Die stillstehende Hand

Die STILLSTEHENDE HAND ist das wichtigste Element eines korrekten Reitersitzes.

Die STILLSTEHENDE HAND muss WEICH und SCHNELL sein. Sie sollte RUND sein, sich aber auch bei Bedarf kurzzeitig zur Faust schließen können. Ihre Muskeln dürfen nie angespannt sein, denn mit jedem Grad Anspannung verlieren die Muskeln mehr und mehr Gefühl. Jenes Gefühl, welches notwendig ist, damit die STILLSTEHENDE HAND auch SCHNELL und WEICH sein kann.

Trust-your-Horse - Die stillstehende Hand

Ohne STILLSTEHENDE HAND ist keine korrekte ANLEHNUNG möglich. Ohne Anlehnung kein GLEICHGEWICHT und damit auch keine VERSAMMLUNG (auch wenn es Reiter gibt, die der Meinung sind, dass das Gleichgewicht aus der Versammlung entsteht 🙂 ).

Ohne STILLSTEHENDE HAND wird das Pferd nie den Ruhepol finden, an dem es sich ausrichten und orientieren kann. Es wird immer in einem latenten Stress gehalten. Das Pferd lernt sicherlich mit diesem Stress umzugehen, aber gesund, im Sinne der psychischen Gesundheit, ist das nicht.

WAS ABER SEHEN WIR HEUTE IN DER REITERWELT?

Da gibt es eine falsch verstandene Nachgiebigkeit, ein durch Reiterhand erzeugter loser Zügel. Dieses gutgemeinte „Hingeben der Zügel“ ist FALSCH und absolut KONTRAPRODUKTIV. Die wahrhaftige und nachhaltige Nachgiebigkeit MUSS IMMER vom Pferd kommen!

Noch schlimmer ist die MITGEHENDE HAND, heute hochgelobt und auf allen Ebenen der Reiterei und in nahezu allen Reitweisen praktiziert.

Mit dieser „mitgehenden Hand“ soll „die weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul“ sichergestellt werden, wie es die Richtlinie der Deutschen Reiterlichen Vereinigung in Bezug auf die Anlehnung fordert. Doch eine „mitgehende Hand“ lässt genau diese Anlehnung nicht zu. Hast Du schon einmal versucht Dich an einem Auto anzulehnen, das unmittelbar danach losfährt? Kann gut gehen …

Wer ein im Maul unruhiges Pferd hat, darf die Ursache durchaus in einer „mitgehenden Reiterhand“ suchen, welche das Pferd in ständigen Balancestress versetzt und die, nebenbei bemerkt, von KEINEM Reiter präzise geritten werden kann!

Und da haben wir dann auch noch das sinnlose „Klavieren“ baucheristischen Reitens. Hier wird keine Nachgiebigkeit auf Dauer, sondern nur ein temporär begrenzter und immer wieder aufzufrischender, fauler Kompromiss erzeugt.

NUR die STILLSTEHENDE HAND ist es, die dem Pferd Orientierung gibt, an der sich das Pferd ausrichten kann.
Die STILLSTEHENDE HAND ist der Anker, um den sich alles dreht, sie ist die Konstante in all der Bewegung. Sie muss unmittelbar vor dem Reiterkörper getragen werden um jedes unbewusste Vor- und Zurückgehen der Hände einzuschränken.

Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet
Autor: Richard Vizethum
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Dehnungshaltung und MEHR

Dieses Thema ist nicht so ganz einfach in ein paar Sätzen erklärt. Ich versuche es trotzdem mal wieder:

1 | Natürliche Haltung

In seiner NATÜRLICHEN HALTUNG, die für jedes Pferd individuell festgestellt werden muss – welche aber i.d.R. meist auf Nase Höhe Hüftgelenk ist – können die Muskeln, Bänder und das Skelett OPTIMAL harmonieren und auch die Last des Reiters kompensieren.

Das Erkennen der „natürlichen Haltung“ stellt eine wichtige Aufgabe für den Ausbilder eines Pferdes dar, ist aber nicht immer so ganz einfach. Viele Pferde haben ja schon eine Vorgeschichte, einen bestimmten Ausbildungsstand, in dem man sie dieser Haltung „entfremdet“ hat – sei es nach OBEN – oder noch schlimmer: nach UNTEN.

