Langer Rückenmuskel und Dehnung(shaltung)

Um auf das eigentliche Thema einzugehen ist es zunächst einmal erforderlich sich etwas genauer mit diesem größten BEWEGUNGSMUSKEL im Pferd auseinanderzusetzen.

Der LANGE RÜCKENMUSKEL (Musculus longissimus dorsi) gehört zu der tiefen Rumpfmuskulatur und besteht aus zwei paarigen langen Muskelsträngen, genauer aus hintereinander liegenden, verschmolzenen Segmenten. Anhand dieser Segmente wird er in verschiedene Bereiche unterteilt, die strukturell und funktionell alle miteinander verbunden sind und somit nicht näher definiert werden.

Trust-your-Horse - Langer Rückenmuskel und Dehnung(shaltung)
Bild mit freundlicher Genehmigung: © Marco Jentsch – zertifizierter Pferdethermograph

Er entspringt an den Dornfortsätzen des Kreuz- und Darmbein und überspannt von dort die komplette Wirbelsäule bis hin zum Kopf (siehe Bild). Er setzt an den Hilfs- und Querfortsätzen der Wirbel an, an den Rippenhöckerchen, am Atlasflügel sowie am Proc. mastoideus des Schläfenbeines.

FUNKTIONEN DES M. LONGISSIUMS

  • Strecken und Feststellen der Wirbelsäule,
  • er ist ein Heber von Hals und Kopf und ebenfalls maßgeblich an der Aufrichtung des Oberkörpers beteiligt
  • Halsbiegen (bei einseitiger Kontraktion)

Seine Länge, seine vielfältigen Andockpunkte und sein Funktionsumfang machen ihn zu einer sehr wichtigen Muskelstruktur im Pferdekörper.

Auch Udo Bürger unterstreicht in seinem Buch „Vollendete Reitkunst“ diesen Muskel als einen ausgesprochenen Bewegungsmuskel, „dessen Tätigkeit der Fortbewegung und der Festigung der Haltung in der Bewegung, nicht dem Tragen des Reitergewichts dient. Er hat durch den breiten Rückenmuskel Verbindung mit der Vorhand und über den großen Kruppenmuskel Verbindung mit der Hinterhand. Somit ist er in den Takt der Bewegung eingeschaltet und kann sich nicht isolieren“.

Nun wurde schon zweimal in diesem Text darauf abgehoben, dass der LANGE RÜCKENMUSKEL ein wichtiger BEWEGUNGSMUSKEL sei. Dies möchte ich an dieser Stelle etwas relativieren, dergestalt, dass es sich beim langen Rückenmuskel nicht um einen Bewegungsmuskel im engeren Sinne handelt, sondern er lediglich einen, wenn auch sehr wichtigen EINFLUSS AUF DIE BEWEGUNG HAT.

Im Weiteren aber trägt er auch zur Stabilisierung der Wirbelsäule bei, unterstützt damit in einem gewissen Sinne das Nacken-Rückenband.

Ein durch das Pferd willentliches oder reflexartig (unbewusstes) AN- besser gesagt VERSPANNEN oder FESTHALTEN dieser Muskelstruktur hat nicht nur direkten Einfluss auf die Bewegung, sondern auch indirekt, durch das „Versteifen“ der Wirbelsäule im Rückenbereich, verbunden mit einem – je nach Ausgangsposition – leichten Absenken bzw. Aufwölben dieser Rückenwirbelsäule.

Das Bestreben des Reiters muss es also sein diesen Muskel in seiner NEUTRALEN GRUNDSPANNUNG zu erhalten, ihn im Falle einer Verspannung zu LÖSEN.

AN DIESER STELLE BEKOMMT NUN VORWÄRTS-ABWÄRTS IM ALLGEMEINEN UND DIE DEHNUNGSHALTUNG IM BESONDEREN IHRE AUFMERKSAMKEIT

Dieses LÖSEN glaubt man nun insbesondere durch Vorwärts-Abwärts-Reiten auch in der Form der Dehnungshaltung erreichen zu wollen. Und hier sage ich ganz klar:

KANN NICHT FUNKTIONIEREN!

Um diese Muskelstruktur des Musculus longissimus dorsi dehnen bzw. strecken zu können bedarf es (flapsig ausgedrückt) etwas, über DAS ICH IHN DEHNEN kann. Und hier ist man – als zentrales Element – der Meinung: DER RÜCKEN. Zumal ja auch der lange Rückenmuskel auf den Querfortsätzen der Wirbelkörper „liegt“.

