Über Richard Vizethum

Es war die Liebe zu Pferden, die mich zu einem Sucher nach Wissen rund um diese wunderbaren Lebewesen werden ließ. Einer Liebe, die schon vor sehr vielen Jahren begann. Die Beschäftigung mit Pferden beschränkte sich dabei nicht nur auf das Reiten, sondern mich interessierte ganz besonders auch das Pferd als Individuum sowie im Herdenverbund. So studierte ich sehr intensiv das Sozialverhalten in unterschiedlich strukturierten Pferdeherden. Das daraus resultierende, sehr umfangreiche Wissen, findet sein Einsatzfeld nicht nur in meiner Arbeit mit Pferden – insbesondere sogenannten Problempferden, – sondern auch im Coaching (www.art-leadership.com). Mein reiterlicher Weg hatte seinen Anfang in der Westernreiterei (Reining), wo ich bei international renommierten und sehr erfolgreichen Trainern mein Basisrüstzeug erhielt. Doch das wahre Reiten und die richtige Art Pferde zu trainieren, lehrte und lehrt mich jeden Tag aufs Neue, die Arbeit mit Pferden und Reitern. Inzwischen sind es schon einige hundert wunderbare Pferdeseele, die mir den Weg gewiesen haben. Ich bin dabei den "harten Weg" gegangen, welcher aber das höchste Maß an Erfahrung erreichen lässt: Ich habe mir mein Wissen und meine Fähigkeiten selbst erarbeitet, durch Beobachten, Nachdenken, Ausprobieren … Immer mit dem Ziel ein pferdefreundliches, sehr feines und hocheffizientes Trainings-Konzept zu entwickeln. Im Studium der Literatur alter Meister und militärischer Reitvorschriften fand ich die Bestätigung vieler meiner Gedanken und Ideen. Besonders geprägt wurde ich dabei von zwei Reitmeistern: François Baucher und Otto Digeon von Monteton. François Baucher, entwickelte eine sehr effiziente und logische Methode Pferde auszubilden. Wie ich ging er dabei den „harten Weg“. Bis zu seinem letzten Atemzug im Jahre 1873 entwickelte er an dieser Methode, nichts beherrschte sein Leben mehr. Otto Digeon von Monteton, jener "liebenswerte Feuergeist", wie ihn Seunig beschrieb, ist so etwas wie mein Seelenverwandter. Mit demselben Herzen und derselben Leidenschaft, gewürzt mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, kämpfte er - wie ich - für eine redliche Reitkunst. Einer Reitkunst ohne Showeffekt nur an einer soliden Ausbildung und der Gesunderhaltung des Pferdes interessiert. Nuno Oliveira hat in Worte gefasst, was mir stets innere Verpflichtung ist: "Ich will alles daran setzen und mein Bestes geben, damit diese Pferde in ihrem freundlichen Wesen gut über mich urteilen und damit Harmonie walte, getragen vom Einvernehmen zwischen zwei Lebewesen."

Die Konzentration des Pferdes

Pferde sind konzentrationsschwache Lebewesen. Für ein Fluchttier sind im Grunde längere Spannen der Konzentration nicht nötig – anders bei einem Raubtier.

Oft wird gesagt, dass die Konzentrationsspanne eines (jungen) Pferdes etwa 20 Minuten betragen würde.

Trust-your-Horse - Die Konzentration des Pferdes

Diese Aussage will ich so nicht mittragen.

Man kann ein (junges) Pferd durchaus 1-2 Stunden arbeiten und die Konzentration dabei immer wieder „beleben„. Denn meiner Erfahrung nach ist die Konzentration NICHT ABHÄNGIG VON DER ZEITDAUER, sondern von dem was man vom Pferd verlangt und wie gut das Pferd dieses bereits kann.

Bei einer wenig anspruchsvollen Übung ist die Konzentrationsspanne länger, bei einer schwierigen ggf. auch noch unbekannten Übung dagegen deutlich kürzer.

Während ich bei einer leichten Übung durchaus 10 Minuten am Stück ohne Pause mit einem Pferd arbeiten kann, würde eine schwere Übung schon nach 10 Sekunden eine Pause erfordern.

Wenn ich hier von Pause spreche, dann heißt das STEHPAUSE und das unbedingt MINUTENLANG! Das Pferd bekommt dadurch Zeit nachzudenken, sich zu erholen und lernt als weiteren positiven Nebeneffekt lange stehenzubleiben!

Noch ein Hinweis:

PFERDE LANGWEILEN SICH NICHT, wenn man immer wieder und wieder dasselbe verlangt.

Wenn ein Pferd bei einer Übung Übersprungsreaktionen zeigt, dann keinesfalls aufgrund von Langeweile! Solche Reaktionen entstehen allermeistens dann, wenn das Pferd die Übung (noch) nicht versteht oder es müde wird.

MÜDE = PAUSE – immer noch MÜDE = Feierabend (auch schon mal nach 20 Minuten)!

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
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Couchpotatos

Webdefinitionen
„(Couchpotato) Couch-Potato ist das Klischee einer Person, die einen Großteil ihrer Freizeit auf einem Sofa oder einem Sessel mit Fernsehen, Junk Food essen und Bier trinken verbringt. Der Begriff hat eine negative Konnotation. …“

Als ich einmal, schon vor einer ganzen Weile, darauf hinwiesen habe, dass Pferde sechs Tage in der Woche, am besten 2 x pro Tag je 20-40 Minuten gearbeitet werden sollten, bekam ich von einer ausgebildeten Therapeutin ein sehr harsche Antwort.

Trust-your-Horse - Couchpotatos

Ihrer Meinung nach seinen sechs Tage Arbeit für ein Pferd ein absolutes No-Go. Drei Tage wäre ein anzustrebendes Maximum, denn schließlich müssten die Muskeln genügend Zeit haben sich (von der Anstrengung) zu erholen.

Von was erholen – bitte?

Machen wir mal eine kleine Rechnung auf …

Eine Woche hat 7 Tage á 24 Stunden, also insgesamt 168 verfügbare Stunden.

Nun wollen wir, wie ich dies sehen würde, dem Pferd einen Tag Ruhepause „gönnen“. Es verbleiben also noch 144 Stunden.