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2 | Der Weg nach Oben

Grundsätzlich sollte man im Training von der „natürlichen Haltung“ ausgehend, nach OBEN arbeiten, denn zu den Hauptaufgaben der Ausbildung eines Pferdes gehört es der Hinterhand mehr Last zuzuschieben und damit die BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT des Pferdes zu erhöhen, was letztendlich auch einen Sicherheitsfaktor darstellt. Zu jedem Zeitpunkt dieser Arbeit ist darauf zu achten, dass der Rücken sich NICHT unter die Horizontale der Rückenwirbelsäule absenkt (geringgradige Absenkungen stellen kein Problem dar).

3 | „Aufwölbung des Rückens“

Eine „Aufwölbung“ des Rückens, von der man oft zu träumen scheint, über die horizontale Linie der Rückenwirbelsäule (im Kontext der „natürlichen Haltung“) hinaus, ist so gut wie nicht möglich und das Pferd müsste dazu Beugemuskeln „missbrauchen“, was zu Verspannungen führt.

4 | Die „korrekte“ Dehnungshaltung

Die DEHNUNGSHALTUNG an sich stellt zunächst einmal kein Problem dar, so sich diese wie folgt definiert:

  • konvexe Oberhalslinie
  • Nase ÜBER Buggelenk
  • das Genick muss offen sein und die Nase vor der Senkrechten
  • das vorfußende Vorderbein MUSS unter das Nasenlot (gedachte lotrechte Linie von der Pferdenase zum Boden) treten.

ABER:

Der Punkt „vorfußendes Vorderbein unter Nasenlot„, dem heute keine Beachtung geschenkt wird, ist so gut wie nie in der Dehnungshaltung zu erreichen, was bedeutet, dass das Gewicht welches über das vorfußende Vorderbein hinausragt, vollständig in der Reiterhand liegt! Schon aus diesem Grund ist die Dehnungshaltung nicht anzuraten.

Der Reiter sollte, auch um dies (Gewichtsüberhang) festzustellen, sich grundsätzlich um eine „stillstehenden Hand“ bemühen. Folgt man aber stattdessen mit einer „mitgehenden Hand“ noch sehr übertrieben, den Bewegungen des Pferdekopfes, dann bekommt man von diesem Gewichtszuwachs in den eigenen Händen fast gar nichts mit. Das Pferd kann jetzt schauen, wie es mit dem Gewichtsüberhang selbst fertig wird. Einem Gewichtsüberhang, der durch eifriges Nachtreiben stetig erhalten und sogar gemehrt wird.

5 | Dehnungshaltung und Remonten

Die DEHNUNGSHALTUNG ist darüber hinaus für junge Pferde (Remonten) völlig ungeeignet, da, wenn man sie so ausgeführt wie oben (Punkt 4) dargestellt, die Oberlinie ziemlich unter Druck steht, eine Belastung, die noch nicht dem Ausbildungsstand entsprechend wäre. Das Pferd des Weiteren die Hilfen (vor allem die Beinhilfe) gut annehmen muss.

6 | Dehnungshaltung und der „moderne“ Pferdetyp

Bei, vor allem kurzen Pferden (u.a. der moderne Pferdetyp), die meist auch mit den Vorderbeinen etwas rückständig stehen und sich bewegen (den Torso quasi über die Vorderbeine schieben – flapsig ausgedrück) oder bei hinten überbauten Pferden, verbietet sich AUCH die DEHNUNGSHALTUNG absolut! Denn bei diesen Pferden schadet sie nachhaltig deren Gesundheit! Weil das nicht erkannt wird (oder man es nicht erkennen will) schmipft man lieber auf die Zucht, statt das (ungeeignete) Trainingskonzept zu überdenken!

7 | Dehnungshaltung und Entspannung

Aus der dargestellten Art der Ausführung lässt sich auch sehr einfach schließen, das die DEHNUNGSHALTUNG keinesfalls dem Zwecke der Entspannung dienen kann. Ich persönlich lasse die Pferde im STEHEN Pause machen (siehe Parkposition als Lösungsmittel), sich dehnen und entspannen. Das hat noch den zusätzlichen Nutzen, dass sie STEHEN lernen – selbst der Zappeligste – auch wenn die Welt um sie herum tobt!

8 | Das Pferd muss sich doch mal strecken dürfen!

