RELATIVE vs. ABSOLUTE Aufrichtung – ein paar Worte dazu

Letzte Korrektur: 20.12.2017

Das man Aufrichtung – wiederum erst in der Neuzeit – differenziert in RELATIVE und ABSOLUTE Aufrichtung liegt zu einem Teil sicherlich erneut an falschen Bildern, die man so im reiterlichen Kopf mit sich herumschleppt. Es gibt aber auch noch etwas dazwischen!

In der Vergangenheit gab es nur DIE AUFRICHTUNG und, so man korrektes Ausbilden und feines Reiten für sich reklamieren wollte, nur in Verbindung mit dem Herbeinehmen der Nase des Pferdes, also BEIZÄUMUNG.

Trust-your-Horse - relative vs absolute Aufrichtung

Beide Elemente, Aufrichtung und Beizäumung, wurden stufenweise DURCH DIE HAND (also nach heutiger Redensart ABSOLUT) erarbeitet und – in Preußen – auf TRENSE (lange bevor Baucher diese als non plus ultra für sich entdeckt hatte). Die Kandare in dieser Phase zur Anwendung zu bringen (was ja auch vorkam) zeugte nur von sehr geringem Sachverstand.

Dabei wurde darauf geachtet, dass man immer nur so viel an Aufrichtung dazu nahm, wie der aktuelle Status des Pferdes dies zuließ, ohne das, das Pferd dabei den Rücken deutlich unter die Horizontallinie der Rückenwirbelsäule wegdrückte. Der Rücken des Pferdes darf sich nur soweit absenken, dass die Rückenmuskulatur jene Spannung erreicht, unter der es überhaupt einen Beitrag zum Gewichtstragen leisten kann (also geringgradig unter der Horizontallinie).

Auch hier sei nochmal erwähnt, dass mit angehobenen Rücken das Pferd NICHT in der Lage ist muskelunterstützt zu tragen!

Bei dieser Form der Aufrichtung, die zunächst im Stehen durchgeführt wird und welche ich schon sehr lange so praktiziere und zu meinem Leidwesen (in den letzten Monaten) erkennen musste, dass dies die Preußen weit vor mir so gemacht haben (macht demütig), soll auch die Hinterhand noch keinen Beitrag leisten, es wird also NOCH keine Hankenbeugung angestrebt oder erwartet (nur bei den Abkürzungsreitern, gab es dieses problematische Vorgehen auch damals schon!)! Denn die Hinterhand ist dazu noch nicht seriös in der Lage und man würde nur Widerstände beim Pferd produzieren, dort wo man gerade bestrebt ist einen anderen Hauptwiderstand (Genick) aufzulösen.

Mit höher werdender Aufrichtung wird der Widerrist immer stärker in die Aufrichtung involviert, der Rücken und die Hinterhand erst langsam und in Folge dieser Aktivitäten eingebunden werden. Denn die Hinterhand ist es letztendlich, die das Pferd vorne leicht erhalten soll – gleichwohl die Pferde davor schon durch das Aufrichten und Beizäumen LEICHT (wahrhaftig LEICHT!) sind!

Dieses Aufrichten im Stehen und zum Teil bereits in der Bewegung, geht bis zu einer fast senkrecht Stellung des Halses (siehe Reiterstandbild von Friedrich II „Unter den Linden“ in Berlin). Damit dies möglich wird, ist bei der Beizäumung auch so einiges zu beachten. So muss, um diese dem Pferd angenehm zu machen, die Ohrspeicheldrüse und die damit in Verbindung stehende Muskulatur weich gemacht werden (Graduell mit der Aufrichtung) und der Arm-Kopf-Muskel (in Aufrichtung) GEDEHNT werden!
Diese Aktivitäten fallen unter Kunst – denn es sind keine einfachen Arbeiten und diese müssen mit sehr viel Vorsicht geschehen!

Nach heutiger Redensart würde man hier also eine ABSOLUTE Aufrichtung vermuten dürfen.

Allerdings sei erwähnt, dass man bei dieser Form der stufenweisen Aufrichtung das Pferd NIE mit Hilfe der Hand in der zugewiesenen Kopf-/Halsposition erhalten darf! So gesehen entspricht es nicht ganz dem, was man unter ABSOLUTER Aufrichtung versteht.