Ziehen wir für die verbleibenden 6 Tage, pro Tag noch 16 Stunden (welche der Zeit entsprechen, die man den Pferden nachsagt, dass sie diese mit der Futtersuche, dem Fressen und Schlafen verbringen würden), in Summe 96 Stunden „Freizeit“ ab, verbleiben immer noch

48 STUNDEN VERFÜGBARE ZEIT!

Nun gehen wir mal davon aus, so wie ich das gerne hätte – auch wenn es in der heutigen Zeit in den seltensten Fällen realisierbar ist – das man ein Pferd jeden Tag, sechs Tage die Woche, 2 x pro Tag arbeiten würde – pro Einheit im Mittel 30 Minuten – dann würde das Pferd in Summe in der Woche
6 STUNDEN GEARBEITET WERDEN! (42 Stunden Rest-Freizeit)

Unterstellen wir für die Meinung der Therapeutin jeweils 1 Stunde pro Tag, dann kämen die Pferde bei ihr auf sensationelle
3 STUNDEN TRAININGSZEIT PRO WOCHE! (45 Stunden Rest-Freizeit)

Und jetzt sei nochmal gefragt: WOVON ERHOLEN?

Was tun wir denn in der Regel in dieser „Trainingszeit“ mit den Pferden?

Einer Trainingszeit, die dazu genutzt werden sollte, die Pferde so auszubilden, dass sie möglichst EIN LEBEN LANG, gesund, motiviert und leistungsbereit bleiben werden.

Unterstellen wir mal 1 Stunde Trainingszeit und unterstellen wir weiter, dass wir diese Zeit nicht mit „Spielen“ verbringen, sondern das Pferd reiten.

Was bekommt man allerorten zu sehen?

Schritt – Trab – Galopp, viel davon mitunter im Vorwärts-Abwärts, um das Pferd immer wieder zu „lösen“ oder „entspannen“ zu lassen.

Hier sei auch schon wieder eine Frage gestellt: Wovon entspannen lassen? Von den paar Runden in den genannten Gangarten? Da unterschätzt man gewaltig die (natürliche) Physis der Pferde!

Nun gut, wenn man die Nase des Pferdes, wie oft zu sehen, beim „Aufnehmen“, mit der Kraft der Arme vor die Senkrechte knallt –  egal in welcher Aufrichtung – dann muss man dieses Lebewesen schon mal rauslassen aus dieser Zwangshaltung und der, der das tut, sich selbst und seinen Handschuhen Erholung verschaffen.

Lange Rede – kurzer Sinn: Soviel müssen die Pferde in der Regel bei den allermeisten Reitern nicht leisten.

DIE FOLGE DAVON …

In unseren Ställen und auf den Weiden stehen zu fette Tiere, oder wie es eine Reitschülerin nett formuliert hat: „Pferde mit Muskeln im Fettmantel“ – vergleichbar eben mit menschlichen Couchpotatos.

So, und nun dürft ihr Euch Gedanken darüber machen, ob sechs Tage die Woche (á 1 Stunde) tatsächlich zu viel Belastung für ein Pferd sind?

Ich persönlich sage NEIN!

Sechs Stunden pro Wochen ist ein ganz leicht zu verkraftendes Pensum. Wenn man diese Zeit dann auch noch mit sinn- und wertvoller Dressur und Gymnastizierung verbringt, dann leistet man einen großen Beitrag zur langfristigen Gesunderhaltung seines Reitpferdes.

Ach, im Übrigen bleibt auch bei sechs Stunden Trainingszeit pro Wochen noch genügend Zeit (beim Pferd), um mit einem dann trainierten und rittigem Pferd ins Gelände gehen zu können – dem Ort, an dem sich Pferd und Reiter genüsslich tummeln sollten.

Eigene Notizen
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Ich habe es gelesen

Immer wieder findet man auf Facebook Posts in denen jemand Reitliteratur anbietet, manchmal mit Bemerkungen wie „Ich hab es gelesen …“.

Handelt es sich dabei auch noch um das Wissen „alter Meister“ welches man hier leichtfertig zu verschleudern gedenkt, dann kann man nur attestieren, dass die Person, die dieses tut, nicht wirklich Interesse am Verstehen der Reitkunst hat und das sie mit der ihr vorliegenden Literatur allenfalls ihren Zitaten-„Schatz“ vergrößern wollte.

Trust-your-Horse - Ich habe es gelesen

Dies kann man gerne mit dem größten Teil neuzeitlicher Reitliteratur so tun! Für die der Weg in den Altpapiercontainer mitunter die Reiterei und vor allem die Pferde, vor manchem Schaden bewahren würde.

Nicht so aber kann und darf man mit manchem Wissensschatz voriger Jahrhunderte verfahren. Die Reit- und Stallmeister der damaligen Zeiten konnten etwas, doch sie wirklich-wirklich zu verstehen ist äußerst schwierig.
Einmal lesen reicht dabei nun wirklich nicht aus.
So respektlos und vermessen sollte man keinesfalls sein.

Dieser Wissensfundus erschließt sich nicht durch das einmalige Lesen eines Buches, mag man selbst sich auch für noch so intelligent halten.

Ein wesentlicher und nicht zu umgehender Punkt für das WIRKLICHE Verstehen alter Reitliteratur ist die tägliche und umfangreiche PRAKTISCHE ARBEIT mit den Pferden – mit VIELEN Pferden unterschiedlicher Rassen und unterschiedlicher Konstitution und Disposition.

Diese Arbeit lässt manches Buch großer Reit- und Stallmeister mehrfach wieder zur Hand nehmen und studieren. Mehr und mehr erhält man dadurch die Chance das geschriebene Wort, an der Praxis gelebt, besser zu verstehen und besser zu werden in der Arbeit mit den Pferden.

Doch auch dies ist noch nicht ausreichend für das tiefe Verständnis. Man muss den jeweiligen Autor und sein Werk strikt im Kontext seiner Zeit beurteilen. Neuzeitliche Denkmuster und Begriffsinterpretationen sind hier eher hinderlich und führen – was man an den aktuellen Reitlehren und –methoden durchaus erkennen kann – zu problematischen Fehlinterpretationen und Logikbrüchen.

Auch ist es zum wahren Verständnis unabdingbar, sich mit dem zeitlichen DAVOR und DANACH des jeweiligen Autors zu beschäftigen. Woraus schöpfte er sein Wissen, wie wurde er von der mittel und unmittelbaren Nachwelt beurteilt und welche Zweckänderungen erlebte die Reiterei im Zeitablauf als Ganzes?

Genau dieser Zweck macht es auch erforderlich, sich mit Wissen zu beschäftigen welches über das eigentliche Reiten mitunter weit hinausgeht, aber großen Einfluss darauf hat. Einfluss natürlich auch auf die Erfahrungen und das dargestellte Wissen des jeweiligen Autors.

Mit jedem Mosaiksteinchen wird man ihn, den gelesenen alten Meister, mehr und mehr verstehen lernen, doch dazu muss man sein Werk mitunter wieder und wieder – in Teilen oder als Ganzes – intensiv studieren, von Mal zu Mal aber geschieht dies mit wachsender Erfahrung und Wissen im eigenen Rucksack.

