STREIT DER REITLEHREN – ein paar Gedanken dazu

Letzte Korrektur: 10.12.2017

Der ganze „moderne“ Streit – insbesondere zwischen den DEUTSCHEN (Deutsche Reitlehre) und FRANZÖSISCHEN (Baucher) reiterlichen Fakultäten – basiert, ketzerisch gesprochen – schlicht und ergreifend auf offensichtlicher Ignoranz, scheinbarer Unwissenheit und eines gewissen Maßes an Faulheit!

Trust-your-Horse - Reitlehrenstreit

So ziemlich alles, was an guter Reiterei in Europa existierte (bewusst in der Vergangenheitsform geschrieben), findet im Wesentlichen seine Grundlagen in dem Werk  des Franzosen de la Guérinière (* 8. Mai 1688; † 2. Juli 1751).

Von ihm wurde auf beiden Seiten des Rheins mit großer Hochachtung gesprochen, war er es doch nach dem mittelalterlichen Pluvinel (* 1555; † 1620) DER Reitmeister mit dem größten und nachhaltigsten Einfluss auf die Reitkunst ab dem 18. Jahrhundert.

Der Übersetzter des Werkes der „Reitkunst …“ von de la Guérinière, J. Daniel Knöll (Fürstlicher oranien-nassauischer Bereiter) ging nicht nur davon aus, dass die meisten seiner reiterlichen Fachkollegen de la Guérinière´s Werk im Original gelesen haben (!), sondern er merkte auch sehr deutlich an:

„Denn wo ist das deutsche Reitbuch, welches auf einige Gründlichkeit Anspruch machen kann, worinnen de la Guérinière nicht mit seinen Grundsätzen paradieren muß?“ [1]

Will heißen, kein deutscher Autor eines Reitbuches in der damaligen Zeit (Mitte bis Ende 18. und Anfang 19. Jahrhundert), welcher für sein Werk den Anspruch auf Gründlichkeit reklamieren wollte, kam an de la Guérinière vorbei!

Auch das Wissen der Wiener Hofreitschule in der Vergangenheit (denn heute ist man ja auf anderen Wegen unterwegs) basierte auf dem Werk von  de la Guérinière, ergänzt und erweitert von Max Ritter von Weyrother, Louis Seeger und dem Freiherr von Oeynhausen.
Der Vollständigkeit wegen sind auch noch zu erwähnen die sogenannten „Directiven“ von Franz von Holbein-Holbeinsberg und das k.u.k.Exerzierreglement für die Kavallerie.

Ja, bei diesem Wissensfundament war man sich lange Zeit einig – auf beiden Seiten des Rheins!

Die besseren Stallmeister (in der, und für die Breite) in der Zeit um und nach de la Guérinière fanden sich wahrscheinlich auf deutscher Seite, insbesondere auch in der preußischen Kavallerie.Die deutsche „Reitweise“ dominierte die Reiterei Europas [6].

Friedrich der Große (* 24. Januar 1712 in Berlin; † 17. August 1786 in Potsdam) und sein großer Kavalleriegeneral Seydlitz (* 3. Februar 1721 in Kalkar; † 8. November 1773 in Ohlau) hatten die vorher „plumpe“ preußische Kavallerie unmittelbar nach Ende des 1. Schlesischen Krieges (1740-1742) umfangreich reformiert und zur besten und vorbildlichsten Kavallerie der damaligen Zeit gemacht. Schießen und Fußdienst wurden in den Hintergrund gedrängt und dem Reiten mehr Beachtung geschenkt [2].

„Alle taktischen Manöver sind mit größter Schnelligkeit, alle Schwenkungen in kurzem Galopp auszuführen. Die Kavallerieoffiziere müssen die Leute vor allem zu vollendeten Reitern erziehen, die Kürassiere müssen ebenso wendig und geschickt zu Pferd sein wie ein Husar und mit dem Gebrauch des Säbels wohlvertraut sein.“ [2]

Dieser Abschnitt aus Friedrichs Instruktionen zeigt sehr deutlich die Verschiebung der Gewichtung und gibt einen Hinweis auf die notwendige Rittigkeit der Pferde.

Die französische Kavallerie war – obwohl Frankreich nach de la Guérinière reich an Reiterpersönlichkeiten war – die wohl schlechteste Kavallerie der großen Nationen. Ausgestattet mit ungenügendem „Pferdematerial“ und noch unbegabteren Reitern (man musste Attacken in langsamerer Gangart reiten, bestand doch die Gefahr, dass die Reiter aus dem Sattel fallen konnten) konnte sie allenfalls durch Kühnheit und Mut brillieren [2], Wissen über die Reitkunst kam aber nicht zum Einsatz.

Hinzu kam auch noch, dass die französische Kavallerie zur Zeit Napoleons zunächst keinen so hohen Stellenwert mehr in der Armee hatte und von oft inkompetenten Generälen verheizt wurde. Dies änderte sich auch nicht durch die Einrichtung der Cadre Noir in Saumur 1814.

Eine große Ausnahme allerdings stellten die „Chasseurs d’Afrique“ (erstmals 1830 in Algerien aufgestellte leichte Kavallerie) dar. Diese waren in Gänze mit hervorragenden Berberpferden ausgestattet. Da diese Pferde schon „in Haltung“ gingen, beschäftigte man sich allerdings auch hier nicht besonders mit der Reitkunst.

Die Preußen dagegen hatten zwar Anfangs des 19. Jahrhunderts ebenfalls den Nachteil schlechteren „Pferdematerials“, doch machten sie diesen „Nachteil“ durch intensiverer Beschäftigung mit dem Wissen um die Reitkunst mehr als wett.

Ab wann nun stritten die „Gelehrten“?

Einen heftigen „Gelehrtenstreit“ dürfte es damals aber nicht gegeben haben, gleichwohl es durchaus Nicklichkeiten zwischen einzelnen Schulen und Stallmeistern gegeben hat, welche man getrost unter dem Begriff „Handwerks-Neid“ [6] abwerten kann. Auch trennten sich nach de la Guérinière die Wege der akademischen und der militärischen Reiterei, doch gestritten wurde zwischen diesen beiden Fakultäten – dies aber durchaus sehr kontrovers – fast ausschließlich um den Sitz des Reiters [5].

Die größeren und grundsätzlicheren „Streitigkeiten“ begann erst – und jetzt wird es hypothetisch – mit Francois Baucher!

Er, der sicherlich durchaus ein Erneuerer war, fand sich nicht entsprechend gewürdigt und sein „empfindliches Temperament“ [3] welches ihn oft übermannte gab ihm Veranlassung zu „menschenverachtenden Stimmungen“ [3]. Wenn man dagegen aber die sehr große Schar seiner Bewunderer betrachtet (zu der ich mich – trotz dieser kritischeren Worte – mit mancher Einschränkung auch zähle), hätte es für ihn eigentlich keine Veranlassungen zu derartigen Reaktionen geben müssen.

Baucher wurde zwar durchaus heftig kritisiert – ja – was aber sicherlich auch eine Ursache in seiner überzogenen Selbstdarstellung hatte. Die Meister vor ihm waren bedeutend demütiger und fühlten sich mehr der Sache (der Reitkunst) als der eigenen Person verpflichtet. Auch kam hinzu, dass Vieles, was Baucher als NEU propagierte und mit Nachdruck als solches vertrat, schon lange vor ihm, insbesondere in Preußen, gelebte Praxis war! Ein weiterer Aspekt der zu durchaus berechtigter Kritik an seiner Person führte.

Mit Baucher kam – meiner Ansicht nach – eine, nennen wir es einmal, unschöne Stimmung, in die Diskussionen.

