangt. Doch die Belastbarkeit idealistischen Denkens und Handelns wird auf immer stärkere Probe gestellt.

Ich mag stolze Pferde, die mit vier Füßen kraftvoll im Leben stehen, Pferde, die vor Selbstbewusstsein strotzen und dieses auch in allen Lebenssituationen ausstrahlen. Pferde die deshalb auch sicher sind, egal wie sicher der Reiter in ihrem Sattel ist.

T.Y.H. SuchtSpielen

Dorthin versuche ich diese wunderbaren Tiere zu entwickeln, unabhängig von deren bisherigen Lebenserfahrungen und körperlichen Voraussetzungen.

Reiter ermuntere ich dazu nachzudenken und das zu werden, was Max Ritter von Weyrother, einer der prägendsten Personen an der Wiener Hofreitschule,  den „denkenden Reiter“ nannte. Ich lehre sie, Teil einer wundervollen Partnerschaft, auf Augenhöhe mit dem Pferd zu werden.

Es ist aber unglaublich, wie schwer dieser Weg ist bzw. einem gemacht wird.

Von 100 Reitern, die über feines Reiten philosophieren und dieses für sich proklamieren, ist vermutlich gerade mal EINER dabei, der hauchzart in die Nähe dieser Art des Reitens kommt.

Von 100 Reitern, die über einen partnerschaftlichen, fairen Umgang mit dem Pferd reden, ist vermutlich gerade mal EINER dabei, der diesen in seiner letzten Konsequenz wirklich auch pflegt.

Diese Ernüchterung macht mich persönlich sehr traurig.

Wir trainieren Pferd nicht mehr um sie zu gesunden, leistungsbereiten Reitpferden zu machen, wir spielen lieber mit ihnen. Dabei vergessen wir, dass Pferde ernste Lebewesen sind. Ihnen muss man mit Ernst und Liebe begegnen. „Neckerei macht Pferde sogar böse“, wie Otto von Monteton 1899 schrieb.

Doch Spielen ist einfacher, weniger anstrengend, vor allem weniger anstrengend für das Gehirn. Und wir Menschen neigen, ganz besonders in dieser heutigen, dekadenten Zeit, zur Faulheit! Dafür degradieren wir diese wunderbaren Wesen zu Tanzpuppen und sind dabei auch noch der Meinung, ihnen was Gutes angedeihen zu lassen. Nebenbei befriedigen wir damit auch noch unsere Eitelkeiten („Guck mal, was mein Pferd so alles kann …“).

Die Pferde machen mit – na ja, es bleibt ihnen ja auch wenig anderes übrig.

Pferde müssen in diesem Spiel funktionieren!

Tun sie es nicht, dann gibt es Mittel und Wege sie dazu zu bringen – die Kataloge und Regale von Reitausstattern sind übervoll davon. Was man dabei leider sehr selten einsetzt, ist das eigene Gehirn. Wofür auch – zum Nachdenken vielleicht? Das bedeutet Arbeit! Aber wie gesagt, die Fleißigsten sind wir ja nun mal nicht. Oder wie es Rittmeister von W. ausdrückte „Alles was lebt ist faul!„.

Finden sich unter den Pferden dann ein paar starke Charaktere, die darauf bestehen, dass der Mensch die Dinge die er zu tun hat auch richtig tut – und das wäre gar nicht so viel verlangt – dann landen sie  schnell in einer Verkaufsanzeige und werden häufig zum Wanderpokal. Pseudoexperten probieren sich an ihnen aus – bis, ja bis sich diese tapferen Kreaturen entweder aufgeben oder völlig unberechenbar werden.

Würde ich nun auch noch über die verschiedenen nutzlosen, aber gerne angewandten Methoden sprechen, mit denen man Pferde heute ausbildet oder besser gesagt TRAKTIERT, bekommt dieser Text etwas Endloses.

Ich ende erstmal hier und hoffe, ihr investiert etwas Arbeit und denkt über diese Worte nach. Vielen Dank!

Autor: Richard Vizethum
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Ein kleiner „technischer“ Vergleich

In diesem Vergleich geht es um die „Lenkbarkeit“ eines Pferdes.

Die Möglichkeit, ein Pferd in jeder Situation sicher steuern zu können, ist ein wesentlicher Faktor, der zur Sicherheit des Reitens beiträgt, ich denke, da wird mir jeder zustimmen.

Interessanterweise scheint man darauf keinen wirklich großen Wert zu legen.

Aber zunächst zurück zum Vergleich

Trust-your-Horse - Ein kleiner technischer Vergleich

Auf dem Bild sind verschiedene Kopf-Halspositionen grob skizziert. Die rote Linie stellt in etwa die Höhe des Hüftgelenks beim Pferd dar.

Von links nach rechts sind folgende Haltungen dargestellt:

  • „Jagdhundschnüffler“
  • Dehnungshaltung
  • Natürliche Haltung
  • Gebrauchshaltung
  • Klassische (max.) Aufrichtung

Nun kann jeder einmal darüber nachdenken, bei welcher Hals-/Kopfposition wohl die maximalste Lenkwirkung erreicht wird?!