EINMAL, ZWEIMAL … LESEN REICHT NICHT!

Um nur mit Zitaten protzen zu wollen ist manches Buch zu teuer.  Google würde da auch schon reichen.

Doch wer wirklich das Reiten und die Reitkunst tiefer verstehen möchte, wird keines der Bücher wahrer alter Meister hergeben wollen. Für einen solchen „DENKENDEN REITER“ werden diese Bücher, vielleicht noch mit eigenen Randnotizen ergänzt, ein ewiges Nachschlagewerk und Schmuck für seine kleine private Bibliothek sein.

Eigene Notizen
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Reiten auf schmalem Hufschlag

Eine schlichte, aber sehr schwer zu reitende Übung, welche die vollste Aufmerksamkeit und feine Abstimmung von Reiter und Pferd erfordert:

das REITEN AUF SCHMALEN HUFSCHLAG

Trust-your-Horse - Reiten auf schmalem Hufschlag

Je nach Möglichkeiten zieht man mit einem einfachen Gartenrechen (Breite ca. 35 cm.) einen Kreis mit einem Durchmesser von 20-30 Meter [1]. Anfangs kann diese Spur noch die dreifachen Breite des Gartenrechens haben, nach ca. einem ½ Jahr aber sollte eine Gartenrechenbreite ausreichen.

Die Übung wird in der ersten Zeit nur im Schritt und Trab, später auch im Galopp geritten (Voraussetzung, dass Pferd ist in der Lage sich im Trab auf die Hinterhand zu setzen). Dabei sollte man im Minimum 20 Min. auf einer Hand reiten. Es wird ausschließlich auf Trense geritten, zunächst beidhändig, später einhändig.

Keine Pylone oder Stangen als Begrenzung nutzen, diese lenken die Konzentration ab.

ZIEL
DIE HUFABDRÜCKE DES PFERDES DÜRFEN NICHT AUSSERHALB DER GEZOGENEN KREISLINIE SEIN.

NUTZEN
Diese Übung verbessert die Koordination und den Feinheitsgrad der Hilfengebung beim Reiter und macht das Pferd sensibler auf die Hilfen des Reiters.

Hört sich einfach an – ist es aber überhaupt nicht!
Probiert es aus. Viel Spaß dabei

[1] Otto von Monteton („Über die Reitkunst“ – 11. Kapitel) sprach von 40-50 Schritt. Ein Schritt entsprach zur damaligen Zeit in etwa 75 cm. Die angegebenen Schritt entsprechen also einen Kreisdurchmesser von ca. 30 m – 37,5 m.

Ideenquelle: Otto Digeon von Monteton – „Über die Reitkunst“ – 1877 – 11. Kapitel.

Reiterliche Tipps
Autor: Richard Vizethum
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STRESS ist der Maßstab

Das Training von Pferd und Reiter muss im Kern stets darauf abzielen, bestimmte BEWEGUNGS-, HALTUNGS-, und REAKTIONSMUSTER bei beiden Lebewesen grundlegend zu verändern.

Trust-your-Horse - Maßstab STRESS

Nur so ist es möglich das hehre Ziel von Harmonie und wirklich feinem Reiten zu erreichen. Das „natürliche“ Pferd und der „natürliche“ Mensch sind ohne diese „Arbeit“ nicht wirklich kompatibel und neigen, häufiger als man vielleicht denken mag, zu „unkontrollierbaren“ INSTINKTIVEN Reaktionen.

Nun ist es aber so, dass viele dieser Muster sich im Laufe eines Lebens stark gefestigt haben und nur schwer veränderbar sind. Konsequentes Wiederholen (Drill) NEUER Muster, in immer der gleichen Art und Weise (Disziplin), ist hier der EINZIGE und vor allem NACHHALTIGE Weg.

Dieses KONDITIONIEREN hört sich nun zwar sehr eintönig und langweilig an – ist es im Grunde auch. Deshalb macht sich ja kaum noch jemand die Mühe solche Veränderungen der Muster akribisch zu erarbeiten.

Man reitet lieber Lektionen oder Manöver. Doch damit verändert man keine relevanten Muster. Man DRESSIERT nur das Pferd, lehrt ihm das Abspulen bestimmter Abläufe in BESTIMMTEN SITUATIONEN.

Der Reiter selbst verändert sich dabei auch nur insofern, dass er mit der Zeit immer besser darin wird – ohne besser zu sein – die „Probleme“ die er mit dem Pferd hat, zu korrigieren. Probleme, die er nicht hätte, wenn er SICH und das Pferd verändert hätte.

So, kommen wir nun zum Maßstab STRESS

Die Qualität einer Ausbildung drückt sich NICHT in schön gerittenen Lektionen oder Schulen aus. Die perfekteste Piaffe oder der schnellste Spin sind nichts wert, wenn das Pferd oder der Reiter bei STRESS in seine alten Bewegungs-, Haltungs- und Reaktionsmuster zurückfällt. Dann war die ganze Ausbildung – flapsig ausgedrückt – „für die Katz!“. Da ändern auch gewonnene Pokale und Schleifen nichts daran.

Nur wenn es gelungen ist – und das ist ECHTE KONZENTRIERTE MILIMETERARBEIT – die richtigen NEUEN MUSTER nachhaltig zu etablieren, dann werden Pferd und Reiter auch unter extremen Stress, im Sinne der neuen Muster gelassen und angemessen reagieren.

Angemerkt sei auch noch:
Das Leben von Pferd und Reiter sollte auch und besonders außerhalb der Reitbahn stattfinden.
JEDES Pferd sollte im Gelände geritten werden können! Gelingt dies nicht, dann ist die Ausbildung UNVOLLSTÄNDIG (freundlich ausgedrückt).

aus Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachet
Autor: Richard Vizethum
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Die Kandare – ein paar Worte dazu

Ist die Kandare wirklich DAS Instrument, welches die Hilfengebung verfeinert, wie man allendhalben zu hören oder lesen bekommt?

Otto Digeon von Monteton, mein Seelenverwandter, hat über die Kandare ganz pragmatisch gesagt, sie sei „DIE EINZIG MÖGLICHE KRIEGSZÄUMUNG“ .

Und genau das ist sie auch: eine Kriegszäumung!

Trust-your-Horse - Die Kandare - ein paar Worte dazu

Ansonsten war Otto, wie ich auch, der Meinung, dass „die gewöhnliche Wasser- oder Doppel-Trense das einzig brauchbare Ausbildungswerkzeug ist“ und die KANDARENREIFE dann erreicht ist, wenn alle Lektionen der Hohen Schule einhändig auf Trense geritten werden können.