Auch wenn viele deutsche Autoren (Seeger, Seidler, von Knorr, Steinbrecht …) kritische Worte zu Bauchers Methode fanden, hatte dies keine, wie häufig gerne behauptet wird, nationalistische Hintergründe gehabt, sondern es waren eher reiterliche Bewertungen.

Im Jahre 1842 wurde ein komplettes Quedlinburger Kavallerieregiment (verm. Husaren) für ein Jahr abkommandiert, um Bauchers Methode zu erproben [4]. Die haben das nicht gemacht um Baucher zu kritisieren, sondern um festzustellen, ob seine Methode für die preußische Kavallerie von Nutzen sein könnte – ganz pragmatisch! Diese Arbeit, welche „1843 nach dem grossen Kavalleriemanöver unter Wrangel bei Berlin so eklatante Misserfolge zeitigte, dass diese unbedingte Beizäumungsmethode für ewige Zeiten untersagt wurde, denn die Pferde schnellten sich aus derselben heraus, keinem Zügel mehr gehorchend“ [4], wurde danach nicht mehr weiter verfolgt.

Ähnliche kritische Worte fanden auch seine Landsleute, so dass ihm letztendlich die offizielle Tür nach Saumur (Cadre Noir) verschlossen blieb. Nun gut, das hatte sicher auch seine Gründe in der sich, wie an anderen Orten, ebenso in Frankreich ab 1815 stark verbreitenden „schneidigen“ anglomanen Reiterei. So kann man beispielsweise den Vicomte d´Aure (er leitete Saumur von 1847–1854), Bauchers größten Gegner in Frankreich, getrost zu dieser reiterlichen Spezies zählen.

Baucher hatte viele renommierte Stallmeister sehr sauer gemacht. Nicht durch seine „neue“ Methode! Über diese hätte man sicher gesittet diskutiert, so wie es sonst auch geschah. Nein, es war seine unangenehm anmaßende und insbesondere in seiner Anfangszeit durch nichts gerechtfertigte Überheblichkeit, die er dem Wissen und der Leistung anderen gegenüber an den Tag legte.

Eine besonders scharfe Kritik an Baucher möchte ich hier einmal zitieren:

Noch niemals ist mir ein Buch zu Gesicht gekommen, welches mit gleicher Anmaßung, Verachtung alles außer ihm Bestehenden und Aufschneiderei sein Thema behandelt. Dies möchte ich dem Autor aber noch nachsehen; denn er ist Franzose, und hat sich als solcher vielleicht die Sprache der bekannten Bülletins Napoleons zum Muster genommen. Herr Baucher bringt uns aber auch nichts Neues, was gut wäre.
(F.von Knorr – 1843 – „Ansichten eines Nichtüberzeugten …“)

Aber nun gut – wieder zurück zu den Diskussionen zwischen den Reitlehren

Ich glaube mit Baucher haben sich die Sachthemen immer stärker vermischt mit persönlichen Befindlichkeiten der einzelnen Protagonisten. Je weiter man sich dabei der Neuzeit annähert, desto ausgeprägter und unqualifizierter wurden die Differenzen.

Offensichtliche IGNORANZ hielt in breiter Front Einzug. „Ich will mich nicht mit der anderen Seite beschäftigen, denn die andere Seite ist BÖSE!“ könnte als Überschrift darüber stehen. Auch hier sind persönliche Befindlichkeiten die Haupttriebfeder und behindern jede objektive Betrachtung und jeden konstruktiven Austausch.

Na ja, und dann darf man ja auch die anglomane Reiterei nicht vergessen, sie eroberte Kontinentaleuropa in großen Schritten. Sie stellte die Abkehr von nahezu allem dar, was man unter REITKUNST verstehen kann.

Nach dem Frieden von 1815 legte man in den meisten Armeen verstärkt Wert auf Querfeldeinreiten, der größeren Angleichung an den Sattel und Sitz des Jagdreitens und vor allem auf die Verminderung der von den Pferden zu tragenden Last. Der Galopp wurde wieder zur Gangart des Angriffs. Diese Punkte wurde nahezu ausnahmslos in jeder Armee als Verbesserung angesehen [2] und prägten entsprechend die Reitvorschriften, in Deutschland wie in Frankreich (eben u.a. durch d’Aure).

Das was in Deutschland, auch schon mit der Reitvorschrift von 1912, aber ganz extrem mit der HDv. 12 von 1937 zu Papier gebracht wurde und in noch vereinfachterer Form in der aktuellen Deutschen Reitlehre gelandet ist, lieferte nun fast grenzenloses Material für Diskussionen. Die neuzeitlichen Bilder der „Reiterei“ gießen nur noch mehr Öl ins Feuer des „Gelehrtenstreits“ und so kann die eine Seite (französische Lehre) sich als gut darstellen, während die andere Seite (deutsche Lehre) als schlecht betrachtet wird et vice versa.

Und hier kommen meine Eingangsworte „scheinbare UNWISSENHEIT“ und „FAULHEIT“ zur Bedeutung.

Baucher mit der aktuellen Deutschen Reitlehre zu vergleichen, ist genauso, als würde man eine Birne (Baucher) mit einem verfaulten Apfel vergleichen. Dieser Vergleich, gerne von neuzeitlichen „Baucheristen“ herangezogen, ist unseriös, birgt unnötigen Konfliktstoff und deutet entweder auf UNWISSENHEIT oder bewusstes (deshalb „scheinbar“) Unterschlagen hin. Bei einigen Protagonisten die sich im „Gelehrtenstreit“ sonnen, spielt möglicherweise auch FAULHEIT (in der Wissensfindung) eine Rolle!

ICH HOFFE, DASS WIR ALLE UNS IRGENDWANN EINMAL WIEDER AUF SCHÖNES, FEINES REITEN BESINNEN, WO PFERDE WICHTIGER SIND ALS MENSCHEN UND DER SINNLOSE „GELEHRTENSTREIT“ DER VERGANGENHEIT ANGEHÖRT.

Bedauerlicherweise erfordert dies von der aktuellen Deutschen Reitdoktrin – vor allem in der Form ihrer Umsetzung – ein besonders starkes, aber im Augenblick nicht erkennbares Umdenken! Aber auch den „Baucheristen“ täte es gut ihren Meister kritisch zu hinterfragen!

[1] de la Guérinière, Reitkunst, Vorrede des Übersetzers
[2] Friedrich Engels – 1858 – Kavallerie
[3] General Alexis l´Hotte, Ein Offizier der Cavallerie
[4] Otto von Monteton, „Unsere Pferde“ 7. Heft – über stätische Pferde – Zusammengefasst im Werk „Über Reitinstruktionen“
[5] von Oettingen -1885 – „Über die Geschichte und die verschiedenen Formen der Reitkunst“
[6] von Hochstätter – 1839 – „Militär und Civilreiterschule neuerer Zeit …“

 

Autor: Richard Vizethum
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Wie TIEF ist TIEF eigentlich?

Das was wir in der heutigen Zeit unter „VORWÄRTS-ABWÄRTS“ kennen, hängt sehr eng mit dem Begriff der TIEFE zusammen. So wird davon gesprochen, dass das Pferd „Anlehnung in der TIEFE finde müsse“ (sinngemäß: D.V.E. Nr. 12 von 1912) oder dass man dem Pferd „den Weg in die TIEFE zeigen müsse“ (ebenda), so es nicht bereit wäre, diese von selbst aufzusuchen.

