Parkposition als Lösungsmittel

Aus meiner Sicht hat „Lösen“ sowohl eine körperliche als auch geistige Komponente und ist insbesondere nach herausfordernden und körperlich anspruchsvolleren Übungselementen sinnvoll und notwendig.

Trust-your-Horse - Parkposition als Lösungsmittel
(Bild: Oldenburger-Wallach „Luis“ | Besitzerin: Birgit Gottschalk in vorbildlicher Parkposition)

Körperlich sollte das Pferd sich strecken können, so dass die Wirbelkörper im Halsbereich und die Dornfortsätze, insbesondere am Widerrist, sich etwas „auffächern“.

Mental sollte das Pferd wieder zur Ruhe kommen. Diese geistige Entspannung beim Pferd, ist für mich eigentlich noch wichtiger, als der rein körperliche Aspekt.

DOCH, IST DAZU BEWEGUNG NOTWENDIG UND SINNVOLL?

Als Mittel des „Lösens“ wird nun sehr häufig das Vorwärts-/Abwärts-Reiten empfohlen. An dieser Stelle möchte ich nicht in die Diskussion darüber einsteigen, ob Vorwärts-/Abwärts grundsätzlich Sinn macht.

Ein Pferd mit einem Gewicht von 600 Kg bringt im STEHEN in barocker Aufrichtung etwa 56 Kg Gewicht mehr auf die Vorhand als auf die Hinterhand. In einer Vorwärts-/Abwärtsposition sind dies schon 90 Kg.

Im Stehen stellt diese Überlastungssituation für das Pferd kein Problem dar. Es kann dieses Gewicht gut mit den Vorderbeinen abstützen.

Vorwärts-/Abwärts-Reiten und Lösen?

Kommt dagegen Bewegung hinzu (Vorwärts-/Abwärts-Reiten), dann nimmt der Belastungsdruck auf die Vorhand erheblich zu.
Ein „Lösen“ mag nun zwar körperlich in der Oberlinie (Wirbelsäule) stattfinden, aber findet seinen negativen Widerhall in den Vorderbeinen und der Schulter.
Ergo, ein körperliches und geistiges „Lösen“ ist eingeschränkt.

Bei einer korrekten Dehnungshaltung, bei welcher sich das Pferd im Widerrist anheben muss, damit das Wort „korrekt“ seine Gültigkeit hat, der Hals sich mit einer konvex nach oben gewölbten Oberlinie und offenem Genick nach vorne strecken soll, kann man ebenso nicht von einem vollständigen „Lösen“ sprechen.

Denn diese Haltung in der Bewegung ist Arbeit für das Pferd! Auch ein „geistiges Lösen“ ist hier kaum zu erwarten.

LÖSEN IN PARKPOSITON

Weit besser ist, aus meiner Sicht, dagegen das „Lösen“ dann, wenn man die Bewegung weglässt und das Pferd sich im Stehen (gleichmäßig auf allen vier Füßen) mit der Nase in Richtung Boden strecken kann.

Dies hat drei Effekte, einen körperlichen und zwei geistige:

  1. Wirbelkörper und Dornfortsätze werden ausreichende „gelöst“ ohne großen Belastungsdruck auf die Vorderbeine und Schulter (körperlicher Aspekt)
  2. Das Pferd begibt sich in diese Position reell nur, wenn es sich entspannt und sich sicher fühlt. Es verbietet sich ein „Hintrainieren“ dieser Position (häufig im Westernreiten). Das Pferd muss diese Dehnung freiwillig einnehmen.
  3. Dieses Lösen in der Parkposition zeigt auch den Stresszustand des Pferdes an. Geht das Pferd, auch nach einer sehr anspruchsvollen Übung, unmittelbar, freiwillig und ruhig in diese Dehnungshaltung, dann hat es sich durch die Übung vorher wenig gestresst gefühlt. Tut es das nicht oder erst nach einiger Zeit, dann war die Übung vorher schon sehr – im günstigsten Fall – herausfordernd für das Pferd gewesen.

WIE GEHT MAN VOR?

Man hält das Pferd ruhig an, achtet dabei darauf, dass es auf allen vier Beinen gleichmäßig steht, also nicht in Schrittposition beispielsweise.

