Exponentialfunktion und Reiten

Was hat Mathematik mit Reiten zu tun, wird man sich fragen? Nur so viel, dass in der Natur nahezu alles exponentiell abläuft. Wirkungen von Maßnahmen werden nicht immer unmittelbar sichtbar, ganz im Gegenteil, man hat den Eindruck, dass sich gar nichts verändert. Diese Erkenntnis ist elementar wichtig beim Training eines Pferdes.

Trust-your-Horse - Exponentialfunktion und Reiten

WER DIE GEDULD VERLIERT VERLIERT

Plötzlich aber, scheinbar überraschend, zeigt sich eine starke Entwicklung, ein starker Fortschritt. So wie man das auch in graphischen Darstellungen einer Exponentialfunktion sehen kann.

Wir Menschen neigen aber dazu, vor allem auch unter Gruppenzwang, die Geduld zu verlieren, wenn sich scheinbar nichts bewegt. Nicht nur in der Ausbildung eines Pferdes ist dies eines der allergrößten Fehler überhaupt.

Noch bevor sinnvolle (vorausgesetzt) Trainingsschritte ihre Wirkung zeigen können, wird die Methode geändert um „schneller“ vorwärts zu kommen. All das, was vorher erarbeitet wurde und möglicherweise auf dem richtigen Weg (exponentiell) war, wird konterkariert. Mitunter laufen die Methoden auch gegeneinander, so dass letztendlich ein sinnloses Mehr an Arbeit erforderlich wird.

EXPONENTIELLES TRAINING FORDERT PERSÖNLICHKEIT

Der Umgang mit exponentiellen Entwicklungen fordert vom Menschen Souveränität, Ruhe, Durchhaltevermögen und vor allem Geduld und Vertrauen.

Lässt man sich nicht anstecken von der dummen Hektik unserer Zeit – die uns so gerne als Dynamik verkauft wird – dann kommt man schneller zu einem nachhaltigeren Ergebnis, als es diejenigen erreichen können, die Sätze gerne mit „Was, Dein Pferd kann noch nicht …?“ beginnen.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
Auszug aus Buchentwurf zu „Die Grammatik des Reitens
Copyright (c) A.R.T. Leadership – All rights reserved