Trust-your-Horse - TIEF und UNTERIRDISCH

In unterschiedlichen Beiträgen habe ich versucht den Ort TIEFE räumlich zu lokalisieren (siehe Bild TIEFE/Unterirdisch). Heute nun möchte ich mich auch einmal den Gründen, die zur Nutzung dieses Begriffs geführt haben, annähern.

Dazu muss man tief in die Vergangenheit der Reiterei zurückgehen und einen Zeitraum betrachten, der mit dem Ende des 18. Jahrhunderts beginnt und in die Neuzeit hineinreicht.

Die alten Stallmeister haben uns unwissentlich mit der Verwendung des Begriffs TIEFE ein ziemliches Ei ins Nest gelegt, suggeriert er uns neuzeitlichen Menschen (beginnend mit Anfang 20. Jahrhundert) doch eine Position (der Pferdenase) knapp über dem Boden.

Doch in der Zeit dieser Stallmeister bedeutete ein TIEF EINGESTELLTES PFERD, ein Pferd, welches, in seiner NATÜRLICHEN HALTUNG gehend, die Nase etwa auf Höhe des HÜFTGELENKES (!!!) trug (siehe Beitragsbild oben)!

Diese für uns möglicherweise unverständliche räumliche Festlegung hatte im Wesentlichen zwei Ursachen:

  1. Die STERNENGUCKER beim Anreiten und
  2. das Bild HOCH AUFGERICHTETER PFERDE.

1. DIE STERNENGUCKER BEIM ANREITEN

Wurden die Pferde zum ersten Mal mit dem Reitergewicht konfrontiert, so spannten sie, nach einem kurzen Aufwölben des Rückens, dessen Muskulatur an, was zu einem Wegdrücken desselben führte und ein durchaus deutlichen Anheben von Hals und Kopf zur Folge haben konnte (s. Bild).

Trust-your-Horse - Sternengucker

Diese HÖHE der Nase war keineswegs gewünscht (Ausnahme: Aufricht-Entartungen in der Reiterei  – s. Punkt 2). Sodas das Bestreben des Reiters darin liegen musste, das Pferd wieder zurück in die TIEFE zu bringen. Jener TIEFE, die ich oben (siehe auch Eingangsbild) beschrieben habe! Unter Umständen musste man dem Pferd dabei auch „den Weg in die Tiefe zeigen“.

2. DAS BILD HOCHAUFGERICHTETER PFERDE

Aufrichten ist jeher ein wichtiger Aspekt in der Pferdeausbildung gewesen, insbesondere in der Schulreiterei. Das Bild eines HOCHAUFGERICHTETEN Pferdes geisterte durch die Köpfe der damaligen Reiterwelt (Ende 18. und Anfang 19. Jahrhundert).

Die SCHULREITEREI lieferte das Vorbild und hochaufgerichtete Pferde waren Mode!

Deshalb entlehnten sich viele damalige Reiter das AUFRICHTVERFAHREN aus der Schulreiterei und wandten dieses bereits in der Anfangsdressur an, ohne dass die Pferde entsprechend darauf vorbereitet (Rücken, Hinterhand …) gewesen wären.

Trust-your-Horse - Entartungen aus der Schulreiterei

So hoben sie die Nase des Pferdes „bedeutend bis über die Rückenlinie hinauf, drückten bei WAAGERECHTER Kopfstellung mit dem Oberhauptbein (Hinterkopf des Pferdes) die Oberhalswirbel und den ganzen Hals soweit zurück, bis der Rücken sinkt, und erst in später Zeit“ bemühten „sie (die Anhänger dieses Aufrichtverfahrens) sich, die Nase des Pferdes herabzustimmen und dem Pferde GenickBIEGUNG zu geben“ (E.F. Seidler). Dabei setzten sie die Pferde mitunter sehr gewaltsam auf die Hinterhand. Die Pferde reagierten auf diese Behandlungen mit entsprechenden Widersetzlichkeiten.

SO, WIE KAM ES NUN ZUM BEGRIFF TIEFE?

Ganz schlicht gesprochen:

Alles was nicht hoch (im Sinne der Mode) war, galt damals als tief, mitunter sogar als ZU TIEF! Die tolerierte und in der seriösen Ausbildung von damals temporär angewandte TIEFE war die NATÜRLICHE HALTUNG des Pferdes (Nase Höhe Hüftgelenk!).

WAS WURDE DARAUS GEMACHT?

Der neuzeitliche Mensch hat, wie bei so vielen Begriffen, auch diesen aus dem Zusammenhang gerissen und falsch interpretiert. Leider nicht unbedingt zu Gunsten der Pferde! Sicherlich hat zu diesem neuzeitlichen Missverständnis auch die vermehrt aufkommende anglomane Reiterei, welche sich in Sport-, Jagd- und Rennreiterei ausdrückte und sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts rasend schnell auf dem Kontinent verbreitete, beigetragen. Hier waren, und das kam auch schon bei de la Guérinière (auch wenn der anglomane Virus zu dessen Zeit erst langsam seine Ausbreitung fand) zum Ausdruck, die Köpfe der Pferde grundsätzlich etwas tiefer eingestellt.

Nach dem 2. Weltkrieg hatte dann sicherlich keiner mehr eine Erinnerung an die extrem hoch aufgerichteten Schulpferde früherer Zeiten (Ende 18. und Anfang 19. Jahrhundert), welche u.a. (siehe oben) die Definitionsgrundlage für den Ausdruck TIEFE waren. Als HOCHAUFGERICHTET galt jetzt eine Position knapp oberhalb der Gebrauchshaltung. Entsprechend TIEF wurde daraus abgeleitet die TIEFE definiert. Man hatte also die Begrifflichkeit übernommen und belassen, nur war die inhaltliche Beschreibung nicht mehr so wie in dessen Ursprungszeit – mit entsprechenden Konsequenzen!

Hinzu kam wahrscheinlich die Bequemlichkeit mancher Kavalleristen (Anfang 20. Jahrhundert), die letztendlich u.a. in der absolut fehlgeleiteten Idee der „Jagdhundschnüffelei“ mündete. 

Warum die TIEFE nicht tiefer als Nase auf Höhe Hüftgelenk sein darf, kann man sich, mit etwas Physikkenntnissen, versuchen selbst vorzustellen!

Entgleisungen wie die „Jagdhundschnüffelei“ oder der Showeffekt der tiefen Kopf/Halseinstellung bei den Westernreitern haben weder einen trainingstechnischen Nutzen, noch tragen sie wirklich zur Entspannung der Pferde bei!

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Wieder einmal VORWÄRTS-ABWÄRTS

Da ich in meiner täglichen Arbeit wieder und wieder mit diesem leidigen Thema konfrontiert werde, möchte ich ERNEUT ein paar Worte über das VORWÄRTS-ABWÄRTS verlieren.

Trust-your-Horse - Wiedereinmal Vorwärts-Abwärts

NEIN, es wurde in der Geschichte der Reiterei ZU KEINER ZEIT in den heutigen Formen und der heutigen Intensität geritten!

NEIN, die Neuzeit hat KEINE besseren Erkenntnisse, die das Vorwärts-Abwärts begründen würden (Behauptung mancher Therapeuten)! Die Herrschaften von Damals verstanden WEIT MEHR von Biomechanik als man dies in der Neuzeit für sich in Anspruch nehmen darf.

NEIN, die sogenannten „Zeitzeugen“ die ihr Wissen von ihren Vätern haben, haben nicht Recht! Sie haben unreflektiert und gedankenlos FALSCHES übernommen. Das „Jagdhundschnüffeln“ ist blanker Unsinn!

NEIN, es gibt KEINE Form von etwas, was man heute als Vorwärts-Abwärts bezeichnet, dass aus der Vergangenheit (z.B. HDv.12 von 1937 …) abgeleitet werden kann!