Die Befürworter der Kandare dagegen scheinen der Meinung zu sein, dass man mit der Trense diesen hohen Grad von Feinheit, den sie erwarten, nicht erreichen könne, da die Trense beispielsweise beim Aspekt der BEIZÄUMUNG weniger wirksam sei.

Eine solche Aussage ist FALSCH und drückt in gewissem Sinne sogar Unkenntnis bezüglich der wahren, sehr vielfältigen Möglichkeiten der Trense aus!

Ein auf Trense beigezäumtes Pferd muss sich darauf eingelassen haben die Nase entsprechend der AUFRICHTUNG immer näher an die Senkrechte heranzunehmen. Dies bedarf Geduld und es ist stallmeisterliche Kunst einen Pferdehals mit Hilfe der Trense zu formen.

Bei der Kandare ist diese Willensäußerung des Pferdes nicht notwendig, die Beizäumung geht schneller, aber die Qualität der Halsausformung erreicht nicht das, mit Trense erreichbare Niveau. Im Gegenteil, durch die Genickwirkung der Kandare produziert man einen zweiten „falschen Knick“. Dieser kann das Pferd in manchen Situationen auf die Vorhand bringen.

Während man mit der Kandare tricksen und Ausbildungsfehler leicht überspielen kann, offenbart die Trense solche Fehler und Mängel schonungslos! Mit welchem Instrument also ist mehr Wissen und Erfahrung notwendig, mit der Trense oder mit der Kandare?

Oft hört man, insbesondere dann, wenn die Kandare als feines Mittel präsentiert werden soll folgenden Satz:

Die Trense bäumt, die Kandare zäumt!

Dabei wird einem gar nicht so bewusst, dass dieser Spruch – und hier wage ich eine gar nicht so abwegige Hypothese – wohl in einer Zeit seine Entwicklung nahm, in der Teile der Reiterschaft alles andere als fein und pferdefreundlich ritten.

Getreu nach dem Motto „Alles was lebt ist faul!“ (Rittmeister von W.) versuchte man die Aufrichtung und Beizäumung der Hohen Schule zu imitieren, dabei aber maßgebliche Entwicklungsschritte auslassend, eine gewaltige und für die Pferde sehr unfreundliche Abkürzung zu nehmen.

Nicht, wie bei der wahren HOHEN SCHULE, wo man erst zum Ende der Ausbildung die maximale Aufrichtung und Beizäumung zu erzielen trachtete, begannen diese „Reitersleut“ schon zu Beginn der Ausbildung die Pferde – auf Trense – hoch aufzurichten (DIE TRENSE BÄUMT) und dabei das Pferd stark auf die unvorbereiteten Hanken zu setzen.
Es war ihnen auch egal, dass der Kopf des Pferdes dabei in eine nahezu waagerechte Stellung gebracht und der Rücken weggedrückt wurde.

Diese, zunächst im Stehen erarbeitete Aufrichtung sollte auch in der Bewegung erhalten bleiben.

Erst nach einer Weile begann man, nun mit Kandare (DIE KANDARE ZÄUMT), den Pferdekopf heranzuarbeiten. Die Pferde ließen sich das natürlich nicht gefallen und versuchten, wenn sie die Möglichkeit hatten, vom Zügel loszukommen.

So geschah es auch bei jenem Quedlinburger Husarenregiment, welches den Auftrag bekam in der Zeit von 1842 – 1843 die Methode Bauchers auszuprobieren. Dieser Versuch ging voll in die Hose. Beim großen Kavalleriemanöver vor Berlin 1843 hoben sich die so ausgebildeten Pferde, „keinem Zügel mehr gehorchend“ (frei nach Schiller), reihenweise aus der Zäumung. Natürlich sehr ungünstig für ein Kavalleriepferd. Anzumerken sei allerdings noch, dass Baucher zu dieser Zeit die Pferde ausschließlich auf Kandare ausbilden ließ.

Die „unbedingte Beizäumung“ Bauchers, wurde daraufhin ein für alle Mal bei den Preußen verboten. Die Ablehnung hatte also, nicht wie einige Autoren dies darstellten, nationalistische, sondern rein pragmatische und sicherheitstechnische Gründe.

Das Ganze war natürlich alles andere als gesund für die Pferde, vielleicht auch ein Grund über den Satz: „Die Trense bäumt, die Kandare zäumt!“ nochmal nachzudenken.

Zum vorläufigen Abschluss noch ein Zitat von Otto Digeon von Monteton:

Ein gerittenes Pferd geht auf jeden alten Bindfaden statt des Mundstücks …
(geritten bedeutet hier rittig/voll ausgebildet)

aus Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachet
Autor: Richard Vizethum
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Langer Rückenmuskel und Dehnung(shaltung)

Um auf das eigentliche Thema einzugehen ist es zunächst einmal erforderlich sich etwas genauer mit diesem größten BEWEGUNGSMUSKEL im Pferd auseinanderzusetzen.

Der LANGE RÜCKENMUSKEL (Musculus longissimus dorsi) gehört zu der tiefen Rumpfmuskulatur und besteht aus zwei paarigen langen Muskelsträngen, genauer aus hintereinander liegenden, verschmolzenen Segmenten. Anhand dieser Segmente wird er in verschiedene Bereiche unterteilt, die strukturell und funktionell alle miteinander verbunden sind und somit nicht näher definiert werden.

Trust-your-Horse - Langer Rückenmuskel und Dehnung(shaltung)
Bild mit freundlicher Genehmigung: © Marco Jentsch – zertifizierter Pferdethermograph

Er entspringt an den Dornfortsätzen des Kreuz- und Darmbein und überspannt von dort die komplette Wirbelsäule bis hin zum Kopf (siehe Bild). Er setzt an den Hilfs- und Querfortsätzen der Wirbel an, an den Rippenhöckerchen, am Atlasflügel sowie am Proc. mastoideus des Schläfenbeines.

FUNKTIONEN DES M. LONGISSIUMS

  • Strecken und Feststellen der Wirbelsäule,
  • er ist ein Heber von Hals und Kopf und ebenfalls maßgeblich an der Aufrichtung des Oberkörpers beteiligt
  • Halsbiegen (bei einseitiger Kontraktion)

Seine Länge, seine vielfältigen Andockpunkte und sein Funktionsumfang machen ihn zu einer sehr wichtigen Muskelstruktur im Pferdekörper.

Auch Udo Bürger unterstreicht in seinem Buch „Vollendete Reitkunst“ diesen Muskel als einen ausgesprochenen Bewegungsmuskel, „dessen Tätigkeit der Fortbewegung und der Festigung der Haltung in der Bewegung, nicht dem Tragen des Reitergewichts dient. Er hat durch den breiten Rückenmuskel Verbindung mit der Vorhand und über den großen Kruppenmuskel Verbindung mit der Hinterhand. Somit ist er in den Takt der Bewegung eingeschaltet und kann sich nicht isolieren“.