Und wenn ich von LENKEN spreche, dann meine ich nicht das „gerade-mal-so-um-die-Ecke-kommen-ohne-das-die-Kruppe-nach-Außen-weicht“ (quasi das Dressur-/Springpferdemodell), sondern eine blitzschnelle Drehung nur ausgelöst durch eine Körperbewegung des Reiters – ohne Aktivitäten der Zügel und der Beine! Also das Reiten auf engstem Raum (weil das Thema gerade ja so eifrig diskutiert wird).

Ich will es mal abkürzen…

Je senkrechter der Hals steht, desto besser kann das Pferd auf engstem Raum blitzschnell bewegt werden – was ja einen riesigen Sicherheitsfaktor darstellen würde. Die KLASSISCHE AUFRICHTUNG wäre also das Modell mit maximaler SERVO-UNTERSTÜTZUNG – und jetzt sind wir beim Vergleich (zur Lenkung eines Autos).

Je tiefer Hals und Kopf eingestellt werden, desto geringer ist diese Servo-Unterstützung. Unterhalb der „natürlichen Haltung“ ist diese „Unterstützung“ so gut wie nicht mehr existent – insbesondere bei der „Jagdhundschnüffelei“. Hier muss man die Lenkachse selber drehen – will heißen: der Reiter muss mit Hand und Bein nachhelfen. Auch ist der Wendekreis – freundlich ausgedrückt – eher suboptimal.

Warum also sollten wir die Pferde unter ihre „natürliche Haltung“ zwingen, Lenkfähigkeit und damit Sicherheit aufgeben?

Anzumerken sei noch:
Jedes Tempo / jede Gangart hat ihre optimale Kopf-Halshaltung und in der sollte das Pferd auch gehen dürfen.

DOCH ALLES UNTER DER NATÜRLICHEN HALTUNG GEHÖRT NICHT DAZU!

Autor: Richard Vizethum
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Kann man so machen

Manchmal mag vielleicht die Frage aufkommen: „Muss ich mein Pferd eigentlich unbedingt dressurmäßig [1] ausbilden?“

Nö, musst Du nicht!

Trust-your-Horse - Kann man so machen

Stell Dir nun mal vor, Du hättest einen kleinen Fiat Uno (beispielsweise), dessen Bremsen funktionieren nicht so toll, dessen Lenkung ist ausgeschlagen und das Kupplungspedal fällt manchmal durch.

Nun ja, damit kannst du sicher eine Weile gut über die Runden kommen und viele Kilometer unfallfrei fahren.

Doch …

… dann kommt eines Tages jene Situation, in der Du bergab versuchst einen LKW zu überholen. Solche Aktionen sind Dir und Deinem Auto nur bergab möglich, es fehlt halt an den nötigen Pferdestärken (kleines Wortspiel). Da die Strecke durch eine leichte Rechtskurve etwas unübersichtlich ist, hast Du das entgegenkommende Fahrzeug übersehen. Ein kurzes Bremsen und Du hättest noch hinter dem LKW einscheren können. Ja, hättest Du, wenn die Bremsen nicht gerade in diesem Augenblick ihre Aktivitäten drastisch reduziert hätten. Den Rest des Szenarios erspare ich Dir jetzt.

Am Rande sei noch erwähnt, das Dir die bunte Bemalung Deines kleinen Fiat Unos in diesem Moment sicherlich keine große Hilfe gewesen sein wird.

So, und nun stell mir nochmal die Frage
„Ob Du Dein Pferd unbedingt dressurmäßig ausbilden solltest?“

[1] Dressurmäßig steht für eine gymnastizierende und rittigmachende Ausbildung Deines Pferdes und darf nicht mit Dressur als Disziplin verwechselt werden.

Autor: Richard Vizethum
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Gewichtsverteilung Vor- und Hinterhand – ein Versuch

Ein Kernziel einer korrekten Dressur ist die Veränderung der Gewichtsverteilung zwischen Vorhand und Hinterhand des Pferdes. Wobei der Hinterhand mehr Gewicht zugeschoben werden muss.

Gerade in der heutigen Zeit, in der es Mode geworden ist Pferde – für diese ungesund – verstärkt auf der Vorhand laufen zu lassen, ist es wichtig diese Ausbildungsnotwendigkeit wieder verstärkt in den Fokus zu rücken.

Trust-your-Horse - Gewichtsverteilung Vorhand - Hinterhand beim Pferd

Hierzu möchte ich auf die höchst interessanten Versuche verweisen, die die Herren Baucher und Morries in Paris angestellt haben um ein genaueres Bild über die Gewichtsverteilung zwischen Vor- und Hinterhand zu erhalten. Freiherr von Krane hat die Ergebnisse 1856 in seinem Werk über „Die Dressur des Reitpferdes[1] dokumentiert. Wobei er die Daten aus dem Baumeister’schen Werke: „Anleitung zur Kenntniß des Aeussern des Pferdes[2] entnommen und dessen Kilogrammwerte in Pfund übertragen hat. Zum besseren Verständnis wurde an dieser Stelle wieder auf die ursprünglichen Kilogrammangaben von Baumeister zurückgegriffen.

