STRESS ist der Maßstab

Das Training von Pferd und Reiter muss im Kern stets darauf abzielen, bestimmte BEWEGUNGS-, HALTUNGS-, und REAKTIONSMUSTER bei beiden Lebewesen grundlegend zu verändern.

Trust-your-Horse - Maßstab STRESS

Nur so ist es möglich das hehre Ziel von Harmonie und wirklich feinem Reiten zu erreichen. Das „natürliche“ Pferd und der „natürliche“ Mensch sind ohne diese „Arbeit“ nicht wirklich kompatibel und neigen, häufiger als man vielleicht denken mag, zu „unkontrollierbaren“ INSTINKTIVEN Reaktionen.

Nun ist es aber so, dass viele dieser Muster sich im Laufe eines Lebens stark gefestigt haben und nur schwer veränderbar sind. Konsequentes Wiederholen (Drill) NEUER Muster, in immer der gleichen Art und Weise (Disziplin), ist hier der EINZIGE und vor allem NACHHALTIGE Weg.

Dieses KONDITIONIEREN hört sich nun zwar sehr eintönig und langweilig an – ist es im Grunde auch. Deshalb macht sich ja kaum noch jemand die Mühe solche Veränderungen der Muster akribisch zu erarbeiten.

Man reitet lieber Lektionen oder Manöver. Doch damit verändert man keine relevanten Muster. Man DRESSIERT nur das Pferd, lehrt ihm das Abspulen bestimmter Abläufe in BESTIMMTEN SITUATIONEN.

Der Reiter selbst verändert sich dabei auch nur insofern, dass er mit der Zeit immer besser darin wird – ohne besser zu sein – die „Probleme“ die er mit dem Pferd hat, zu korrigieren. Probleme, die er nicht hätte, wenn er SICH und das Pferd verändert hätte.

So, kommen wir nun zum Maßstab STRESS

Die Qualität einer Ausbildung drückt sich NICHT in schön gerittenen Lektionen oder Schulen aus. Die perfekteste Piaffe oder der schnellste Spin sind nichts wert, wenn das Pferd oder der Reiter bei STRESS in seine alten Bewegungs-, Haltungs- und Reaktionsmuster zurückfällt. Dann war die ganze Ausbildung – flapsig ausgedrückt – „für die Katz!“. Da ändern auch gewonnene Pokale und Schleifen nichts daran.

Nur wenn es gelungen ist – und das ist ECHTE KONZENTRIERTE MILIMETERARBEIT – die richtigen NEUEN MUSTER nachhaltig zu etablieren, dann werden Pferd und Reiter auch unter extremen Stress, im Sinne der neuen Muster gelassen und angemessen reagieren.

Angemerkt sei auch noch:
Das Leben von Pferd und Reiter sollte auch und besonders außerhalb der Reitbahn stattfinden.
JEDES Pferd sollte im Gelände geritten werden können! Gelingt dies nicht, dann ist die Ausbildung UNVOLLSTÄNDIG (freundlich ausgedrückt).

aus Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachet
Autor: Richard Vizethum
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Nutze beim „Gespräch“ mit dem Pferd natürliche Reflexe

Die Kommunikation mit dem Pferd muss auf einer einfachen und verständlichen Sprache basieren. Ideal sind sprachliche Elemente, die beide Kommunikationspartner Pferd und Mensch verstehen und in Handlung umsetzen können oder sogar umsetzen müssen.

An dieser Stelle kommt die Nutzung sogenannter natürlicher Reflexe (bedingter Reflexe) zum Tragen. Bei einem „natürlichen Reflex“ erfolgt die Reaktion (Antwort) auf einen Reiz unterbewusst, unmittelbar und zwingend.

Trust-your-Horse - Nutze natürliche Reflexe

Einfach ausgedrückt: Das Pferd kann gar nicht anders als in einer gewünschten Art und Weise zu reagieren. Es ist lediglich in der Lage, den Reflex mehr oder weniger stark zu hemmen. Ein Beispiel …

Pikst uns jemand mit den Fingern in die Seite, wird man reflexartig stark zusammenzucken, sollte man nicht mit einer solch schändlichen Tat gerechnet haben. Ist man dagegen darauf vorbereitet und hat entsprechend Muskeln angespannt, kann man die Intensität des Reflexes reduzieren, also hemmen – aber zusammenzucken wird man dennoch – etwas abgeschwächter.

NATÜRLICHE REFLEXE SIND DIE MUTTERSPRACHE

Natürliche Reflexe könnte man vereinfacht als „Muttersprache“ bezeichnen. Während der Mensch seine Muttersprache durch die Umgebung, in der er aufwächst erlernt, sind die „natürlichen Reflexe“ allerdings genetisch verankert und gehören zu den sogenannten Urgefühlen des Pferdes. Nutzen wir also natürliche Reflexe, dann arbeiten wir mit diesen Urgefühlen wie z.B. das Empfinden der Muskelspannung und das Gleichgewichtsempfinden, des Pferdes. Das Pferd wird uns verstehen (müssen)!

NATÜRLICHE REFLEXE NUTZEN

Setzt man nun einen entsprechenden Reiz, beispielsweise durch eine Drehung des Beckens, reagiert das Pferd aufgrund des veränderten Muskeldrucks entsprechend. Diese Reaktion ist zwingend und unabhängig vom Ausbildungsstand und Alter des Pferdes.

Wir als Reiter müssen nun aber den Reiz korrekt setzen, um genau die eine, von uns gewünschte, Antwort vom Pferd zu erhalten. Oft aber stehen dem korrekten Tun unsere eigenen Bewegungs- und Haltungsmuster entgegen. Diese bringen uns zwar gut durchs Leben, wenn wir nur Mensch sind, behindern uns – und noch viel mehr das Pferd – aber mehr als wir ahnen, wenn wir uns als Reiter betätigen.

Will man natürliche Reflexe richtig nützen, muss man sich also als Mensch verändern. Lässt man sich darauf ein und nimmt diese Anstrengung auf sich (es ist eine Anstregung am Anfang), wird man mit seinem Pferd zur Harmonie finden, sich aber auch gleichzeitg körperlich und geistig weiterentwickeln. Eine sinnvolle Investition.

NATÜRLICHE REFLEXE LASSEN SICH STEIGERN

Gelingt es im Laufe der Ausbildung das Pferd – vor einer Aktion – nicht nur ins Gleichgewicht, sondern auch in eine positive Grundspannung zu versetzen, dann wird der Raum, indem natürliche Reflexe wirksam werden, deutlich ausgeweitet und Leichtigkeit erreicht.

Lieber Reiter, sei also bequem. Suche nach natürlichen Reflexen und Du wirst weniger arbeiten müssen und Dein Pferd weniger Belästigung erfahren.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
Notiz zu „Die Grammatik des Reitens
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