Nun wurde schon zweimal in diesem Text darauf abgehoben, dass der LANGE RÜCKENMUSKEL ein wichtiger BEWEGUNGSMUSKEL sei. Dies möchte ich an dieser Stelle etwas relativieren, dergestalt, dass es sich beim langen Rückenmuskel nicht um einen Bewegungsmuskel im engeren Sinne handelt, sondern er lediglich einen, wenn auch sehr wichtigen EINFLUSS AUF DIE BEWEGUNG HAT.

Im Weiteren aber trägt er auch zur Stabilisierung der Wirbelsäule bei, unterstützt damit in einem gewissen Sinne das Nacken-Rückenband.

Ein durch das Pferd willentliches oder reflexartig (unbewusstes) AN- besser gesagt VERSPANNEN oder FESTHALTEN dieser Muskelstruktur hat nicht nur direkten Einfluss auf die Bewegung, sondern auch indirekt, durch das „Versteifen“ der Wirbelsäule im Rückenbereich, verbunden mit einem – je nach Ausgangsposition – leichten Absenken bzw. Aufwölben dieser Rückenwirbelsäule.

Das Bestreben des Reiters muss es also sein diesen Muskel in seiner NEUTRALEN GRUNDSPANNUNG zu erhalten, ihn im Falle einer Verspannung zu LÖSEN.

AN DIESER STELLE BEKOMMT NUN VORWÄRTS-ABWÄRTS IM ALLGEMEINEN UND DIE DEHNUNGSHALTUNG IM BESONDEREN IHRE AUFMERKSAMKEIT

Dieses LÖSEN glaubt man nun insbesondere durch Vorwärts-Abwärts-Reiten auch in der Form der Dehnungshaltung erreichen zu wollen. Und hier sage ich ganz klar:

KANN NICHT FUNKTIONIEREN!

Um diese Muskelstruktur des Musculus longissimus dorsi dehnen bzw. strecken zu können bedarf es (flapsig ausgedrückt) etwas, über DAS ICH IHN DEHNEN kann. Und hier ist man – als zentrales Element – der Meinung: DER RÜCKEN. Zumal ja auch der lange Rückenmuskel auf den Querfortsätzen der Wirbelkörper „liegt“.

Dies würde aber bedeuten, man müsste die Skelettstruktur im Bereich des Rückens AUFWÖLBEN. Im Fall des Pferdes bedarf es dazu eines HEBELS, der dies ermöglicht und eines weiteren „Hilfsmittels“, welches die Aufwölbung unterstützt. Das „Mittel“ wäre vorhanden: Das NACKEN-RÜCKENBAND. Dieses ist ganz praktisch, denn es dockt mit Bandkappen an den Dornfortsätzen der Rückenwirbelsäule (Brustwirbel, Lendenwirbel …) an.

Sogar einen geeigneten Hebel hat man gefunden: Die langen Dornfortsätze des Widerrists, welche in ihrer Grundhaltung leicht nach hinten geneigt sind.

Wenn es also nun gelingt, diese langen Dornfortsätze AUFZURICHTEN, dann, so stellt man sich vor, würde dies zu einem AUFWÖLBEN des Rückens – durch das Nacken-RÜCKENBAND – führen.

ALSO DAS SCHEINT JA GANZ EINFACH UND KLINGT AUCH IRGENDWIE LOGISCH

Das Pferd muss sich nur nach vorne-unten DEHNEN und somit Zug auf das Nacken-Rückenband ausüben. Dieses wiederum würde die Dornfortsätze des Widerrists in eine aufrechtere Position ziehen und damit im Weiteren auch den Rücken anheben und somit die Möglichkeit schaffen, den langen Rückenmuskel zu dehnen.

SCHÖNE THEORIE

Doch schauen wir uns doch mal diesen „HEBEL“ etwas genauer an. Zwar stehen die Dornfortsätze relativ weit auseinander, jedoch die Wirbelkörper selbst stehen sehr eng, so das ein AUFFÄCHERN der Dornfortsätze des Widerrists, von denen man so oft spricht nur in einem sehr geringem Maße möglich ist und seine Begrenzung in den Möglichkeiten der Wirbelkörper finden – an denen auch noch die Rippen „anhängen“.

Da am Nacken-Rückenband das Pferdegewicht und natürlich auch das Reitergewicht maßgeblich hängen, ist es kaum vorstellbar, dass dieser minimale Hebel in der Lage ist, diese große Hebeleistung zu vollbringen.

Was er ja auch nicht tut – man muss nur genau hinsehen.

Dann ist dieser lange Rückenmuskel, wie der Name schon sagt, auch noch SEHR LANG, dies bedeutet, um überhaupt einen Dehnungseffekt zu erhalten, müsste sich der Rücken nicht ganz unerheblich aufwölben (ich übertreib mal ein bisschen: Modell „Katzenbuckel“). Aufgrund des schwachen Hebels kann er das aber nicht.

ERGO: Kein (wirkungsvolles) Dehnen!

Natürlich wird der lange Rückenmuskel auch etwas durch seine Andockpunkte an den Halswirbeln, beim Langmachen des Halses gedehnt, aber nur sehr geringgradig, außer vielleicht das Pferd würde sich mit großer Anstrengung nach einem Grashalm strecken (Scherz). Auch wäre die Wirkung dieser „Streckung“  begrenzt auf den  – wie gesagt schwachen – Hebel Widerrist.

Verlangt man dann noch die – der Dehnungshaltung eigene – konvexe Oberlinie, so findet auch kaum noch Dehnungsunterstützung durch die Andockpunkte an den Halswirbeln statt. Hinzu kommt noch der offene Genickwinkel – ein weiteres Charakteristika der Dehnungshaltung – der den langen Rückenmuskel hier sogar etwas lockert (nicht dehnt), da ein Befestigungspunkt das Schläfenbein ist, welches nun etwas nach hinten-unten geklappt ist.

UND DAS ALSO IST DER WEG WIE SICH DER MAINSTREAM VORSTELLT DEN RÜCKEN AUFZUWÖLBEN UND DAS PFERD IM FALLE EINES FALLES ZU LÖSEN …

Im Falle eines Falles“ trifft es übrigens. Es scheint wohl so zu sein, dass der größte Teil der Pferde gar nicht so locker im Bereich der langen Rückenmuskeln sind. Also quasi genügend Notwendigkeit für das LÖSEN über Dehnung gegeben wäre.

Da sollte man sich allerdings mal die Frage stellen, ob daran nicht vielleicht das Vorwärts-Abwärts-Reiten (incl. Dehnungshaltung) neben Haltungs- und weiteren Trainingsfehlern (falsches Aufrichten …), sowie reiterliche Emotionalität als mögliche Ursache für diese (Ver)spannungen in Frage käme.