Baucher und Morris stellten ein gut- und symmetrisch gebautes Pferd mit Vor- und Hinterhand auf je eine Brückenwage, um zu prüfen, wie viel Gewicht auf Vor- und Hinterhand kam. Eine Gewichtsverlagerung von 3-5 Kilogramm wurde dabei den Bewegungen der Gedärme und dem Atmen gezollt. Freiherr von Krane fragte sich dabei aber, ob diese Gewichtsveränderung nicht „auch eine geringe dem Auge unbemerkbare veränderte Körperhaltung“ ausgelöst haben könnte.

Doch nun zu den gewonnenen Erkenntnissen …

VERSUCH 1

Zunächst wurde das Pferd (ohne Reiter) in eine gewöhnliche, eher niedrige als hohe Hals/Kopf-Einstellung (es darf davon ausgegangen werden, dass die Nase des Pferdes dabei auf Höhe Hüftgelenk oder geringgradig darunter war [3]) gebracht.

  • 384 Kg. Gesamtgewicht
  • 210 Kg. Vorhand
  • 174 Kg. Hinterhand
  •   36 Kg. MEHRBELASTUNG VORHAND (9,4%)

VERSUCH 2

Danach wurde der Kopf (Nase) des Pferdes bis zur Bugspitze abgesenkt. Diese erniedrigte Stellung ergab folgende Werte:

  • 384 Kg. Gesamtgewicht
  • 218 Kg. Vorhand
  • 166 Kg. Hinterhand
  •  52 Kg. MEHRBELASTUNG VORHAND (13,5%)

VERSUCH 3

Schließlich wurde der Kopf so weit erhöht, dass die Nase auf Höhe des Widerrists stand, diese hohe Einstellung führte zu folgenden Ergebnissen

  • 384 Kg. Gesamtgewicht
  • 200 Kg. Vorhand
  • 184 Kg. Hinterhand
  • 16 Kg. MEHRBELASTUNG VORHAND (4,2%)

Somit wurden Mehrbelastungen der Vorhand des Pferdes (ohne Reiter) im Zustand der Ruhe ermittelt, welche in den beiden Extremen eine Differenz von 36 Kilogramm ergab. Der Einfluss der Halsposition auf die Schwerpunktverlagerung darf also als gegeben betrachtet werden!

VERSUCH 4

Anschließend bestieg Francois Baucher (64 Kilogramm) das Pferd. Er nahm einen „schulgerechten Sitz“ (von Krane) ein. Hals und Kopf des Pferdes wurde in eine gewöhnliche, mittlere Haltung gebracht – analog Versuch 1.

Durch den Reiter wurden die Gewichtsverhältnisse wie folgt verändert. Die Zahlen in Klammern stellen das Gewicht des Reiters dar:

  • 448 Kg. Gesamtgewicht (64 kg)
  • 251 Kg. Vorhand (41 Kg)
  • 197 Kg. Hinterhand (23 Kg)
  •   54 Kg. MEHRBELASTUNG (18 Kg)

D.h. die Vorhand des Pferdes trug bei diesem Versuch (4) ca. 12,1% mehr Gewicht als die Hinterhand. Zu beachten ist, dass das Pferd sich dabei in Ruhe befand.

Der Faktor Bewegung dürfte diesen Wert durchaus nicht unerheblich ansteigen lassen – insbesondere im (nicht versammelten) Galopp. Denn in dieser Gangart wird das Reitergewicht deutlich der Vorhand zugeworfen.

Ein trainingstechnisches Verstärken dieser Vorhandlastigkeit – beispielsweise durch aktives Vorwärts-Abwärts (hierzu zählt auch die der Show geschuldete tiefe Einstellung von Kopf und Hals, wie dies in der Westernreiterei der heutigen Zeit intensiv praktiziert wird) – ist im günstigsten Fall  NUR kontraproduktiv im ungünstigsten Fall aber gesundheitsschädlich für das Pferd.

Quellangaben:

  • [1] von Krane – 1856 – „Die Dressur des Reitpferdes“ – Verlag Coppenrath‘sche Buch- und Kunsthandlung – Seite 70f
  • [2] W. Baumeister – 1863 – „Anleitung zur Kenntnis des Äußeren des Pferdes“ (5.Auflage – 1. Auflage 1852) – Verlag Ebner und Seubert – Seite 205
  • [3] Anmerkung des Verfassers.

Autor: Richard Vizethum
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RELATIVE vs. ABSOLUTE Aufrichtung – ein paar Worte dazu

Letzte Korrektur: 20.12.2017

Das man Aufrichtung – wiederum erst in der Neuzeit – differenziert in RELATIVE und ABSOLUTE Aufrichtung liegt zu einem Teil sicherlich erneut an falschen Bildern, die man so im reiterlichen Kopf mit sich herumschleppt. Es gibt aber auch noch etwas dazwischen!