Als weiterer Punkt wird oft angeführt: Das Pferd muss sich doch mal strecken (dehnen) dürfen. Diese Aussage bringt man dann auch noch in Zusammenhang mit dem LÖSEN. Doch DEHNUNGSHALTUNG und LÖSEN haben, wie schon unter dem Aspekt der Entspannung angesprochen, im Grunde nichts gemein. LÖSEN heißt lockern. Doch in der Dehnungshaltung stehen manche Muskelgruppen ziemlich unter Druck – von Lösen also kaum eine Spur.

Auch ist es völlig kontraproduktiv ständig und beinahe schon reflexartig lösen zu wollen. Käme ein Pferd während des Trainings immer wieder in eine (vom Reiter) unkontrollierte Spannungssituation, dann wäre es für den Reiter sehr dringend an der Zeit sich einmal Gedanken über seine eigene Emotionalität und die Sinnhaftigkeit seines Trainingskonzeptes zu machen.

An dieser Stelle sei auch einmal auf die Arbeitsbelastung unserer Pferde verwiesen. Die allermeisten unserer Pferde sind Couch-Potatos. Wo werden Pferde denn noch mehr als 1 Std. pro Tag intensiv gearbeitet und das 6 Tage die Woche? Ich habe Aussagen von Therapeuten und Reiter/innen gehört, die mit Inbrunst der Überzeugung gefordert haben, dass man ein Pferd nicht mehr als drei Tage hintereinander arbeiten dürfe, dann wäre ein Pausentag notwendig, damit die Muskeln sich wieder erholen könnten! Erholen von WAS bitte?

Na gut, einen Grund hätte ich: SCHLECHTES REITEN!

9 | Ein Pferd ohne Not auf die Vorhand zu bringen ist trainingstechnisch kontraproduktiv

Alles was die Pferde im Laufe der Ausbildung auf die Vorhand bringt, behindert die korrekte Ausbildung! Wenn man nun auch noch sieht, welcher Aufwand z.T. betrieben wird, um den Pferden den Weg in die (VÖLLIG FALSCH VERSTANDENE UND UNSINNIGE) TIEFE zu zeigen, dann stellt sich die Sinnfrage erst recht! Insbesondere auch unter dem Aspekt, dass man diese Pferde schwer wieder hoch bringt! Ich korrigiere sehr, sehr häufig derart verrittene Pferde, arbeite daran, sie wieder nach oben und zum „sich selber tragen“ zu bringen! Das ist ein harter Job! Und vor allem wäre er nicht nötig, würde man korrekt (wie es die „Alten“ machten) ausbilden!

10 | Die Beliebigkeit der Kopf-/Halsposition bei korrekter Arbeit

Wenn man davon spricht, dass jedes Pferd in jeder Kopf-/Halsposition reitbar sein muss, so ist dies RICHTIG! Jede Gangart und jedes Tempo fordern eine etwas andere Kopf-/Halsposition. Arbeitet man die Pferde – ausgehend von der „natürlichen Haltung“ – nach OBEN, so ist das Erreichen dieses Ziels zu keinem Zeitpunkt ein Problem. Die Pferde müssen die verschiedenen Positionen nicht lernen! Also effizientes Arbeiten!
Arbeitet man – insbesondere zu Beginn der Ausbildung verstärkt nach UNTEN, so ist dies NICHT im gleichen Maße und der gleichen Feinheit mehr möglich!

Ein KORREKT nach OBEN trainiertes Pferd wird jede beliebige Hals-/Kopfposition nach Aufforderung einnehmen können, ein nach UNTEN trainiertes Pferd dagegen NICHT (ohne Kraftaufwand durch den Reiter)!

11 | Zusammenfassung

Das war jetzt schnell mal runter geschrieben. Da fehlen noch viele Punkte. Nur so viel: Die Dehnungshaltung (Punkt 4) stellt sicher für die Gesundheit des Pferdes kein größeres Problem dar, macht aber trainingstechnisch keinen Sinn!

Jede tiefere Einstellung als diese ist noch sinnloser und gefährdet dazu aber durchaus auch noch die Gesundheit des Pferdes. Solche Positionierungen sind daher abzulehnen. Man kann schon mal, zum Ende des Trainings „alle Fünfe gerade sein lassend“ und die Zügel hingeben. Das schadet dem Pferd nicht, vorausgesetzt es darf dabei SEIN (SCHRITT)TEMPO gehen – kein Nachtreiben durch den Reiter!

