ANLEHNUNG – ein paar Worte dazu

Als ich mich auf meinen Theoriekurs „Vorwärts-Abwärts – Sinn oder Unsinn“ vorbereitete begegneten mir, wie schon so oft, Begrifflichkeiten wie „Anlehnung“, „An das Gebiss herandehnen“ oder „Vom Gebiss abstoßen“.

Wie bei den allermeisten Begriffen hat auch bei diesen Begrifflichkeiten jeder Leser mitunter ein anderes Bild im Kopf. Will man sie aber wirklich-wirklich verstehen, dann muss man sich von den – mitunter falschen Bildern – neuzeitlicher Definitionen lösen und sich auf den Weg in die Vergangenheit machen.

Trust-your-Horse - Anlehnung

Ich möchte mich zunächst einmal auf den Begriff ANLEHNUNG konzentrieren. Die beiden anderen Begrifflichkeiten lassen sich darunter subsummieren.

Nimmt man sich die Meister der letzten paar hundert Jahre vor, bei denen ANLEHNUNG thematisiert wurde, dann bleibt als Quintessenz folgende Aussage stehen:

„ANLEHNUNG ist IMMER Druck auf die Laden des Pferdes. Dieser kann sanft aber auch sehr stark sein. Die Entscheidung über die Stärke des Drucks hat das Pferd!“
(Richard Vizethum)

Mehr gibt es darüber nicht zu sagen!

Und „politisch korrekt“ sollte man hier auch nicht versuchen zu formulieren, dies würde nur zu realitätsfernen Formulierungen führen.

Formulierungen wie beispielsweise in der „Richtlinie für Reiten und Fahren“ Band 1 der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Diese sind verwirrend und nicht zielführend:

„Anlehnung ist die stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. Das Pferd soll durch das taktmäßige, losgelassene Vorwärtsgehen, wofür der Reiter mit seinen treibenden Hilfen verantwortlich ist, die Anlehnung an das Gebiss suchen und somit an die Hand des Reiters herantreten … sie muss das Ergebnis der richtig entwickelten Schubkraft sein.“
(Richtlinie für Reiten und Fahren Bd.1 Seite 171)

Diese Aussage beinhaltet eine ganze Menge Voraussetzungen, die so von den Altvorderen, wenn sie über Anlehnung sprachen, nicht in diesem Zusammenhang thematisiert wurden und die auch nicht zu jedem Ausbildungsstand eines Pferdes erfüllbar sind.

Volle Anlehnung“ wurde beispielsweise bei Steinbrecht schon beim Anreiten einer Remonte erwartet. Zu einem Zeitpunkt, wo man weit davon entfernt ist, von einem taktmäßig und losgelassen vorwärtsgehendem Pferd sprechen zu können. Einem Pferd, dem man seine Schubkraft erst einmal unter dem Reitergewicht wieder zurückgeben muss um sie dann zu entwickeln.

Auch stellt die Formulierung
Anlehnung ist die stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul
ein nicht zu erreichendes Optimum dar, zumal der Kontakt ja vom Pferd ausgehen soll!

In diesem Zusammenhang sind wir dann auch bei den Begrifflichkeiten „An das Gebiss herandehnen“ und „Vom Gebiss abstoßen“.

Im Grunde genommen darf man sich das wie folgt vorstellen:

Dem Pferd wird das Gebiss „hingestellt“. Dabei dürfen die Zügel nicht zu lang sein, dies dürfte sich von selbst verstehen, zumindest hat das u.a. Steinbrecht so verstanden. Das Pferd wird motiviert vorwärts zu gehen und soll sich nun an die „Grenze“ Gebiss herandehnen – und zwar nach vorwärts.

Erreicht es bei diesem Dehnen die Grenze und „dehnt“ es sich weiter, wird der Druck auf die Laden immer stärker. Das Pferd hat nun die Möglichkeit sich tiefer in den Schmerz rein und auf die Zügel zu legen oder vom Schmerz zu weichen, sich also „vom Gebiss abzustoßen“.

Der lose Zügel scheidet die Reitlehren

Streng genommen müsste dabei ein „loser Zügel“ entstehen, also jener Hauch von Kontakt, den man sich doch in allen Reitlehren wünscht.

