Motivationsfaktor Lob

Es ist nun schon eine Weile her, da konnte ich dem Kurs eines bekannten Ausbilders beiwohnen. Dabei fiel mir ganz besonders ein Satz auf, den dieser Reitmeister immer und immer wieder zu den Reitschülerinnen sagte: „Loben Sie Ihr Pferd!“

Jetzt könnte man sagen, dass die Schülerinnen möglicherweise sehr konzentriert versuchten, die gestellten Aufgaben zu meistern und deshalb einfach nicht selbst daran gedacht hatten, ihre Pferde zu loben – nein, ein ähnliches Bild sieht man täglich in Reithallen und auf Reitplätzen.

LOBEN, LOBEN, LOBEN!

Ehrlich gemeinte Anerkennung ist eines der stärksten Bindeglieder, nicht nur zwischen Menschen, und ein mächtiger Motivationsfaktor. Doch auch Loben will „gelernt“ sein. Loben ist wie Dünger, welchen man auf dem Feld der Leistung ausstreut. Zuwenig lässt die Pflanzen der Leistung kümmern, zu viel davon kann aber auch die Ernte verderben.

Ein paar wichtige Punkte die man dabei unbedingt beachten sollte:

  1. NUR EHRLICHES LOB IST WIRKSAMES LOB! Ehrliches Lob kommt vom Herzen und ist kein, durch ständige Aufforderung des Reitlehrers, trainierter Reflex. Loben muss man wollen!
  2. LOBE ZEITNAH! Innerhalb von 1-2 Sekunden nach einer gewünschten Leistung des Pferdes muss das Lob erfolgen. Also, nicht zu lange darüber nachdenken – LOBEN!
  3. LOBE LEISTUNG! Dem Lob muss eine Leistung vorausgegangen sein. Beachte dabei: „Oftmals fordern; mit kleinen Resultaten zufrieden sein; das Pferd ausgiebig loben“ (Faverot de Kerbrech).
  4. LOBE GERECHT! Gerechtes Lob kennt keine „Lieblinge“. Wenn man mehrere Pferde arbeitet, sollte man nicht nach Sympathie, sondern nur der Leistung angemessen loben. Lob kennt auch keine „Tagesform“.
  5. LOBEN NICHT SCHLAGEN! Ein sanftes Streicheln, ein leise Wort wird als Lob wahrgenommen – das Schlagen auf den Hals ist ein agressiver Akt.

Und nun, habt Spaß mit euren Pferden und lobt UNAUFGEFORDERT!

Das Pferd erschrickt – was tun?

Es gibt zwei Dinge, die man NIEMALS tun sollte, wenn ein Pferd erschrickt …

  • das Pferd strafen
  • das Pferd beruhigen

Beiden Handlungen gemeinsam ist: Der Mensch ist, wenn er dies tut, nicht authentisch und er gibt dem Pferd nicht die Sicherheit, die in dieser Situation notwendig wäre.

Ein Pferd erschrickt und aktiviert seinen Fluchtreflex in der Regel dann, wenn es einer Sache oder einer Situation Bedeutung für die eigene Sicherheit beimisst.

Der wohlgemeinte Rat, dem Pferd das, wovor es erschrocken ist, anschauen zu lassen, ist unter diesem Aspekt ebenfalls nicht zielführend. Denn damit gibt man der Situation weiterhin eine, für das Pferd problematische Bedeutung.

SEI EIN SOUVERÄNES „LEITTIER“ FÜR DEIN PFERD, IGNORIERE DIE SITUATION UND DIE REAKTION DEINES PFERDES EINFACH – ZEIGE DAS DU DEM GANZEN KEINE BEDEUTUNG BEIMISST.

Ist nicht leicht – aber hilft das Pferd sicherer zu machen und das Vertrauen zu festigen.

Autor: Richard Vizethum
Notizen zu „Die Grammatik des Reitens“