Bei dieser (hohen) Aufrichtung und Beizäumung findet eine tatsächliche Gewichtsverschiebung nach hinten statt, die sonst in diesem Maße NICHT erreicht werden kann – „relativ“ ist dies KAUM MÖGLICH!

Wichtig dabei ist es die Möglichkeiten des Pferdes zu beachten. Dicke und Länge des Halses, Ganaschen-Freiheit etc. Die Aufrichtung und Beizäumung hat darin ihre Limitierung – gleichwohl mehr geht als man oft geneigt ist anzunehmen. So kann durch die „Bearbeitung“ der Ohrspeicheldrüse und der Dehnung des Unterhalses deutlich Ganaschenfreiheit gewonnen werden.

Manche Pferderassen wie beispielsweise Spanische Pferde oder Friesen bringen schon sehr viel „Haltung“ („Haltung wird hier nicht verstanden als höchste Stufe des GLEICHGEWICHTS) mit, welche man nur zu erhalten und etwas zu „verbessern“ braucht. Bei diesen Pferden ist die Erarbeitung von Aufrichtung/Beizäumung KEINE so große Kunst (nicht abwertend gemeint)! Auch bietet diese ihre „natürliche Haltung“ etwas mehr die Chance für eine weitgehende RELATIVE Aufrichtung.

Das was wir heute unter Dressurhaltung sehen, wird KAUM durch „RELATIVE AUFRICHTUNG“ erreicht – obwohl das Ansinnen im Grundansatz ja richtig ist. Da kommt schon mal die Hand durchaus (stark) stützend zum Einsatz. Insbesondere dann, wenn man die Pferde davor im Vorwärts-Abwärts (muskulär) in „Grund und Boden“ geritten hat. Trotz optischer Aufrichtung laufen die Pferde vermehrt auf der Vorhand.

Es findet dabei somit auch KEINE signifikante GEWICHTSVERSCHIEBUNG in Richtung Hinterhand statt, auch nicht bei der heutigen Form von „Hankenbeugung“, Bei einer korrekten Hankenbeugung müssen sowohl das Hangbein ALS AUCH das Stützbein gebeugt sein und ein Entbinden der Schultern durch Anheben des Widerrist stattfinden! Eine derartig korrekte Hankenbeugung ist heute kaum noch zu sehen.

Die sogenannte „RELATIVE Aufrichtung“ setzt voraus, dass der Bewegungsdruck der Hinterhand nach Vorwärts-AUFWÄRTS fließen kann und so das Pferd (gewichtstechnisch) aus der Reiterhand mehr und mehr heraushebt. Reine Physik! Dazu muss aber das Pferd – im Minimum – bereits in der sogenannten „Gebrauchshaltung“ (Nase über Hüftgelenk) gehen, damit überhaupt eine Chance bestünde es, durch Motivation der Hinterhand bei gleichzeitig passiver Reiterhand, noch etwas weiter – RELATIV – aufzurichten. Auch ist man vom Willen und der Bereitschaft des Pferdes abhängig dies überhaupt tun zu wollen. Wäre das Pferd, wie oben beschrieben, darauf VORBEREITET WORDEN, dann ginge das!

Wurde nun aber das Pferd VORWÄRTS-ABWÄRTS oder noch schlimmer „in die (falsch verstandene) TIEFE“ der „Jagdhundschnüfflerfakultät“ geritten – wobei man dieses falsch verstandene Ziel dann auch oft noch, völlig unseriös, unter Zuhilfenahme von Hilfsmittel zu erreichen versucht – dann wird das Pferd diesen Willensbeitrag kaum leisten wollen bzw. leisten können und weiter mit der Tendenz Vorwärts-ABWÄRTS in die Reiterhand gehen. Es wird diesen Beitrag auch dann nicht wirklich leisten können, wenn man es in der sogenannten „korrekten Dehnungshaltung“ gearbeitet hat – denn auch hier ist die Tendenz „Vorwärts-Abwärts“.

