Vom Reiten und Tanzen – etwas zum Nachdenken

Hab ihr Euch schon einmal die Frage gestellt, wie es sich wohl für ein Pferd anfühlt, wenn wir als Reiter vom Sattel aus mit ihm „kommunizieren“ und wie sich die unterschiedlichen menschlichen Persönlichkeits- und Verhaltensmuster auf das Pferd und sein Verhalten auswirken können?

WAS GLAUBST DU DENKT DEIN PFERD DABEI ÜBER DICH?

An dieser Stelle will ich eine sehr liebe Schülerin und Freundin zu Wort kommen lassen …

Trust-your-Horse - Tanzen und Reiten

REITEN UND TANZEN
(von Lara Ammon)

Mein „Aha-Erlebnis“ zu diesem Thema entstand bei einem Anfänger-Tanzkurs, den ich vor ein paar Jahren besuchte. Der Vergleich mag im ersten Moment vielleicht etwas seltsam anmuten, aber dieser Tanzkurs hat mir die Augen geöffnet, für das was mein Pferd beim Reiten fühlen könnte!

Beim Tanzen lässt man sich – ohne Worte – auf die „Führung“ seines (männlichen) Partners ein. Dies hat sehr große Ähnlichkeit zur ebenfalls nonverbalen Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.

Im Folgenden möchte ich daher von meinen Erfahrungen auf diesem Anfängertanzkurs mit drei  sehr unterschiedlichen Tanzpartnern berichten und Euch den Vergleich zu Reiter und Pferd überlassen:

No.1 DER SCHÜCHTERNE

Mein erster Tanzpartner war genauso unerfahren wie ich und noch dazu sehr unsicher. Er wollte nichts falsch machen und hatte stets Sorge, mich zu grob zu führen. Dies führte allerdings dazu, dass es eben keine Führung gab! Was mich sehr verunsicherte und zur Folge hatte, dass wir mehr schlecht als recht über die Tanzfläche stolperten. Wieder und wieder kamen seine Richtungswechsel völlig überraschend und für mich völlig unerwartet. Seine Unsicherheit machte ihn unberechenbar, so dass ich mich ebenfalls immer unsicherer und angespannter fühlte. Am liebsten hätte ich selbst die Führung übernommen um aus dieser für mich unangenehmen Lage zu entkommen.

No.2 DER DOMINANTE BESSERWISSER

Tanzpartner Nr. 2 war das genaue Gegenteil: er war sich in allem was er tat sehr sicher und absolut von sich überzeugt. Allerdings war er auch recht grob und seine Signale kamen immer unangekündigt und sofort mit viel Druck bei mir an. Das führte dazu, dass ich zwar schon verstand wohin er wollte, es mich aber trotzdem immer irgendwie überrumpelte und ich mich durch die groben Signale und die hohe Körperspannung seinerseits ebenfalls unwohl, angespannt und  „herumgeschubst“ fühlte, was er wiederum nicht nachvollziehen konnte, denn er war sich zum einen keines Fehlers bewusst und zum anderen schien das gewählte Maß an Druck für ihn wohl normal gewesen zu sein.

No.3 DER „PROFI“

Da gegen Ende des Kurses ein Teilnehmer krank wurde, hatte ich das Vergnügen einen sehr  erfahrenen Tanzpartner an meine Seite zu bekommen. Er hatte eine sehr feine Art der Kommunikation und führte mit einer großen Ruhe und Sicherheit. Mit ihm fühlte ich mich sofort wohl. Seine Führung war immer klar und nachvollziehbar. Zu keinem Zeitpunkt wurde er grob. Unsere Bewegungen wurden leicht und fließend, obwohl sich an meinen tänzerischen Fähigkeiten in der Zwischenzeit nicht viel verändert hatte.

Eventuellen Parallelen zum Reiten darf sich nun jeder gerne selbst ziehen!

Rede nicht mit Deinen Händen!

Wir Menschen sind stark auf die Hände fixiert. Um etwas zu verstehen, müssen wir es be-GREIFEN.

Auch beim Reiten sind wir geneigt vermehrt die Hände zu benützen – mehr als dies notwendig wäre. Häufig tun wir dies auch nicht besonders feinfühlig.

Die folgende Übung trainiert mehr Achtsamkeit, ruhende Hände und vermittelt das Gefühl gleichmäßiger Fühlung zum Pferdemaul.

Dazu nutzt man einen einfachen, etwa 30-40 cm (nicht länger!) langen Zweig oder einen entsprechenden Holzstab.

Trust-your-Horse - Rede nicht mit den Händen

Man nimmt die Zügel, wie auf dem Foto gezeigt, zwischen Zeige- und Mittelfinger. Die Zügel müssen dabei gleich lang sein. Den Zweig hält man zwischen Daumen und Zeigefinger fest. Der Abstand zwischen den Händen beträgt etwa 30 cm. Es ist stets darauf zu achten, dass der Zweig mit dessen Mitte horizontal über dem Mähnenkamm bleibt.

Beim Lenken (primär über Körperposition) darf die äußere Hand nur soweit vor und die innere Hand nur so weit zurückgehen, dass die Zügel dabei – ohne zu schlottern – Fühlung zum Pferdemaul halten.

(Frei nach der Grundidee von Udo Bürger, Otto Zietschmann – „Der Reiter formt das Pferd“)

SPRECHE KLARER MIT DEM KÖRPER UND PLAPPERE NICHT MIT DEN HÄNDEN!

Sicherheitshinweise:

Das Pferd sollte ein möglichst gelassenes Pferd sein, damit der Zweig nicht zu Überreaktionen führt und der Reiter sich ganz auf die Koordination der Hilfen konzentrieren kann.

Zweig oder Holzstab dürfen nicht zu lange sein, denn es kommt durchaus vor, dass sie das Pferd irritieren, vor allem dann, wenn der Reiter (noch) nicht in der Lage ist, seine Hände ruhig zu halten.