Die Konzentration des Pferdes

Pferde sind konzentrationsschwache Lebewesen. Für ein Fluchttier sind im Grunde längere Spannen der Konzentration nicht nötig – anders bei einem Raubtier.

Oft wird gesagt, dass die Konzentrationsspanne eines (jungen) Pferdes etwa 20 Minuten betragen würde.

Trust-your-Horse - Die Konzentration des Pferdes

Diese Aussage will ich so nicht mittragen.

Man kann ein (junges) Pferd durchaus 1-2 Stunden arbeiten und die Konzentration dabei immer wieder „beleben„. Denn meiner Erfahrung nach ist die Konzentration NICHT ABHÄNGIG VON DER ZEITDAUER, sondern von dem was man vom Pferd verlangt und wie gut das Pferd dieses bereits kann.

Bei einer wenig anspruchsvollen Übung ist die Konzentrationsspanne länger, bei einer schwierigen ggf. auch noch unbekannten Übung dagegen deutlich kürzer.

Während ich bei einer leichten Übung durchaus 10 Minuten am Stück ohne Pause mit einem Pferd arbeiten kann, würde eine schwere Übung schon nach 10 Sekunden eine Pause erfordern.

Wenn ich hier von Pause spreche, dann heißt das STEHPAUSE und das unbedingt MINUTENLANG! Das Pferd bekommt dadurch Zeit nachzudenken, sich zu erholen und lernt als weiteren positiven Nebeneffekt lange stehenzubleiben!

Noch ein Hinweis:

PFERDE LANGWEILEN SICH NICHT, wenn man immer wieder und wieder dasselbe verlangt.

Wenn ein Pferd bei einer Übung Übersprungsreaktionen zeigt, dann keinesfalls aufgrund von Langeweile! Solche Reaktionen entstehen allermeistens dann, wenn das Pferd die Übung (noch) nicht versteht oder es müde wird.

MÜDE = PAUSE – immer noch MÜDE = Feierabend (auch schon mal nach 20 Minuten)!

Eigene Notizen
Autor: Richard Vizethum
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PAUSE in Parkposition

Entspannung hat immer sowohl eine körperliche als auch geistige Komponente und ist insbesondere nach herausfordernden und körperlich anspruchsvolleren Übungselementen sinnvoll und notwendig.

Trust-your-Horse - Parkposition als Lösungsmittel
(Bild: Oldenburger-Wallach „Luis“ | Pause in Parkposition | Status: müde)

Körperlich sollte das Pferd loslassen können und mental wieder zur Ruhe kommen. Womit sich immer auch ein LERNEFFEKT verbindet!

IST DAZU ABER BEWEGUNG NOTWENDIG UND SINNVOLL?

Als Mittel des Entspannens („Lösens“), wird sehr häufig das Vorwärts-/Abwärts-Reiten empfohlen. An dieser Stelle möchte ich nicht in die Diskussion über Sinn oder Unsinn von Vorwärts-/Abwärts einsteigen, aber auf ein paar Punkte hinweisen …

Ein Pferd mit einem Gewicht von 600 Kg bringt im STEHEN in barocker Aufrichtung etwa 56 Kg Gewicht mehr auf die Vorhand als auf die Hinterhand. In einer Vorwärts-/Abwärtsposition sind dies schon 90 Kg. Im Stehen stellt diese Überlastungssituation für das Pferd kein Problem dar. Es kann dieses Gewicht gut mit den Vorderbeinen abstützen.

Vorwärts-/Abwärts-Reiten und Lösen?

Kommt dagegen Bewegung hinzu (Vorwärts-/Abwärts-Reiten), dann nimmt der Belastungsdruck auf die Vorhand erheblich zu.
Ein „Lösen“ mag nun zwar bei sehr tiefer Einstellung, körperlich in der Oberlinie (Wirbelsäule) stattfinden, aber findet seinen negativen Widerhall in den Vorderbeinen und der Schulter.
Ergo, ein körperliches und geistiges „Lösen“ ist eingeschränkt, körperliches Lernen findet nicht statt.

PARKPOSITON – DIE ECHTE PAUSE

Weit besser,  aus meiner Sicht, ist es die Bewegung wegzulassen und dem Pferd im STEHEN (gleichmäßig auf allen vier Füßen) die Möglichkeit des körperlichen und geistigen Entspannens zu geben.

Wie geht man vor?

Man hält das Pferd ruhig an, achtet dabei darauf, dass es auf allen vier Beinen gleichmäßig steht, also nicht in Schrittposition verharrt.

Dann gibt man dem Pferd durch kurzes seitliches Ausbreiten und darauf folgenden Ablegen der Zügel auf dem Hals, das Zeichen für PAUSE!

Dieses Signal („Du hast jetzt minutenlang PAUSE!„) wird nicht wiederholt, sollte das Pferd sich nicht strecken. Wir  akzeptieren seine Haltung und nehmen diese als Indikator für die aktuelle körperliche und mentale Verfassung des Pferdes.

Was zeigt uns das Pferd (Indikator Parkposition)?