Eine feste Rückenmuskulatur ist nämlich nicht üblich oder gar bedingt durch die Zucht oder was man sonst noch an Ausreden parat hat. Zumindest schaffe ich es, die Pferde die ich trainiere locker zu machen und zu erhalten – und das ohne DEHNUNGSHALTUNG.

NOCH EIN PAAR KLEINE HINWEISE ZUR DEHNUNG AUS DEM HUMANBEREICH
Bitte jetzt nicht einwenden, dass man Mensch und Pferd nicht vergleichen könnte – kann man doch!

  • DEHNUNG und MUSKELKATER: Beim Muskelkater handelt es sich um kleine Muskelfaserrisse. Dehnung könnte eher zu deren Verstärkung beitragen.
  • DEHNUNG und MUSKELBEWEGLICHKEIT: Krafttraining und Massagen haben ihr eine deutlich höhere Wirkung.
  • DEHNUNG und MUSKELLEISTUNG: Dehnung reduziert die Muskelleistung
  • DEHNUNG und KONTRAKTUREN: Keine signifikante Verbesserung von Kontrakturen durch Dehnung. Mehr Wirkung wird den begleitenden Therapien zugeschrieben.

UND ZUM ABSCHLUSS NOCH MAL EINE FRAGE ZUM NACHDENKEN

Habt ihr schon mal beobachtet WIE PFERDE IHRE RÜCKENMUSKELN LOCKERN?

Sollte jemand bis hierhin gelesen haben hat er meinen Respekt – TAPFER

QUELLANGABEN

  • [1] Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet
  • [2] Alice Sophie Würnschimmel – „Die Auswirkung verschiedener Kopf-Hals-Haltungen auf die Aktivität des Musculus longissimus dorsi beim Pferd“ – Bakkalaureatsarbeit im Studiengang Pferdewissenschaften der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur Wien – Wien, Mai 2015
  • [3] Udo Bürger – Vollendete Reitkunst – Paul Parey Verlag, Berlin und Hamburg – 1959 – 2. Auflage 1966 – Seite 189
  • [4] Marco Jentsch – Pferdethermographie „Musculus Longissimus – Langer Rückenmuskel“

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Warum MÜSSEN wir Pferde aufrichten?

Ja, warum überhaupt ist es notwendig, dass wir Pferde in eine AUFRICHTUNG bringen?

Der größte Teil der Reiterwelt findet doch sein Vergnügen darin, die Pferde häufig in Dehnungshaltung oder darunter zu reiten. Dies aber ist der FALSCHE Weg. Wir müssen Pferde aufrichten. Aber gut, ich versuchs mal zu erklären …

Trust-your-Horse - Warum müssen wir Pferde aufrichten?

Betrachten wir uns doch einmal die
GEWICHTSVERTEILUNG DES PFERDES IN SEINER NATÜRLICHEN HALTUNG

Ein Pferd von 500 Kg Gewicht, ohne Reiter, in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG bzw. Aufrichtung, (Nase in etwa Höhe Hüftgelenk) bringt in dieser Haltung etwa 46 Kg mehr Gewicht auf die Vorhand als auf die Hinterhand. Als Grundlage für diese Aussage wurden Messungen von Baucher/Morris (etwa um 1840) herangezogen und auf ein 500 Kg Pferd umgerechnet.

Die Natur hat das Pferd als Fluchttier mit dieser Vorhandlastigkeit ausgestattet, um bei Bedarf – energiesparend – höhere Fluchtgeschwindigkeiten zu erreichen. Wir merken uns hier schon mal HÖHERE FLUCHTGESCHWINDIGKEITEN.

Mitunter bringt – beispielsweise auf der Flucht – das Pferd, durch weiteres Absenken des Kopfes bzw. Brustkorbs noch mehr Gewicht auf die Vorhand und erzeugt damit – durch den Balanceverlust nach vorne – zusätzliche Geschwindigkeitssteigerungen. Dies aber i.d.R. nur für eine sehr kurze Distanz, denn tieferer Kopf bedeutet WENIGER SEHEN = HÖHERES RISIKO.

Also:
Kopf tiefer = höhere Geschwindigkeit = höheres Risiko = höherer Stress und bedeutet für den Reiter im Zweifelfall Kontrollverlust, da das Pferd seine instinktiven Kräfte zur vollen Entfaltung bringen kann.

SO, UND NUN SETZEN WIR DEN REITER DRAUF

Nehmen wir einen Reiter mit einem Gewicht von 60 Kg. Ebenfalls aufgrund der Messungen von Baucher/Morris kann man davon ausgehen, dass der Reiter mit 2/3 also 40 Kg die Vorhand und mit 1/3 also 20 Kg die Hinterhand stärker belastet. Eine Dissertation an der veterinärmedizinischen Fakultät Wien kommt zu etwas anderen Ergebnissen, basiert aber auf falschen Grundannahmen, wie im Übrigen viele aktuelle Studien nicht ganz frei von Fehlannahmen sind.

Unterstellen wir nun, dass das Pferd weiterhin in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG steht, dann sind jetzt 66 Kg. mehr Gewicht auf der Vorhand. In der Bewegung würde die Beschleunigungsfähigkeit quasi steigen.

Geht das Pferd jetzt beispielsweise in der DEHNUNGSHALTUNG (Nase Höhe Buggelenk, konvexe Oberlinie und offener Genickwinkel) dann würde das Pferd OHNE Reiter 68 Kg mehr Gewicht auf die Vorhand bringen, MIT REITER sogar 88 Kg!

Ein Gewicht, welches in dieser Haltung (Dehnungshaltung) nicht durch das vorgreifende Vorderbein abgestützt wäre. Der Teil, der über das Vorderbein kommt, liegt dem Reiter komplett in der Hand. Dies bedeutet: DAS PFERD IST DEUTLICHER AUS DER BALANCE nach vorne. Privat kann es das kurzzeitig mal so machen – unterm Reiter ist das keine gute Idee, kann zu massiven Kontrollverlusten führen!

Erwähnt sein noch, dass diese Gewichtsmessungen im STEHEN erfolgt sind, kommt Bewegungsdruck dazu – der ja in der Dehnungshaltung konsequent VORWÄRTS-ABWÄRTS geht – reden wir von anderen Größenordnungen.