Genau! Das klingt doch alles so ähnlich wie die „unverrückbare Hand“ (siehe General L`Hotte) bei François Baucher – „Main fixe“. Diese stellt ein zentrales Element dessen Zügelführung dar. Leider wird dies häufig mit „fester Hand“ übersetzt, was zwangsläufig ein anderes, falsches Bild erzeugt.

Baucher macht damit genau das gleiche wie Steinbrecht und andere. Er zeigt dem Pferd eine klare Grenze auf. Und auch er erwartet, dass sich das Pferd von dieser Grenze, dem „Gebiss, abstößt“.

Dennoch gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied, nämlich eben diesen losen Zügel!

Während bei Baucher der lose Zügel ein gewünschtes Ergebnis ist, das Pferd soll „hinter die Hand“ (nicht zu verwechseln mit „hinter die Senkrechte“!) gehen – sich also auch vom „Gebiss abstoßen“, ist dieser „lose Zügel“ bei der deutschen Reiterei absolut nicht erwünscht.

So kritisierte beispielsweise Louis Seeger in seinem Pamphlet „Ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter“ Francois Baucher wie folgt:
… weil sein Pferd auch hierin hinter dem Zügel geht, also nicht die bedingte leichte, sondern gar keine Anlehnung hat“.

Er ging sogar so weit, in diesem Zusammenhang auch gleich noch Erklärungen für die Nutzung des Nasenriemens beim englischen Reithalfter, sowie über eine mögliche Stärke der Anlehnung mitzuliefern:

Den Nasenriemen kann Herr Baucher entbehren, weil er nie das Pferd andauernd mit steter ZügelANLEHNUNG führt, es mithin keine Gelegenheit erhält, sich der STRENGEN Wirkung der Gebisse durch zu freie Bewegungen der Unterkinnlade zu entziehen, welches der NASENRIEMEN zu verhindern bestimmt ist.

Der Unterschied zwischen Baucher und Vertretern der Deutschen Reitlehre (die aktuelle Deutsche Reitlehre sei hier mal ausgeklammert) ist also schlicht nur ein Hauch von Druck mehr (lässt man jetzt mal Seegers „STRENGE Wirkung der Gebisse“ beiseite) bei der Deutschen Reitlehre. Gerittenes Optimum (jede Seite reitet im Wortsinne ihrer Regeln) unterstellt …

Druck Baucher = 0 / Druck Deutsche Lehre = >1

Sieht nach einem kleinen Unterschied aus – oder?

Allerdings ist anzumerken, dass man bei Baucher die 0 SIEHT, während man bei der Deutschen Reitlehre kaum erkennen kann, ob der Druck nun 1 oder 1+x ist.

Weiterlesen:
ANLEHNUNG – noch ein paar Worte

Autor: Richard Vizethum
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Von der Wand weg

Sicher hat das jeder schon einmal erlebt, sein Pferd drängt über die äußere Schulter in Richtung auf eine Wand oder einen Gegenstand zu. Seinen Hals und Kopf hat es dabei nach innen, also weg von dem Gegenstand, gestellt.

Trust-your-Horse Pferd drängt nach Außen - Problem

Die Ursachen für dieses Verhalten können zwar vielfältig sein, doch sind in den allermeisten Fällen Fehler beim Sitz und/oder in der Hilfengebung des Reiters dafür verantwortlich, also nicht irgendwelche „Gespenster“ in irgendeiner Ecke.

Um nun aus dieser, mitunter problematischen Situation zu kommen, ist RICHTIGES und schnelles Reagieren notwendig. Die Lösung liegt dabei im Problem verborgen. Wenn das Pferd in Innenstellung nach Außen drängt, dann sollte es folglich auch in Außenstellung nach Innen weichen.

Trust-your-Horse - Pferd drängt nach Außen - Lösung

Und genau so ist es!

Der Reiter dreht sich dafür um seine Körperlängsachse ganz leicht mit Becken und Schultern nach außen. Diese Veränderung des Sitzes führt bereits zu einer mehr oder weniger starken Veränderung der Stellung des Pferdes in Richtung Außen. Da die Stellung für diese Korrektur eine zentrale Bedeutung hat, kann der äußere Zügel (auf der dem Gegenstand zugewandten Seite) durch leichtes Anheben diese Stellung nach außen etwas verstärken.
Nun kann sich das Pferd nicht mehr gegen das treibende Bein (nun das äußere Bein) stemmen.