Dann bringt man das Pferd durch leichtes wechselseitiges Ausdrehen der Handgelenke, verbunden mit einem seitlich/vorwärts Herausstellen der jeweiligen Hand und Nachgeben des Zügels, zum Strecken. Dieses Signal („Du kannst Dich strecken!“) wird, sollte sich das Pferd nicht strecken, nur noch einmal wiederholt. Streckt sich das Pferd dann immer noch nicht, dann akzeptiert man dies und fordert nicht weiter. Wie gesagt, dass Pferd soll sich freiwillig strecken!

Diese Parkposition kann man durchaus einige Minuten andauern lassen, bevor man weiterarbeitet oder die Trainingseinheit beendet.

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Atme!!!

Schlüsselelement Atmung
OHNE RICHTIGE ATMUNG KEIN GUTER SITZ UND KEIN GEGENSEITIGES VERTRAUEN!

Natürlich wird man jetzt sagen: „Ich atme doch – würde ja sonst ersticken!“

Das ist grundsätzlich richtig, doch immer dann wenn unser Körper unter Stress gesetzt wird, sei es physischer oder psychischer Stress, dann beginnt er – um sich auf Verteidigung vorzubereiten – Funktionen „herunterzufahren“. Die Atmung gehört dazu.

Es kommt zu Unterbrechungen des Atemrhythmus…

Die Atmung steht für Momente still, der Körper wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Diese Unterversorgung führt – selbst ohne subjektives Empfinden – zu Fehleistungen und Anspannungen.

… oder aber man atmet hastig und flach

Dabei atmet man meist mehr ein als aus. Die Folge ist ein Sauerstoffüberschuss, mit dem der Körper nichts anzufangen weiß – bestehende Blockaden und Verspannungen verstärken sich.

DU BIST NICHT MEHR IM (BEWEGUNGS)FLUSS DEINES PFERDES

Ganz konkret bedeutet dies, dass Du auf jedem Fall nicht mehr im Bewegungsfluss mit Deinem Pferd sein kannst. Du wirst mehr geworfen, die Unsicherheit wächst und der Körper wird noch stärker unter Stress gesetzt, mit den beschriebenen Folgen – ein Teufelskreislauf.

Aber auch das Pferd reagiert darauf – es beginnt zu eilen oder aber es spannt seinen Rücken an und die Tritte werden kürzer. Ein harmonischer Gleichklang ist nicht mehr gegeben.

UNTERBRICH DIESEN KREISLAUF – ATME

So wie ein Erregungszustand die Atmung beeinflusst, so kann man über eine bewusste Atmung seine Erregung steuern. Wer gleichmäßig und ruhig über den Bauch atmet, wird die beruhigende Kraft der Atmung in Form von psychischem Wohlbefinden und Entspannung erleben. Die Fähigkeit seine Atmung zu kontrollieren aber muss durch regelmäßiges Training stetig verbessert werden, so dass man in Stresssituationen auf ein automatisiertes Repertoire zurückgreifen kann.

TRAINIERE REGELMÄSSIG DEINE ATMUNG

Setze Dich auf Dein Pferd und lasse es im Schritt gehen. Schließe die Augen. ATME DABEI TIEF IN DEN BAUCH EIN UND NOCH TIEFER AUS. Lege eine Hand auf Deinen Bauch und FÜHLE WIE SICH DER BAUCH AUFWÖLBT beim Einatmen. „Beobachte Deine Atmung, achte auch auf den kurzen Atemstillstand am Ende des Ausatmens und spreche in Gedanken mit „EIN-AUS-RUHE“ … Fühle die Bewegung Deines Pferdes. Unterbricht es den Fluss konzentriere Dich stärker auf das Gleichmaß Deiner Atmung.

IM TRAB IST ES ANDERS

Der Trab lässt keine tiefe Atmung (Nase ein – Mund aus) zu. ATME RUHIG DURCH DIE NASE EIN UND AUCH WIEDER AUS. Nimm diese Atmung bereits kurz vor dem Wechsel in den Trab auf. Du bleibst damit besser im Fluss des Trabes und vermeidest Verspannungen.