Auch EIN Grund, warum man ROLLKUR reitet! Zwingt man das Pferd lange genug in diese Position, dann wird es sich, lässt man es etwas raus, versuchen aufrichten. Dies ist dann natürlich KEINE reelle Aufrichtung – da sind wir uns sicher alle einig! Bloß auch dieser Zusammenhang wird meist nicht so gesehen. Hätte man kein so intensives V/A zelebriert, dann wäre auch Rollkur keine „zwingende Notwendigkeit“, auch nicht für diese, mit nur begrenzten reiterlichen Fähigkeiten ausgestatteten Rollkur-Reiter. Auch der Aspekt KONTROLLE, der (zu Recht) als Begründung für Rollkur genannt wird, würde nicht mehr indem Maße bedeutend sein.

In eine Dressurhaltung mit höherer Aufrichtung, wie man sie durchaus noch vor über 50 Jahren sehen konnte, bekommt man kaum ein Pferd durch eine RELATIVE Aufrichtung. Zumal man ja erwartet, dass sich diese Aufrichtung mit der Zeit von selbst ergibt („Diese Hals- u. Aufrichtungsformen ergeben sich bei richtiger Ausbildung von selbst“ [1]) Hier musste auch die Hand bis zu einem gewissen Grad aufrichtend – ABER NICHT OBEN HALTEND – nachhelfen.

Auch die D.V.E. 12 von 1912 gibt einen ähnlichen Hinweis:

Der für eine sichere Hebelwirkung auf die Hinterhand erforderliche Grad der Aufrichtung [relative – Anm.d.Red] des Halses wird indessen nur bei Pferden mit besonders günstigem Gebäude lediglich dadurch erreicht werden, daß die Hinterhand bei passivem Verhalten der Hände durch Biegung niedriger wird. Wo dagegen Widerstände im Genick und in den Ganaschen [und in den Hanken – Anm.d.Red.] zu beseitigen sind, vermag der Reiter die nötige Aufrichtung nur unter aktiver Mitwirkung der Hände in Übereinstimmung mit den übrigen Hilfen zu erzielen.“ [2]

Leider ist man heute soweit, dass man in der „ABSOLUTEN Aufrichtung“ eine Form der Aufrichtung sieht, in der der Reiter Kopf und Hals des Pferdes anhebt UND „trägt“ und der Rücken, spannig weggedrückt, in seiner Bewegung beeinträchtigt ist. Gut, das sieht man durchaus sehr oft, eine solche Form der Aufrichtung hat aber nichts mit einer korrekten Aufrichtung zu tun!

Nochmal sei erwähnt, dass es in der Vergangenheit, damals, als man noch REITEN konnte, eine Unterscheidung RELATIVE vs. ABSOLUT nicht gab und der allergrößte Teil der Erarbeitung von Aufrichtung nach heutiger Terminologie ABSOLUT war – ohne allerdings – was natürlich absolut (Wortspiel) FALSCH ist – Hals und Kopf des Pferdes durch die Reiterhände zu tragen!

Quelleangaben:

  • [1] Richtlinie für Reiten und Fahren der Deutschen Reiterlichen Vereinigung – Band 1 Ausgabe 1994 – Seite 184
  • [2] Reitvorschrift D.V.E. Nr. 12 von 29. Juni 1912 – Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn – Seite 187
  • [3] E.F. Seidler – 1846 – „Die Dressur diffizieler Pferde“ – Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn

Autor: Richard Vizethum
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VORWÄRTS-ABWÄRTS und (k)ein Ende

Nach einigen kritischen Posts auf Facebook habe ich mir noch einmal (zum wiederholten Male) die Reitvorschriften D.V.E. Nr. 12 von 1912 und H.Dv. Nr. 12 von 1937 angesehen um näher an den Ursprung des Vorwärts-Abwärts heranzukommen.

Folgende Erkenntnisse

Zunächst gilt festzustellen, dass das Vorwärts-Abwärts, so wie wir es heute kennen, in KEINER der beiden Reitvorschriften beschrieben steht, weder in der Form, noch der neuzeitlichen, sehr intensiven Nutzung bei Pferden jeden Ausbildungsstandes!