NEIN, Vorwärts-Abwärts hat NICHTS mit Vertrauensbildung zu tun!

NEIN, Vorwärts-Abwärts (in seiner heutigen Ausprägung) hat keinen therapeutischen Nutzen!

NOCHEINMAL SEI GESAGT:

Das „Vorwärts-Abwärts der NASE“ oder auch das „Pferd in die Tiefe reiten“ wurde NUR in der REMONTEN-Ausbildung (bzw. bei KORREKTURPFERDEN) genutzt und auch NUR bei bestimmten Typen oder Verhalten von Pferden!
Dabei war IMMER die Nase oberhalb des Hüftgelenks (s.a.Bild)
Diese Höhe war die TIEFE!!!

DER ZWECK war es, das Pferd bei der Gewöhnung an das Reitergewicht zu unterstützen, gegen welches es zu Beginn UNTER UMSTÄNDEN (auch nicht immer) in unterschiedlicher Weise opponierte.

Die HÖHE DER KOPFSTELLUNG sollte sich nach der Richtung der Rückenwirbellinie (gestrichelte Linie a – siehe Bild) richten und die Nase nicht tiefer als diese Linie kommen (also i.d.R. Höhe Hüftgelenk). Auch wenn DIESE (Achtung Aufgepasst!) Kopf-/Halsstellung „in der ersten Zeit MITUNTER ETWAS TIEF ERSCHEINT“ (E.F. Seidler 1846). Diesen kleinen Hinweis von Seidler bitte intensiv lesen und richtig verstehen!

Die in der heutigen Zeit als korrektes Vorwärts-Abwärts definierte DEHNUNGSHALTUNG (konvexe Halsoberline, Nase Höhe Buggelenk) hatte damals – sinnvollerweise – ausschließlich den Zweck IMMER MAL WIEDER abzuprüfen, ob das Pferd sich beim Hingeben des Zügels an die Reiterhand „herandehnt“.

Diese Haltung wurde NICHT explizit als Dehnungshaltung bezeichnet (hätte man aufgrund der Form tun können – hat man aber nicht. Schließlich war sie kein eigenständiges Übungselement!), sondern entstand – in ähnlicher Form – am „hingegebenen Zügel“ oder am „langen Zügel“. Die TIEFE definierte dabei das Pferd (i.d.R. ging es nicht tiefer mit der Nase als Hüftgelenk).

Die DEHNUNGSHALTUNG heute – als aktiv betriebenes Übungselement gab es zu KEINER ZEIT und sie macht in dieser Intensität trainingstechnisch überhaupt KEINEN SINN! Ganz im Gegenteil sie ist KONTRAPRODUKTIV.
Übermäßig geritten macht es eine REELLE AUFRICHTUNG (welche man grundsätzlich hinterfragen sollte) unmöglich!

VORWÄRTS-ABWÄRTS IST DAS GEGENTEIL EINES HEILMITTELS!

Manche Formen schaden zwar nicht, sie haben aber auch keinen Nutzen.

Einige Formen schaden dagegen massiv. Wer sich über Rückenprobleme, Sehnenschäden, fehlende Trapezmuskulatur etc. etc. etc. bei seinem Pferd wundert, sollte bei der Ursachenforschung nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Sehr, sehr häufig ist das Vorwärts-Abwärts und dessen trainingstechnische Folgen, die Ursache!

Die Therapeuten freut es und sie empfehlen munter weiter Vorwärts-Abwärts als Heilmittel.

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BAUCHER – Wie gut war er wirklich?

TEXT IST EINE ARBEITSNOTIZ ZUM BUCH „GRAMMATIK DES REITENS“

François Baucher war der Reitmeister, der mich in einem besonderen Maße dazu inspiriert hat, über das Reiten, die Reitkunst und ganz speziell über die Ausbildung von Pferd und Reiter nachzudenken. Also zu dem zu werden, was Max Ritter von Weyrother den „denkenden Reiter“ nannte.

Baucher - Wie gut war er wirklich?

In meiner Beschäftigung mit François Baucher habe ich mich gedanklich sehr tief in seine Zeit hineinversetzt, mich auf seiner Methode und sein Leben eingelassen. Er wies mir dabei den Weg zur Effizienz. Einen Weg, den ich sehr konsequent beschreite, wenngleich nicht zwingend in den Punkten und der Art, wie er es tat.

Ich vertrat seine Lehre, dennoch kann man mich nicht als BAUCHERISTEN bezeichnen. Denn nicht eine Lehre treibt mich an, sondern die REINE LEHRE und davon, dass musste ich relativ schnell feststellen, war selbst Baucher noch weit entfernt. Anders gesprochen, er hat sich in gewisser Weise sogar vom Pfad der reinen Lehre weg, auf Nebenwege begeben.

Dies wurde mir erst klar, als ich mich sehr viel intensiver damit zu beschäftigen begann, die so vermeintlich zerstrittenen Lehren dies und jenseits des Rheins, objektiv auf Vereinbarkeiten hin abzuprüfen.

Sich damit zu beschäftigen ist eine sehr intensive Arbeit, welche alleine auf Basis theoretischen Wissens nicht funktionieren kann! Es bedarf dazu auch einer sehr großen praktischen Erfahrung, erworben durch die Arbeit mit VIELEN verschiedenen Pferden, die jeden Tag das Nachdenken über das eigene Tun herausfordern und auf ihre Art, den Weg zur Logik des Reitens öffnen.

Baucher war ein Reitmeister, der, wie E.F. Seidler (1846) es ausdrückte, „… in arrogantester Sprache sämtliche Stallmeister alter und neuer Zeit, nicht nur Frankreichs, sondern aller Staaten, als unwissende und nichtdenkend Reiter schildert, sich als die Sonne der Reiterwelt aufstellt und alle bisher bestandenen Prinzipien umzustoßen bemüht war…„.

Insbesondere sah Baucher sich von seinen eigenen Landsleuten angegriffen:
„Wackere Landsleute, die eine der eigenen Nation nützliche Neuerung weit lieber einem Fremden, als ihrem eigenen Landsmanne verdanken wollen!“

Anfangs konnte ich Baucher hier noch verstehen, da es ja immer wieder das gleiche Problem ist: Macht man etwas anders, dann zieht man sich die Feinde und Neider an. Baucher sah sich – aus seiner Sicht sicherlich zu Recht – von einer Heerschar von Feinden umgeben. Entsprechend harsch war auch seine Ausdrucksweise.

Doch wie berechtigt war seine Reaktion wirklich?

Dazu muss man sich die Frage nach dem Zweck der Ausbildung von Pferd und Reiter zur damaligen Zeit stellen – bezogen auf die Reitkunst.

De la Guérinière beispielsweise, der einen maßgeblichen Einfluss auf die Reiterei der damaligen Zeit hatte, arbeitet für den Adel. Die Ausbildung der Pferde, die ihren Grundzweck sicherlich aus dem militärischen Aspekt abgeleitet hatte, stellte zwar Reitkunst in „Vollendung“ dar, diente aber mehr dem Amüsement und nicht der Gebrauchsreiterei.

Die einzigen Institutionen, die Reitkunst mit Gebrauchsreiterei zu vereinen wussten, weil dies eine Notwendigkeit darstellte, war das Militär, die Kavallerie (als Sammelbegriff gebraucht).

Und hier muss man attestieren, dass, was die Qualität anbelangte, die preußische Kavallerie zur damaligen Zeit das Maß aller Dinge war. Die französische Militärreiterei – auch durch Saumur repräsentiert – hatte zwar das bessere „Pferdematerial“, war aber aus diesem „Bequemlichkeitsgrund“ nicht so gefordert sich intensivste Gedanken über das Pferd und dessen Ausbildung zu machen, wie dies auf preußischer Seite notwendig war.