Zurück zur Frage warum wir unbedingt AUFRICHTEN MÜSSEN …

DAS REITERGEWICHT MUSS KOMPENSIERT WERDEN

Nun gut. Wir setzten also einen Reiter auf das Pferd.
Nachdem sich das Pferd an diesen gewöhnt hat, was heißt: der STERNENGUCKER hat den Weg in die (korrekte) TIEFE (= Nase etwa Höhe Hüftgelenk) gefunden, der Rücken, der kurzzeitig etwas nach unten gegangen war hat sich wieder in seine URSPRÜNGLICHE POSITION aufgewölbt und das Pferd ist VERTRAUENSVOLL AM GEBISS und nicht wie beim STERNENGUCKER über dem Gebiss.

Das war damals, als man die Pferde noch NICHT durch sinnvolle Bodenarbeit vorbereitet hat, nach maximal einer Woche erledigt und das primäre Ziel wurde ins Auge gefasst – dieses war (und sollte noch immer sein):

DER HINTERHAND MEHR GEWICHT ZUZUSCHIEBEN. Dies hat – neben der Verbesserung der Sicherheit – primär mit der Gesund- und Leistungsbereiterhaltung des Pferdes zu tun.

Zunächst geschieht dies einfach nur dadurch, dass man das nach vorne überhängende Reitergewicht gleichmäßig (schlicht 50:50) auf Vorder- und Hinterbeine des Pferdes verteilt. D.h. bei dem 60 Kg-Reiter der mit 40 Kg die Vor- und mit 20 Kg die Hinterhand belastet, müssten 10 Kg nach hinten verschoben werden.

Und wie macht man das?

Alternative 1:

MAN SETZT DEN REITER WEITER NACH HINTEN. Diese dumme Idee gab es vor knapp 200 Jahren schon mal, wurde zum Glück für die Pferde wieder verworfen (na ja, nicht ganz: Die Islandreiterei praktiziert dies mitunter noch).

Alternative 2:

WIR RICHTEN DAS PFERD AUF. Dies tun wir ausgehend von seiner NATÜRLICHEN HALTUNG!!!

Und dabei brauchen wir noch nicht an „Hankenbeugung“ denken, wie die Herrschaften, die glauben, man könnte ein Pferd in diesem Stadium von HINTEN NACH VORNE reitend RELATIV aufrichten.

NEIN, wir müssen das Pferd zunächst von VORNE NACH HINTEN arbeiten und OHNE HANKENBEUGUNG aufrichten. Das WIE lasse ich an dieser Stelle offen (da werde ich an anderer Stelle extra drauf eingehen – vielleicht). Wichtig ist zunächst nur das man es TUN MUSS und noch wichtiger ist, dass man das Pferd NICHT UNTER SEINE NATÜRLICHE HALTUNG lässt – also auch KEINE DEHNUNGSHALTUNG!

Mit diesem AUFRICHTEN einher geht im Training ein MUSKELUMBAU der die Oberlinie des Pferdes stärkt und es dem Pferd möglich macht – OHNE ANSTREGUNG – eine höhere Haltung (mit entsprechender Beizäumung) einzunehmen und diese sehr LANGE zu halten. Viele so gearbeitet Pferde laufen auch auf der Koppel mit mehr Aufrichtung.

Arbeitete man aber öfter in Dehnungshaltung oder darunter, verzögert sich dieser Muskelumbau deutlich, bis hin zu dessen Unmöglichkeit – reitet man Vorwärts-Abwärts aktiv. Korrekturen solchermaßen in Grund und Boden gerittener Pferde gestalten sich sehr schwierig und für Pferd und Reiter anstrengend (nimmt man diese Korrekturen ernst).

Jetzt hab ich ein bisschen über das WARUM MÜSSEN WIR AUFRICHTEN gesprochen. Nun stellt sich aber die Frage

WARUM ARBEITEN WIR IN DER REITEREI EIGENTLICH SO INTENSIV GEGEN DIESEN MUSKELAUFBAU?

Immer wieder höre ich die Argumentation:
Man muss doch mal ein in Aufrichtung gearbeitetes Pferd dehnen lassen!„, sozusagen als Gegenpart zur Aufrichtung.

JA, man muss es schon mal STRECKEN lassen – WENN, JA WENN man das Pferd FALSCH AUFGERICHTET und ZU ENG GENOMMEN hat, was heute in allen Fakultäten – mit wenigen Ausnahmen – zu sehen ist. Die Kandare spielt bei dieser fehlerhaften Arbeit eine nicht ganz unwesentliche Rolle – von wegen feines Instrument.

Aber auch zum Zwecke des Streckens wäre die DEHNUNGSHALTUNG völlig falsch. Das Pferd kommt vom Regen in die Traufe. Die Belastung der Muskulatur bleibt. Lediglich (bei falscher Aufrichtung/Beizäumung) würde sich die Luftzufuhr einer nicht mehr gequetschten Luftröhre verbessern. Da schnauben dann die Pferde auch schon mal gerne ab.

Ein korrekt aufgerichtetes Pferd dagegen geht NIE ZU ENG!

WAS ERREICHEN WIR DURCH DEHNUNGSHALTUNG UND SONSTIGEN VORWÄRTS-ABWÄRTS VARIANTEN?

Zum POSITIVEN hin:
Einfach gesprochen ABSOLUT NICHTS!

Zum NEGATIVEN hin:
Wir bringen das Pferd vermehrt auf die Vorhand. Wir erhöhen für das Pferd die Möglichkeiten seine instinktiven Kräfte noch stärker zu nutzen, statt diese zu reduzieren. Stichwort: HÖHERE FLUCHTGESCHWINDIGKEIT. Wir verzögern (im günstigsten Fall) den notwendigen Muskelumbau. Und … und … und …

SCHLUSSWORTE

So, ich beende den Text an dieser Stelle und hoffe sehr dass man diesen bis hierher gelesen hat. Großartig wäre es, wenn es mir damit gelingen würde, zum Nachdenken anzuregen.

Dies wäre insbesondere wichtig, da die heute gelehrte und auch von „renommierten“ Herrschaften und Fakultäten vertretene Biomechanik in vielen Teilen falsch ist, bzw. wichtige biomechanische Sachverhalte aus Unkenntnis und Unwissenheit nicht dargestellt werden. Was in seiner Konsequenz zu völlig falschen Trainingskonzepten und zu Lasten der Pferde geht!

Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet
Autor: Richard Vizethum
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Die stillstehende Hand

Die STILLSTEHENDE HAND ist das wichtigste Element eines korrekten Reitersitzes.

Die STILLSTEHENDE HAND muss WEICH und SCHNELL sein. Sie sollte RUND sein, sich aber auch bei Bedarf kurzzeitig zur Faust schließen können. Ihre Muskeln dürfen nie angespannt sein, denn mit jedem Grad Anspannung verlieren die Muskeln mehr und mehr Gefühl. Jenes Gefühl, welches notwendig ist, damit die STILLSTEHENDE HAND auch SCHNELL und WEICH sein kann.

