Faverot de Kerbrech (François Nicolas Guy Napoléon )

* 24. Februar 1837 in Caudan
† 21. Dezember 1905 in Paris

Als Capitaine war Faverot de Kerbrech in den 1860er Jahren einer von Bauchers bevorzugten Schülern.
Als solcher hat er wohl am meisten dazu beigetragen, dessen Lehre der Nachwelt weiterzugeben. „Die systematische Ausbildung des Reitpferdes“ von 1891 gilt bei manchem Experten als die präziseste Darstellung der letzten Forschungsergebnisse und -einsichten von Baucher, als das klarste Exposé von Theorie und Praxis seiner „Zweiten Manier„.Trust-your-Horse - Faverot de Kerbrech

Dem mag ich so nicht ganz zustimmen.

Nimmt man die letzte von Baucher selbst verfasste 13. Auflage seiner Methode (1864) als Maßstab, so mag das durchaus zutreffen. Doch das Baucher ab 1864 alle Pferde nur noch auf Trense gearbeitet hat und diese Ausschließlichkeit mit Sicherheit auch bei den Flexionsübungen zur Anwendung kam (s. Rul – „Der Aufbau der systematischen Ausbildung des Kavalleriepferdes„) fand keine Würdigung bei Faverot de Kerbrech.

Dagegen hat man diese „Weiterentwicklung“ der Abkau- und Biegeübungen, möglicherweise aus anderen Gründen oder ebenso konsequent gedacht, etwas verändert, in die H.Dv. 12 von 1937 aufgenommen.

LEHRER von Faverot de Kerbrech

SCHÜLER von Faverot de Kerbrech

  • Étienne Beudant | 1863 – 1949 | Hier gibt es allerdings widersprüchliche Angaben ob dem Sachverhalt, das Beudant tatsächlich ein Schüler von de Kerbrech war oder nicht.

VERÖFFENTLICHUNGEN von Faverot de Kerbrech

Quellen

  • François Baucher – Enfant terrible oder Genie | Jean-Claude Racinet | Olms-Verlag | 2009
  • Die systematische Ausbildung des Reitpferdes | Faverot de Kerbrech | Bestandteil von „Schulpferd und Gebrauchspferd“ | Cadmos-Verlag
  • Der Aufbau der sytematischen Ausbildung des Kavalleriepferdes | Louis Joseph Gabriel Rul | Bestandteil von „Schulpferd und Gebrauchspferd“ | Cadmos-Verlag
  • Schulpferd und Gebrauchspferd | Cadmos-Verlag
  • H.Dv. 12 (Ausgabe von 1937) | Seite 100 | „Abkau und Biegeübungen an der Hand

Autor: Richard Vizethum
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François Baucher

* 16. Juni 1796 in Versailles – Rue de Boucheries;
† 14. März 1873 in Paris

François Baucher war einer der genialsten und auch bis heute am meisten umstrittenen Reitmeister aller Zeiten. Er vervollständigte und erneuerte die Grundideen der französichen Tradition des Reitens in Légèreté und prägte damit die Reitkultur seines Landes aber auch weit darüber hinaus, so stark wie kaum ein anderer vor ihm.

Sein System überdachte Baucher unermüdlich forschend immer wieder neu und revidierte es, wo nötig. Gegen Ende seines Lebens hatte er damit eine Lehre – mehr oder weniger aus sich selbst heraus – erarbeitet, die auf der artgerechten Behandlung des Pferdes und dem reiterlich verantwortunsgsbewussten Umgang mit ihm basierte und damit allen Reitern und Pferden gerecht werden konnte.

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Eine Klassifizierung seiner Methode in eine sogenanne 1. und 2. Manier, wie es heute gerne geschieht um die Entwicklung seiner Reitlehre darzustellen, ist schlicht falsch, und wird dem wahren Weg, einem Weg des ständigen Nachdenkens, Experimentierens und Veränderns, in keiner Weise gerecht. Bis auf seinem Sterbebett hat Baucher weitergedacht. Nur leider konnte er diese Erkenntnisse – altersbedingt – selbst nichts mehr weitergeben. Er sah es als die Aufgabe derjenigen an, die unter seiner direkten Leitung gelernt hatten, wie beispielsweise  Faverot de Kerbrech, Rul, Boisgilbert oder l´Hotte, diese „letzten“ Gedanken der Nachwelt zu erhalten und als Lehrer weiter zu verbreiten.