Wieder zurück zu Baucher

Nimmt man die Ausbildungsstufen eines Militärpferdes (noch bis vor ein paar Jahren an der Hofreitschule in Wien gelebt), so sind diese:
1. Remonte
2. Kampagnen-/Gebrauchspferd
3. Schulpferd (incl. Schulen über der Erde)

Würde man diese Stufen nun auf die schulische Ausbildung eines Menschen umlegen, so würde ich diese Zuordnungen treffen wollen:
1. REMONTE: Grund-, Mittel und Realschule (Ansätze);
2. KAMPAGNEN-/GEBRAUCHSPFERD: Mittlere Reife, Abitur, Diplomabschluss Universität
3. SCHULPFERD: Promotion

François BAUCHER hat, betrachtet man seine Arbeit intensiv, einen Schnelldurchlauf Grund-, Mittel- und Realschule gemacht. Dies lässt sich allerdings nicht genau sagen, da über die Ausbildung von Remonten durch Baucher so gut wie gar nichts bekannt ist (Man sagt aber, dass gerade junge Pferde weniger empfänglich für den Baucherismus sind [5]). Mittlere Reife und Abitur hat er links liegen gelassen und ist nach einer kurzen Diplomarbeit sofort zur Promotion übergegangen.

Solche Form der Ausbildung zeigt zwar schnelle Erfolge, allerdings ohne umfassendes Fundament. Diese „Hochgeschwindigkeitsausbildung“ zog sich hinein bis in seine sogenannte 2. Manier. Erst in seinen letzten Lebensjahren machte er sich Gedanken über einen solideren Weg.

Einen soliden Weg, der in den Werken einiger deutscher Stall- und Reitmeister – vor 1848 – tatsächlich sehr präzise beschrieben und erklärt wurde. Einen Sachverhalt, den Baucher in seiner 1. Manier nachdrücklich negierte. Allerdings tat er dies in einer allgemein formuliert Form und nicht auf eine spezielle Nation bezogen [1].

Im Gegensatz zu seinen (Bauchers) Pferden waren die Pferde, die nach dem soliden Weg ausgebildet wurden, AUCH Kampagnen- und Gebrauchspferde, welche vermutlich sogar noch bedeutend feiner an den Hilfen standen (Stichwort: Sekundengehorsam).

Irgendwann (verm. in den Jahren 1842/43) war Baucher für einige Monate in Berlin und hatte dort, wie er es selbst ausdrückte „völligen Einblick in die deutsche Reitweise“ [4]. In dieser Zeit (1842) erhielt ein Husarenregiment aus Quedlinburg den Auftrag, ihre Pferde nach der Methode Bauchers auszubilden. Nach einem großen Kavalleriemanöver unter General Friedrich von Wrangel bei Berlin (1843) entschied man sich allerdings, lange vor Louis Seegers Warnung vor Baucher [7], nachdem die Methode „eklatante Misserfolge zeitigte, dass die unbedingte Beizäumungsmethode für ewige Zeiten untersagt“ wird. [3]

Während seines Aufenthalts in Berlin kam Baucher zu der Erkenntnis, „das die in Preußen geübten Grundsätze“ seinen „diametral entgegenstehen“ würden. Als Beispiel führte er hierzu die Meinungen einiger Offiziere an, welche in Deutschland, seiner Aussage nach, „ein hohes Ansehen als Reiter genießen“. Diese sagten ihm, dass „sie ihre Pferde VOR der Hand haben möchten“, worauf Baucher antwortete, dass er seine Pferde gerne „HINTER der Hand (Gebiss) und VOR den Beinen“ haben wolle. [4]

Hätte sich Baucher wirklich intensiv mit der preußischen Reiterei und dem reiterlichen Zeitgeist auseinandergesetzt, dann hätte ihm auffallen müssen, dass er in diesen Offizieren, Reiter vor sich hatte, die bereits stark vom anglomanen Virus infiziert waren. Auch das hohe Ansehen dieser Reiter spricht für diese „Erkrankung“, denn die anglomane Reiterei war – und ist es insbesondere auch heute noch – sehr „publikumswirksam“.

Wäre er auf alte Stallmeister der preußischen Reiterei getroffen, hätte er wahrscheinlich überrascht zu Kenntnis nehmen müssen, dass diese, was seine Aussage „HINTER der Hand (Gebiss) und VOR den Beinen“ betrifft, ihm zugestimmt hätten.

Baucher und Gebrauchspferde

Auch wenn man landläufig manchmal hört, dass man mit Bauchers Methode auch Gebrauchspferde ausbilden könnte, so möchte ich hier meine Bedenken anmelden.
Überall dort, wo Bauchers Methode mit der Gebrauchsreiterei in Berührung kam – beispielsweise bei der russischen und amerikanischen Kavallerie, handelte es sich um eine modifizierte Form dieser Methode.

James Fillis, ein Schüler-Schüler von Baucher, der für die Regelwerke der beiden genannten Militärreitereien verantwortlich zeigte, nahm vielfältige Anpassungen vor, um Bauchers Methode Gebrauchsreitereifähig zu machen.

WIE GUT WAR NUN BAUCHER WIRKLICH?

Baucher hat sich sicherlich sehr große Verdienste um die Reiterei gemacht. Dennoch hat er im Grunde eine abgespeckte Variante bereits vorhandenen Wissens etwas modifiziert und angereichert um neue, eigene, Erkenntnisse dargestellt. Man darf ihn aber desshalb keinesfalls als Plagiator anklagen! Das war er mit Sicherheit nicht! Denn jeder, der über das Reiten in seiner Essenz nachdenkt und mit Passion an der reinen Lehre arbeitet, wird letztendlich zu gleicher Erkenntnis gelangen – früher oder später. Es gibt nur EINEN Weg!

Auch muss man sich die Zeit betrachten, in der Baucher seine Erkenntnisse sammelte. Die Reitkunst war im Niedergang begriffen. In allen Ländern Europas griff die anglomane Reiterei rasend schnell umsich. Der Sport, die Jagd und das Rennen wurden wichtiger und erfreuten sich mehr und mehr der Popularität der Massen. Die Reitkunst mit ihren Bildern begann zu verblassen. Die letzten Wissenden in Form von Pferd und Mensch waren im Begriff auszusterben (im wahrsten Sinne des Wortes). Otto von Monteton ermittelte 1848 als eine Zäsur! [6]

Die Schulreiterei war vielen, insbesondere jungen Reitern („Die Jugend macht viel, kann aber nichts!“ – Otto von Monteton), zu schwierig geworden und so wandte man sich der zwar kühnen, aber schlichten und Pferde verheizenden anglomanen Reiterei zu und die, die wiederum damit unzufrieden waren, versuchten sich an Bauchers Methode.

Alles getreu nach den Worten  des Rittmeisters von W:

„Alles was lebt ist faul!“

IRGENDWIE WIEDERHOLT SICH DOCH ALLES

Quellen:

  • [1] Baucher: Methode der Reitkunst nach neuen Methoden (8.Auflage)
  • [2] Seidler: Die Dressur diffiziler Pferde (1846)
  • [3] von Monteton: „Über stätische Pferde“ (1899) – hippologische Abhandlung
  • [4] Baucher: Euvres complètes (1884)
  • [5] Racinet: Francois Baucher – Enfant terrible oder Genie?
  • [6] von Monteton: „Über die Reitkunst“ (1877)
  • [7] Seeger: Herr Baucher und seine Künste – Ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter (1852)

Autor: Richard Vizethum
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Mogelpackung KLASSISCH

Es zeugt schon von sehr großer Unkenntnis der Reitgeschichte, wenn man die aktuelle Deutschen Reitlehre mit dem Attribut „KLASSISCH“ aufwertet. In der Produktwerbung würde man von einer „Mogelpackung“ sprechen.