Dies würde aber bedeuten, man müsste die Skelettstruktur im Bereich des Rückens AUFWÖLBEN. Im Fall des Pferdes bedarf es dazu eines HEBELS, der dies ermöglicht und eines weiteren „Hilfsmittels“, welches die Aufwölbung unterstützt. Das „Mittel“ wäre vorhanden: Das NACKEN-RÜCKENBAND. Dieses ist ganz praktisch, denn es dockt mit Bandkappen an den Dornfortsätzen der Rückenwirbelsäule (Brustwirbel, Lendenwirbel …) an.

Sogar einen geeigneten Hebel hat man gefunden: Die langen Dornfortsätze des Widerrists, welche in ihrer Grundhaltung leicht nach hinten geneigt sind.

Wenn es also nun gelingt, diese langen Dornfortsätze AUFZURICHTEN, dann, so stellt man sich vor, würde dies zu einem AUFWÖLBEN des Rückens – durch das Nacken-RÜCKENBAND – führen.

ALSO DAS SCHEINT JA GANZ EINFACH UND KLINGT AUCH IRGENDWIE LOGISCH

Das Pferd muss sich nur nach vorne-unten DEHNEN und somit Zug auf das Nacken-Rückenband ausüben. Dieses wiederum würde die Dornfortsätze des Widerrists in eine aufrechtere Position ziehen und damit im Weiteren auch den Rücken anheben und somit die Möglichkeit schaffen, den langen Rückenmuskel zu dehnen.

SCHÖNE THEORIE

Doch schauen wir uns doch mal diesen „HEBEL“ etwas genauer an. Zwar stehen die Dornfortsätze relativ weit auseinander, jedoch die Wirbelkörper selbst stehen sehr eng, so das ein AUFFÄCHERN der Dornfortsätze des Widerrists, von denen man so oft spricht nur in einem sehr geringem Maße möglich ist und seine Begrenzung in den Möglichkeiten der Wirbelkörper finden – an denen auch noch die Rippen „anhängen“.

Da am Nacken-Rückenband das Pferdegewicht und natürlich auch das Reitergewicht maßgeblich hängen, ist es kaum vorstellbar, dass dieser minimale Hebel in der Lage ist, diese große Hebeleistung zu vollbringen.

Was er ja auch nicht tut – man muss nur genau hinsehen.

Dann ist dieser lange Rückenmuskel, wie der Name schon sagt, auch noch SEHR LANG, dies bedeutet, um überhaupt einen Dehnungseffekt zu erhalten, müsste sich der Rücken nicht ganz unerheblich aufwölben (ich übertreib mal ein bisschen: Modell „Katzenbuckel“). Aufgrund des schwachen Hebels kann er das aber nicht.

ERGO: Kein (wirkungsvolles) Dehnen!

Natürlich wird der lange Rückenmuskel auch etwas durch seine Andockpunkte an den Halswirbeln, beim Langmachen des Halses gedehnt, aber nur sehr geringgradig, außer vielleicht das Pferd würde sich mit großer Anstrengung nach einem Grashalm strecken (Scherz). Auch wäre die Wirkung dieser „Streckung“  begrenzt auf den  – wie gesagt schwachen – Hebel Widerrist.

Verlangt man dann noch die – der Dehnungshaltung eigene – konvexe Oberlinie, so findet auch kaum noch Dehnungsunterstützung durch die Andockpunkte an den Halswirbeln statt. Hinzu kommt noch der offene Genickwinkel – ein weiteres Charakteristika der Dehnungshaltung – der den langen Rückenmuskel hier sogar etwas lockert (nicht dehnt), da ein Befestigungspunkt das Schläfenbein ist, welches nun etwas nach hinten-unten geklappt ist.

UND DAS ALSO IST DER WEG WIE SICH DER MAINSTREAM VORSTELLT DEN RÜCKEN AUFZUWÖLBEN UND DAS PFERD IM FALLE EINES FALLES ZU LÖSEN …

Im Falle eines Falles“ trifft es übrigens. Es scheint wohl so zu sein, dass der größte Teil der Pferde gar nicht so locker im Bereich der langen Rückenmuskeln sind. Also quasi genügend Notwendigkeit für das LÖSEN über Dehnung gegeben wäre.

