VORWÄRTS-ABWÄRTS und (k)ein Ende

Nach einigen kritischen Posts auf Facebook habe ich mir noch einmal (zum wiederholten Male) die Reitvorschriften D.V.E. Nr. 12 von 1912 und H.Dv. Nr. 12 von 1937 angesehen um näher an den Ursprung des Vorwärts-Abwärts heranzukommen.

Folgende Erkenntnisse

Zunächst gilt festzustellen, dass das Vorwärts-Abwärts, so wie wir es heute kennen, in KEINER der beiden Reitvorschriften beschrieben steht, weder in der Form, noch der neuzeitlichen, sehr intensiven Nutzung bei Pferden jeden Ausbildungsstandes!

Des Weiteren ist festzuhalten, dass immer dann wenn in den Reitvorschriften von Vorwärts-Abwärts gesprochen wurde, sich dies auf die Nase des Pferdes bezog („mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“). Dies ist eine durchaus bedeutsame Feststellung, denn aus dieser Formulierung kann nicht zwingend eine tiefe Halshaltung abgeleitet werden.

Die Varianten

Folgende „Varianten“, bei denen die Nase des Pferdes tiefer als bei der Gebrauchshaltung kommt, wurden – vor allem in der H.Dv. Nr. 12 von 1937 – erwähnt.

  • am (völlig) hingegebenen Zügel
  • am langen Zügel (Schritt)
  • die Zügel aus der Hand kauen lassen (in allen Gangarten)
  • das Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase
  • Anlehnung in die Tiefe (D.V.E. Nr. 12 von 1912)

Im Wesentlichen kamen alle diese „Varianten“ ausschließlich bei der Ausbildung von Remonten oder bei der Korrektur von Pferden zum Einsatz. Die einzige Ausnahme stellte das „die Zügel aus der Hand kauen lassen“ dar. Diese wurde immer wieder, auch beim fertig ausgebildeten Pferd zum Zwecke der Verprobung der Losgelassenheit eingesetzt.

Am hingegebenen Zügel

 „Die jungen Remonten sind zunächst so lange im Schritt mit vollkommen hingegebenen Zügeln zu reiten, bis der Schritt ganz ruhig, raumgreifend und gleichmäßig ist. Erst dann kann eine geringe Anlehnung angestrebt werden“ (H.Dv. Nr. 12 – Seite 141)

Dabei strecken die Pferde die Nase weiter nach vorne und haben natürlich auch die Möglichkeit in die Tiefe zu gehen. Diese Phase war vergleichsweise kurz und man begann danach erste Anlehnung anzustreben (siehe „Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“).

Unabhängig von dieser ersten Phase wurde diese Vorgehensweise (am „hingegebenen Zügel“) in den ersten Monaten der Ausbildung einer Remonte immer wieder einmal durchgeführt. Zum Ende dieser ersten Monate sogar im Arbeitsgalopp.

Dieser Hinweis wurde aus dem „Ausbildungsplan für junge Remonten“ der H.Dv. Nr. 12 von 1937  entnommen. Im eigentlichen Regelwerk findet sich kein Hinweis oder genaue Beschreibung für einen „hingegebenen Zügel“ und dessen Nutzen insbesondere in Verbindung mit dem Arbeitsgalopp. Zumindest habe ich keinen gefunden. Es ist aber davon auszugehen, dass auch dadurch die Losgelassenheit der Remonten festgestellt werden sollte und dass dies nur in kurzen Reprisen durchgeführt wurde.

Am langen Zügel

Im Gegensatz zum „hingegebenen Zügel“ besteht beim „langen Zügel“ Kontakt („Anlehnung“) mit dem Pferdemaul.
Laut Ausbildungsplan und auch in Hinweisen im eigentlichen Regelwerk wurde dieser nur im Schritt zur Anwendung gebracht.

Trust-your-Horse Am langen Zügel
(Bild: Losgelassenheit im freien Schritt am langen Zügel)

Auf diesem Bild sieht man, dass das Pferd dabei, in seiner „natürlichen Haltung“ gehend, das Genick deutlich über Widerristhöhe trägt.