Oben habe ich von BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT gesprochen. Ein Pferd, welches mit hoher Aufrichtung auf der Hinterhand arbeitet ist gut in der Balance und besitzt eine hohe Bewegungsflexibilität. Solche Pferde können sich auch in einem Raum von 12,5 m x 12,5 m TUMMELN. Vorwärts-Abwärts trainierte Pferde können das NICHT!

BEWEGUNGSFLEXIBILITÄT ist ein SICHERHEITSFAKTOR!

Autor: Richard Vizethum
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Der TAKT – ein paar Worte dazu

Neben einem schwingenden und möglichst aufgewölbten Rücken wird in der heutigen Zeit immer wieder die Wichtigkeit des TAKTES hervorgehoben und nachdrücklich betont.

Trust-your-Horse - Der Takt

Was aber ist dieser Takt und wie wichtig ist er wirklich?

Von vielen wird, insbesondere im deutschsprachigen Raum, darunter die Unterscheidung der Gangarten verstanden (Schritt ist ein 4-Takt, Trab ein 2-Takt und der Galopp ein 3-Takt …). Der Engländer sagt zu dieser Gangartenunterscheidung „Rhythm“ und differiert damit sinnvollerweise zu dem Takt in seinem eigentlichen Sinne.

Dieser Takt in seinem eigentlichen Sinne muss nochmal unterschieden werden in ein räumliches und ein zeitliches Gleichmaß der Tritte.

Räumliches Gleichmaß

Das räumliche Gleichmaß definiert sich durch die gleiche Trittlänge der Beine des Pferdes! Ein schiefes Pferd („natürliche Schiefe“) kann deshalb niemals im räumlichen Gleichmaß gehen. Auch in Kurven, auf Volten oder Zirkel etc. kann sich ein Pferd nicht im räumlichen Gleichmaß bewegen.

Zeitliches Gleichmaß

Hierbei handelt es sich um die Reinheit und das zeitliche Gleichmaß der Bewegungen. Man könnte auch hörbaren Takt dazu sagen. Bei einem „klar“ gehenden Pferd kommen die Hufschläge der einzelnen Beine immer im selben (hörbaren) Abstand auch wenn das räumliche Gleichmaß nicht gegeben ist. Lahmheiten oder Verspannungen sorgen für HÖRBARE Taktunreinheiten. Das zeitliche Gleichmaß ist also gewissermaßen EIN Indikator für die, auf die Bewegung bezogene körperliche Verfassung des Pferdes.

WELCHER TAKT IST NUN VON BEDEUTUNG?

Geht man in der Geschichte etwas zurück, ist der Takt in seiner massiven Präsenz erst ein relativ neuzeitliches Problem.

Ursprünglich war das GLEICHGEWICHT, welches in der heutigen Richtlinie ein Schattendasein führt, ein vorrangiges Ausbildungsziel. Im Verlauf der Ausbildung wurde dabei die Gleichgewichtssituation des Pferdes dergestalt verändert, dass man von Anfang an am Geraderichten des Pferdes arbeitete und schon unmittelbar nach der Gewöhnung an das Reitergewicht, damit begann das Pferd auf die Hinterhand zu setzen. Das Pferd zu „biegen“ beinhaltete damals u.a. auch das „Falten der Hanken“!

Damit wird natürlich auch der messbare Takt, das Gleichmaß der Schritte, verbessert. In diesem Zusammenhang aber spielte das Wort „Takt“ keine Rolle!

TAKT bekam aber seine Wichtigkeit in einem anderen Kontext, nämlich, wie oben schon beschrieben, als Indikator für die körperliche Verfassung des Pferdes im Zusammenhang mit der Bewegung.

Insbesondere bei der Ausbildung der Remonten – im Stadium der Gewöhnung an das Reitergewicht – war dies eine wichtige Größe, da das Pferd zu Beginn dieser Phase häufig die Rückenmuskeln anspannte und so der Rücken weggedrückt, sowie Hals und Kopf angehoben wurden. Ein solcher Art verspanntes Pferd konnte nur noch eingeschränkt korrekt im Sinne des HÖRBAREN TAKTES gehen.

Vorrangige Ziel war es an dieser Stelle die verspannten Rückenmuskeln zu LÖSEN, so dass das Pferd sich auch unter dem Reiter wieder in seiner NATÜRLICHEN POSITION (nicht wie „ein Jagdhund am Boden schnüffelnd“) frei vorwärts bewegte. Erkennbar am hörbar gleichen Abstand der Hufschläge.