Das Pferd weicht nach INNEN!

Natürlich funktioniert dies auch in der anderen Richtung!

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Caféhaus-Dialog gesucht

Gräben hat es in der Reiterei schon immer gegeben. Schulen und Lehrmeinungen, ja selbst Menschen und Nationen, haben sich gegeneinander abgegrenzt. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Das Massenphänomen „Reiten“ und die modernen Sozialen Medien haben gar zu einer massiven Verschärfung beigetragen.

Trust-your-Horse - Caféhausdialog

Wo zu früheren Zeiten noch Reiter, über alle Gegensätze hinweg, sich fachlich austauschten und dabei auf eigene Erfahrungen als Referenz zurückgreifen konnten, verkommt der „Dialog“ heute zu einer Zitatenschlacht: „X hat gesagt…“, „Y ist der Meinung …“, „Z widerspricht …“. Bildung, Erfahrungen und Selbstreflexionen spielen kaum noch eine Rolle.

Das eigene reiterliche Weltbild wird gehegt und gepflegt, die Wahrnehmung und Aufnahme von Wissen erfolgt selektiv – eben weltbildkonform.

Nun gut, das alles wäre kein Problem, würden wir über Radfahren philosophieren, doch wir haben es mit einem anderen Lebewesen zu tun. Einem Lebewesen, dem unsere Diskussionen nichts bedeuten, das aber darunter leiden muss.

Ich würde mir wünschen, dass weniger in sozialen Netzen geschrieben und sich mehr zum fachlichen Austausch getroffen wird, zu einem Austausch, bei dem Gedanken „entwickelt und nicht erarbeitet“ (Danke Dr. Hans-Walter Dörr) werden. Einem Austausch, bei dem das Pferd und dessen Wohl im Vordergrund stehen und nicht Olympiasiege das Ziel bestimmen.

Eigene Erfahrungen müssen dabei eine höhere Gewichtung haben als angelesenes Wissen. Denn häufig ist das was der Autor eines Schriftstückes mit einer bestimmten Aussage darstellen wollte, nicht das, was der geneigte Leser darunter auch versteht – denn man liest ja selektiv, dem eigenen Weltbild konform und dabei bleibt Erkenntnis auf der Strecke.

Lasst uns in Caféhäusern treffen und REDEN! Dann haben die Pferde vielleicht wieder eine Chance und wir geben der Bildung und nicht nutzlosen Informationen Raum.

Ich liebe Caféhäuser!

Mit einer Heuschnur zur feineren Hand

Wie fein sind Deine Hände, wie weich deren Kontakt mit dem Pferdemaul?
Wie „schwer“ fühlt sich dieses vermeindliche Mysterium „Anlehnung“ – jener beispielsweise in der „Richtlinie für Reiten und Fahren“ der „Deutschen Reiterlichen Vereinigung„, als „stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul“ beschriebene Kontakt – bei Deinem Pferd an?

Trust-your-Horse - Heuschnur als Zügelersatz lehrt feines Reiten

Die Verbindung zum Kopf des Pferdes wird über Zügel hergestellt, und die Machart der Zügel bestimmt darüber wie „sicher“ der Kontakt ist. So gibt es beispielsweise – gerne benutzt – geflochtene Zügel, Zügel mit Gummibezug und Antirutschauflagen oder schwere, breite Zügel (Westernreiten). Was haben alle diese Zügel gemeinsam?

SIE HELFEN DEM REITER UND SCHADEN DEM PFERD

Dem Reiter wird es leichter gemacht die Zügel fest- und mit ihnen gegenzuhalten. Mit solchen Zügeln ist man eher versucht, anstelle der Finger, die Arme einzusetzen und  deren Kraft ziehend zu nutzen.

Nun ist „…ziehen mit den Armen zur Beherrschung eines Pferdes ein Beweis für die Unfähigkeit des Reiters„, wie es Jean-Claude Racinet ausdrückte. Denn wenn man zieht wird das Pferd dagegenziehen (Druck erzeugt Gegendruck | Zug erzeugt Gegenzug).