In der Vergangenheit gab es nur DIE AUFRICHTUNG und, so man korrektes Ausbilden und feines Reiten für sich reklamieren wollte, nur in Verbindung mit dem Herbeinehmen der Nase des Pferdes, also BEIZÄUMUNG.

Trust-your-Horse - relative vs absolute Aufrichtung

Beide Elemente, Aufrichtung und Beizäumung, wurden stufenweise DURCH DIE HAND (also nach heutiger Redensart ABSOLUT) erarbeitet und – in Preußen – auf TRENSE (lange bevor Baucher diese als non plus ultra für sich entdeckt hatte). Die Kandare in dieser Phase zur Anwendung zu bringen (was ja auch vorkam) zeugte nur von sehr geringem Sachverstand.

Dabei wurde darauf geachtet, dass man immer nur so viel an Aufrichtung dazu nahm, wie der aktuelle Status des Pferdes dies zuließ, ohne das, das Pferd dabei den Rücken deutlich unter die Horizontallinie der Rückenwirbelsäule wegdrückte. Der Rücken des Pferdes darf sich nur soweit absenken, dass die Rückenmuskulatur jene Spannung erreicht, unter der es überhaupt einen Beitrag zum Gewichtstragen leisten kann (also geringgradig unter der Horizontallinie).

Auch hier sei nochmal erwähnt, dass mit angehobenen Rücken das Pferd NICHT in der Lage ist muskelunterstützt zu tragen!

Bei dieser Form der Aufrichtung, die zunächst im Stehen durchgeführt wird und welche ich schon sehr lange so praktiziere und zu meinem Leidwesen (in den letzten Monaten) erkennen musste, dass dies die Preußen weit vor mir so gemacht haben (macht demütig), soll auch die Hinterhand noch keinen Beitrag leisten, es wird also NOCH keine Hankenbeugung angestrebt oder erwartet (nur bei den Abkürzungsreitern, gab es dieses problematische Vorgehen auch damals schon!)! Denn die Hinterhand ist dazu noch nicht seriös in der Lage und man würde nur Widerstände beim Pferd produzieren, dort wo man gerade bestrebt ist einen anderen Hauptwiderstand (Genick) aufzulösen.

Mit höher werdender Aufrichtung wird der Widerrist immer stärker in die Aufrichtung involviert, der Rücken und die Hinterhand erst langsam und in Folge dieser Aktivitäten eingebunden werden. Denn die Hinterhand ist es letztendlich, die das Pferd vorne leicht erhalten soll – gleichwohl die Pferde davor schon durch das Aufrichten und Beizäumen LEICHT (wahrhaftig LEICHT!) sind!

Dieses Aufrichten im Stehen und zum Teil bereits in der Bewegung, geht bis zu einer fast senkrecht Stellung des Halses (siehe Reiterstandbild von Friedrich II „Unter den Linden“ in Berlin). Damit dies möglich wird, ist bei der Beizäumung auch so einiges zu beachten. So muss, um diese dem Pferd angenehm zu machen, die Ohrspeicheldrüse und die damit in Verbindung stehende Muskulatur weich gemacht werden (Graduell mit der Aufrichtung) und der Arm-Kopf-Muskel (in Aufrichtung) GEDEHNT werden!
Diese Aktivitäten fallen unter Kunst – denn es sind keine einfachen Arbeiten und diese müssen mit sehr viel Vorsicht geschehen!

Nach heutiger Redensart würde man hier also eine ABSOLUTE Aufrichtung vermuten dürfen.

Allerdings sei erwähnt, dass man bei dieser Form der stufenweisen Aufrichtung das Pferd NIE mit Hilfe der Hand in der zugewiesenen Kopf-/Halsposition erhalten darf! So gesehen entspricht es nicht ganz dem, was man unter ABSOLUTER Aufrichtung versteht.

Bei dieser (hohen) Aufrichtung und Beizäumung findet eine tatsächliche Gewichtsverschiebung nach hinten statt, die sonst in diesem Maße NICHT erreicht werden kann – „relativ“ ist dies KAUM MÖGLICH!

Wichtig dabei ist es die Möglichkeiten des Pferdes zu beachten. Dicke und Länge des Halses, Ganaschen-Freiheit etc. Die Aufrichtung und Beizäumung hat darin ihre Limitierung – gleichwohl mehr geht als man oft geneigt ist anzunehmen. So kann durch die „Bearbeitung“ der Ohrspeicheldrüse und der Dehnung des Unterhalses deutlich Ganaschenfreiheit gewonnen werden.

Manche Pferderassen wie beispielsweise Spanische Pferde oder Friesen bringen schon sehr viel „Haltung“ („Haltung wird hier nicht verstanden als höchste Stufe des GLEICHGEWICHTS) mit, welche man nur zu erhalten und etwas zu „verbessern“ braucht. Bei diesen Pferden ist die Erarbeitung von Aufrichtung/Beizäumung KEINE so große Kunst (nicht abwertend gemeint)! Auch bietet diese ihre „natürliche Haltung“ etwas mehr die Chance für eine weitgehende RELATIVE Aufrichtung.