Die Verbindung zwischen LOSGELASSENHEIT und HÖRBAREM Takt ist also korrekt, ABER Losgelassenheit ist Voraussetzung für einen klaren hörbaren Takt und nicht umgekehrt!

Leider hat man bereits in der HDv.12 – aus welcher Verwirrung heraus auch immer – neben dem zeitlichen Gleichmaß auch vom RÄUMLICHEN Gleichmaß gesprochen und diesen Sachstand, zu allem Überfluss, auch noch gedankenlos (wie so vieles) in die aktuelle Skala der Ausbildung übernommen.

Dies ist nicht korrekt und dem Ausbildungsstand nicht angemessen!

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ANLEHNUNG – noch ein paar Worte

Im Grunde ist ANLEHNUNG ein stehender Begriff seit einigen Jahrhunderten. Schon bei de la Guérinière (* 8. Mai 1688; † 2. Juli 1751)  fand er seine Erwähnung (Appui). Dennoch ist es einer der am meisten diskutierten UND missverstandenen Begriffen in der Reiterei.

In der heutigen Zeit kommt erschwerend hinzu, dass man versucht „politisch korrekt“ zu formulieren und nicht müde wird, Anlehnung neu zu benennen. Das geht von  naheliegenden, aber unzutreffenden Umschreibung wie „Kontakt“ über bildsprachliche Begriffe bis hin zu fast mystisch verklärenden Umschreibungen.

Dabei ist alles eigentlich doch ganz einfach …

„ANLEHNUNG ist IMMER Druck auf die Laden des Pferdes. Dieser kann sehr sanft, kaum spürbar, aber auch sehr stark sein. Die Entscheidung über die Stärke des Drucks hat das Pferd!“

(Unterstellt, dass die Zügel in korrekter Grundposition gehalten werden)

Betrachtet man neuzeitliche Beschreibungen des Begriffs, so kann man feststellen, dass man immer von  einem hehren Idealzustand ausgeht. Dieser bedarf aber eines top ausgebildeten Pferdes und eines hochbefähigten Reiters mit einem völlig losgelassenen, ausbalancierten Sitz. Doch auch in dieser Konstellation ist dieser Idealzustand nicht ständig aufrecht zu erhalten.

Da das Pferd die Stärke des Drucks bestimmt – nimmt man die Aussagen der jeweiligen Reitlehre wirklich ernst – dann kann der Reiter nur den korrekten Rahmen liefern – die „stete Hand“ (stillstehende Hand) – an welchem sich das Pferd ausrichtet.

Da unterscheiden sich Baucher (exemplarisch) und die Deutschen Reitlehren der Vergangenheit (bis etwa 1930) im Grunde gar nicht soweit. Das Bauchersche „Main fixe“ ist eigentlich nichts anderes als die „stete Hand“, eben „stillstehende Hand“ der alter deutscher Lehren.

YOGA zeigt was ANLEHNUNG bedeutet

Trust-you-Horse - ANLEHNUNG und kein Ende

Eine liebe Reitschülerin und Freundin, die intensiv Yoga betreibt hat mir ein wunderschönes Bild zum Begriff ANLEHNUNG geliefert …

YOGA: Übt man im Yoga eine Gleichgewichtsübung, wie z.B. den „Yoga-Baum“ (Vrksasana) ein, dann nutzt man anfangs mitunter eine Wand, an die man sich (dezent) ANLEHNT. Die Stärke der Anlehnung bestimmt der Mensch.

PFERD: Für das Pferd ist das Gebiss die Wand an das es sich ANLEHNT! Wie stark es dies tut ist seine Entscheidung!

YOGA: Man löst sich langsam von der Wand und steht nun frei. In diesem Moment „trägt man sich selbst“, man befindet sich im Gleichgewicht. Es mag noch ein Hauch vom Kleidungsstoff die Wand berühren, dennoch steht man frei.

PFERD: Das Pferd zieht sich (minimal) vom Gebiss zurück, löst sich also von der Stütze und „trägt sich selber“, ist also im Gleichgewicht.

YOGA: Kommt man nun wieder aus dem Gleichgewicht, verliert man also die Balance, dann sucht man erneut den Kontakt mit der Wand, um sich wieder anzulehnen.