Dabei wird der Schmerz den das Pferd empfindet seinen Widerstand gegen die Reiterhand größer und größer werden lassen. Und auch der Reiter wird sich anstrengen müssen. „Jetzt hab ich mir schon wieder ein paar Handschuhe mit den Zügeln durchgescheuert…!„, sind neben Muskelkater das Ergebnis einer Auseinandersetzung bei der Reiter und Pferd verlieren.

Feines Reiten sieht sowieso anders aus.

MIT HEUSCHNUR UND OHNE HANDSCHUHE

Verwende doch mal, anstelle der Zügel eine Heuschnur, in der Stärke wie sie bei kleinen Heuballen üblich ist und verzichtet auch auf die Handschuhe.

Jetzt wirst Du merken, WIE fein Deine Hand tatsächlich ist. Wo sonst oft die Muskelkraft des Reiters das „Gleichgewicht“ beim Pferd herstellt – verlangt der Schmerz in der Hand mehr Intelligenz. Diese Erkenntnis kann man gewinnen, unabhängig davon, ob das Pferd ein Mundstück trägt oder gebisslos geritten wird. Gerade bei mancher gebisslosen Zäumung wird man plötzlich eine überaus schmerzhafte Überraschung erleben.

Und so manch, vermeindlich feine Hand, wird plötzlich spüren, dass doch mehr Kilos anstehen als gedacht.

Eine Heuschnur als Zügelersatz und Hände ohne Handschuhe lehren Dich, Deine Hände bewusster und feiner einzusetzen – zum Wohle des Pferdes.

Sicherheitshinweis
Man kann gerne die regulären Zügel als „Reserve“ eingeschnallt lassen.

Autor: Richard Vizethum
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Balanceakt – spiel Mikado mit Deinem Pferd

BALANCE – zwingend notwendig, aber meist vernachlässigt!

„Reiten ist Balanceverschiebung!“ Dieser Satz deutet an, dass man mit einer Veränderung der Balancesituation des Pferdes, dessen Bewegungs-richtung und Geschwindigkeit beeinflussen kann.

Von Natur aus tragen Pferde keinen Reiter, noch laufen sie auf Zirkel oder Volten.

Das reflektorische System des Pferdes ist deshalb nicht angemessen auf diese neuen Herausforderungen vorbereitet. Balanceverluste und damit Stress sind die Folge. Einem Sachstand, dem viel zu wenig Bedeutung im Training beigemessen wird.

Stattdessen lässt man das (junge) Pferd an der Longe „auspowern“, weil es vermeintlich zu viel Energie hat und deshalb so hektisch rennt. Dabei will es gar nicht rennen, sondern versucht nur verzweifelt und gestresst die Balance auf der Voltenlinie zu finden.

Bevor man dem Pferd an der Hand keine Grundbalance vermittelt hat, macht es keinen Sinn, es im Trab oder Galopp zu longieren.

LASS DEIN PFERD „BALANCIEREN“

Eine gute Übung, um dem Pferd Balance an der Hand zu vermitteln, ist das Überschreiten lassen von beliebig und völlig sinnfrei angeordneten Stangen (s.Bild).

Trust-your-Horse - Stangen-Mikado

Dabei lässt man das Pferd im Schritt kreuz und quer über den „Stangensalat“ gehen, ohne einer klaren Linie zu folgen. Auch enge Wendungen innerhalb der Stangen tragen dazu bei, neben der Balance auch die Aufmerksamkeit und Konzentration des Pferdes zu fördern.

Verliert man z.B. bei einer Übung an der Hand (z.B. Schulterherein …) die Konzentration des Pferdes, dann lässt sich diese BALANCIEREND zwischen den Stangen wiederfinden.

Das Pferd hat immer Recht!

Wie oft hört man Sätze wie „Mein Pferd verarscht mich doch schon wieder!“ oder „Der Gaul will mal wieder nicht!“. Solchen und ähnlichen Aussagen ist eines gemeinsam:

Sie geben dem Pferd die Schuld an einer Situation

Old-Rose - Das Pferd hat immer Recht

Da Pferde aber nicht, wie wir, über die Zukunft nachdenken, sind sie auch nicht zu arglistigen Gedanken fähig. Pferde handeln im Hier und Jetzt und sie reagieren IMMER angemessen auf die gegebene Situation. Dabei spielt natürlich auch der Selbstschutz eine große Rolle.

Das was wir Denken bestimmt unser Handeln!