Des Weiteren ist festzuhalten, dass immer dann wenn in den Reitvorschriften von Vorwärts-Abwärts gesprochen wurde, sich dies auf die Nase des Pferdes bezog („mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“). Dies ist eine durchaus bedeutsame Feststellung, denn aus dieser Formulierung kann nicht zwingend eine tiefe Halshaltung abgeleitet werden.

Die Varianten

Folgende „Varianten“, bei denen die Nase des Pferdes tiefer als bei der Gebrauchshaltung kommt, wurden – vor allem in der H.Dv. Nr. 12 von 1937 – erwähnt.

  • am (völlig) hingegebenen Zügel
  • am langen Zügel (Schritt)
  • die Zügel aus der Hand kauen lassen (in allen Gangarten)
  • das Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase
  • Anlehnung in die Tiefe (D.V.E. Nr. 12 von 1912)

Im Wesentlichen kamen alle diese „Varianten“ ausschließlich bei der Ausbildung von Remonten oder bei der Korrektur von Pferden zum Einsatz. Die einzige Ausnahme stellte das „die Zügel aus der Hand kauen lassen“ dar. Diese wurde immer wieder, auch beim fertig ausgebildeten Pferd zum Zwecke der Verprobung der Losgelassenheit eingesetzt.

Am hingegebenen Zügel

 „Die jungen Remonten sind zunächst so lange im Schritt mit vollkommen hingegebenen Zügeln zu reiten, bis der Schritt ganz ruhig, raumgreifend und gleichmäßig ist. Erst dann kann eine geringe Anlehnung angestrebt werden“ (H.Dv. Nr. 12 – Seite 141)

Dabei strecken die Pferde die Nase weiter nach vorne und haben natürlich auch die Möglichkeit in die „Tiefe“ (i.d.R. nicht tiefer als Hüftgelenk) zu gehen. Diese Phase war vergleichsweise kurz und man begann danach erste Anlehnung anzustreben (siehe „Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“).

Unabhängig von dieser ersten Phase wurde diese Vorgehensweise (am „hingegebenen Zügel“) in den ersten Monaten der Ausbildung einer Remonte immer wieder einmal durchgeführt. Zum Ende dieser ersten Monate sogar im Arbeitsgalopp.

Dieser Hinweis wurde aus dem „Ausbildungsplan für junge Remonten“ der H.Dv. Nr. 12 von 1937  entnommen. Im eigentlichen Regelwerk findet sich kein Hinweis oder genaue Beschreibung für einen „hingegebenen Zügel“ und dessen Nutzen insbesondere in Verbindung mit dem Arbeitsgalopp. Zumindest habe ich keinen gefunden. Es ist aber davon auszugehen, dass auch dadurch die Losgelassenheit der Remonten festgestellt werden sollte und dass dies nur in kurzen Reprisen durchgeführt wurde.

Am langen Zügel

Im Gegensatz zum „hingegebenen Zügel“ besteht beim „langen Zügel“ Kontakt („Anlehnung“) mit dem Pferdemaul.
Laut Ausbildungsplan und auch in Hinweisen im eigentlichen Regelwerk wurde dieser nur im Schritt zur Anwendung gebracht.

Trust-your-Horse Am langen Zügel
(Bild: Losgelassenheit im freien Schritt am langen Zügel)

Auf diesem Bild sieht man, dass das Pferd dabei, in seiner „natürlichen Haltung“ gehend, das Genick deutlich über Widerristhöhe trägt. Der Schritt dürfte ein sogenannter „Feldschritt“ sein, dass Pferd zieht dabei vermehrt nach vorne und kann so auch mit seiner Nase unterhalb der Hüftgelenkshöhe kommen.

Zügel aus der Hand kauen lassen

Das, „Zügel aus der Hand kauen lassen“, wurde in jeder Ausbildungsstufe des Pferdes zur Verprobung der Losgelassenheit gefordert.
„Das Pferd muss dabei mit nach vorne gedehntem Halse, die Kammlinie leicht nach oben gewölbt und vorwärts-abwärts gerichteter Nase völlig entspannt dahingehen und darf nicht eiliger treten.“

Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase

Diese Vorgehensweise der H.Dv. Nr. 12 von 1937 entspricht der „Anlehnung in die Tiefe“ der D.V.E. Nr. 12 von 1912.