Im März 1855, im „Cirque Napoléon“, wurde Baucher Opfer eines schrecklichen Unfalls. Es geschah eines Nachmittags. Als er den Fuß in den Bügel setzte, um eine junge Stute zu besteigen, die er ausbildete, fiel ein riesiger Gasleuchter herab. Die Stute machte sich bei dem Krach frei und floh, aber Baucher geriet unter den Lüster.
Wie durch ein Wunder wurde der Kopf nicht erfasst, aber der Brustkorb, die Nieren, das linke Bein wurden grausam gequetscht, und das rechte Bein brach nahe am Fuß. Nach diesem Unfall ist Baucher nie mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten, aber konnte wieder reiten und dann und wann in Paris Kurse abhalten.

Ab dem Jahre 1864 ritt Baucher, der die Kandare ohne Kinnkette entwickelt hatte, seine Pferde nur noch ausschließlich auf Trense gezäumt (Maxim Gaussen bemerkte bereits 1840 in einem Vorwort zu Passe-Temps Equestres, dass Baucher alle seine Pferde auf einfacher Trense arbeitete würde).
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Seine große Bewunderung für diese Gebissform brachte er noch auf dem Sterbebett (28. Februar 1873) gegenüber seinem Schüler l´Hotte zum Ausdruck: „Sehen Sie, die Trense hat so viel Möglichkeiten. Setzen Sie sie folgerichtig ein, Sie werden sehen, sie steckt voller Schönheiten. Wenn die Widersetzlichkeit von oben, unten, rechts oder links kommt, immer liefert die Trense das Mittel, sie zu beherrschen„. Diese Ansicht teile ich persönlich voll und ganz.

Ganz besonders in seinen letzten Lebensabschnitten bestand Baucher auf einfachsten Bewegungen und deren Vollkommenheit „Einst fing ich sofort mit komplizierten Bewegungen an. Heute veranschlage ich sechs Monate, um meinen Pferde zum Geradegehen und zum sauberen Wenden zu bringen„.

Im Jahre 1870, im Alter von 74 Jahren hörte Baucher mit dem Reiten auf.

Auch wenn Baucher im Zirkus auftrat, im Übrigen in der damaligen Zeit der einzige Ort, an dem Reiter ihr Können vorführen konnten, war er doch kein Mann des Publikums gewesen.
General l´Hotte schrieb: „So blieb er Abends, wenn er aufzutreten hatte, nicht minder seiner Kunst verhaftet, wie des Morgens, wenn er alleine ritt. Sein gesenktes Haupt bewahrte einen nachdenlichen Ausdruck, und wenig gab er auf die Feststellungen, die über seinen Sitz gemacht wurden„.

LEHRER von Baucher

Hierüber gibt es wenige Angaben.

  • Bauchers Onkel der den Marstall des Prinzen Bourghese in Mailand leitete und bei dem Baucher in die Lehre ging.
  • Federigo Mazzuchelli | * 1760; † 1830 | Gilt als Erfinder der Doppellongearbeit. Baucher lernt ihn in seiner Zeit in Mailand (ca. 1810-1814) kennen, und erlernte dort die Pilaren- und Handarbeit.