PFERD: Verliert das Pferd das Gleichgewicht, dann sucht es wieder die Stütze auf dem Gebiss, lehnt sich an.

Ein Wechselspiel, das sich sowohl beim YOGA als auch beim Pferd stetig wiederholt. Mit einem, durch Training verbessertem Gleichgewicht, lassen sich die Phase des „SELBER TRAGENS“ bei Mensch und Pferd immer weiter ausdehnen.

Während beim YOGA die Wand das stabilisierende Moment ist, so ist es beim Reiten die „stete Hand“ / „Main fixe“. Würde diese Wand/Hand die Bewegungen mitmachen, dann käme dies für den, der sich anlehnen möchte, dem Versuch gleich, sich auf einem Schiff bei hohem Seegang an eine Wand lehnen zu wollen. Ein Unterfangen, das im günstigsten Fall Unsicherheit beschert.

Betrachtet man dieses YOGA-Beispiel genau, dann wird man feststellen, das ANLEHNUNG ein völlig zurecht gebrauchter und korrekter Begriff ist. Ihn ersetzen zu wollen, auch beispielsweise durch die Worte „Kontakt“ oder „Berührung“ ist absolut unnötig und wenig zielführend.

Auch ein passiver, hingegebener Zügel, um Anlehnung „zu umgehen“, hilft dem Pferd nicht, im Gegenteil, er trägt zu dessen Verunsicherung, im Falle leichter Balanceverluste, bei.

Autor: Richard Vizethum
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Gleichgewicht Basis der Balance

Letzte Korrektur: 06.12.2017

Unter dem GLEICHGEWICHT im physikalischen Sinne versteht man die gleichmäßige Verteilung einer Masse im Stand auf die vorhandenen Stützflächen. Bei Lebewesen, in deren natürlicher Grunddisposition, wird dieses Ideal nicht erreicht. Es gilt aber: Je weniger Stützflächen vorhanden sind, desto näher kommt die Masseverteilung diesem Ideal.

In der Bewegung spricht man sinnvollerweise im günstigen Fall von einem kontrolliertem Ungleichgewicht, welches man auch treffend mit dem Begriff BALANCE umschreiben kann.

Trust-your-Horse - Gleichgewicht - Basis der Balance

Das Gleichgewicht stellt bei Lebewesen so etwas wie die Referenzgröße für dessen sensomotorisches System dar. Dieses System ist, vor allem dann, wenn das Lebewesen sich bewegt, bestrebt das jeweilige Lebewesen, an dieser Gleichgewichtsvorgabe ausrichtend, in der Balance zu halten.

In seiner natürlichen Disposition ist das Pferd weit von dem oben beschriebenen Gleichgewichtsideal entfernt. Zwei maßgebliche Faktoren tragen hier wesentlich dazu bei.

Zum einen die starke Vorhandüberlastung, welche es dem Fluchttier Pferd ermöglicht, hohe Geschwindigkeiten bei vergleichsweise geringem Energieeinsatz zu erreichen.

Zum anderen die „natürliche Biegung“ (ich vermeide die Begrifflichkeit „natürliche Schiefe“, denn diese vertauscht Ursache und Wirkung) oder Händigkeit des Pferdes. Dessen Ursache dürfte, mit einer hohen Wahrscheinlichkeit, mit der Lage des Fötus im Mutterleib in Zusammenhang stehen, also einen eher logistischen Grund haben.

Ein Pferd als Pferd ist in einem natürlichen Gleichgewicht

Dennoch spricht man auch beim Pferd von einem Gleichgewicht, einschränkend als „natürliches Gleichgewicht“ bezeichnet.
Für die Nutzung des Pferdes als Reitpferd allerdings ist dieses natürliche Gleichgewicht problematisch.

Einerseits begünstigten die Faktoren dieses Gleichgewichts die instinktiven Kräfte des Pferdes – gegen den Reiter. Dieser muss weit mehr „Hilfen“ zu deren Korrektur einsetzen – was wiederum das Pferd belästigt.

Andererseits sorgt das Gewicht des Reiters und dessen Masse für eine ungünstige Belastung der Struktur des Pferdes (Knochen, Muskeln …), was dessen Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Motivation in der Konstellation des natürlichen Gleichgewichts ungünstig beeinflusst.

Ein Pferd braucht man nicht in die Balance bringen, dass macht es von ganz allein. Man muss ihm nur das neue Gleichgewicht für ein Reitpferd vermitteln.