Da sollte man sich allerdings mal die Frage stellen, ob daran nicht vielleicht das Vorwärts-Abwärts-Reiten (incl. Dehnungshaltung) neben Haltungs- und weiteren Trainingsfehlern (falsches Aufrichten …), sowie reiterliche Emotionalität als mögliche Ursache für diese (Ver)spannungen in Frage käme.

Eine feste Rückenmuskulatur ist nämlich nicht üblich oder gar bedingt durch die Zucht oder was man sonst noch an Ausreden parat hat. Zumindest schaffe ich es, die Pferde die ich trainiere locker zu machen und zu erhalten – und das ohne DEHNUNGSHALTUNG.

NOCH EIN PAAR KLEINE HINWEISE ZUR DEHNUNG AUS DEM HUMANBEREICH
Bitte jetzt nicht einwenden, dass man Mensch und Pferd nicht vergleichen könnte – kann man doch!

  • DEHNUNG und MUSKELKATER: Beim Muskelkater handelt es sich um kleine Muskelfaserrisse. Dehnung könnte eher zu deren Verstärkung beitragen.
  • DEHNUNG und MUSKELBEWEGLICHKEIT: Krafttraining und Massagen haben ihr eine deutlich höhere Wirkung.
  • DEHNUNG und MUSKELLEISTUNG: Dehnung reduziert die Muskelleistung
  • DEHNUNG und KONTRAKTUREN: Keine signifikante Verbesserung von Kontrakturen durch Dehnung. Mehr Wirkung wird den begleitenden Therapien zugeschrieben.

UND ZUM ABSCHLUSS NOCH MAL EINE FRAGE ZUM NACHDENKEN

Habt ihr schon mal beobachtet WIE PFERDE IHRE RÜCKENMUSKELN LOCKERN?

Sollte jemand bis hierhin gelesen haben hat er meinen Respekt – TAPFER

QUELLANGABEN

  • [1] Eigene Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachtet
  • [2] Alice Sophie Würnschimmel – „Die Auswirkung verschiedener Kopf-Hals-Haltungen auf die Aktivität des Musculus longissimus dorsi beim Pferd“ – Bakkalaureatsarbeit im Studiengang Pferdewissenschaften der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Universität für Bodenkultur Wien – Wien, Mai 2015
  • [3] Udo Bürger – Vollendete Reitkunst – Paul Parey Verlag, Berlin und Hamburg – 1959 – 2. Auflage 1966 – Seite 189
  • [4] Marco Jentsch – Pferdethermographie „Musculus Longissimus – Langer Rückenmuskel“

aus Notizen zu „Reiten als schöne Kunst betrachet
Autor: Richard Vizethum
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(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
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Parkposition als Lösungsmittel

Aus meiner Sicht hat „Lösen“ sowohl eine körperliche als auch geistige Komponente und ist insbesondere nach herausfordernden und körperlich anspruchsvolleren Übungselementen sinnvoll und notwendig.

Trust-your-Horse - Parkposition als Lösungsmittel
(Bild: Oldenburger-Wallach „Luis“ | Besitzerin: Birgit Gottschalk in vorbildlicher Parkposition)

Körperlich sollte das Pferd sich strecken können, so dass die Wirbelkörper im Halsbereich und die Dornfortsätze, insbesondere am Widerrist, sich etwas „auffächern“.

Mental sollte das Pferd wieder zur Ruhe kommen. Diese geistige Entspannung beim Pferd, ist für mich eigentlich noch wichtiger, als der rein körperliche Aspekt.

DOCH, IST DAZU BEWEGUNG NOTWENDIG UND SINNVOLL?

Als Mittel des „Lösens“ wird nun sehr häufig das Vorwärts-/Abwärts-Reiten empfohlen. An dieser Stelle möchte ich nicht in die Diskussion darüber einsteigen, ob Vorwärts-/Abwärts grundsätzlich Sinn macht.

Ein Pferd mit einem Gewicht von 600 Kg bringt im STEHEN in barocker Aufrichtung etwa 56 Kg Gewicht mehr auf die Vorhand als auf die Hinterhand. In einer Vorwärts-/Abwärtsposition sind dies schon 90 Kg.

Im Stehen stellt diese Überlastungssituation für das Pferd kein Problem dar. Es kann dieses Gewicht gut mit den Vorderbeinen abstützen.

Vorwärts-/Abwärts-Reiten und Lösen?