Trust-your-Horse - Mogelpackung KLASSISCH

Zunächst einmal gilt festzuhalten: Die aktuelle Deutsche Reitlehre basiert auf der HDv.12 von 1937! Fakt ist, das diese Version der Deutschen Reitvorschriften alles sein kann, nur eines nicht: KLASSISCH!

Neben einer Zeitdimension hat der Begriff KLASSISCH auch eine Anspruchsdimension (siehe auch: KLASSIK – ein paar Caféhaus-Gedanken dazu):

Neben Begriffsdefinitionen wie: „herkömmlich“, „traditionell“ findet man da auch „als Vorbild geltend“, oder umgangssprachlich: super, klasse. Weiter steht da „vollendet“ und „zeitlos geformt“. D.h. den Anspruch, den man aus dem Begriff „klassisch“ ableiten kann ist schlicht ausgedrückt folgender: BESSER GEHT ES NICHT (Zumindest für eine gewisse Zeit – bis es halt jemand besser macht)!

Geht man in der Geschichte zurück, so lässt sich wohl durchaus sagen, dass die Reitkunst (also das, was man als KLASSISCH“ bezeichnen kann) so um das Jahr 1848 (Otto von Monteton) final der anglomanen Reiterei zum Opfer gefallen ist. Der Reiterei, die auch heute noch das Reiten dominiert. Dies lässt sich durchaus auch in den darauf folgenden Reitvorschriften erkennen, in denen z.T. grausamstes Reiten propagiert wurde.

Mit der Reitvorschrift HDv. 12 von 1926 flackerte noch einmal so etwas wie Reitkultur und Reitkunst auf, erreichte aber vermutlich ebenfalls nicht das Niveau von vor 1848, was auch der Veränderung in der strategischen und taktischen Ausrichtung der Kavallerie geschuldet sein dürfte. Explizit wurde in dieser Reitvorschrift von 1926 darauf hingewiesen, dass der Anhang, welcher sich u.a. mit Elementen der Hohen Schule befasst „nicht etwa eine erschöpfende Ausbildungsvorschrift zum Erlernen der hohen Schule sei“. Es ging dort vielmehr darum aufzuzeigen, „wie weiter fortgeschrittene Reiter ihre und ihrer Pferde Leistungen über den Rahmen der Gebrauchsreiterei hinaus fördern können“.

Mit der HDv. 12 von 1937 hat man so etwas wie die REITERLICHE BILDZEITUNG geschaffen. Alles was der einfache Reiter nicht verstehen konnte, wurde weggelassen (das hat man den Ausbildern überlassen – ist nun mal so beim Militär), auch die 1926 noch vorhandenen Elemente der „Hohen Schule“ fielen weg! Reduzierte Gebrauchsreiterei in ihrer Essenz.

Und auf Basis dieser BILDZEITUNG (die man noch um alles militärische abspeckte) entstand nun also die aktuelle Deutsche Reitlehre, der man dann quasi – mit dem Attribut „KLASSISCH“ – völlig zu Unrecht – den REITERLICHEN PULITZER-PREIS verlieh. Damit nicht genug, setzte man sich selbst noch die göttliche Krone auf, indem man die UNUMSTÖSSLICHKEIT der Lehre feststellte.

Wollen wir nun feststellen was wirklich KLASSISCH ist, dann muss man sich als objektiver Sucher auf den Weg in die Vergangenheit machen und die Scheuklappen des bisherigen eigenen Denkens ablegen.

Autor: Richard Vizethum
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Spanische Hofreitschule – ein paar Worte dazu

„Die Spanische Hofreitschule Wien ist die älteste Reitschule und die einzige Institution der Welt, an der die klassische Reitkunst in der Renaissancetradition der „Hohen Schule“ seit mehr als 450 Jahren lebt und unverändert weiter gepflegt wird – was auch zum immateriellen UNESCO Kulturerbe der Menschheit zählt.“ [1]

Trust-your-Horse - Spanische Hofreitschule Quo Vadis

Doch was man in den letzten paar Jahren von der Spanischen Hofreitschule zu hören und zu sehen bekam, widerspricht dieser „Kulturpflege“.
Fragwürdige Entwicklungen in den Ausbildungsmethoden der Sportreiterei haben auch bei ihr Einzug gehalten. Wo früher Schönheit und Ausdruck das Bild bestimmten, hat man sich auch in der Vorstellung der Pferde optisch dem Zeitgeist angepasst.

Dies kann für die Zukunft dieses Institutes und für die gesamte Reiterei durchaus fatale Folgen haben.

Bis zum heutigen Tag basiert dort die Kenntnis über die Reitkunst der Renaissance und das daraus resultierende Methodenwissen auf mündlichen Überlieferungen. Die jungen Reiter haben von den alten und erfahrenen Bereitern und Oberbereitern gelernt und so wurde das Wissen über 450 Jahre nahezu unverändert weitergetragen.

Dieser Transfer wurde nicht nur unterbrochen, sondern das „neue Wissen“ welches gerade eingebaut wird, wird das sein, welches in Zukunft mehr oder weniger transportiert werden wird. Falls durch die stattfindende Reduzierung des Dialogs zwischen Alt und Jung überhaupt noch ein Wissenstransfer wie in der Vergangenheit stattfindet kann.

Einer Vergangenheit, bei der Reitmeister wie de la Guérinière, Max Ritter von Weyrother, Louis Seeger und der Freiherr von Oeynhausen neben dem k.u.k. Exerzierreglement für die Kavallerie [2] und den „Directiven“ von  Franz von Holbein-Holbeinsberg [3] die inhaltlichen Vorgaben für die Ausbildung von Reiter und Pferd an der Spanischen Hofreitschule darstellten und nicht niederländische Gedankenlosigkeit.

Ich hoffe sehr, man besinnt sich und kehrt zurück zu dem Weg, der auch dazu führte, das die Hofreitschule es zum immateriellen UNESCO Kulturerbe der Menschheit gebracht hat.

Aus Büchern kann man sich das Wissen der Vergangenheit erlesen, aber ob das, was wir herauslesen auch das ist, was der jeweilige Autor gemeint hat, wage ich zu bezweifeln.

Die Hofreitschule „war“ DIE Institution, quasie „die Hochschule des Reitens“, wie Oberst Alois Podhajsky sie nannte [2], die durch einen praktischen Wissenstransfer dafür gesorgt hat, dass diese, für die Reiterei so wichtigen Erfahrungen der Vergangenheit bis in unsere Zeit „so wie gemeint“ überdauern konnten.

Darum brauchen wir die ALTE Spanische Hofreitschule wieder!

Autor: Richard Vizethum
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Quellen:

  • [1] Spanische Hofreitschule Wien – Website
  • [2] Alois Podhajsky, Die klassische Reitkunst –
  • [3] Bernhard A. Macek, Franz von Holbein-Holbeinsberg: „Directiven“ der Spanischen Hofreitschule. Reitkunst, Militär und Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Wien 2007 (= Historica-Austria Bd. 7).

 

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Caféhaus-Dialog gesucht

Gräben hat es in der Reiterei schon immer gegeben. Schulen und Lehrmeinungen, ja selbst Menschen und Nationen, haben sich gegeneinander abgegrenzt. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Das Massenphänomen „Reiten“ und die modernen Sozialen Medien haben gar zu einer massiven Verschärfung beigetragen.