Zügel aus der Hand kauen lassen

Das, „Zügel aus der Hand kauen lassen“, wurde in jeder Ausbildungsstufe des Pferdes zur Verprobung der Losgelassenheit gefordert.
„Das Pferd muss dabei mit nach vorne gedehntem Halse, die Kammlinie leicht nach oben gewölbt und vorwärts-abwärts gerichteter Nase völlig entspannt dahingehen und darf nicht eiliger treten.“

Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase

Diese Vorgehensweise der H.Dv. Nr. 12 von 1937 entspricht der „Anlehnung in die Tiefe“ der D.V.E. Nr. 12 von 1912.

Auch wenn – insbesondere die Begrifflichkeit der D.V.E. Nr. 12 von 1912 – suggeriert, dass das Pferd im Hals und Kopf sehr tief eingestellt worden wäre, ist festzustellen, das dem nicht so ist (siehe Bild aus der D.V.E. Nr. 12 von 1912 – dies entspricht der „Anlehnung in die Tiefe“). Der Remonte trug dabei Kopf und Hals in einer „natürlichen Haltung“.

Trust-your-Horse - Anlehnung in die Tiefe 1912

Für Steinbrecht wäre diese Einstellung wahrscheinlich schon zu tief gewesen. Er forderte die Zügel schon beim ersten Anreiten „kürzer“ zu fassen und erwartete schnell VOLLE Anlehnung. Diese beiden Sachverhalte führen in der Regel zu einer etwas höheren Einstellung der Pferdenase.

ZWISCHENFAZIT

Von all den erwähnten Varianten dürfte nur das „Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“ respektive die „Anlehnung in die Tiefe“ unter Vorwärts-Abwärts subsummiert werden.

Zum Einsatz kam diese Vorgehensweise („Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“) AUSSCHLIESSLICH bei Remonten und Korrekturpferden!

Kurt Albrecht von Ziegner merkte hierzu an:

„Junge Pferde, die ihren Rücken nicht korrekt einsetzen, müssen ‚vorwärts-abwärts‘ geritten werden, damit sie die notwendige Muskulatur entwickeln können. Hat das Pferd jedoch gelernt, den Reiter bei steter Verbindung zur Reiterhand problemlos zu tragen, wäre es FALSCH, in dieser Weise (vorwärts-abwärts) weiterzureiten. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, vom Pferd ein verstärktes Untertreten der Hinterhand zu fordern, wodurch es sich vorne etwas mehr aufrichtet, da wir unsere Pferde nicht unnötigerweise ‚auf der Vorhand‘ reiten wollen!“

GESTERN und HEUTE

Vergleicht man die Ausführungen der damaligen Zeit mit denen der Neuzeit (ab den 1960er Jahren), dann lässt sich bezogen auf HEUTE Folgendes feststellen:

  1. „Vorwärts-Abwärts“ kommt nicht nur bei Remonten oder Korrekturpferden zum Einsatz, sondern ist generelles Mittel der Ausbildung geworden. Ein Ziel jeder Ausbildung eines Pferdes muss es sein, dass Pferd vermehrt auf die Hinterhand zu setzen. Nach der „Vorwärts-Abwärts-Arbeit“ mit Remonten ging man damals relativ schnell dazu über, die Pferde in Richtung Hinterhand auszubilden und Vorwärts-Abwärts war obsolet (Ausnahme: Zum Zwecke der Korrektur).
  2. Anstelle von meist kurzen Reprisen werden heute lange Passagen im „Vorwärts-Abwärts“ geritten.
  3. Die Pferde sind zu einem großen Teil viel tiefer eingestellt als damals. Früher gingen die REMONTEN in GERINGER ANLEHNUNG nicht tiefer mit der Nase als max. Buggelenk und das nur, weil man sie noch in ihrer „natürlichen Haltung“ belassen wollte, damit sie sich an die neue Belastung durch den Reiter gewöhnen konnten.
  4. „Vorwärts-Abwärts“ wird in der heutigen Zeit zu einem sinnlosen Showeffekt degradiert (Westernreiten). Während in den Dienstvorschriften das „Vorwärts-Abwärts“ im Zusammenhang mit Remonten und Korrekturpferden (das sei nochmals erwähnt) und in der Art wie es geritten wurde, Sinn gemacht hatte, ist die zum Teil extrem tiefe Einstellung von Hals und Kopf bei Westernpferden absolut sinnfrei!

Wenn man dabei von einem „falsch interpretierten Vorwärts-Abwärts“ spricht, dann sind dies genau diese Punkte!

