RELATIVE vs. ABSOLUTE Aufrichtung – ein paar Worte dazu

Das man Aufrichtung – wiederum erst in der Neuzeit – differenziert in RELATIVE und ABSOLUTE Aufrichtung liegt zu einem Teil sicherlich erneut an falschen Bildern, die man so im reiterlichen Kopf mit sich herumschleppt. Es gibt aber auch noch etwas dazwischen!

In der Vergangenheit gab es nur DIE AUFRICHTUNG und, so man korrektes Ausbilden und feines Reiten für sich reklamieren wollte, nur in Verbindung mit dem Herbeinehmen der Nase des Pferdes, also BEIZÄUMUNG.

Trust-your-Horse - relative vs absolute Aufrichtung

Beide Elemente, Aufrichtung und Beizäumung, wurden stufenweise DURCH DIE HAND (also nach heutiger Redensart ABSOLUT) erarbeitet und – in Preußen – auf TRENSE (lange bevor Baucher diese als non plus ultra für sich entdeckt hatte). Die Kandare in dieser Phase zur Anwendung zu bringen (was ja auch vorkam) zeugte nur von sehr geringem Sachverstand.

Dabei wurde darauf geachtet, dass man immer nur so viel an Aufrichtung dazu nahm, wie der aktuelle Status des Pferdes dies zuließ, ohne das, das Pferd dabei den Rücken deutlich unter die Horizontallinie der Rückenwirbelsäule wegdrückte. Der Rücken des Pferdes darf sich nur soweit absenken, dass die Rückenmuskulatur jene Spannung erreicht, unter der es überhaupt einen Beitrag zum Gewichtstragen leisten kann (also geringgradig unter der Horizontallinie).

Auch hier sei nochmal erwähnt, dass mit angehobenen Rücken das Pferd NICHT in der Lage ist muskelunterstützt zu tragen!

Bei dieser Form der Aufrichtung, die zunächst im Stehen durchgeführt wird und welche ich schon sehr lange so praktiziere und zu meinem Leidwesen (in den letzten Monaten) erkennen musste, dass dies die Preußen weit vor mir so gemacht haben (macht demütig), soll auch die Hinterhand noch keinen Beitrag leisten, es wird also NOCH keine Hankenbeugung angestrebt oder erwartet (nur bei den Abkürzungsreitern, gab es dieses problematische Vorgehen auch damals schon!)! Denn die Hinterhand ist dazu noch nicht seriös in der Lage und man würde nur Widerstände beim Pferd produzieren, dort wo man gerade bestrebt ist einen anderen Hauptwiderstand (Genick) aufzulösen.

Mit höher werdender Aufrichtung wird der Widerrist immer stärker in die Aufrichtung involviert, der Rücken und die Hinterhand erst langsam und in Folge dieser Aktivitäten eingebunden werden. Denn die Hinterhand ist es letztendlich, die das Pferd vorne leicht erhalten soll – gleichwohl die Pferde davor schon durch das Aufrichten und Beizäumen LEICHT (wahrhaftig LEICHT!) sind!

Dieses Aufrichten im Stehen und zum Teil bereits in der Bewegung, geht bis zu einer fast senkrecht Stellung des Halses (siehe Reiterstandbild von Friedrich II „Unter den Linden“ in Berlin). Damit dies möglich wird, ist bei der Beizäumung auch so einiges zu beachten. So muss, um diese dem Pferd angenehm zu machen, die Ohrspeicheldrüse und die damit in Verbindung stehende Muskulatur weich gemacht werden (Graduell mit der Aufrichtung)! Auch das fällt unter Kunst – denn es sind keine einfachen Arbeiten und diese müssen mit sehr viel Vorsicht geschehen!

Nach heutiger Redensart würde man hier also eine ABSOLUTE Aufrichtung vermuten dürfen.

Allerdings sei erwähnt, dass man bei dieser Form der stufenweisen Aufrichtung das Pferd NIE mit Hilfe der Hand in der zugewiesenen Kopf-/Halsposition erhalten darf! So gesehen entspricht es nicht ganz dem, was man unter ABSOLUTER Aufrichtung versteht.

Bei dieser (hohen) Aufrichtung und Beizäumung findet eine tatsächliche Gewichtsverschiebung nach hinten statt, die sonst in diesem Maße NICHT erreicht werden kann – „relativ“ ist dies KAUM MÖGLICH!

Wichtig dabei ist es die Möglichkeiten des Pferdes zu beachten. Dicke und Länge des Halses, Ganaschen-Freiheit etc. Die Aufrichtung und Beizäumung hat darin ihre Limitierung – gleichwohl mehr geht als man oft geneigt ist anzunehmen.

Manche Pferderassen wie beispielsweise Spanische Pferde oder Friesen bringen schon sehr viel „Haltung“ („Haltung wird hier nicht verstanden als höchste Stufe des GLEICHGEWICHTS) mit, welche man nur zu erhalten und etwas zu „verbessern“ braucht. Bei diesen Pferden ist die Erarbeitung von Aufrichtung/Beizäumung KEINE so große Kunst (nicht abwertend gemeint)! Auch bietet diese ihre „natürliche Haltung“ etwas mehr die Chance für eine weitgehende RELATIVE Aufrichtung.