Das was wir heute unter Dressurhaltung sehen, wird KAUM durch „RELATIVE AUFRICHTUNG“ erreicht – obwohl das Ansinnen im Grundansatz ja richtig ist. Da kommt schon mal die Hand durchaus (stark) stützend zum Einsatz. Insbesondere dann, wenn man die Pferde davor im Vorwärts-Abwärts (muskulär) in „Grund und Boden“ geritten hat. Trotz optischer Aufrichtung laufen die Pferde vermehrt auf der Vorhand.

Es findet dabei somit auch KEINE signifikante GEWICHTSVERSCHIEBUNG in Richtung Hinterhand statt, auch nicht bei der heutigen Form von „Hankenbeugung“, Bei einer korrekten Hankenbeugung müssen sowohl das Hangbein ALS AUCH das Stützbein gebeugt sein und ein Entbinden der Schultern durch Anheben des Widerrist stattfinden! Eine derartig korrekte Hankenbeugung ist heute kaum noch zu sehen.

Die sogenannte „RELATIVE Aufrichtung“ setzt voraus, dass der Bewegungsdruck der Hinterhand nach Vorwärts-AUFWÄRTS fließen kann und so das Pferd (gewichtstechnisch) aus der Reiterhand mehr und mehr heraushebt. Reine Physik! Dazu muss aber das Pferd – im Minimum – bereits in der sogenannten „Gebrauchshaltung“ (Nase über Hüftgelenk) gehen, damit überhaupt eine Chance bestünde es, durch Motivation der Hinterhand bei gleichzeitig passiver Reiterhand, noch etwas weiter – RELATIV – aufzurichten. Auch ist man vom Willen und der Bereitschaft des Pferdes abhängig dies überhaupt tun zu wollen. Wäre das Pferd, wie oben beschrieben, darauf VORBEREITET WORDEN, dann ginge das!

Wurde nun aber das Pferd VORWÄRTS-ABWÄRTS oder noch schlimmer „in die (falsch verstandene) TIEFE“ der „Jagdhundschnüfflerfakultät“ geritten – wobei man dieses falsch verstandene Ziel dann auch oft noch, völlig unseriös, unter Zuhilfenahme von Hilfsmittel zu erreichen versucht – dann wird das Pferd diesen Willensbeitrag kaum leisten wollen bzw. leisten können und weiter mit der Tendenz Vorwärts-ABWÄRTS in die Reiterhand gehen. Es wird diesen Beitrag auch dann nicht wirklich leisten können, wenn man es in der sogenannten „korrekten Dehnungshaltung“ gearbeitet hat – denn auch hier ist die Tendenz „Vorwärts-Abwärts“.

Auch EIN Grund, warum man ROLLKUR reitet! Zwingt man das Pferd lange genug in diese Position, dann wird es sich, lässt man es etwas raus, versuchen aufrichten. Dies ist dann natürlich KEINE reelle Aufrichtung – da sind wir uns sicher alle einig! Bloß auch dieser Zusammenhang wird meist nicht so gesehen. Hätte man kein so intensives V/A zelebriert, dann wäre auch Rollkur keine „zwingende Notwendigkeit“, auch nicht für diese, mit nur begrenzten reiterlichen Fähigkeiten ausgestatteten Rollkur-Reiter. Auch der Aspekt KONTROLLE, der (zu Recht) als Begründung für Rollkur genannt wird, würde nicht mehr indem Maße bedeutend sein.

In eine Dressurhaltung mit höherer Aufrichtung, wie man sie durchaus noch vor über 50 Jahren sehen konnte, bekommt man kaum ein Pferd durch eine RELATIVE Aufrichtung. Zumal man ja erwartet, dass sich diese Aufrichtung mit der Zeit von selbst ergibt („Diese Hals- u. Aufrichtungsformen ergeben sich bei richtiger Ausbildung von selbst“ [1]) Hier musste auch die Hand bis zu einem gewissen Grad aufrichtend – ABER NICHT OBEN HALTEND – nachhelfen.

Auch die D.V.E. 12 von 1912 gibt einen ähnlichen Hinweis:

Der für eine sichere Hebelwirkung auf die Hinterhand erforderliche Grad der Aufrichtung [relative – Anm.d.Red] des Halses wird indessen nur bei Pferden mit besonders günstigem Gebäude lediglich dadurch erreicht werden, daß die Hinterhand bei passivem Verhalten der Hände durch Biegung niedriger wird. Wo dagegen Widerstände im Genick und in den Ganaschen [und in den Hanken – Anm.d.Red.] zu beseitigen sind, vermag der Reiter die nötige Aufrichtung nur unter aktiver Mitwirkung der Hände in Übereinstimmung mit den übrigen Hilfen zu erzielen.“ [2]

Leider ist man heute soweit, dass man in der „ABSOLUTEN Aufrichtung“ eine Form der Aufrichtung sieht, in der der Reiter Kopf und Hals des Pferdes anhebt UND „trägt“ und der Rücken, spannig weggedrückt, in seiner Bewegung beeinträchtigt ist. Gut, das sieht man durchaus sehr oft, eine solche Form der Aufrichtung hat aber nichts mit einer korrekten Aufrichtung zu tun!