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Parkposition als Lösungsmittel

Aus meiner Sicht hat „Lösen“ sowohl eine körperliche als auch geistige Komponente und ist insbesondere nach herausfordernden und körperlich anspruchsvolleren Übungselementen sinnvoll und notwendig.

Trust-your-Horse - Parkposition als Lösungsmittel
(Bild: Oldenburger-Wallach „Luis“ | Besitzerin: Birgit Gottschalk in vorbildlicher Parkposition)

Körperlich sollte das Pferd sich strecken können, so dass die Wirbelkörper im Halsbereich und die Dornfortsätze, insbesondere am Widerrist, sich etwas „auffächern“.

Mental sollte das Pferd wieder zur Ruhe kommen. Diese geistige Entspannung beim Pferd, ist für mich eigentlich noch wichtiger, als der rein körperliche Aspekt.

DOCH, IST DAZU BEWEGUNG NOTWENDIG UND SINNVOLL?

Als Mittel des „Lösens“ wird nun sehr häufig das Vorwärts-/Abwärts-Reiten empfohlen. An dieser Stelle möchte ich nicht in die Diskussion darüber einsteigen, ob Vorwärts-/Abwärts grundsätzlich Sinn macht.

Ein Pferd mit einem Gewicht von 600 Kg bringt im STEHEN in barocker Aufrichtung etwa 56 Kg Gewicht mehr auf die Vorhand als auf die Hinterhand. In einer Vorwärts-/Abwärtsposition sind dies schon 90 Kg.

Im Stehen stellt diese Überlastungssituation für das Pferd kein Problem dar. Es kann dieses Gewicht gut mit den Vorderbeinen abstützen.

Vorwärts-/Abwärts-Reiten und Lösen?

Kommt dagegen Bewegung hinzu (Vorwärts-/Abwärts-Reiten), dann nimmt der Belastungsdruck auf die Vorhand erheblich zu.
Ein „Lösen“ mag nun zwar körperlich in der Oberlinie (Wirbelsäule) stattfinden, aber findet seinen negativen Widerhall in den Vorderbeinen und der Schulter.
Ergo, ein körperliches und geistiges „Lösen“ ist eingeschränkt.

Bei einer korrekten Dehnungshaltung, bei welcher sich das Pferd im Widerrist anheben muss, damit das Wort „korrekt“ seine Gültigkeit hat, der Hals sich mit einer konvex nach oben gewölbten Oberlinie und offenem Genick nach vorne strecken soll, kann man ebenso nicht von einem vollständigen „Lösen“ sprechen.

Denn diese Haltung in der Bewegung ist Arbeit für das Pferd! Auch ein „geistiges Lösen“ ist hier kaum zu erwarten.

LÖSEN IN PARKPOSITON

Weit besser ist, aus meiner Sicht, dagegen das „Lösen“ dann, wenn man die Bewegung weglässt und das Pferd sich im Stehen (gleichmäßig auf allen vier Füßen) mit der Nase in Richtung Boden strecken kann.

Dies hat drei Effekte, einen körperlichen und zwei geistige:

  1. Wirbelkörper und Dornfortsätze werden ausreichende „gelöst“ ohne großen Belastungsdruck auf die Vorderbeine und Schulter (körperlicher Aspekt)
  2. Das Pferd begibt sich in diese Position reell nur, wenn es sich entspannt und sich sicher fühlt. Es verbietet sich ein „Hintrainieren“ dieser Position (häufig im Westernreiten). Das Pferd muss diese Dehnung freiwillig einnehmen.
  3. Dieses Lösen in der Parkposition zeigt auch den Stresszustand des Pferdes an. Geht das Pferd, auch nach einer sehr anspruchsvollen Übung, unmittelbar, freiwillig und ruhig in diese Dehnungshaltung, dann hat es sich durch die Übung vorher wenig gestresst gefühlt. Tut es das nicht oder erst nach einiger Zeit, dann war die Übung vorher schon sehr – im günstigsten Fall – herausfordernd für das Pferd gewesen.

WIE GEHT MAN VOR?

Man hält das Pferd ruhig an, achtet dabei darauf, dass es auf allen vier Beinen gleichmäßig steht, also nicht in Schrittposition beispielsweise.

