Mit einer Heuschnur zur feineren Hand

Wie fein sind Deine Hände, wie weich deren Kontakt mit dem Pferdemaul?
Wie „schwer“ fühlt sich dieses vermeindliche Mysterium „Anlehnung“ – jener beispielsweise in der „Richtlinie für Reiten und Fahren“ der „Deutschen Reiterlichen Vereinigung„, als „stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul“ beschriebene Kontakt – bei Deinem Pferd an?

Trust-your-Horse - Heuschnur als Zügelersatz lehrt feines Reiten

Die Verbindung zum Kopf des Pferdes wird über Zügel hergestellt, und die Machart der Zügel bestimmt darüber wie „sicher“ der Kontakt ist. So gibt es beispielsweise – gerne benutzt – geflochtene Zügel, Zügel mit Gummibezug und Antirutschauflagen oder schwere, breite Zügel (Westernreiten). Was haben alle diese Zügel gemeinsam?

SIE HELFEN DEM REITER UND SCHADEN DEM PFERD

Dem Reiter wird es leichter gemacht die Zügel fest- und mit ihnen gegenzuhalten. Mit solchen Zügeln ist man eher versucht, anstelle der Finger, die Arme einzusetzen und  deren Kraft ziehend zu nutzen.

Nun ist „…ziehen mit den Armen zur Beherrschung eines Pferdes ein Beweis für die Unfähigkeit des Reiters„, wie es Jean-Claude Racinet ausdrückte. Denn wenn man zieht wird das Pferd dagegenziehen (Druck erzeugt Gegendruck | Zug erzeugt Gegenzug).

Dabei wird der Schmerz den das Pferd empfindet seinen Widerstand gegen die Reiterhand größer und größer werden lassen. Und auch der Reiter wird sich anstrengen müssen. „Jetzt hab ich mir schon wieder ein paar Handschuhe mit den Zügeln durchgescheuert…!„, sind neben Muskelkater das Ergebnis einer Auseinandersetzung bei der Reiter und Pferd verlieren.

Feines Reiten sieht sowieso anders aus.

MIT HEUSCHNUR UND OHNE HANDSCHUHE

Verwende doch mal, anstelle der Zügel eine Heuschnur, in der Stärke wie sie bei kleinen Heuballen üblich ist und verzichtet auch auf die Handschuhe.

Jetzt wirst Du merken, WIE fein Deine Hand tatsächlich ist. Wo sonst oft die Muskelkraft des Reiters das „Gleichgewicht“ beim Pferd herstellt – verlangt der Schmerz in der Hand mehr Intelligenz. Diese Erkenntnis kann man gewinnen, unabhängig davon, ob das Pferd ein Mundstück trägt oder gebisslos geritten wird. Gerade bei mancher gebisslosen Zäumung wird man plötzlich eine überaus schmerzhafte Überraschung erleben.

Und so manch, vermeindlich feine Hand, wird plötzlich spüren, dass doch mehr Kilos anstehen als gedacht.

Eine Heuschnur als Zügelersatz und Hände ohne Handschuhe lehren Dich, Deine Hände bewusster und feiner einzusetzen – zum Wohle des Pferdes.

Sicherheitshinweis
Man kann gerne die regulären Zügel als „Reserve“ eingeschnallt lassen.

Autor: Richard Vizethum
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Rede nicht mit Deinen Händen!

Wir Menschen sind stark auf die Hände fixiert. Um etwas zu verstehen, müssen wir es be-GREIFEN.

Auch beim Reiten sind wir geneigt vermehrt die Hände zu benützen – mehr als dies notwendig wäre. Häufig tun wir dies auch nicht besonders feinfühlig.

Die folgende Übung trainiert mehr Achtsamkeit, ruhende Hände und vermittelt das Gefühl gleichmäßiger Fühlung zum Pferdemaul.

Dazu nutzt man einen einfachen, etwa 30-40 cm (nicht länger!) langen Zweig oder einen entsprechenden Holzstab.

Trust-your-Horse - Rede nicht mit den Händen

Man nimmt die Zügel, wie auf dem Foto gezeigt, zwischen Zeige- und Mittelfinger. Die Zügel müssen dabei gleich lang sein. Den Zweig hält man zwischen Daumen und Zeigefinger fest. Der Abstand zwischen den Händen beträgt etwa 30 cm. Es ist stets darauf zu achten, dass der Zweig mit dessen Mitte horizontal über dem Mähnenkamm bleibt.

Beim Lenken (primär über Körperposition) darf die äußere Hand nur soweit vor und die innere Hand nur so weit zurückgehen, dass die Zügel dabei – ohne zu schlottern – Fühlung zum Pferdemaul halten.

(Frei nach der Grundidee von Udo Bürger, Otto Zietschmann – „Der Reiter formt das Pferd“)

SPRECHE KLARER MIT DEM KÖRPER UND PLAPPERE NICHT MIT DEN HÄNDEN!

Sicherheitshinweise:

Das Pferd sollte ein möglichst gelassenes Pferd sein, damit der Zweig nicht zu Überreaktionen führt und der Reiter sich ganz auf die Koordination der Hilfen konzentrieren kann.

Zweig oder Holzstab dürfen nicht zu lange sein, denn es kommt durchaus vor, dass sie das Pferd irritieren, vor allem dann, wenn der Reiter (noch) nicht in der Lage ist, seine Hände ruhig zu halten.