Trust-your-Horse - Cafehaus-Dialog

Wo zu früheren Zeiten noch Reiter, über alle Gegensätze hinweg, sich fachlich austauschten und dabei auf eigene Erfahrungen als Referenz zurückgreifen konnten, verkommt der „Dialog“ heute zu einer Zitatenschlacht: „X hat gesagt…“, „Y ist der Meinung …“, „Z widerspricht …“. Bildung, Erfahrungen und Selbstreflexionen spielen kaum noch eine Rolle.

Das eigene reiterliche Weltbild wird gehegt und gepflegt, die Wahrnehmung und Aufnahme von Wissen erfolgt selektiv – eben weltbildkonform.

Nun gut, das alles wäre kein Problem, würden wir über Radfahren philosophieren, doch wir haben es mit einem anderen Lebewesen zu tun. Einem Lebewesen, dem unsere Diskussionen nichts bedeuten, das aber darunter leiden muss.

Ich würde mir wünschen, dass weniger in sozialen Netzen geschrieben und sich mehr zum fachlichen Austausch getroffen wird, zu einem Austausch, bei dem Gedanken „entwickelt und nicht erarbeitet“ (Danke Dr. Hans-Walter Dörr) werden. Einem Austausch, bei dem das Pferd und dessen Wohl im Vordergrund stehen und nicht Olympiasiege das Ziel bestimmen.

Eigene Erfahrungen müssen dabei eine höhere Gewichtung haben als angelesenes Wissen. Denn häufig ist das was der Autor eines Schriftstückes mit einer bestimmten Aussage darstellen wollte, nicht das, was der geneigte Leser darunter auch versteht – denn man liest ja selektiv, dem eigenen Weltbild konform und dabei bleibt Erkenntnis auf der Strecke.

Lasst uns in Caféhäusern treffen und REDEN! Dann haben die Pferde vielleicht wieder eine Chance und wir geben der Bildung und nicht nutzlosen Informationen Raum.

Ich liebe Caféhäuser!

KLASSIK – ein paar Caféhaus-Gedanken dazu

In der Reiterei wird man häufig mit Begriffen wie „klassisches Reiten“, „klassische Reitkunst“, „klassische Reitlehre“ oder ähnliches konfrontiert. Es kommt durchaus zu kontroversen Diskussionen, tauscht man sich über diese Begrifflichkeiten aus.
Ich möchte hier einmal ein paar meiner Caféhaus-Gedanken (Pausen zwischen Reitstunden) dazu äußern, in der Hoffnung, etwas zur Aufklärung oder zum Nachdenken beizutragen.

Trust-your-Horse - der Begriff KLASSIK

Versucht man sich Klarheit durch eine schlichte Internet-Recherche zu verschaffen, so findet man den Begriff „KLASSIK“ in zweifacher Weise definiert: als Anspruchs- und als Zeitdimension (ich nenne es einfach mal Dimension).

Die Anspruchsdimension

Mit dem Begriff „Klassik“ verbindet man in dessen Beschreibung einen durchaus hohen Anspruch, ein hohes Qualitätsniveau. Neben Definitionen wie: „herkömmlich“, „traditionell“ findet man da auch „als Vorbild geltend“, oder umgangssprachlich: super, klasse. Weiter steht da „vollendet“ und „zeitlos geformt“. D.h. den Anspruch, den man aus dem Begriff „klassisch“ ableiten kann ist schlicht ausgedrückt folgender: BESSER GEHT ES NICHT (Zumindest für eine gewisse Zeit)!

Die Zeitdimension

Klassik definiert sich hier in seiner historisch zeitlichen Einordnung. So steht der Begriff u.a. für die Kultur und Kunst der griechischen und römischen Antike. In der Literatur wird die Schaffensperiode von Goethe und Schiller als Klassik bezeichnet, auf die Zeit von 1786-1832 eingegrenzt. In der Musik wird hier eine etwas längere Periode von 1730 bis 1830 angenommen. Daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer als „Klassik“ bezeichneter Zeitperioden.

Betrachtet man nun die verschiedenen Epochen (Kultur, Kunst etc.) genauer, die den Titel „Klassik“ im Namen mitführen, kann man erkennen, dass die Zeitdimension durch die Anspruchsdimension definiert wird. Jede als „Klassik“ bezeichnete Zeitperiode hatte in dieser Zeit das vermeintliche „besser geht es nicht“ erreicht und man wertete diese Epoche mit dem Titel „Klassik“. Solange eben nicht eine Weiterentwicklung die vorherigen Qualitäten toppte.

Wieder zurück zum Reiten

Ich greife mal einfach beispielhaft eine Institution „klassischer Reitkunst“ heraus: die Spanische Hofreitschule in Wien. Mit dem Ziel den Begriff „Klassik“ im Zusammenhang mit Reiten näher zu erläutern.

„Die Spanische Hofreitschule Wien ist die älteste Reitschule und die einzige Institution der Welt, an der die klassische Reitkunst in der Renaissancetradition der „Hohen Schule“ seit mehr als 450 Jahren lebt und unverändert weiter gepflegt wird – was auch zum immateriellen UNESCO Kulturerbe der Menschheit zählt.“ (Quelle: http://www.srs.at/)

Die Hofreitschule beschreibt sich in ihrem Intro als Institution, die eine Reitkunst zelebriert, die in der Tradition der Renaissance steht.

„Als Kernzeitraum der Renaissance wird das 15. (Quattrocento) und 16. Jahrhundert (Cinquecento) angesehen. Die Spätrenaissance wird auch als Manierismus bezeichnet. Das Ende der Epoche vollzieht sich im beginnenden 17. Jahrhundert in Italien durch den neu hervortretenden Stil des Barock.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance)

Dies bedeutet, dass an der Spanischen Hofreitschule das Wissen einiger Meister dieser Zeitepoche quasi „eingefroren“ wurde – „seit mehr als 450 Jahren“, um damit deren Schaffen für Gegenwart und Zukunft zu erhalten. Bewahrung ist auch der Grund, warum die Spanische Hofreitschule in Wien zum „UNESCO Kulturerbe der Menschheit“ zählt. Einen bis dato verdienten Titel, den die Hofreitschule durch die aktuellen Entwicklungen massiv gefährdet – nebenbei bemerkt.

Nun kann man fragen, ob diese Reitkunst von vor über 450 Jahren als non plus ultra für alle Zeiten gelten darf, was den Begriff „klassische Reitkunst“ ohne weiteren Zusatz rechtfertigen würde.

Das dem in Gänze nicht so ist, drückt sogar die Hofreitschule dergestalt aus, dass sie ihre klassische Reitkunst auf die Zeit der Renaissance beschränkt und damit aber auch Weiterentwicklungen – auch im positiven Sinne – für sich ausschließen müsste.

Da die Anspruchsdimension auch die Zeitdimension des Begriffs „Klassik“ bestimmt, kann man den Titel „klassische Reitkunst“ nur dann für sich – ohne Zusatz – reklamieren, wenn es gelingt, durch positive Weiterentwicklungen ein Reitkonzept zu schaffen, welches Fehler und Unzulänglichkeiten der Reitkunst der letzten 450 Jahren beseitigt und damit eine insgesamt qualitativ verbesserte Reitlehre hervorbringt.

Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen verschiedener Reitlehren, dann muss man allerdings attestieren, dass keine einzige davon das Recht hat, unter dem Titel „Klassische Reitkunst“ oder „Klassische Reitlehre“ zu firmieren, allenfalls mit einem Zusatz wie z.B. „des Barock“. Dies bedeutet aber auch, dass eine Reitlehre, die sich „klassische Reitkunst des Barock“ nennen würde, keine Neuerungen über das in dieser Epoche zulässige Methoden-Wissen hinaus, berücksichtigen darf.

Weiterentwicklungen im positiven Sinne hat es zwar durchaus  gegeben, die letzte durch Francois Baucher. Aber es wurden auch viele verschlechternde Eingriffe vorgenommen, so dass man leider feststellen muss, dass sich die Qualität der Reitkonzepte gegenüber der Vergangenheit eher verschlechtert hat.

EINE Reitlehre für ALLE

Würde man, ausgehend von den alten Meistern der Renaissance und der danach gekommenen Meistern, konsequent weiterdenken und folgende Grundsätze als unumstößliche Rahmenbedingungen für dieses Denken akzeptieren, dann könnte es irgendwann gelingen, dass man jenen EINEN Weg herausarbeitet. Jene EINZIGE Reitlehre für alle Reiter, alle Pferde. Machbar ist das!

Diese 4 Grundsätze sind es, die mein Nachdenken über jenen EINEN Weg leiten und bestimmen:

  • Behandle das Pferd stets mit größter Wertschätzung und Respekt
  • Das Konzept muss absolut logisch und stringent aufgebaut sein
  • Das Konzept muss eine hohe Effizienz aufweisen
  • Das Konzept muss minimalistisch angelegt sein

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Was wäre wohl aus der Reiterei geworden?

Welche Wendung hätte wohl die Geschichte der Reiterei genommen, wenn der Herzog von Orléans (Ferdinand Philippe d’Orléans, duc de Chartres) nicht am 13. Juli 1842 durch einen Kutschenunfall ums Leben gekommen wäre?

Trust-your-Horse - Herzog von Orléans

Der Herzog war ein Unterstützer und Förderer von François Baucher und ermöglichte diesem, als Oberkommandierender der Armee, seine Methode in der Armee zu erproben.
Alle Versuche, die stattfanden, zeigten die Überlegenheit der Methode von Baucher.

Das letzte und größte Experiment in Lunéville – Ostfrankreich, unter der Leitung von Bauchers Sohnes Henri, sollte nach 7 Wochen, mit einer großen Abschlussvorstellung (Caroussel) am 20. Juli 1842 enden. An diesem Experiment waren, u.a., zwei komplette Kavalleriekompanien beteiligt. Die eine Kompanie setzte sich dabei aus den besten Pferden zusammen, die nach der herkömmlichen Art ausgebildet waren. Die andere aus jungen Pferden mit nur wenigen Wochen Ausbildung, aber nach der Methode von Baucher.

Der Herzog von Orléans hatte mitgeteilt, dass er dieser Veranstaltung am 20. Juli 1842 vorstehen wolle. Diese Veranstaltung wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Bauchers größtem Triumph geworden. Doch dazu kam es nicht. Am 13. Juli 1842 kam der Herzog bei einem Kutschenunfall in Sablonville zu Tode.

Zu allem Übel wurde der Herzog an der Spitze der Armee durch seinen Bruder, dem Herzog von Nemours, einem Schüler von d’Aure, dem großen Gegner von Baucher, ersetzt. Der Herzog von Nemours entschied, dass alles zu verwerfen wäre, was sein Bruder an dieser Stelle eingeleitet habe.

Entgegen aller positiven und zum Teil begeisterten Schriftstücke, die von allen Offizieren über Bauchers Methode verfasst wurden, hielt der Herzog daran fest, Bauchers Methode bei der Armee nicht anzunehmen. Er sagte (zu Unrecht): „Ich möchte keine Methode, welche die Vorwärtsbewegung beeinträchtigt„.

„Je ne veux pas d’un systéme qui prend
sur l’impulsion des chevaux.“

(Duc de Nemours)

Ein Zitat, welches Louis Seegers aufgriff und zum Anlass nahm, sein Anti-Baucher-PamphletEin ernstes Wort an Deutschlands Reiter“ zu verfassen.

Als Baucher mit seiner Methode auch in Berlin für anfängliche Begeisterung sorgte – so das sich die örtlichen Berufsreiter gekränkt fühlten (die Zeiten ändern sich nie!) und diese angeführt von Seegers mit heftigen verbalen Breitseiten antworteten, gipfelnd in eben jenem Pamphlet – wurde Bauchers Zukunft in Deutschland zunichte gemacht.

Bahn frei für Steinbrecht.

Was nun aber wäre aus der Reiterei geworden, wenn der Herzog nicht ums Leben gekommen wäre?

Die Beantwortung überlasse ich dem geneigten Leser.

Quellen
  • Baucher et son Ecole – General Decarpentry
  • Francois Baucher – Enfant terrible oder Genie – J.C. Racinet
  • Ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter – Louis Seeger

Autor: Richard Vizethum
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Ich reite nach Baucher!

Auszug aus eigenen Notizen

ICH REITE NACH BAUCHER! Solche Aussagen liest oder hört man öfter und mitunter quittiert mit Anmerkungen wie „Nicht überall wo Baucher draufsteht ist auch Baucher drin!“.

Trust-your-Horse - Ich reite nach Baucher

WANN ABER REITET MAN NACH BAUCHER?

Wenn man sich akribisch an den Ausbildungsplan in der Erstfassung seiner „Methode der Reitkunst“ hält? Wenn man bestimmte Regeln einhält wie z.B. „Hand ohne Beine und Beine ohne Hand“?

WER RITT ODER REITET NACH BAUCHER?

Racinet, Oliveira oder Philippe Karl?

Ist es nicht eigentlich so, dass wir stehenbleiben, indem wir uns dogmatisch an Bauchers Veröffentlichungen halten und sagen „Ich reite nach Baucher!“?

Denn gerade dieses Stehenbleiben und im Wissen verharren, ist nicht Baucher. Er zeichnete sich stets dadurch aus, dass er bis zu seinem letzten Atemzug darüber nachdachte, wie man das Reiten verbessern, effektiver machen konnte.

So hat beispielsweise Baucher, dem es gelungen war die Kandare zu vebessern, in seinen letzten Tagen zu General l´Hotte gesagt:

„Sehen Sie, die Trense hat soviele Möglichkeiten. Setzen Sie sie folgerichtig ein, Sie werden sehen, sie steckt voller Schönheit. Wenn Widersetzlichkeit von oben, unten, rechts oder links kommt, immer liefert die Trense das Mittel sie zu beherrschen.“

NACH BAUCHER ZU REITEN BEDEUTET NACHDENKEN

Ich denke, nach Baucher zu reiten bedeutet in erster Linie einmal nachzudenken. Eine, im Zeitalter von Google und Wikipedia, stark in Vergessenheit geratene Fähigkeit.

Es ist die lebenslange Aufgabe, sich methodisch weiterzuentwickeln, Lehrmeinungen im Sattel (nicht nur theoretisch) zu hinterfragen und von allem unnötigen, das Pferd nutzlos belastenden, zu befreien. Nach Baucher zu reiten ist die stete Suche nach der Essenz des Reitens.

Reiter wie Racinet, Oliveira, Karl ritten oder reiten nicht nach Baucher im Sinne seiner Veröffentlichungen, sie sind aber Baucheristen im Sinne seiner Grundhaltung und Philosophie.

Wenn man mich als Baucheristen bezeichnet, dann erfüllt es mich mit demütigem Stolz und ich sage innerlich „Danke“, selbst dann, wenn derjenige, der es aussprach, es eher herablassend gemeint hat.

Autor: Richard Vizethum
Eigene Notizen
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