Trust-your-Horse - Die stillstehende Hand

Ohne STILLSTEHENDE HAND ist keine korrekte ANLEHNUNG möglich. Ohne Anlehnung kein GLEICHGEWICHT und damit auch keine VERSAMMLUNG (auch wenn es Reiter gibt, die der Meinung sind, dass das Gleichgewicht aus der Versammlung entsteht 🙂 ).

Ohne STILLSTEHENDE HAND wird das Pferd nie den Ruhepol finden, an dem es sich ausrichten und orientieren kann. Es wird immer in einem latenten Stress gehalten. Das Pferd lernt sicherlich mit diesem Stress umzugehen, aber gesund, im Sinne der psychischen Gesundheit, ist das nicht.

WAS ABER SEHEN WIR HEUTE IN DER REITERWELT?

Da gibt es eine falsch verstandene Nachgiebigkeit, ein durch Reiterhand erzeugter loser Zügel. Dieses gutgemeinte „Hingeben der Zügel“ ist FALSCH und absolut KONTRAPRODUKTIV. Die wahrhaftige und nachhaltige Nachgiebigkeit MUSS IMMER vom Pferd kommen!

Noch schlimmer ist die MITGEHENDE HAND, heute hochgelobt und auf allen Ebenen der Reiterei und in nahezu allen Reitweisen praktiziert.

Mit dieser „mitgehenden Hand“ soll „die weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul“ sichergestellt werden, wie es die Richtlinie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Bezug auf die Anlehnung fordert. Doch eine „mitgehende Hand“ lässt genau diese Anlehnung nicht zu. Hast Du schon einmal versucht Dich an einem Auto anzulehnen, das unmittelbar danach losfährt? Kann gut gehen …

Wer ein im Maul unruhiges Pferd hat, darf die Ursache durchaus in einer „mitgehenden Reiterhand“ suchen, welche das Pferd in ständigen Balancestress versetzt und die, nebenbei bemerkt, von KEINEM Reiter präzise geritten werden kann!

Und da haben wir dann auch noch das sinnlose „Klavieren“ baucheristischen Reitens. Hier wird keine Nachgiebigkeit auf Dauer, sondern nur ein temporär begrenzter und immer wieder aufzufrischender, fauler Kompromiss erzeugt.

NUR die STILLSTEHENDE HAND ist es, die dem Pferd Orientierung gibt, an der sich das Pferd ausrichten kann.
Die STILLSTEHENDE HAND ist der Anker, um den sich alles dreht, sie ist die Konstante in all der Bewegung. Sie muss unmittelbar vor dem Reiterkörper getragen werden um jedes unbewusste Vor- und Zurückgehen der Hände einzuschränken.

Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet
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Die Sucht mit Pferden zu spielen

Ich bin ein Idealist – nicht nur was das Reiten anbelangt. Doch die Belastbarkeit idealistischen Denkens und Handelns wird auf immer stärkere Probe gestellt.

Ich mag stolze Pferde, die mit vier Füßen kraftvoll im Leben stehen, Pferde, die vor Selbstbewusstsein strotzen und dieses auch in allen Lebenssituationen ausstrahlen. Pferde die deshalb auch sicher sind, egal wie sicher der Reiter in ihrem Sattel ist.

T.Y.H. SuchtSpielen

Dorthin versuche ich diese wunderbaren Tiere zu entwickeln, unabhängig von deren bisherigen Lebenserfahrungen und körperlichen Voraussetzungen.

Reiter ermuntere ich dazu nachzudenken und das zu werden, was Max Ritter von Weyrother, einer der prägendsten Personen an der Wiener Hofreitschule,  den „denkenden Reiter“ nannte. Ich lehre sie, Teil einer wundervollen Partnerschaft, auf Augenhöhe mit dem Pferd zu werden.

Es ist aber unglaublich, wie schwer dieser Weg ist bzw. einem gemacht wird.

Von 100 Reitern, die über feines Reiten philosophieren und dieses für sich proklamieren, ist vermutlich gerade mal EINER dabei, der hauchzart in die Nähe dieser Art des Reitens kommt.

Von 100 Reitern, die über einen partnerschaftlichen, fairen Umgang mit dem Pferd reden, ist vermutlich gerade mal EINER dabei, der diesen in seiner letzten Konsequenz wirklich auch pflegt.

Diese Ernüchterung macht mich persönlich sehr traurig.

Wir trainieren Pferd nicht mehr um sie zu gesunden, leistungsbereiten Reitpferden zu machen, wir spielen lieber mit ihnen. Dabei vergessen wir, dass Pferde ernste Lebewesen sind. Ihnen muss man mit Ernst und Liebe begegnen. „Neckerei macht Pferde sogar böse“, wie Otto von Monteton 1899 schrieb.

Doch Spielen ist einfacher, weniger anstrengend, vor allem weniger anstrengend für das Gehirn. Und wir Menschen neigen, ganz besonders in dieser heutigen, dekadenten Zeit, zur Faulheit! Dafür degradieren wir diese wunderbaren Wesen zu Tanzpuppen und sind dabei auch noch der Meinung, ihnen was Gutes angedeihen zu lassen. Nebenbei befriedigen wir damit auch noch unsere Eitelkeiten („Guck mal, was mein Pferd so alles kann …“).

Die Pferde machen mit – na ja, es bleibt ihnen ja auch wenig anderes übrig.

Pferde müssen in diesem Spiel funktionieren!

Tun sie es nicht, dann gibt es Mittel und Wege sie dazu zu bringen – die Kataloge und Regale von Reitausstattern sind übervoll davon. Was man dabei leider sehr selten einsetzt, ist das eigene Gehirn. Wofür auch – zum Nachdenken vielleicht? Das bedeutet Arbeit! Aber wie gesagt, die Fleißigsten sind wir ja nun mal nicht. Oder wie es Rittmeister von W. ausdrückte „Alles was lebt ist faul!„.

Finden sich unter den Pferden dann ein paar starke Charaktere, die darauf bestehen, dass der Mensch die Dinge die er zu tun hat auch richtig tut – und das wäre gar nicht so viel verlangt – dann landen sie  schnell in einer Verkaufsanzeige und werden häufig zum Wanderpokal. Pseudoexperten probieren sich an ihnen aus – bis, ja bis sich diese tapferen Kreaturen entweder aufgeben oder völlig unberechenbar werden.

Würde ich nun auch noch über die verschiedenen nutzlosen, aber gerne angewandten Methoden sprechen, mit denen man Pferde heute ausbildet oder besser gesagt TRAKTIERT, bekommt dieser Text etwas Endloses.

Ich ende erstmal hier und hoffe, ihr investiert etwas Arbeit und denkt über diese Worte nach. Vielen Dank!

Autor: Richard Vizethum
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