Wenn man davon ausgeht, dass das Pferd schuld an einer Situation ist, dann wird man auch entsprechend korrigieren, denn das Denken („DAS PFERD ist schuld!“) bestimmt unser Handeln („Ich muss DAS PFERD korrigieren!“). Die Folge: Man korrigiert falsch und die Situation verschlechtert sich.

Verschlimmert wird dieses Denken auch dadurch, dass man den, von vielen Trainern immer wieder gerne verwendeten Begriff von „Dominanz“ im Hinterkopf hat und „Dominanzprobleme“ unterstellt. Bei Pferden geht es so gut wie nie um Dominanz, sondern immer nur um Vertrauen.

Eine falsche Korrektur aber stört dieses Vertrauen

Deshalb hört auf, solche Sätze wie oben auch nur zu denken. Fragt euch stets: „Was habe ICH falsch gemacht!“. Dann werdet ihr auch richtig und angemessen korrigieren und das Vertrauen eures Pferdes behalten.

Spiel doch mal „Polo“

Wieder einmal will das Pferd nicht in die Richtung wenden, in die man möchte und das, obwohl man vermeintlich alles richtig gemacht hat. Wieder und wieder drückt es beim Abwenden nach Links über die rechte Schulter. Man erhöht den Druck – auch der Zügel – doch das Ergebnis ist das Gleiche.

SPIEL DOCH MAL EIN BISSCHEN „POLO“

Stelle 6 Pylone – idealerweise in zwei verschiedenen Farben (z.B. blaue und gelbe Pylone) – beliebig auf dem Reitplatz auf. Als Polostick verwende eine Gerte (Achtung: das Pferde sollte keine heftige Reaktion auf die Gerte zeigen). Halte die Gerte IMMER in der rechten und die Zügel in der linken Hand.

Trust-your-Horse - Spiele Polo

Deine Aufgabe ist es nun, mit der Gerte die einzelnen Pylone zu berühren, die Farben abwechselnd (z.B. gelb – blau – gelb und so fort). Übe es zunächst im Schritt. Wechsle dann aber schnell in den Trab.

Ist der Pylon rechts von Dir – also auf der Seite, auf der Du die Gerte hälts, dann führst Du einen sogenannten Offside-Schlag aus. Ist der Pylon dagegen auf der linken Seite, dann musst Du mit der rechten Hand über den Sattel hinweg versuchen den Pylon zu treffen. Dies ist ein sogenannter Nearside-Schlag

Durch Deine Konzentration auf die Pylone wirst Du feststellen, wie einfach sich Dein Pferd plötzlich lenken lässt, wie es auf jede Körperdrehung von Dir sofort reagiert – ja sogar, wie Dein Pferd plötzlich beginnt „mitzuspielen“.

Spiel ein bisschen Polo und lerne die Wendigkeit Deines Pferdes kennen!

Ecken machen Zirkel rund

Auf Zirkeln und Volten neigen Pferde dazu – abhängig von der Händigkeit – die innere Schulter mehr oder weniger stark „fallen“ zu lassen. Dies führt zu Überlastungssituationen und Balanceverlust. Diesen Balanceverlust versucht das Pferd unter Umständen durch Abkürzen oder Erhöhung der Geschwindigkeit auszugleichen.

Ein gut gerittener Zirkel dagegen ist einer, der rund ist. Ein Zirkel, bei dem das Pferd die Schultern oben behält und den Eindruck erweckt, als würde es auf Schienen laufen – die Spur der Zirkellinie mit dem Körper nachzeichnend.

Wie kann man dies erreichen?

MACHE DAS RUNDE ECKIG

Man teilt die Zirkellinie in 6 oder 8 Ecken ein. Diese Ecken kann man am Anfang als Orientierungshilfe mit Pylonen markieren.

Trust-your-Horse - Ecken machen Zirkel rund

Man reitet immer von einem Pylon zum nächsten. Am Pylon macht man eine Richtungsänderung, um daran anschließend das Pferd wieder auf die kurze Gerade bis zum nächsten Pylon zu entlassen.

Das Entscheidende bei dieser Übung sind nicht die Ecken, sondern die Geraden dazwischen!

Nach jeder Ecke richtet das Pferd die innere Schulter für die Gerade wieder auf. Je öfter man auf diese Weise ein Pferd auf dem „Zirkel“ arbeitet, desto grundsätzlicher wird das Pferd in Kurven die innere Schulter oben behalten.