In jedem Abschnitt steigender Dressur erlangt das Pferd eine besondere Art von Gleichgewicht
(E.F. Seidler – 1837)

Trainingstechnisch gilt es nun ein „neues Gleichgewicht“ im Pferd zu etablieren. Dies geschieht dadurch, dass man bestehende Bewegungs- und Haltungsmuster durch häufiges Wiederholen von „neuen“ Bewegungsabläufen langsam verändert.

Gleichzeitig damit wird sich automatisch auch das sensomotorische System des Pferdes auf das veränderte Gleichgewicht einstellen und an dieser Referenz das Pferd neu ausbalancieren.

Zwei wesentliche Muster müssen dabei vorrangig „reprogrammiert“ werden:

  • Die „natürliche Biegung“: Das Pferd ist geradezurichten;
  • Die Vorhandüberlastung: Das Pferd ist verstärkt auf die Hinterhand umzulasten.

Autor: Richard Vizethum
Notiz zu „Die Grammatik des Reitens
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Mit einer Heuschnur zur feineren Hand

Wie fein sind Deine Hände, wie weich deren Kontakt mit dem Pferdemaul?
Wie „schwer“ fühlt sich dieses vermeindliche Mysterium „Anlehnung“ – jener beispielsweise in der „Richtlinie für Reiten und Fahren“ der „Deutschen Reiterlichen Vereinigung„, als „stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul“ beschriebene Kontakt – bei Deinem Pferd an?

Trust-your-Horse - Heuschnur als Zügelersatz lehrt feines Reiten

Die Verbindung zum Kopf des Pferdes wird über Zügel hergestellt, und die Machart der Zügel bestimmt darüber wie „sicher“ der Kontakt ist. So gibt es beispielsweise – gerne benutzt – geflochtene Zügel, Zügel mit Gummibezug und Antirutschauflagen oder schwere, breite Zügel (Westernreiten). Was haben alle diese Zügel gemeinsam?

SIE HELFEN DEM REITER UND SCHADEN DEM PFERD

Dem Reiter wird es leichter gemacht die Zügel fest- und mit ihnen gegenzuhalten. Mit solchen Zügeln ist man eher versucht, anstelle der Finger, die Arme einzusetzen und  deren Kraft ziehend zu nutzen.

Nun ist „…ziehen mit den Armen zur Beherrschung eines Pferdes ein Beweis für die Unfähigkeit des Reiters„, wie es Jean-Claude Racinet ausdrückte. Denn wenn man zieht wird das Pferd dagegenziehen (Druck erzeugt Gegendruck | Zug erzeugt Gegenzug).

Dabei wird der Schmerz den das Pferd empfindet seinen Widerstand gegen die Reiterhand größer und größer werden lassen. Und auch der Reiter wird sich anstrengen müssen. „Jetzt hab ich mir schon wieder ein paar Handschuhe mit den Zügeln durchgescheuert…!„, sind neben Muskelkater das Ergebnis einer Auseinandersetzung bei der Reiter und Pferd verlieren.

Feines Reiten sieht sowieso anders aus.

MIT HEUSCHNUR UND OHNE HANDSCHUHE

Verwende doch mal, anstelle der Zügel eine Heuschnur, in der Stärke wie sie bei kleinen Heuballen üblich ist und verzichtet auch auf die Handschuhe.

Jetzt wirst Du merken, WIE fein Deine Hand tatsächlich ist. Wo sonst oft die Muskelkraft des Reiters das „Gleichgewicht“ beim Pferd herstellt – verlangt der Schmerz in der Hand mehr Intelligenz. Diese Erkenntnis kann man gewinnen, unabhängig davon, ob das Pferd ein Mundstück trägt oder gebisslos geritten wird. Gerade bei mancher gebisslosen Zäumung wird man plötzlich eine überaus schmerzhafte Überraschung erleben.

Und so manch, vermeindlich feine Hand, wird plötzlich spüren, dass doch mehr Kilos anstehen als gedacht.

Eine Heuschnur als Zügelersatz und Hände ohne Handschuhe lehren Dich, Deine Hände bewusster und feiner einzusetzen – zum Wohle des Pferdes.

Sicherheitshinweis
Man kann gerne die regulären Zügel als „Reserve“ eingeschnallt lassen.

Autor: Richard Vizethum
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