Kommt dagegen Bewegung hinzu (Vorwärts-/Abwärts-Reiten), dann nimmt der Belastungsdruck auf die Vorhand erheblich zu.
Ein „Lösen“ mag nun zwar körperlich in der Oberlinie (Wirbelsäule) stattfinden, aber findet seinen negativen Widerhall in den Vorderbeinen und der Schulter.
Ergo, ein körperliches und geistiges „Lösen“ ist eingeschränkt.

Bei einer korrekten Dehnungshaltung, bei welcher sich das Pferd im Widerrist anheben muss, damit das Wort „korrekt“ seine Gültigkeit hat, der Hals sich mit einer konvex nach oben gewölbten Oberlinie und offenem Genick nach vorne strecken soll, kann man ebenso nicht von einem vollständigen „Lösen“ sprechen.

Denn diese Haltung in der Bewegung ist Arbeit für das Pferd! Auch ein „geistiges Lösen“ ist hier kaum zu erwarten.

LÖSEN IN PARKPOSITON

Weit besser ist, aus meiner Sicht, dagegen das „Lösen“ dann, wenn man die Bewegung weglässt und das Pferd sich im Stehen (gleichmäßig auf allen vier Füßen) mit der Nase in Richtung Boden strecken kann.

Dies hat drei Effekte, einen körperlichen und zwei geistige:

  1. Wirbelkörper und Dornfortsätze werden ausreichende „gelöst“ ohne großen Belastungsdruck auf die Vorderbeine und Schulter (körperlicher Aspekt)
  2. Das Pferd begibt sich in diese Position reell nur, wenn es sich entspannt und sich sicher fühlt. Es verbietet sich ein „Hintrainieren“ dieser Position (häufig im Westernreiten). Das Pferd muss diese Dehnung freiwillig einnehmen.
  3. Dieses Lösen in der Parkposition zeigt auch den Stresszustand des Pferdes an. Geht das Pferd, auch nach einer sehr anspruchsvollen Übung, unmittelbar, freiwillig und ruhig in diese Dehnungshaltung, dann hat es sich durch die Übung vorher wenig gestresst gefühlt. Tut es das nicht oder erst nach einiger Zeit, dann war die Übung vorher schon sehr – im günstigsten Fall – herausfordernd für das Pferd gewesen.

WIE GEHT MAN VOR?

Man hält das Pferd ruhig an, achtet dabei darauf, dass es auf allen vier Beinen gleichmäßig steht, also nicht in Schrittposition beispielsweise.

Dann bringt man das Pferd durch leichtes wechselseitiges Ausdrehen der Handgelenke, verbunden mit einem seitlich/vorwärts Herausstellen der jeweiligen Hand und Nachgeben des Zügels, zum Strecken. Dieses Signal („Du kannst Dich strecken!“) wird, sollte sich das Pferd nicht strecken, nur noch einmal wiederholt. Streckt sich das Pferd dann immer noch nicht, dann akzeptiert man dies und fordert nicht weiter. Wie gesagt, dass Pferd soll sich freiwillig strecken!

Diese Parkposition kann man durchaus einige Minuten andauern lassen, bevor man weiterarbeitet oder die Trainingseinheit beendet.

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VORWÄRTS-ABWÄRTS – ein paar Worte dazu

Auszug aus „Die Grammatik des Reitens“

Es wird immer wieder viel darüber diskutiert, welchen Beitrag das sogenannte „vorwärts-abwärts“ für das sinnvolle Training eines Pferdes hat. Ich möchte an dieser Stelle meine Sicht der Dinge darlegen.

Pferde als Bewegungs- und vor allem Fluchttiere sind auf eine hohe Fluchtgeschwindigkeit angewiesen. Aus diesem Grund kam es bei ihnen im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte zu einem körperlichen Umbau, der eine vermehrte Lastaufnahme auf die Vorhand mit sich brachte. Durch diese Lastverteilung nach vorne erreichen sie eine höhere Laufgeschwindigkeit.

PFERDE BEVORZUGEN DIE VORHAND

Grundsätzlich werden Pferde immer versuchen verstärkt auf die Vorhand zu kommen, denn neben dem Geschwindigkeitsaspekt, ist für Pferde, als energiesparende Lebewesen, die Nutzung der Vorhand energieeffizienter als eine vermehrte Nutzung der Hinterhand. Die Struktur der Hinterhand fordert bei verstärkter Beugung der Gelenke deutlich mehr Energie, als die vergleichsweise einfache Struktur der Vorhand.

