Vertraue Deinem Pferd!

Wenn man das Wort „Vertrauen“ in der Beziehung zum Pferd gebraucht, dann verbindet man damit in der Regel, dass Vertrauen des Pferdes in den Menschen. Man erwartet, dass einem das Pferd vertrauensvoll folgt, das der Vertrauensvorschuss vom Pferd kommen müsse. Doch warum sollte das Pferd dies tun?

Vertrauen in die Führung (der Leitstute) ist für das Pferd von existenzieller Bedeutung. Grundsätzlich wird das Pferd sich gerne darauf einlassen, denn geführt zu werden ist bequemer als selbst zu führen. Doch dieses Vertrauen ist an Voraussetzungen geknüpft, welche die Führung erfüllen muss.

UM VERTRAUEN ZU ERHALTEN MUSS MAN VERTRAUEN INVESTIEREN!

Souveränität und Authentizität sind zwei dieser Voraussetzungen, die als Kompetenzen in der Führungsfigur vorhanden sein müssen, und sie sind auch die Grundlagen für diese Investition, die der Mensch tätigen muss um das Vertrauen seines Pferdes zu gewinnen.

Was bedeutet dies nun für den vertrauensvollen Umgang mit dem Pferd?

  • VERTRAUE DEINEM PFERD! – lange bevor es Dir zu vertrauen beginnt.
  • SEI BERECHENBAR! – Der Unberechenbare, der Launenhafte und Ungerechte wird nie das Vertrauen seines Pferdes bekommen.
  • ACHTE AUF DEINE EMOTIONEN! – Handle Emotionslos – atme tief durch, wenn der Stresspegel einmal situationsbedingt ansteigt – Du musst schneller wieder runterkommen als Dein Pferd.
  • KONTROLLIERE NICHT STÄNDIG DAS VERHALTEN DEINES PFERDES! – wer immer kontrolliert der vertraut nicht.
  • ACHTE AUF DEINE KÖRPERSPANNUNG! – sie ist der Gradmesser Deiner Souveränität
  • GIB DEM WORT „DOMINANZ“ KEINE SO GROSSE BEDEUTUNG! – Es geht immer um Vertrauen – selten um Dominanz.

Autor: Richard Vizethum
Notizen zu „Die Grammatik des Reitens“

Das Pferd erschrickt – was tun?

Es gibt zwei Dinge, die man NIEMALS tun sollte, wenn ein Pferd erschrickt …

  • das Pferd strafen
  • das Pferd beruhigen

Beiden Handlungen gemeinsam ist: Der Mensch ist, wenn er dies tut, nicht authentisch und er gibt dem Pferd nicht die Sicherheit, die in dieser Situation notwendig wäre.

Ein Pferd erschrickt und aktiviert seinen Fluchtreflex in der Regel dann, wenn es einer Sache oder einer Situation Bedeutung für die eigene Sicherheit beimisst.

Der wohlgemeinte Rat, dem Pferd das, wovor es erschrocken ist, anschauen zu lassen, ist unter diesem Aspekt ebenfalls nicht zielführend. Denn damit gibt man der Situation weiterhin eine, für das Pferd problematische Bedeutung.

SEI EIN SOUVERÄNES „LEITTIER“ FÜR DEIN PFERD, IGNORIERE DIE SITUATION UND DIE REAKTION DEINES PFERDES EINFACH – ZEIGE DAS DU DEM GANZEN KEINE BEDEUTUNG BEIMISST.

Ist nicht leicht – aber hilft das Pferd sicherer zu machen und das Vertrauen zu festigen.

Autor: Richard Vizethum
Notizen zu „Die Grammatik des Reitens“

Exponentialfunktion und Reiten

Was hat Mathematik mit Reiten zu tun, wird man sich fragen? Nur so viel, dass in der Natur nahezu alles exponentiell abläuft. Wirkungen von Maßnahmen werden nicht immer unmittelbar sichtbar, ganz im Gegenteil, man hat den Eindruck, dass sich gar nichts verändert. Diese Erkenntnis ist elementar wichtig beim Training eines Pferdes.

Trust-your-Horse - Exponentialfunktion und Reiten

WER DIE GEDULD VERLIERT VERLIERT

Plötzlich aber, scheinbar überraschend, zeigt sich eine starke Entwicklung, ein starker Fortschritt. So wie man das auch in graphischen Darstellungen einer Exponentialfunktion sehen kann.

Wir Menschen neigen aber dazu, vor allem auch unter Gruppenzwang, die Geduld zu verlieren, wenn sich scheinbar nichts bewegt. Nicht nur in der Ausbildung eines Pferdes ist dies eines der allergrößten Fehler überhaupt.

Noch bevor sinnvolle (vorausgesetzt) Trainingsschritte ihre Wirkung zeigen können, wird die Methode geändert um „schneller“ vorwärts zu kommen. All das, was vorher erarbeitet wurde und möglicherweise auf dem richtigen Weg (exponentiell) war, wird konterkariert. Mitunter laufen die Methoden auch gegeneinander, so dass letztendlich ein sinnloses Mehr an Arbeit erforderlich wird.

EXPONENTIELLES TRAINING FORDERT PERSÖNLICHKEIT

Der Umgang mit exponentiellen Entwicklungen fordert vom Menschen Souveränität, Ruhe, Durchhaltevermögen und vor allem Geduld und Vertrauen.

Lässt man sich nicht anstecken von der dummen Hektik unserer Zeit – die uns so gerne als Dynamik verkauft wird – dann kommt man schneller zu einem nachhaltigeren Ergebnis, als es diejenigen erreichen können, die Sätze gerne mit „Was, Dein Pferd kann noch nicht …?“ beginnen.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
Auszug aus Buchentwurf zu „Die Grammatik des Reitens
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved