Von der Wand weg

Sicher hat das jeder schon einmal erlebt, sein Pferd drängt über die äußere Schulter in Richtung auf eine Wand oder einen Gegenstand zu. Seinen Hals und Kopf hat es dabei nach innen, also weg von dem Gegenstand, gestellt.

Trust-your-Horse Pferd drängt nach Außen - Problem

Die Ursachen für dieses Verhalten können zwar vielfältig sein, doch sind in den allermeisten Fällen Fehler beim Sitz und/oder in der Hilfengebung des Reiters dafür verantwortlich, also nicht irgendwelche „Gespenster“ in irgendeiner Ecke.

Um nun aus dieser, mitunter problematischen Situation zu kommen, ist RICHTIGES und schnelles Reagieren notwendig. Die Lösung liegt dabei im Problem verborgen. Wenn das Pferd in Innenstellung nach Außen drängt, dann sollte es folglich auch in Außenstellung nach Innen weichen.

Trust-your-Horse - Pferd drängt nach Außen - Lösung

Und genau so ist es!

Der Reiter dreht sich dafür um seine Körperlängsachse ganz leicht mit Becken und Schultern nach außen. Diese Veränderung des Sitzes führt bereits zu einer mehr oder weniger starken Veränderung der Stellung des Pferdes in Richtung Außen. Da die Stellung für diese Korrektur eine zentrale Bedeutung hat, kann der äußere Zügel (auf der dem Gegenstand zugewandten Seite) durch leichtes Anheben diese Stellung nach außen etwas verstärken.
Nun kann sich das Pferd nicht mehr gegen das treibende Bein (nun das äußere Bein) stemmen.

Das Pferd weicht nach INNEN!

Natürlich funktioniert dies auch in der anderen Richtung!

Autor: Richard Vizethum
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Mit einer Heuschnur zur feineren Hand

Wie fein sind Deine Hände, wie weich deren Kontakt mit dem Pferdemaul?
Wie „schwer“ fühlt sich dieses vermeindliche Mysterium „Anlehnung“ – jener beispielsweise in der „Richtlinie für Reiten und Fahren“ der „Deutschen Reiterlichen Vereinigung„, als „stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul“ beschriebene Kontakt – bei Deinem Pferd an?

Trust-your-Horse - Heuschnur als Zügelersatz lehrt feines Reiten

Die Verbindung zum Kopf des Pferdes wird über Zügel hergestellt, und die Machart der Zügel bestimmt darüber wie „sicher“ der Kontakt ist. So gibt es beispielsweise – gerne benutzt – geflochtene Zügel, Zügel mit Gummibezug und Antirutschauflagen oder schwere, breite Zügel (Westernreiten). Was haben alle diese Zügel gemeinsam?

SIE HELFEN DEM REITER UND SCHADEN DEM PFERD

Dem Reiter wird es leichter gemacht die Zügel fest- und mit ihnen gegenzuhalten. Mit solchen Zügeln ist man eher versucht, anstelle der Finger, die Arme einzusetzen und  deren Kraft ziehend zu nutzen.

Nun ist „…ziehen mit den Armen zur Beherrschung eines Pferdes ein Beweis für die Unfähigkeit des Reiters„, wie es Jean-Claude Racinet ausdrückte. Denn wenn man zieht wird das Pferd dagegenziehen (Druck erzeugt Gegendruck | Zug erzeugt Gegenzug).

Dabei wird der Schmerz den das Pferd empfindet seinen Widerstand gegen die Reiterhand größer und größer werden lassen. Und auch der Reiter wird sich anstrengen müssen. „Jetzt hab ich mir schon wieder ein paar Handschuhe mit den Zügeln durchgescheuert…!„, sind neben Muskelkater das Ergebnis einer Auseinandersetzung bei der Reiter und Pferd verlieren.

Feines Reiten sieht sowieso anders aus.

MIT HEUSCHNUR UND OHNE HANDSCHUHE

Verwende doch mal, anstelle der Zügel eine Heuschnur, in der Stärke wie sie bei kleinen Heuballen üblich ist und verzichtet auch auf die Handschuhe.

Jetzt wirst Du merken, WIE fein Deine Hand tatsächlich ist. Wo sonst oft die Muskelkraft des Reiters das „Gleichgewicht“ beim Pferd herstellt – verlangt der Schmerz in der Hand mehr Intelligenz. Diese Erkenntnis kann man gewinnen, unabhängig davon, ob das Pferd ein Mundstück trägt oder gebisslos geritten wird. Gerade bei mancher gebisslosen Zäumung wird man plötzlich eine überaus schmerzhafte Überraschung erleben.

Und so manch, vermeindlich feine Hand, wird plötzlich spüren, dass doch mehr Kilos anstehen als gedacht.

Eine Heuschnur als Zügelersatz und Hände ohne Handschuhe lehren Dich, Deine Hände bewusster und feiner einzusetzen – zum Wohle des Pferdes.

Sicherheitshinweis
Man kann gerne die regulären Zügel als „Reserve“ eingeschnallt lassen.

Autor: Richard Vizethum
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Rede nicht mit Deinen Händen!

Wir Menschen sind stark auf die Hände fixiert. Um etwas zu verstehen, müssen wir es be-GREIFEN.

Auch beim Reiten sind wir geneigt vermehrt die Hände zu benützen – mehr als dies notwendig wäre. Häufig tun wir dies auch nicht besonders feinfühlig.

Die folgende Übung trainiert mehr Achtsamkeit, ruhende Hände und vermittelt das Gefühl gleichmäßiger Fühlung zum Pferdemaul.

Dazu nutzt man einen einfachen, etwa 30-40 cm (nicht länger!) langen Zweig oder einen entsprechenden Holzstab.

Trust-your-Horse - Rede nicht mit den Händen

Man nimmt die Zügel, wie auf dem Foto gezeigt, zwischen Zeige- und Mittelfinger. Die Zügel müssen dabei gleich lang sein. Den Zweig hält man zwischen Daumen und Zeigefinger fest. Der Abstand zwischen den Händen beträgt etwa 30 cm. Es ist stets darauf zu achten, dass der Zweig mit dessen Mitte horizontal über dem Mähnenkamm bleibt.

Beim Lenken (primär über Körperposition) darf die äußere Hand nur soweit vor und die innere Hand nur so weit zurückgehen, dass die Zügel dabei – ohne zu schlottern – Fühlung zum Pferdemaul halten.

(Frei nach der Grundidee von Udo Bürger, Otto Zietschmann – „Der Reiter formt das Pferd“)

SPRECHE KLARER MIT DEM KÖRPER UND PLAPPERE NICHT MIT DEN HÄNDEN!

Sicherheitshinweise:

Das Pferd sollte ein möglichst gelassenes Pferd sein, damit der Zweig nicht zu Überreaktionen führt und der Reiter sich ganz auf die Koordination der Hilfen konzentrieren kann.

Zweig oder Holzstab dürfen nicht zu lange sein, denn es kommt durchaus vor, dass sie das Pferd irritieren, vor allem dann, wenn der Reiter (noch) nicht in der Lage ist, seine Hände ruhig zu halten.

Balanceakt – spiel Mikado mit Deinem Pferd

BALANCE – zwingend notwendig, aber meist vernachlässigt!

„Reiten ist Balanceverschiebung!“ Dieser Satz deutet an, dass man mit einer Veränderung der Balancesituation des Pferdes, dessen Bewegungs-richtung und Geschwindigkeit beeinflussen kann.

Von Natur aus tragen Pferde keinen Reiter, noch laufen sie auf Zirkel oder Volten.

Das reflektorische System des Pferdes ist deshalb nicht angemessen auf diese neuen Herausforderungen vorbereitet. Balanceverluste und damit Stress sind die Folge. Einem Sachstand, dem viel zu wenig Bedeutung im Training beigemessen wird.

Stattdessen lässt man das (junge) Pferd an der Longe „auspowern“, weil es vermeintlich zu viel Energie hat und deshalb so hektisch rennt. Dabei will es gar nicht rennen, sondern versucht nur verzweifelt und gestresst die Balance auf der Voltenlinie zu finden.

Bevor man dem Pferd an der Hand keine Grundbalance vermittelt hat, macht es keinen Sinn, es im Trab oder Galopp zu longieren.

LASS DEIN PFERD „BALANCIEREN“

Eine gute Übung, um dem Pferd Balance an der Hand zu vermitteln, ist das Überschreiten lassen von beliebig und völlig sinnfrei angeordneten Stangen (s.Bild).

Trust-your-Horse - Stangen-Mikado

Dabei lässt man das Pferd im Schritt kreuz und quer über den „Stangensalat“ gehen, ohne einer klaren Linie zu folgen. Auch enge Wendungen innerhalb der Stangen tragen dazu bei, neben der Balance auch die Aufmerksamkeit und Konzentration des Pferdes zu fördern.

Verliert man z.B. bei einer Übung an der Hand (z.B. Schulterherein …) die Konzentration des Pferdes, dann lässt sich diese BALANCIEREND zwischen den Stangen wiederfinden.

Das Pferd hat immer Recht!

Wie oft hört man Sätze wie „Mein Pferd verarscht mich doch schon wieder!“ oder „Der Gaul will mal wieder nicht!“. Solchen und ähnlichen Aussagen ist eines gemeinsam:

Sie geben dem Pferd die Schuld an einer Situation

Old-Rose - Das Pferd hat immer Recht

Da Pferde aber nicht, wie wir, über die Zukunft nachdenken, sind sie auch nicht zu arglistigen Gedanken fähig. Pferde handeln im Hier und Jetzt und sie reagieren IMMER angemessen auf die gegebene Situation. Dabei spielt natürlich auch der Selbstschutz eine große Rolle.

Das was wir Denken bestimmt unser Handeln!

Wenn man davon ausgeht, dass das Pferd schuld an einer Situation ist, dann wird man auch entsprechend korrigieren, denn das Denken („DAS PFERD ist schuld!“) bestimmt unser Handeln („Ich muss DAS PFERD korrigieren!“). Die Folge: Man korrigiert falsch und die Situation verschlechtert sich.

Verschlimmert wird dieses Denken auch dadurch, dass man den, von vielen Trainern immer wieder gerne verwendeten Begriff von „Dominanz“ im Hinterkopf hat und „Dominanzprobleme“ unterstellt. Bei Pferden geht es so gut wie nie um Dominanz, sondern immer nur um Vertrauen.

Eine falsche Korrektur aber stört dieses Vertrauen

Deshalb hört auf, solche Sätze wie oben auch nur zu denken. Fragt euch stets: „Was habe ICH falsch gemacht!“. Dann werdet ihr auch richtig und angemessen korrigieren und das Vertrauen eures Pferdes behalten.

Binde Dein Pferd am Boden fest

Ground tying„, dieser Begriff kommt aus der Arbeit der Cowboys und bedeutet soviel wie „Etwas am Boden festbinden“.

In der Rancharbeit eines Cowboys gab es viele Situationen, in denen er vom Pferd absteigen musste (Rind untersuchen, Zaun reparieren …) aber keine Möglichkeit und Zeit hatte, währenddessen sein Pferd irgendwo anzubinden.

Also „band“ er es einfach am Boden fest.

Dazu ließ er einen Zügel, der im Westernreiten üblichen geteilten Zügel (Split Reins) oder den Führstrick am Bosal (klassische Hackamore), beim Absteigen zu Boden fallen. Für das Pferd bedeutet dies „Stehenbleiben!“. Und zwar so lange, bis der Cowboy wieder zurückkam.

Das „ground tying“ sollte man jedem Pferd beibringen (Halfter und Führstrick), damit es ruhig stehenbleibt, während man beispielsweise den Sattel holt oder das Pferd putzt.

Trust-your-Horse - Binde Dein Pferd am Boden fest

Die wichtigsten Voraussetzungen, die man als Mensch für das Training des „ground tying“ mitbringen muss sind:

  • Vertraue Deinem Pferd,
  • Emotionslosigkeit und
  • Geduld.

Wie geht man vor?

Man stellt sein Pferd in der Reitbahn ab und lässt den Führstrick zu Boden fallen. Dabei sollte das Pferd möglichst im natürlichen Gleichgewicht stehen, also geschlossen und nicht in Schrittposition. Dann geht man um das Pferd herum. Die eigene Körperhaltung sollte dabei Selbstsicherheit und Ruhe ausstrahlen. Ein ständiges zum Pferd umschauen ist nur ein Zeichen von Unsicherheit und der Wunsch die Kontrolle zu behalten und nicht zielführend. VERTRAUE DEINEM PFERD!

Geht das Pferd nun los – was am Anfang häufiger vorkommt – dann holt man es sehr ruhig und souverän wieder zurück und stellt es genau wieder an dem Ort ab, von dem es losgegangen ist und beginnt erneut in einem Abstand von 2-3 m um das Pferd herumzugehen.

Bleibt es irgendwann für eine komplette Umrundung stehen, dann lobt man es sehr intensiv und vor allem ehrlich. Ehrliches Lob klappt nur, wenn man die Erwartungshaltung in das Pferd nicht zu hoch angesetzt hat.

ZIEL: Pferd soll stehenbleiben  + ERWARTUNG: Keine = Viel Grund zu loben!

Mit der Zeit kann man die Distanz zum Pferd vergrößern und nach einigem Üben bleibt das Pferd auch dann auf der Stelle stehen, wenn man mal die Reitbahn verlässt.

Und wieder hat man ein Stück Weg zum coolen Pferd geschafft und dabei auch an der eigenen Persönlichkeit gearbeitet!

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Spiel doch mal „Polo“

Wieder einmal will das Pferd nicht in die Richtung wenden, in die man möchte und das, obwohl man vermeintlich alles richtig gemacht hat. Wieder und wieder drückt es beim Abwenden nach Links über die rechte Schulter. Man erhöht den Druck – auch der Zügel – doch das Ergebnis ist das Gleiche.

SPIEL DOCH MAL EIN BISSCHEN „POLO“

Stelle 6 Pylone – idealerweise in zwei verschiedenen Farben (z.B. blaue und gelbe Pylone) – beliebig auf dem Reitplatz auf. Als Polostick verwende eine Gerte (Achtung: das Pferde sollte keine heftige Reaktion auf die Gerte zeigen). Halte die Gerte IMMER in der rechten und die Zügel in der linken Hand.

Trust-your-Horse - Spiele Polo

Deine Aufgabe ist es nun, mit der Gerte die einzelnen Pylone zu berühren, die Farben abwechselnd (z.B. gelb – blau – gelb und so fort). Übe es zunächst im Schritt. Wechsle dann aber schnell in den Trab.

Ist der Pylon rechts von Dir – also auf der Seite, auf der Du die Gerte hälts, dann führst Du einen sogenannten Offside-Schlag aus. Ist der Pylon dagegen auf der linken Seite, dann musst Du mit der rechten Hand über den Sattel hinweg versuchen den Pylon zu treffen. Dies ist ein sogenannter Nearside-Schlag

Durch Deine Konzentration auf die Pylone wirst Du feststellen, wie einfach sich Dein Pferd plötzlich lenken lässt, wie es auf jede Körperdrehung von Dir sofort reagiert – ja sogar, wie Dein Pferd plötzlich beginnt „mitzuspielen“.

Spiel ein bisschen Polo und lerne die Wendigkeit Deines Pferdes kennen!

Ecken machen Zirkel rund

Auf Zirkeln und Volten neigen Pferde dazu – abhängig von der Händigkeit – die innere Schulter mehr oder weniger stark „fallen“ zu lassen. Dies führt zu Überlastungssituationen und Balanceverlust. Diesen Balanceverlust versucht das Pferd unter Umständen durch Abkürzen oder Erhöhung der Geschwindigkeit auszugleichen.

Ein gut gerittener Zirkel dagegen ist einer, der rund ist. Ein Zirkel, bei dem das Pferd die Schultern oben behält und den Eindruck erweckt, als würde es auf Schienen laufen – die Spur der Zirkellinie mit dem Körper nachzeichnend.

Wie kann man dies erreichen?

MACHE DAS RUNDE ECKIG

Man teilt die Zirkellinie in 6 oder 8 Ecken ein. Diese Ecken kann man am Anfang als Orientierungshilfe mit Pylonen markieren.

Trust-your-Horse - Ecken machen Zirkel rund

Man reitet immer von einem Pylon zum nächsten. Am Pylon macht man eine Richtungsänderung, um daran anschließend das Pferd wieder auf die kurze Gerade bis zum nächsten Pylon zu entlassen.

Das Entscheidende bei dieser Übung sind nicht die Ecken, sondern die Geraden dazwischen!

Nach jeder Ecke richtet das Pferd die innere Schulter für die Gerade wieder auf. Je öfter man auf diese Weise ein Pferd auf dem „Zirkel“ arbeitet, desto grundsätzlicher wird das Pferd in Kurven die innere Schulter oben behalten.

DIE KOMMUNIKATION UND KORREKTUR

Jeweils am Pylon dreht man sich in die neue Richtung (Körperposition) und gibt ggf. einen unterstützenden Impuls mit dem äußeren Bein.

Sollte es dann noch notwendig sein, so fängt man ein Herauslaufen des Pferdes mit dem inneren Zügel durch einen Impuls nach vorwärts aufwärts und leicht nach innen auf und bringt das Pferd in die neue Richtung. Auf der Geraden richtet man sich gerade und gibt die Zügel etwas nach.

Ein unausbalanciertes Pferd wird am Anfang die gerade Linie nicht halten können. Läuft es über die äußere Schulter, dann bringt man es mit dem inneren Zügel und dem äußeren Bein wieder auf eine gerade Linie. Fällt es dagegen über die innere Schulter, dann verlagert man beide Zügelhände – etwas angehoben – nach außen und setzt die Vorhand wieder vor die Hinterhand.

Diese Übung kann in allen drei Grundgangarten (Schritt, Trab und Galopp) geritten werden.

NUTZE ECKEN UND MACH DEN ZIRKEL RUND!

Schultervor gerade

Wie der Mensch Rechts- oder Linkshänder ist, so sind dies alle Säugetiere – also auch das Pferd. Bei dieser als „natürliche Schiefe“ (besser wäre „natürliche Biegung“) bezeichnete Händigkeit ist das Pferd auf der einen Seite hohl (verkürzte Muskulatur).

Um dennoch geradeaus gehen zu können, muss es mit dem Vorderbein der anderen Seite weiter vorgreifen. Nach diesem weiter vorgreifenden Bein wird die jeweilige Händigkeit benannt (Rechtshänder beispielsweise ist auf der linken Seite hohl et vice versa).

Diese Händigkeit führt zur Überlastung der händigen Schulter (Rechtshänder = rechte Schulter) und stellt eine Diagonalverschiebung dar.

Der Reiter verschärft diese ungünstige Belastungs-situation. Um das Pferd auch als Reitpferd gesund zu erhalten muss deshalb ein Trainingsziel sein, das Pferd geradezurichten.

In der Skala (Stufenleiter) der Ausbildung steht das Geraderichten erst an fünfter Stelle, unmittelbar vor der Versammlung. Dabei ist das „Geraderichten“ des Pferdes eine elementar wichtige Übung auf dem Weg vom Pferd zum Reitpferd.

Ein Pferd welches nicht geradegerichtet ist – die Vorhand in gerader Linienführung vor der Hinterhand steht – kann weder den Rücken seriös geben, noch ist es zur korrekten Aufrichtung fähig.

Das Geraderichten sollte deshalb von Anfang der Ausbildung an ein wichtiges Element des Trainings eines Pferdes sein.

Es gibt sicherlich viele Übungen, mit deren Hilfe man ein Pferd geraderichten kann (z.B. Schulterherein), doch aus meiner Sicht ist das SCHULTERVOR die geeignetste Übung.

Es ist die Möglichkeit die verkürzte Muskulatur auf der hohlen Seite nicht durch zu starkes Stellen des Pferdes in die andere Richtung zu überlasten (Verspannungen, Muskelkater …).

WIE GEHT MAN VOR? (Beispiel: Rechtshänder)

Die Korrektur der „Natürlichen Schiefe“ im Schultervor erfolgt NUR auf der händigen Seite. Um das Pferd mit Hilfe des SCHULTERVOR geradezurichten muss man die weiter vorgreifende Vorhand (in diesem Fall rechte Vorhand) im Vorgriff etwas reduzieren.

Trust-your-Horse - SchultervorGerade

Dazu reitet man das Pferd auf einer geraden Linie. Dann nimmt man die eigene RECHTE Schulter etwas zurück, hebt den RECHTEN Zügel an, um die RECHTE Schulter des Pferdes anzuheben und stellt es vorsichtig nach RECHTS. Es ist darauf zu achten, dass man die Schultern und nicht nur Hals und Kopf des Pferdes nach rechts stellt. Der restliche Pferdekörper ist dabei geradegerichtet. Eine zu starke Überstellung von Hals und Kopf des Pferdes ist zu vermeiden.

Auf der händigen Hand wird das Pferd nun versuchen dem stellenden Zügel zu folgen und nach rechts zu weichen. Dies verhindert der Reiter, indem er mit seinem RECHTEN Knie in Richtung der rechten Pferdeschulter drückt um die Vorhand wieder nach links vor die Hinterhand zu setzen.

GERADERICHTEN IST KEINE EINMALSACHE

Das Geraderichten des Pferdes ist nicht etwas, was man ein paarmal übt und dann „funktioniert“ es, nein, es muss zum Bestandteil der täglichen Arbeit gemacht werden. Nur das häufige „Wiederholen“ kann das Muster verändern und das Pferd auch „im Kopf geraderichten“.

Ob auf dem Reitplatz oder im Gelände – GERADERICHTEN KANN MAN ÜBERALL.

Motivationsfaktor Lob

Es ist nun schon eine Weile her, da konnte ich dem Kurs eines bekannten Ausbilders beiwohnen. Dabei fiel mir ganz besonders ein Satz auf, den dieser Reitmeister immer und immer wieder zu den Reitschülerinnen sagte: „Loben Sie Ihr Pferd!“

Jetzt könnte man sagen, dass die Schülerinnen möglicherweise sehr konzentriert versuchten, die gestellten Aufgaben zu meistern und deshalb einfach nicht selbst daran gedacht hatten, ihre Pferde zu loben – nein, ein ähnliches Bild sieht man täglich in Reithallen und auf Reitplätzen.

LOBEN, LOBEN, LOBEN!

Ehrlich gemeinte Anerkennung ist eines der stärksten Bindeglieder, nicht nur zwischen Menschen, und ein mächtiger Motivationsfaktor. Doch auch Loben will „gelernt“ sein. Loben ist wie Dünger, welchen man auf dem Feld der Leistung ausstreut. Zuwenig lässt die Pflanzen der Leistung kümmern, zu viel davon kann aber auch die Ernte verderben.

Ein paar wichtige Punkte die man dabei unbedingt beachten sollte:

  1. NUR EHRLICHES LOB IST WIRKSAMES LOB! Ehrliches Lob kommt vom Herzen und ist kein, durch ständige Aufforderung des Reitlehrers, trainierter Reflex. Loben muss man wollen!
  2. LOBE ZEITNAH! Innerhalb von 1-2 Sekunden nach einer gewünschten Leistung des Pferdes muss das Lob erfolgen. Also, nicht zu lange darüber nachdenken – LOBEN!
  3. LOBE LEISTUNG! Dem Lob muss eine Leistung vorausgegangen sein. Beachte dabei: „Oftmals fordern; mit kleinen Resultaten zufrieden sein; das Pferd ausgiebig loben“ (Faverot de Kerbrech).
  4. LOBE GERECHT! Gerechtes Lob kennt keine „Lieblinge“. Wenn man mehrere Pferde arbeitet, sollte man nicht nach Sympathie, sondern nur der Leistung angemessen loben. Lob kennt auch keine „Tagesform“.
  5. LOBEN NICHT SCHLAGEN! Ein sanftes Streicheln, ein leise Wort wird als Lob wahrgenommen – das Schlagen auf den Hals ist ein agressiver Akt.

Und nun, habt Spaß mit euren Pferden und lobt UNAUFGEFORDERT!