DIE KOMMUNIKATION UND KORREKTUR

Jeweils am Pylon dreht man sich in die neue Richtung (Körperposition) und gibt ggf. einen unterstützenden Impuls mit dem äußeren Bein.

Sollte es dann noch notwendig sein, so fängt man ein Herauslaufen des Pferdes mit dem inneren Zügel durch einen Impuls nach vorwärts aufwärts und leicht nach innen auf und bringt das Pferd in die neue Richtung. Auf der Geraden richtet man sich gerade und gibt die Zügel etwas nach.

Ein unausbalanciertes Pferd wird am Anfang die gerade Linie nicht halten können. Läuft es über die äußere Schulter, dann bringt man es mit dem inneren Zügel und dem äußeren Bein wieder auf eine gerade Linie. Fällt es dagegen über die innere Schulter, dann verlagert man beide Zügelhände – etwas angehoben – nach außen und setzt die Vorhand wieder vor die Hinterhand.

Diese Übung kann in allen drei Grundgangarten (Schritt, Trab und Galopp) geritten werden.

NUTZE ECKEN UND MACH DEN ZIRKEL RUND!

Schultervor gerade

Wie der Mensch Rechts- oder Linkshänder ist, so sind dies alle Säugetiere – also auch das Pferd. Bei dieser als „natürliche Schiefe“ (besser wäre „natürliche Biegung“) bezeichnete Händigkeit ist das Pferd auf der einen Seite hohl (verkürzte Muskulatur).

Um dennoch geradeaus gehen zu können, muss es mit dem Vorderbein der anderen Seite weiter vorgreifen. Nach diesem weiter vorgreifenden Bein wird die jeweilige Händigkeit benannt (Rechtshänder beispielsweise ist auf der linken Seite hohl et vice versa).

Diese Händigkeit führt zur Überlastung der händigen Schulter (Rechtshänder = rechte Schulter) und stellt eine Diagonalverschiebung dar.

Der Reiter verschärft diese ungünstige Belastungs-situation. Um das Pferd auch als Reitpferd gesund zu erhalten muss deshalb ein Trainingsziel sein, das Pferd geradezurichten.

In der Skala (Stufenleiter) der Ausbildung steht das Geraderichten erst an fünfter Stelle, unmittelbar vor der Versammlung. Dabei ist das „Geraderichten“ des Pferdes eine elementar wichtige Übung auf dem Weg vom Pferd zum Reitpferd.

Ein Pferd welches nicht geradegerichtet ist – die Vorhand in gerader Linienführung vor der Hinterhand steht – kann weder den Rücken seriös geben, noch ist es zur korrekten Aufrichtung fähig.

Das Geraderichten sollte deshalb von Anfang der Ausbildung an ein wichtiges Element des Trainings eines Pferdes sein.

Es gibt sicherlich viele Übungen, mit deren Hilfe man ein Pferd geraderichten kann (z.B. Schulterherein), doch aus meiner Sicht ist das SCHULTERVOR die geeignetste Übung.

Es ist die Möglichkeit die verkürzte Muskulatur auf der hohlen Seite nicht durch zu starkes Stellen des Pferdes in die andere Richtung zu überlasten (Verspannungen, Muskelkater …).

WIE GEHT MAN VOR? (Beispiel: Rechtshänder)

Die Korrektur der „Natürlichen Schiefe“ im Schultervor erfolgt NUR auf der händigen Seite. Um das Pferd mit Hilfe des SCHULTERVOR geradezurichten muss man die weiter vorgreifende Vorhand (in diesem Fall rechte Vorhand) im Vorgriff etwas reduzieren.

Trust-your-Horse - SchultervorGerade

Dazu reitet man das Pferd auf einer geraden Linie. Dann nimmt man die eigene RECHTE Schulter etwas zurück, hebt den RECHTEN Zügel an, um die RECHTE Schulter des Pferdes anzuheben und stellt es vorsichtig nach RECHTS. Es ist darauf zu achten, dass man die Schultern und nicht nur Hals und Kopf des Pferdes nach rechts stellt. Der restliche Pferdekörper ist dabei geradegerichtet. Eine zu starke Überstellung von Hals und Kopf des Pferdes ist zu vermeiden.

