Körperspannung des Reiters

Der Reiter muss wie ein leeres Blatt Papier sein, er „ruht“ auf dem Pferd. Keine Spannung, die über das, was für den Erhalt der aufrechten Haltung notwendig ist, hinausgeht, darf in seinem Körper vorhanden sein.

Es sind die gezielten An- und Abspannungen im Körper, mit denen er – aus dieser neutralen Position heraus – klar und unmissverständlich mit dem Pferd kommunizieren und seine Anweisungen formulieren kann.

Trust-your-Horse - Körperspannung des Reiters

Würde der Reiter von Grunde auf, beispielsweise durch Emotionen, Spannungen aufgebaut haben, dann wäre er vergleichbar mit einer Person, die neben mir stehend, laut Selbstgespräche führt. Diese Person kommuniziert zwar nicht mit mir, textet mich aber dennoch sinnlos zu.

Der Reiterhintern – DAS wichtigste sprachliche Element

Wenn es beim Reiter ein Körperteil gibt, welches er aber besonders gerne und in nahezu jeder Situation und überwiegend unbewusst anspannt, dann ist es sein Hintern. Da dieser aber DAS wichtigste „sprachliche“ Element in der Körperkommunikation mit dem Pferd ist und mit ihm natürliche Reflexe beim Pferd genutzt werden, darf dieser nur gezielt unter Spannung gesetzt werden.

Meist aber führt der Reiter damit sinnlose Selbstgespräche und belästigt sein Pferd statt ihm eine klare, verständliche Botschaft zu übermitteln.

Lieber Reiter, entspann Deinen Hintern und führe keine Selbstgespräche.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
Notiz zu „Die Grammatik des Reitens
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VORWÄRTS-ABWÄRTS – ein paar Worte dazu

Auszug aus „Die Grammatik des Reitens“

Es wird immer wieder viel darüber diskutiert, welchen Beitrag das sogenannte „vorwärts-abwärts“ für das sinnvolle Training eines Pferdes hat. Ich möchte an dieser Stelle meine Sicht der Dinge darlegen.

Pferde als Bewegungs- und vor allem Fluchttiere sind auf eine hohe Fluchtgeschwindigkeit angewiesen. Aus diesem Grund kam es bei ihnen im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte zu einem körperlichen Umbau, der eine vermehrte Lastaufnahme auf die Vorhand mit sich brachte. Durch diese Lastverteilung nach vorne erreichen sie eine höhere Laufgeschwindigkeit.

PFERDE BEVORZUGEN DIE VORHAND

Grundsätzlich werden Pferde immer versuchen verstärkt auf die Vorhand zu kommen, denn neben dem Geschwindigkeitsaspekt, ist für Pferde, als energiesparende Lebewesen, die Nutzung der Vorhand energieeffizienter als eine vermehrte Nutzung der Hinterhand. Die Struktur der Hinterhand fordert bei verstärkter Beugung der Gelenke deutlich mehr Energie, als die vergleichsweise einfache Struktur der Vorhand.

Damit wir aber, wenn wir das Pferd zum Reitpferd ausbilden wollen, dieses auch über sehr lange Zeit gesund und leistungsbereit erhalten, ist eine verstärkte Nutzung der weit belastbareren Hinterhand unabdingbar.

Des Weiteren müssen bei einem Reitpferd vermehrt Muskelgruppen trainiert werden, welche es als Pferd nicht zwingend explizit trainiert, die wir aber bei ihm als Reitpferd benötigen. Als Beispiel sei der Trapezmuskel, jenes kleine Dreieck unterhalb des Widerrists genannt. Gerade dort findet man bei vielen Pferden eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Kuhle, welche in Verbindung mit nicht durchgezogen konvex geschwungener Oberhalslinie, ein Zeichen dafür ist, dass das Pferd sich nicht „selber trägt„.

Gerade bei Pferden, welche häufig (im Wortsinn) „vorwärts-abwärts“ geritten werden, findet man derartige Muskeldefizite. Welche sich dann noch – und das sei nicht unerwähnt – durch den Sattel verstärken.

VORWÄRTS-ABWÄRTS DAS NATÜRLICHE BESTREBEN DES PFERDES

Selbst wenn das Pferd vermehrt gelernt hat, sich im Widerrist anzuheben und auf die Hinterhand zu setzten, so wird es dennoch immer wieder instinktiv das Bestreben haben auf die Vorhand zu kommen um sich zu „entlasten“ und Energie zu sparen.

Lässt man nun also sein Pferd vermehrt und auch noch längere Strecken „vorwärts-abwärts“ gehen, so kommt das dem natürlichen Wunsch des Pferdes, vermehrt die Vorhand zu belasten, mit all den schädlichen Folgen für ein Reitpferd, deutlich entgegen.