Nochmal sei erwähnt, dass es in der Vergangenheit, damals, als man noch REITEN konnte, eine Unterscheidung RELATIVE vs. ABSOLUT nicht gab und der allergrößte Teil der Erarbeitung von Aufrichtung nach heutiger Terminologie ABSOLUT war – ohne allerdings – was natürlich absolut (Wortspiel) FALSCH ist – Hals und Kopf des Pferdes durch die Reiterhände zu tragen!

Quelleangaben:

  • [1] Richtlinie für Reiten und Fahren der Deutschen Reiterlichen Vereinigung – Band 1 Ausgabe 1994 – Seite 184
  • [2] Reitvorschrift D.V.E. Nr. 12 von 29. Juni 1912 – Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn – Seite 187
  • [3] E.F. Seidler – 1846 – „Die Dressur diffizieler Pferde“ – Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn

Autor: Richard Vizethum
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Wieder einmal VORWÄRTS-ABWÄRTS

Da ich in meiner täglichen Arbeit wieder und wieder mit diesem leidigen Thema konfrontiert werde, möchte ich ERNEUT ein paar Worte über das VORWÄRTS-ABWÄRTS verlieren.

Trust-your-Horse - Wiedereinmal Vorwärts-Abwärts

NEIN, es wurde in der Geschichte der Reiterei ZU KEINER ZEIT in den heutigen Formen und der heutigen Intensität geritten!

NEIN, die Neuzeit hat KEINE besseren Erkenntnisse, die das Vorwärts-Abwärts begründen würden (Behauptung mancher Therapeuten)! Die Herrschaften von Damals verstanden WEIT MEHR von Biomechanik als man dies in der Neuzeit für sich in Anspruch nehmen darf.

NEIN, die sogenannten „Zeitzeugen“ die ihr Wissen von ihren Vätern haben, haben nicht Recht! Sie haben unreflektiert und gedankenlos FALSCHES übernommen. Das „Jagdhundschnüffeln“ ist blanker Unsinn!

NEIN, es gibt KEINE Form von etwas, was man heute als Vorwärts-Abwärts bezeichnet, dass aus der Vergangenheit (z.B. HDv.12 von 1937 …) abgeleitet werden kann!

NEIN, Vorwärts-Abwärts hat NICHTS mit Vertrauensbildung zu tun!

NEIN, Vorwärts-Abwärts (in seiner heutigen Ausprägung) hat keinen therapeutischen Nutzen!

NOCHEINMAL SEI GESAGT:

Das „Vorwärts-Abwärts der NASE“ oder auch das „Pferd in die Tiefe reiten“ wurde NUR in der REMONTEN-Ausbildung (bzw. bei KORREKTURPFERDEN) genutzt und auch NUR bei bestimmten Typen oder Verhalten von Pferden!
Dabei war IMMER die Nase oberhalb des Hüftgelenks (s.a.Bild)
Diese Höhe war die TIEFE!!!

DER ZWECK war es, das Pferd bei der Gewöhnung an das Reitergewicht (siehe auch „1 Ursache, 3 Aufgaben, eine Menge Fehlinterpretationen) zu unterstützen, gegen welches es zu Beginn UNTER UMSTÄNDEN (auch nicht immer) in unterschiedlicher Weise opponierte.

Die HÖHE DER KOPFSTELLUNG sollte sich nach der Richtung der Rückenwirbellinie (gestrichelte Linie a – siehe Bild) richten und die Nase nicht tiefer als diese Linie kommen (also i.d.R. Höhe Hüftgelenk). Auch wenn DIESE (Achtung Aufgepasst!) Kopf-/Halsstellung „in der ersten Zeit MITUNTER ETWAS TIEF ERSCHEINT“ (E.F. Seidler 1846). Diesen kleinen Hinweis von Seidler bitte intensiv lesen und richtig verstehen!

Die in der heutigen Zeit als korrektes Vorwärts-Abwärts definierte DEHNUNGSHALTUNG (konvexe Halsoberline, Nase Höhe Buggelenk) hatte damals – sinnvollerweise – ausschließlich den Zweck IMMER MAL WIEDER abzuprüfen, ob das Pferd sich beim Hingeben des Zügels an die Reiterhand „herandehnt“.

Diese Haltung wurde NICHT explizit als Dehnungshaltung bezeichnet (hätte man aufgrund der Form tun können – hat man aber nicht. Schließlich war sie kein eigenständiges Übungselement!), sondern entstand – in ähnlicher Form – am „hingegebenen Zügel“ oder am „langen Zügel“. Die TIEFE definierte dabei das Pferd (i.d.R. ging es nicht tiefer mit der Nase als Hüftgelenk).

Die DEHNUNGSHALTUNG heute – als aktiv betriebenes Übungselement gab es zu KEINER ZEIT und sie macht in dieser Intensität trainingstechnisch überhaupt KEINEN SINN! Ganz im Gegenteil sie ist KONTRAPRODUKTIV.
Übermäßig geritten macht es eine REELLE AUFRICHTUNG (welche man grundsätzlich hinterfragen sollte) unmöglich!

VORWÄRTS-ABWÄRTS IST DAS GEGENTEIL EINES HEILMITTELS!

Manche Formen schaden zwar nicht, sie haben aber auch keinen Nutzen.

Einige Formen schaden dagegen massiv. Wer sich über Rückenprobleme, Sehnenschäden, fehlende Trapezmuskulatur etc. etc. etc. bei seinem Pferd wundert, sollte bei der Ursachenforschung nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Sehr, sehr häufig ist das Vorwärts-Abwärts und dessen trainingstechnische Folgen, die Ursache!

Die Therapeuten freut es und sie empfehlen munter weiter Vorwärts-Abwärts als Heilmittel.

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Autor: Richard Vizethum
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1848 – Die Herrschaft der Anglomanie begann

Letzte Korrektur: 29.11.2017

Am 14. Oktober 1806 verlor Preußen im „Vierten Koalitionskrieg“ insbesondere in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt gegen Napoleon, was den militärischen und politischen Zusammenbruch Preußens bedeutete und in dessen Folge, die preußische Kavallerie alle ihre gutgerittenen Pferde an die Franzosen verlor. Die Stärke der Kavallerie wurde auf 42.000 Mann reduziert.

Trust-your-Horse - 1848 - die Anglomanie übernahm das Ruder
Bild: James Seymour, A Horseman Galloping, © Tate Modern Gallery

Mit dem Frieden (1814/15) hatten die Preußen also keine Pferde mehr im Land und sie waren gezwungen ihre Remonten aus den „wilden polnischen Gestüten, den sogenannten Moldauern [zu] nehmen“ [1]. Pferde, die „über keine Brücke gingen, und in den Ställen alles zerrissen und zerschlugen“ [1] Diese Pferde waren so unberechenbar, dass sie vom Nebenstand aus gefüttert und mit Striegeln an der Stange geputzt werden mussten. Das Reiten auf diesen Tieren war durchaus lebensgefährlich.

So bitter dieser Sachstand war, so verhalf er doch der Reitkunst zu einen Aufschub.

Denn, diese „sehr widerspenstigen Remonten“ [1] machten das Studium der Reitkunst zwingend notwendig. Zur Verbreitung dieses Wissen standen glücklicherweise noch eine große Anzahl alter Offiziere mit dem Wissen über diese Kunst als Autoritäten zur Verfügung.

Dies sorgte dafür, dass die Reiterei in den Jahren von „1815-1830 stets im Wachsen gewesen ist und diejenigen Höhe erreicht haben muß, die überhaupt mit so schwierigem Material in einer Armee zu erreichen ist, und daß sie deshalb wohl vollständig der vor Jenaschen Zeit (vor 1806) an die Seite zu setzen war. Vom Rittmeister aufwärts waren alle Staffeln noch aus der Zeit vor 1806 groß geworden von Kindesbeinen an, denn die Regimener nahmen schon Junker von 12-13 Jahren an …“ [1]

Das Land war nach dem Kriege arm, die Kavallerie stand in kleinen, damals erbärmlichen Garnisonen, was aber dafür sorgte, dass wieder „stille ernste Arbeit, fern von den Zerstreuungen der Welt“ möglich wurde.

Da die Offiziere und Unteroffiziere, welche noch im Sinne der alten Reitkunst ausgebildet wurde, noch relativ jung waren, blieben diese der Kavallerie zu der Zeit noch 20 Jahre erhalten und konnten so das Niveau halten!

1830 kamen die letzten polnischen Remonten, da wie es schien, die polnische Revolution (1830) diesem Transfer ein Ende setzte. Darüber hinaus hatte sich auch in Preußen seit 1815 wieder viel in der Pferdezucht getan.

„Als 1840 die Ordre kam, daß außer durch das Kadetten-Korps kein Offizier mehr über den Etat angestellt werden sollte … kam es zu einem erschreckenden Stillstand in der Armee“ [1] Der Zuwachs an Offizieren in den Jahren 1840-47 war, was die Kavallerie anbelangte, sehr gering.

Dies änderte sich schlagartig mit der Revolution von 1848. Da diese der Aristokratie nicht wohl gesonnen war, drängten viele junge Adelige in die Armee. Dies ging, da die Zugangsbeschränkungen inzwischen wieder aufgehoben waren.