Auf der händigen Hand wird das Pferd nun versuchen dem stellenden Zügel zu folgen und nach rechts zu weichen. Dies verhindert der Reiter, indem er mit seinem RECHTEN Knie in Richtung der rechten Pferdeschulter drückt um die Vorhand wieder nach links vor die Hinterhand zu setzen.

GERADERICHTEN IST KEINE EINMALSACHE

Das Geraderichten des Pferdes ist nicht etwas, was man ein paarmal übt und dann „funktioniert“ es, nein, es muss zum Bestandteil der täglichen Arbeit gemacht werden. Nur das häufige „Wiederholen“ kann das Muster verändern und das Pferd auch „im Kopf geraderichten“.

Ob auf dem Reitplatz oder im Gelände – GERADERICHTEN KANN MAN ÜBERALL.

Atme!!!

Schlüsselelement Atmung
OHNE RICHTIGE ATMUNG KEIN GUTER SITZ UND KEIN GEGENSEITIGES VERTRAUEN!

Natürlich wird man jetzt sagen: „Ich atme doch – würde ja sonst ersticken!“

Das ist grundsätzlich richtig, doch immer dann wenn unser Körper unter Stress gesetzt wird, sei es physischer oder psychischer Stress, dann beginnt er – um sich auf Verteidigung vorzubereiten – Funktionen „herunterzufahren“. Die Atmung gehört dazu.

Es kommt zu Unterbrechungen des Atemrhythmus…

Die Atmung steht für Momente still, der Körper wird nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Diese Unterversorgung führt – selbst ohne subjektives Empfinden – zu Fehleistungen und Anspannungen.

… oder aber man atmet hastig und flach

Dabei atmet man meist mehr ein als aus. Die Folge ist ein Sauerstoffüberschuss, mit dem der Körper nichts anzufangen weiß – bestehende Blockaden und Verspannungen verstärken sich.

DU BIST NICHT MEHR IM (BEWEGUNGS)FLUSS DEINES PFERDES

Ganz konkret bedeutet dies, dass Du auf jedem Fall nicht mehr im Bewegungsfluss mit Deinem Pferd sein kannst. Du wirst mehr geworfen, die Unsicherheit wächst und der Körper wird noch stärker unter Stress gesetzt, mit den beschriebenen Folgen – ein Teufelskreislauf.

Aber auch das Pferd reagiert darauf – es beginnt zu eilen oder aber es spannt seinen Rücken an und die Tritte werden kürzer. Ein harmonischer Gleichklang ist nicht mehr gegeben.

UNTERBRICH DIESEN KREISLAUF – ATME

So wie ein Erregungszustand die Atmung beeinflusst, so kann man über eine bewusste Atmung seine Erregung steuern. Wer gleichmäßig und ruhig über den Bauch atmet, wird die beruhigende Kraft der Atmung in Form von psychischem Wohlbefinden und Entspannung erleben. Die Fähigkeit seine Atmung zu kontrollieren aber muss durch regelmäßiges Training stetig verbessert werden, so dass man in Stresssituationen auf ein automatisiertes Repertoire zurückgreifen kann.

TRAINIERE REGELMÄSSIG DEINE ATMUNG

Setze Dich auf Dein Pferd und lasse es im Schritt gehen. Schließe die Augen. ATME DABEI TIEF IN DEN BAUCH EIN UND NOCH TIEFER AUS. Lege eine Hand auf Deinen Bauch und FÜHLE WIE SICH DER BAUCH AUFWÖLBT beim Einatmen. „Beobachte Deine Atmung, achte auch auf den kurzen Atemstillstand am Ende des Ausatmens und spreche in Gedanken mit „EIN-AUS-RUHE“ … Fühle die Bewegung Deines Pferdes. Unterbricht es den Fluss konzentriere Dich stärker auf das Gleichmaß Deiner Atmung.

IM TRAB IST ES ANDERS

Der Trab lässt keine tiefe Atmung (Nase ein – Mund aus) zu. ATME RUHIG DURCH DIE NASE EIN UND AUCH WIEDER AUS. Nimm diese Atmung bereits kurz vor dem Wechsel in den Trab auf. Du bleibst damit besser im Fluss des Trabes und vermeidest Verspannungen.