Dann bringt man das Pferd durch leichtes wechselseitiges Ausdrehen der Handgelenke, verbunden mit einem seitlich/vorwärts Herausstellen der jeweiligen Hand und Nachgeben des Zügels, zum Strecken. Dieses Signal („Du kannst Dich strecken!“) wird, sollte sich das Pferd nicht strecken, nur noch einmal wiederholt. Streckt sich das Pferd dann immer noch nicht, dann akzeptiert man dies und fordert nicht weiter. Wie gesagt, dass Pferd soll sich freiwillig strecken!

Diese Parkposition kann man durchaus einige Minuten andauern lassen, bevor man weiterarbeitet oder die Trainingseinheit beendet.

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VORWÄRTS-ABWÄRTS – ein paar Worte dazu

Auszug aus „Die Grammatik des Reitens“

Es wird immer wieder viel darüber diskutiert, welchen Beitrag das sogenannte „vorwärts-abwärts“ für das sinnvolle Training eines Pferdes hat. Ich möchte an dieser Stelle meine Sicht der Dinge darlegen.

Pferde als Bewegungs- und vor allem Fluchttiere sind auf eine hohe Fluchtgeschwindigkeit angewiesen. Aus diesem Grund kam es bei ihnen im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte zu einem körperlichen Umbau, der eine vermehrte Lastaufnahme auf die Vorhand mit sich brachte. Durch diese Lastverteilung nach vorne erreichen sie eine höhere Laufgeschwindigkeit.

PFERDE BEVORZUGEN DIE VORHAND

Grundsätzlich werden Pferde immer versuchen verstärkt auf die Vorhand zu kommen, denn neben dem Geschwindigkeitsaspekt, ist für Pferde, als energiesparende Lebewesen, die Nutzung der Vorhand energieeffizienter als eine vermehrte Nutzung der Hinterhand. Die Struktur der Hinterhand fordert bei verstärkter Beugung der Gelenke deutlich mehr Energie, als die vergleichsweise einfache Struktur der Vorhand.

Damit wir aber, wenn wir das Pferd zum Reitpferd ausbilden wollen, dieses auch über sehr lange Zeit gesund und leistungsbereit erhalten, ist eine verstärkte Nutzung der weit belastbareren Hinterhand unabdingbar.

Des Weiteren müssen bei einem Reitpferd vermehrt Muskelgruppen trainiert werden, welche es als Pferd nicht zwingend explizit trainiert, die wir aber bei ihm als Reitpferd benötigen. Als Beispiel sei der Trapezmuskel, jenes kleine Dreieck unterhalb des Widerrists genannt. Gerade dort findet man bei vielen Pferden eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Kuhle, welche in Verbindung mit nicht durchgezogen konvex geschwungener Oberhalslinie, ein Zeichen dafür ist, dass das Pferd sich nicht „selber trägt„.

Gerade bei Pferden, welche häufig (im Wortsinn) „vorwärts-abwärts“ geritten werden, findet man derartige Muskeldefizite. Welche sich dann noch – und das sei nicht unerwähnt – durch den Sattel verstärken.

Vielleicht würde diese – falsche – Art sein Pferd zu reiten nicht passieren, hätte man anstelle von „vorwärts-abwärts“ besser „aufwärts-vorwärts“ gesagt.

DEHNUNGSHALTUNG – DER BESSERE WEG?

Trust-your-Horse Korrekte VORWÄRTSabwärts

Eine korrekte DEHNUNGSHALTUNG (s.Bild: durchgezogen konvex geschwungene Oberhalslinie, offenes Genick, Genick ist der höchste Punkt und etwa 20-30 cm über Widerrist) setzt zunächst einmal voraus, dass das Pferd, bevor es in die Dehnung (vorwärts) geschickt wird, sich im Widerrist per Muskelkraft angehoben (aufwärts) hat. Dieses Anheben des Widerrists wiederum geht immer einher mit einem leichten Setzen auf die Hinterhand.

Also muss man beim Pferd, für eine korrekte Dehnungshaltung, eine gewisse Versammlungsfähigkeit zum einen und Kraft in der Hinterhand zum anderen voraussetzen. Hier sei darauf hingewiesen, dass man Kraft nicht durch vorwärtslaufen, sondern nur durch verstärkte Lastaufnahme (auf die Hinterhand) trainieren kann.