Diese jungen Leute, von denen viele schon studiert hatten, wurden von allen Seiten verzogen und so begannen sie eine Rolle zu spielen, die ihnen vom Alter her in früheren Zeiten nicht zugestanden hätte. „Die Unruhen von 48, 49, 50 kamen dazu, wo die ruhige Arbeit der Reitkunst immer unterbrochen wurde, die Wettrennen wurden immer allgemeiner, welche namentlich in so unruhiger Zeit dem menschlichen Herzen auch viel sympathischer sind als ruhige ernste Arbeit, und mit ihr verfiel ganz naturgemäß das Verständnis und die Vorliebe für die Reitkunst“ [1]

Die alten Herren verließen aus begreiflichen Gründen die Armee und die obere Führung neigte sich mehr und mehr der schneidigen anglomanen Reiterei (versammlungslose Vorwärtsreiterei) zu. Anglomanen und Sparsamkeitsmänner versuchten der Reitkunst mehr und mehr die Etatmittel zu entziehen und waren auch geneigt diese in Gänze zu verändern und in Dilettantenhände zu übergeben [3]

Denn nach dem Frieden von 1815 legte man in den meisten Armeen verstärkt Wert auf Querfeldeinreiten, der größeren Angleichung an den Sattel und Sitz des Jagdreitens und vor allem auf die Verminderung der von den Pferden zu tragenden Last. Der Galopp wurde wieder zur zentralen Gangart des Angriffs.

Diese Punkte wurde nahezu ausnahmslos in jeder Armee als Verbesserung angesehen [2] und prägten entsprechend die Reit- und Exerziervorschriften – insbesondere bei der preußischen Kavallerie.

Diese Änderungen allerdings waren durchaus nachvollziehbar, denn die Reichweite und Feuergeschwindigkeit der Schußwaffen nahm mehr und mehr zu und die Strecken für eine Attacke wurden immer länger. Was zwangsläufig dazu führte, dass man bei den Pferden auch mehr Wert auf Ausdauer und Schnelligkeit legen musste.

Diejenigen, die in dieser Zeit noch auf den Grundsätzen der alten, edlen Reitkunst beharrten, wurden deshalb auch belächelt.

„DIE HERRSCHAFT DER ANGLOMANIE WAR ERRUNGEN!“, das Wort „schneidig“ betrat die Bühne, und der Glaube an die Reitkunst ging verloren.“ [1]

Die anglomane Reiterei begann ihren „Erfolgszug“, der bis heute anhält, sich gar noch deutlich verstärkt hat! Die aktuelle Deutsche Reitlehre, insbesondere in ihren reitlichen Auslegungen, ist durchaus Ausdruck dieser „schneidigen“ Form des „Reitens“.

[1] von Monteton: Über die Reitkunst (1877)
[2] Friedrich Engels: Kavallerie (1858)
[3] Theodor Heinze: Hippologische Reisen … (1846)

Autor: Richard Vizethum
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Caféhaus-Dialog gesucht

Gräben hat es in der Reiterei schon immer gegeben. Schulen und Lehrmeinungen, ja selbst Menschen und Nationen, haben sich gegeneinander abgegrenzt. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Das Massenphänomen „Reiten“ und die modernen Sozialen Medien haben gar zu einer massiven Verschärfung beigetragen.

Trust-your-Horse - Cafehaus-Dialog

Wo zu früheren Zeiten noch Reiter, über alle Gegensätze hinweg, sich fachlich austauschten und dabei auf eigene Erfahrungen als Referenz zurückgreifen konnten, verkommt der „Dialog“ heute zu einer Zitatenschlacht: „X hat gesagt…“, „Y ist der Meinung …“, „Z widerspricht …“. Bildung, Erfahrungen und Selbstreflexionen spielen kaum noch eine Rolle.

Das eigene reiterliche Weltbild wird gehegt und gepflegt, die Wahrnehmung und Aufnahme von Wissen erfolgt selektiv – eben weltbildkonform.

Nun gut, das alles wäre kein Problem, würden wir über Radfahren philosophieren, doch wir haben es mit einem anderen Lebewesen zu tun. Einem Lebewesen, dem unsere Diskussionen nichts bedeuten, das aber darunter leiden muss.

Ich würde mir wünschen, dass weniger in sozialen Netzen geschrieben und sich mehr zum fachlichen Austausch getroffen wird, zu einem Austausch, bei dem Gedanken „entwickelt und nicht erarbeitet“ (Danke Dr. Hans-Walter Dörr) werden. Einem Austausch, bei dem das Pferd und dessen Wohl im Vordergrund stehen und nicht Olympiasiege das Ziel bestimmen.

Eigene Erfahrungen müssen dabei eine höhere Gewichtung haben als angelesenes Wissen. Denn häufig ist das was der Autor eines Schriftstückes mit einer bestimmten Aussage darstellen wollte, nicht das, was der geneigte Leser darunter auch versteht – denn man liest ja selektiv, dem eigenen Weltbild konform und dabei bleibt Erkenntnis auf der Strecke.

Lasst uns in Caféhäusern treffen und REDEN! Dann haben die Pferde vielleicht wieder eine Chance und wir geben der Bildung und nicht nutzlosen Informationen Raum.

Ich liebe Caféhäuser!