Damit wir aber, wenn wir das Pferd zum Reitpferd ausbilden wollen, dieses auch über sehr lange Zeit gesund und leistungsbereit erhalten, ist eine verstärkte Nutzung der weit belastbareren Hinterhand unabdingbar.

Des Weiteren müssen bei einem Reitpferd vermehrt Muskelgruppen trainiert werden, welche es als Pferd nicht zwingend explizit trainiert, die wir aber bei ihm als Reitpferd benötigen. Als Beispiel sei der Trapezmuskel, jenes kleine Dreieck unterhalb des Widerrists genannt. Gerade dort findet man bei vielen Pferden eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Kuhle, welche in Verbindung mit nicht durchgezogen konvex geschwungener Oberhalslinie, ein Zeichen dafür ist, dass das Pferd sich nicht „selber trägt„.

Gerade bei Pferden, welche häufig (im Wortsinn) „vorwärts-abwärts“ geritten werden, findet man derartige Muskeldefizite. Welche sich dann noch – und das sei nicht unerwähnt – durch den Sattel verstärken.

VORWÄRTS-ABWÄRTS DAS NATÜRLICHE BESTREBEN DES PFERDES

Selbst wenn das Pferd vermehrt gelernt hat, sich im Widerrist anzuheben und auf die Hinterhand zu setzten, so wird es dennoch immer wieder instinktiv das Bestreben haben auf die Vorhand zu kommen um sich zu „entlasten“ und Energie zu sparen.

Lässt man nun also sein Pferd vermehrt und auch noch längere Strecken „vorwärts-abwärts“ gehen, so kommt das dem natürlichen Wunsch des Pferdes, vermehrt die Vorhand zu belasten, mit all den schädlichen Folgen für ein Reitpferd, deutlich entgegen.

Das, was man meist als „vorwärts-abwärts“ zu sehen bekommt – und dazu zähle ich auch das in der Westernreiterei immer stärker gewünschte Bild eines Pferdes mit der Nase knapp über Boden – ist der dauerhaften Gesunderhaltung des Pferdes massiv abträglich.

Das man durch vermehrtes Aktivieren der Hinterhand, trotz tiefer Kopfeinstellung, den Rücken anheben kann und das Pferd sich „selber trägt“, ist ein Mythos, der physikalisch nicht haltbar ist!

DIE ALTEN MEISTER UND VORWÄRTS-ABWÄRTS

Zieht man auf der Suche nach dem Ursprung des Vorwärts-Abwärts die „alten Meister“ zu Rate, so kann man feststellen, das diese beim Anreiten (z.B. Steinbrecht) oder zum Zwecke der Korrektur eines Pferdes so etwas ähnliches wie Vorwärts-Abwärts durchführten – allerdings mit dem deutlichen Schwerpunkt VORWÄRTS.

Dazu wurde das Gewicht des Pferdes etwas mehr in Richtung Schultern verlegten. Hals und Kopf wurden dabei in einer „natürlichen Haltung“ belassen. Das Pferd sollte sich an das Gebiss „herandehnen“, wobei man durchaus bestrebt war „volle Anlehnung zu gewinnen“ Dies beschreibt Steinbrecht wie folgt: „Der Reiter führe daher die Zügel verhältnismäßig kurz …“. Dabei soll der Reiter nicht die Anlehnung suchen, sondern er soll darauf warten, bis das Pferd “ sie [die Anlehnung] infolge der vortreibenden Hilfen und des dadurch bewirkten Streckens des Halses an das Gebiss von selbst nimmt“ [1].

Ein wesentlicher weiterer Aspekt einer ETWAS tieferen Einstellung von Hals und Kopf des Pferdes diente dem Zwecke der BIEGUNG (Seuning, Seeger …). Mit dem Mittel der Biegung wurde zum einen am GERADERICHTEN des Pferdes gearbeitet und zum anderen um Spannungen und Verspannungen (Korrektur) bei diesem aufzulösen.

Bei diesem Begriff muss man allerdings sehr vorsichtig sein, denn es handelt sich dabei nur im geringen Maße um eine laterale Biegung, sondern mehr noch um das Beugen (biegen) der Hinterhand, sowie das Aufrichten und Beizäumen!

Weiterlesen:
Wiedereinmal Vorwärts-Abwärts
Vorwärts-Abwärts und kein Ende

[1] Steinbrecht – Gymnasium des Pferdes – S.70

Autor: Richard Vizethum
Notiz zu „Die Grammatik des Reitens
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