Diese notwendige Versammlungsfähigkeit, welche das Pferd aufgrund der oben angeführten Rahmenbedingungen (Fluchttier und Geschwindigkeit; Pferd ist Energiesparer) unter normalen Umständen nicht selbstständig anbieten wird, kann nur durch Training erreicht werden. Damit schließt sich AUCH DIE Dehnungshaltung – da nicht korrekt durchführbar – bei jungen Pferden absolut aus.

Die Dehnungshaltung, so wie ich sie hier beschrieben habe, hat mit dem „Lösen„, welches man in diesem Zusammenhang argumentativ immer wieder vorbringt, nichts zu tun. Zwar fächern sich die Dornfortsätze am Widerrist geringfügig auf und auch die Halswirbelsäule wird „gedehnt“, doch u.a. aufgrund der konvexen Oberhalslinie muss das Pferd ein hohes Maß an Muskelarbeit im Bereich von Oberhals und Trapezmuskel leisten. Die Dehnungshaltung ist also harte Arbeit für das Pferd! Auch Entspannung kann man damit nicht erreichen!

Dieses „Lösen“ wird bei mir ausschließlich im Stehen durchgeführt (siehe hierzu: Parkposition als Lösungsmittel). Das Reiten in der „korrekten“ Dehnungshaltung nutze ich zur Entwicklung und Verbesserung eines korrekten Raumgriffs.

VORWÄRTS-ABWÄRTS DAS NATÜRLICHE BESTREBEN DES PFERDES

Selbst wenn das Pferd gelernt hat, sich im Widerrist anzuheben und auf die Hinterhand zu setzten, so wird es dennoch immer wieder instinktiv das Bestreben haben auf die Vorhand zu kommen um sich zu „entlasten“ und Energie zu sparen.

Lässt man nun also sein Pferd vermehrt und auch noch längere Strecken „vorwärts-abwärts“ gehen, so kommt das dem natürlichen Wunsch des Pferdes, vermehrt die Vorhand zu belasten, mit all den schädlichen Folgen für ein Reitpferd, deutlich entgegen.

Das, was man meist als „vorwärts-abwärts“ zu sehen bekommt – und dazu zähle ich auch das in der Westernreiterei immer stärker gewünschte Bild eines Pferdes mit der Nase knapp über Boden – ist der dauerhaften Gesunderhaltung des Pferdes massiv abträglich.

Das man durch vermehrtes Aktivieren der Hinterhand, trotz tiefer Kopfeinstellung, den Rücken anheben kann und das Pferd sich „selber trägt“, ist ein Mythos, der biomechanisch aus meiner Sicht nicht haltbar ist.

DIE ALTEN MEISTER UND VORWÄRTS-ABWÄRTS

Zieht man auf der Suche nach dem Ursprung des Vorwärts-Abwärts die „alten Meister“ zu Rate, so kann man feststellen, das diese beim Anreiten (z.B. Steinbrecht) oder zum Zwecke der Korrektur eines Pferdes so etwas ähnliches wie Vorwärts-Abwärts durchführten – allerdings mit dem deutlichen Schwerpunkt VORWÄRTS.

Dazu wurde das Gewicht des Pferdes etwas mehr in Richtung Schultern verlegten. Hals und Kopf wurden dabei in einer „natürlichen Haltung“ belassen. Das Pferd sollte sich an das Gebiss „herandehnen“, wobei man durchaus bestrebt war „volle Anlehnung zu gewinnen“ Dies beschreibt Steinbrecht wie folgt: „Der Reiter führe daher die Zügel verhältnismäßig kurz …“. Dabei soll der Reiter nicht die Anlehnung suchen, sondern er soll darauf warten, bis das Pferd „sie [die Anlehnung] infolge der vortreibenden Hilfen und des dadurch bewirkten Streckens des Halses an das Gebiss von selbst nimmt“ [1].

Ein wesentlicher weiterer Aspekt einer ETWAS tieferen Einstellung von Hals und Kopf des Pferdes diente dem Zwecke der BIEGUNG (Seuning, Seeger …). Mit dem Mittel der Biegung wurde zum einen am GERADERICHTEN des Pferdes gearbeitet und zum anderen um Spannungen und Verspannungen (Korrektur) bei diesem aufzulösen.

Weiterlesen:
Vorwärts-Abwärts und kein Ende

[1] Steinbrecht – Gymnasium des Pferdes – S.70

Autor: Richard Vizethum
Notiz zu „Die Grammatik des Reitens
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