  • Das Pferd senkt ruhig und langsam Hals und Kopf in Richtung Boden, dann ist es etwas müde und der Stress hält sich im Rahmen. In der Regel zeigt das Pferd an, wenn es wieder aufnahmebereit ist, indem es Hals und Kopf hebt. Nach der Pause kann man mit dem Training fortfahren.
  • Das Pferd zieht dem Reiter die Zügel aus der Hand und stößt mit dem Kopf vorwärts-abwärts, dann spricht das nicht für die Empathie des Reiters, denn das Pferd zeigt damit an, dass es schon länger müde und/oder stark gestresst ist, was vom Reiter ignoriert oder nicht bemerkt wurde. Sollte es auch nach minutenlanger Pause nicht wieder und ohne Spannung nach oben kommen, dann heißt das FEIERABEND (selbst wenn man gerade mal 15 Min. mit dem Pferd gearbeitet hat). Da ist auch kein „Ich muss noch einen positiven Abschluss finden!“ oder „Eine Runde im Trab geht noch!“  mehr sinnvoll.
  • Das Pferd bleibt mit Kopf und Hals entspannt oben. Hier kann man – aber auch erst nach der gewährten Pause – gleich weiterarbeiten. Das Pferd ist weder müde noch sonderlich gestresst.
  • Das Pferd hält Kopf und Hals angespannt oben. Das Pferd zeigt Unruhe und starken Stress. Dies kann verschiedene Gründe haben:
    1) Der Reiter ist gestresst. Hier muss dieser sich ehrlich die Frage stellen: „Komme ich davon runter?“. Beantwortet er dies mit NEIN – dann FEIERABEND!
    2) Die Übung war zu schwer. Nach der Pause kann man es mit einer deutlich leichteren Übung probieren, die Aussichten auf Erfolg für das Pferd hat.
    3) Viele Stressoren in der Umgebung. Auch hier hat man sich als Reiter zu fragen: Besteht die Chance, dass sich die Situation beruhigt. Wenn nicht – FEIERABEND!

Wir müssen uns eines merken: „Ein Pferd muss nichts abhaben können!„. Lieber FEIERABEND machen, als das Pferd in einer stressbeladenen Situation belassen. Dies bedeutet nämlich nur, dass Mensch und Pferd Energie investieren, der Lernerfolg aber ausbleibt und das Vertrauen des Pferdes in den Menschen gestört wird.

Erkenne den Zustand Deines Pferdes, PARKE es rechtzeitig und lass es  minutenlange (2-5 Min.) Pausen im STEHEN machen.

DAS PFERD LERNT IN SOLCHEN PAUSEN!!!
Die Ausbildungszeit verkürzt sich.

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Bring Dein Pferd nicht zum Schwitzen!

„Sobald das Pferd zu schwitzen beginnt, ist dadurch bewiesen, dass der Reiter mit seinen Forderungen das Maß überschritten hat.“
(Faverot de Kerbrech)

Trust-your-Horse - Bring Dein Pferd nicht zum Schwitzen

Dieser Satz des Baucher-Schülers Faverot de Kerbrech hat seine Relevanz nicht nur jetzt im Sommer – wo die Tagestemperaturen manchmal die 30 Grad-Marke überschreiten, die Luftfeuchtigkeit ansteigt und Schwitzen vorprogrammiert zu sein scheint – nein, er gilt zu jeder Zeit, in der man mit einem Pferd trainiert.

Je besser ein Pferd trainiert ist, desto effizienter schwitzt es! Dies gilt für Pferd und Mensch gleichermaßen. Die erste Maßnahme ist also: RICHTIGES TRAINING!

Das Pferd hat eine geringere Hautoberfläche als der Mensch (pro kg Körpergewicht nur die halbe Oberfläche), was ihm zwar hilft, mit Kälte ganz gut zurecht zu kommen, das Herunterkühlen des Körpers bei Hitze aber nicht so leichtfällt. Hinzu kommt ein durch das Schwitzen bedingter hoher Salzverlust. Dieser Mangel reduziert u.a. die Leistungsbereitschaft des Pferdes.

Um Schwitzen zu vermeiden muss man nicht zwangsweise auf den frühen Morgen oder die Nacht ausweichen, um mit seinem Pferd zu arbeiten. Dies geht auch bei 30 Grad am Tage.

ENTSCHEIDEND IST DER TRAININGSAUFBAU!

  • ARBEITE VIEL IM SCHRITT Der Schritt, die „Mutter aller Gangarten“, trägt mehr zur Bildung des Pferdes bei, als man dies glauben mag. Voltenarbeit und Schulterherein im Schritt – beispielsweise – fördern die Balance und tragen zur breiten Entwicklung der Muskulatur bei.
  • VERMEIDE LANGE PASSAGEN IN HÖHEREN GANGARTEN Wechsle von kurzen Trab- oder Galoppreprisen immer wieder zurück in eine ausgiebige Schrittphase.
  • ACHTE AUF DIE ATMUNG DEINES PFERDES
  • FÜHLE WENN DEIN PFERD MÜDE WIRD Mache viele Pausen zwischen den Reprisen. Pausen, in denen sich das Pferd total entspannen kann (z.B. Parkposition).

Autor: Richard Vizethum
Notizen zu „Die Grammatik des Reitens“

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