Das, was man meist als „vorwärts-abwärts“ zu sehen bekommt – und dazu zähle ich auch das in der Westernreiterei immer stärker gewünschte Bild eines Pferdes mit der Nase knapp über Boden – ist der dauerhaften Gesunderhaltung des Pferdes massiv abträglich.

Das man durch vermehrtes Aktivieren der Hinterhand, trotz tiefer Kopfeinstellung, den Rücken anheben kann und das Pferd sich „selber trägt“, ist ein Mythos, der physikalisch nicht haltbar ist!

DIE ALTEN MEISTER UND VORWÄRTS-ABWÄRTS

Zieht man auf der Suche nach dem Ursprung des Vorwärts-Abwärts die „alten Meister“ zu Rate, so kann man feststellen, das diese beim Anreiten (z.B. Steinbrecht) oder zum Zwecke der Korrektur eines Pferdes so etwas ähnliches wie Vorwärts-Abwärts durchführten – allerdings mit dem deutlichen Schwerpunkt VORWÄRTS.

Dazu wurde das Gewicht des Pferdes etwas mehr in Richtung Schultern verlegten. Hals und Kopf wurden dabei in einer „natürlichen Haltung“ belassen. Das Pferd sollte sich an das Gebiss „herandehnen“, wobei man durchaus bestrebt war „volle Anlehnung zu gewinnen“ Dies beschreibt Steinbrecht wie folgt: „Der Reiter führe daher die Zügel verhältnismäßig kurz …“. Dabei soll der Reiter nicht die Anlehnung suchen, sondern er soll darauf warten, bis das Pferd “ sie [die Anlehnung] infolge der vortreibenden Hilfen und des dadurch bewirkten Streckens des Halses an das Gebiss von selbst nimmt“ [1].

Ein wesentlicher weiterer Aspekt einer ETWAS tieferen Einstellung von Hals und Kopf des Pferdes diente dem Zwecke der BIEGUNG (Seuning, Seeger …). Mit dem Mittel der Biegung wurde zum einen am GERADERICHTEN des Pferdes gearbeitet und zum anderen um Spannungen und Verspannungen (Korrektur) bei diesem aufzulösen.

Bei diesem Begriff muss man allerdings sehr vorsichtig sein, denn es handelt sich dabei nur im geringen Maße um eine laterale Biegung, sondern mehr noch um das Beugen (biegen) der Hinterhand, sowie das Aufrichten und Beizäumen!

Weiterlesen:
Wiedereinmal Vorwärts-Abwärts
Vorwärts-Abwärts und kein Ende

[1] Steinbrecht – Gymnasium des Pferdes – S.70

Autor: Richard Vizethum
Notiz zu „Die Grammatik des Reitens
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Exponentialfunktion und Reiten

Was hat Mathematik mit Reiten zu tun, wird man sich fragen? Nur so viel, dass in der Natur nahezu alles exponentiell abläuft. Wirkungen von Maßnahmen werden nicht immer unmittelbar sichtbar, ganz im Gegenteil, man hat den Eindruck, dass sich gar nichts verändert. Diese Erkenntnis ist elementar wichtig beim Training eines Pferdes.

Trust-your-Horse - Exponentialfunktion und Reiten

WER DIE GEDULD VERLIERT VERLIERT

Plötzlich aber, scheinbar überraschend, zeigt sich eine starke Entwicklung, ein starker Fortschritt. So wie man das auch in graphischen Darstellungen einer Exponentialfunktion sehen kann.

Wir Menschen neigen aber dazu, vor allem auch unter Gruppenzwang, die Geduld zu verlieren, wenn sich scheinbar nichts bewegt. Nicht nur in der Ausbildung eines Pferdes ist dies eines der allergrößten Fehler überhaupt.

Noch bevor sinnvolle (vorausgesetzt) Trainingsschritte ihre Wirkung zeigen können, wird die Methode geändert um „schneller“ vorwärts zu kommen. All das, was vorher erarbeitet wurde und möglicherweise auf dem richtigen Weg (exponentiell) war, wird konterkariert. Mitunter laufen die Methoden auch gegeneinander, so dass letztendlich ein sinnloses Mehr an Arbeit erforderlich wird.

EXPONENTIELLES TRAINING FORDERT PERSÖNLICHKEIT

Der Umgang mit exponentiellen Entwicklungen fordert vom Menschen Souveränität, Ruhe, Durchhaltevermögen und vor allem Geduld und Vertrauen.

Lässt man sich nicht anstecken von der dummen Hektik unserer Zeit – die uns so gerne als Dynamik verkauft wird – dann kommt man schneller zu einem nachhaltigeren Ergebnis, als es diejenigen erreichen können, die Sätze gerne mit „Was, Dein Pferd kann noch nicht …?“ beginnen.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
Auszug aus Buchentwurf zu „Die Grammatik des Reitens
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