SCHÜLER von Baucher

  • General Alexis l´Hotte | * 25. März 1825; † 03. Februar 1904 | …
  • General Faverot de Kerbrech | * 1837 – † 1905 | Als Capitaine war er in den 1860er Jahren einer von Bauchers bevorzugten Schülern. Lehrer u.a. (indirekt) von Capitaine E. Beudant (dieser hat Baucher mehr aus dessen Veröffentlichungen – Schwerpunkt „2. Manier“ für sich erlernt).
  • Louis Joseph Gabriel Rul | * 1811 – † 1880 | Einer der aktivsten Verfechter der Lehren Bauchers und der einzige Schüler, dem von Baucher selbst ein „Diplom“ ausgestellt wurde. Er arbeitete als gefragter Kavallerieausbilder und Privatreitlehrer in ganz Europa;
  • Charles Hubert Raabe | *  03. Mai 1811 in Bayonne – † 29. Mai 1889 in Paris | Er war einer der eifrigsten Schüler von Baucher. 1845 veröffentlichte er sein erstes Buch „Manuel équestre“. Er versuchte in vereinfachter Form die Methode Bauchers zu erklären, damit diese einen breiteren Zuspruch vor allem in der Kavallerie finden würde;
  • Eugene Caron
    Ein früher Schüler von Baucher und Großvater von General Albert-Eugène Edouard Decarpentry (Baucherist und FEI-Richter);
  • François Caron | … | Chefhofstallmeister des Zaren und einer der Lehrer von James Fillis;
  • Boisgilbert (Jean-Charles Dubois) | * 1835 – † 1922 | Er absolvierte seine Ausbildung an der französischen Militärakademie von St.Cyr. Er war als Reitlehrer am Cadre Noir in Saumur tätig. Boisgilbert war Rittmeister bei den 2e Chasseurs und wurde zum Chevalier der Légion d´honneur ernannt;
  • Comte de Lancosme-Brèves | | Er ritt Géricault, einen dreijährigen Vollbluthengst, der bis dato alle seine Reiter abwarf und der sich im Besitz des Engländers Lord Seymour befand, aufgrund einer Wette die an Baucher gerichtet war, um den „Bois de Boulogne“. Er gewann diese Wette. Lord Seymour übergab ihm das Pferd, welches Lancosme-Brèves in Würdigung seines Meisters an Baucher weitergab;
  • Madame Pauline Cuzent | … | Sie war Bauchers herausragendste Amazone und erwarb von ihm seine Pferde „Partisan“, „Buridan“ und „Neptune“, die sie im russischen Staatszirkus vorstellte. Pauline Cuzent wird auch von l´Hotte erwähnt im Zusammenhang mit dem Hengst Géricault, der im Zirkus einmal mit ihr durchging. Ihr Bruder, Paul Cruzent, komponierte für Bauchers Vorstellungen eigens auf die Darbietungen abgestimmte Stücke.

WO FINDET MAN ÜBERALL Baucher

  • HDv 12 von 1912 und 1926 | noch geringfügig in der Fassung von 1937
  • Reglement der Russischen Kavallerie | in den 1960 Jahren beherrschten die Lehren von James Fillis durch die russischen Reiter das Dressurgeschehen.
  • Reitvorschrift der US-Kavallerie
  • Bei den Vorreitern der Horsemanship – wie beispielsweise bei Tom Dorrance, dem Lehrer von Ray Hunt.

Datenquellen:

  • Das Phänomen François Baucher“ | Stodulka Robert | WuWei-Verlag | Seite 23
  • Schulpferd und Gebrauchspferd“ | Übersetzer und Herausgeber: Christian Kristen von Stetten | Cadmos-Verlag | Cover
  • François Baucher – Méthode d’équitation basée sur de nouveaux principes“ 13.Auflage (1867) – mit den letzten von Baucher selbst verfassten Formulierungen“ dt. Erstübersetzung | Cadmos-Verlag
  • Ein Offizier der Cavallerie“ | General Alexis l´Hotte | Olms-Verlag
  • François Baucher – Enfant terrible oder Genie?“ | Jean-Claude Racinet | Olms-Verlag
  • Die sytematische Ausbildung des Reitpferdes“ | General Faverot de Kerbrech | Cadmos-Verlag (Bestandteil von „Schulpferd und Gebrauchspferd“
  • Der Aufbau der systematischen Ausbildung des Kavalleriepferdes“ | Louis Joseph Gabriel Rul | Cadmos-Verlag (Bestandteil von „Schulpferd und Gebrauchspferd“
  • Baucher und die Gebrauchsreiterei“ | Boisgilbert (Jean-Charles Dubois) | Cadmos-Verlag (Bestandteil von „Schulpferd und Gebrauchspferd“

Autor: Richard Vizethum
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