Auch wenn – insbesondere die Begrifflichkeit der D.V.E. Nr. 12 von 1912 – suggeriert, dass das Pferd im Hals und Kopf sehr tief eingestellt worden wäre, ist festzustellen, das dem nicht so ist (siehe Bild aus der D.V.E. Nr. 12 von 1912 – dies entspricht der „Anlehnung in die Tiefe“). Der Remonte trug dabei Kopf und Hals in einer „natürlichen Haltung“.

Trust-your-Horse - Anlehnung in die Tiefe 1912

Für Steinbrecht wäre diese Einstellung wahrscheinlich schon zu tief gewesen. Er forderte die Zügel schon beim ersten Anreiten „kürzer“ zu fassen und erwartete schnell VOLLE Anlehnung. Diese beiden Sachverhalte führen in der Regel zu einer etwas höheren Einstellung der Pferdenase.

ZWISCHENFAZIT

Von all den erwähnten Varianten dürfte nur das „Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“ respektive die „Anlehnung in die Tiefe“ unter dem subsummiert werden, was man Heute als Vorwärts-Abwärts bezeichnet.

Zum Einsatz kam diese Vorgehensweise („Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“) AUSSCHLIESSLICH bei Remonten und Korrekturpferden!

Kurt Albrecht von Ziegner merkte hierzu an:

„Junge Pferde, die ihren Rücken nicht korrekt einsetzen, müssen ‚vorwärts-abwärts‘ geritten werden, damit sie die notwendige Muskulatur entwickeln können. Hat das Pferd jedoch gelernt, den Reiter bei steter Verbindung zur Reiterhand problemlos zu tragen, wäre es FALSCH, in dieser Weise (vorwärts-abwärts) weiterzureiten. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, vom Pferd ein verstärktes Untertreten der Hinterhand zu fordern, wodurch es sich vorne etwas mehr aufrichtet, da wir unsere Pferde nicht unnötigerweise ‚auf der Vorhand‘ reiten wollen!“

GESTERN und HEUTE

Vergleicht man die Ausführungen der damaligen Zeit mit denen der Neuzeit (ab den 1960er Jahren), dann lässt sich bezogen auf HEUTE Folgendes feststellen:

  1. „Vorwärts-Abwärts“ kommt nicht nur bei Remonten oder Korrekturpferden zum Einsatz, sondern ist generelles Mittel der Ausbildung geworden. Ein Ziel jeder Ausbildung eines Pferdes muss es sein, dass Pferd vermehrt auf die Hinterhand zu setzen. Nach der „Vorwärts-Abwärts-Arbeit“ mit Remonten ging man damals relativ schnell dazu über, die Pferde in Richtung Hinterhand auszubilden und „Vorwärts-Abwärts“ war obsolet (Ausnahme: Zum Zwecke der Korrektur).
  2. Anstelle von meist kurzen Reprisen werden heute lange Passagen im „Vorwärts-Abwärts“ geritten.
  3. Die Pferde sind zu einem großen Teil viel tiefer eingestellt als damals. Früher gingen die REMONTEN in GERINGER ANLEHNUNG nicht tiefer mit der Nase als max. Buggelenk (normal Hüftgelenk) und das nur, weil man sie noch in ihrer „natürlichen Haltung“ belassen wollte, damit sie sich an die neue Belastung durch den Reiter gewöhnen konnten.
  4. „Vorwärts-Abwärts“ wird in der heutigen Zeit zu einem sinnlosen Showeffekt degradiert (Westernreiten). Während in den Dienstvorschriften das „Vorwärts-Abwärts“ im Zusammenhang mit Remonten und Korrekturpferden (das sei nochmals erwähnt) und in der Art wie es geritten wurde, Sinn gemacht hatte, ist die zum Teil extrem tiefe Einstellung von Hals und Kopf bei Westernpferden absolut sinnfrei!

Wenn man dabei von einem „falsch interpretierten Vorwärts-Abwärts“ spricht, dann sind dies genau diese Punkte!

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