Das was wir heute unter Dressurhaltung sehen, wird KAUM durch „RELATIVE AUFRICHTUNG“ erreicht – obwohl das Ansinnen im Grundansatz ja richtig ist. Da kommt schon mal die Hand durchaus (stark) stützend zum Einsatz. Insbesondere dann, wenn man die Pferde davor im Vorwärts-Abwärts (muskulär) in „Grund und Boden“ geritten hat. Trotz optischer Aufrichtung laufen die Pferde vermehrt auf der Vorhand.

Es findet dabei somit auch KEINE signifikante GEWICHTSVERSCHIEBUNG in Richtung Hinterhand statt, auch nicht bei „Hankenbeugung“, welche man übrigens auch sehr selten in der heutigen Dressurhaltung sieht. Bei einer korrekten Hankenbeugung müssen sowohl das Hangbein ALS AUCH das Stützbein gebeugt sein und ein Entbinden der Schultern durch Anheben des Widerrist stattfinden!

Die sogenannte „RELATIVE Aufrichtung“ setzt voraus, dass der Bewegungsdruck der Hinterhand nach Vorwärts-AUFWÄRTS fließen kann und so das Pferd (gewichtstechnisch) aus der Reiterhand mehr und mehr heraushebt. Reine Physik! Dazu muss aber das Pferd – im Minimum – bereits in der sogenannten „Gebrauchshaltung“ (Nase über Hüftgelenk) gehen, damit überhaupt eine Chance bestünde es, durch Motivation der Hinterhand, noch etwas weiter – RELATIV – aufzurichten. Auch ist man vom Willen und der Bereitschaft des Pferdes abhängig dies überhaupt tun zu wollen. Wäre das Pferd, wie oben beschrieben, darauf VORBEREITET WORDEN, dann ginge das!

Wurde nun aber das Pferd VORWÄRTS-ABWÄRTS oder noch schlimmer „in die (falsch verstandene) TIEFE“ der „Jagdhundschnüfflerfakultät“ geritten, wobei man dieses Ziel mitunter oft unseriös unter Zuhilfenahme von Hilfsmittel erreicht hat, dann wird das Pferd diesen Willensbeitrag kaum leisten und weiter mit der Tendenz Vorwärts-ABWÄRTS in die Reiterhand gehen. Es wird diesen Beitrag auch dann nicht wirklich leisten wollen, wenn man es in der sogenannten „korrekten Dehnungshaltung“ gearbeitet hat – denn auch hier ist die Tendenz „Vorwärts-Abwärts“.

Auch EIN Grund, warum man ROLLKUR reitet! Zwingt man das Pferd lange genug in diese Position, dann wird es sich, lässt man es etwas raus, versuchen aufrichten. Dies ist dann natürlich KEINE reelle Aufrichtung – da sind wir uns sicher alle einig! Bloß auch dieser Zusammenhang wird meist nicht so gesehen. Hätte man kein so intensives V/A zelebriert, dann wäre auch Rollkur keine „zwingende Notwendigkeit“, auch nicht für diese, mit nur begrenzten reiterlichen Fähigkeiten ausgestatteten Rollkur-Reiter. Auch der Aspekt KONTROLLE, der (zu Recht) als Begründung für Rollkur genannt wird, würde nicht mehr indem Maße bedeutend sein.

In eine Dressurhaltung mit höherer Aufrichtung, wie man sie durchaus noch vor über 50 Jahren sehen konnte, bekommt man kein Pferd durch eine RELATIVE Aufrichtung. Zumal man ja erwartet, dass sich diese Aufrichtung sich mit der Zeit von selbst ergibt. Hier musste auch die Hand aufrichtend – ABER NICHT OBEN HALTEND – nachhelfen.

Leider ist man heute soweit, dass man in der „ABSOLUTEN Aufrichtung“ eine Form der Aufrichtung sieht, in der der Reiter Kopf und Hals des Pferdes anhebt UND „trägt“ und der Rücken, spannig weggedrückt, in seiner Bewegung beeinträchtigt ist. Gut, das sieht man durchaus sehr oft, eine solche Form der Aufrichtung hat aber nichts mit einer korrekten Aufrichtung zu tun!

Nochmal sei erwähnt, dass es in der Vergangenheit, damals, als man noch REITEN konnte, eine Unterscheidung RELATIVE vs. ABSOLUT nicht gab und der allergrößte Teil der Erarbeitung von Aufrichtung nach heutiger Terminologie ABSOLUT war – ohne allerdings – was natürlich absolut (Wortspiel) FALSCH ist – Hals und Kopf des Pferdes durch die Reiterhände zu tragen!

Autor: Richard Vizethum
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Wieder einmal VORWÄRTS-ABWÄRTS

Da ich in meiner täglichen Arbeit wieder und wieder mit diesem leidigen Thema konfrontiert werde, möchte ich ERNEUT ein paar Worte über das VORWÄRTS-ABWÄRTS verlieren.

Trust-your-Horse - Wiedereinmal Vorwärts-Abwärts

NEIN, es wurde in der Geschichte der Reiterei ZU KEINER ZEIT in den heutigen Formen und der heutigen Intensität geritten!

NEIN, die Neuzeit hat KEINE besseren Erkenntnisse, die das Vorwärts-Abwärts begründen würden (Behauptung mancher Therapeuten)! Die Herrschaften von Damals verstanden WEIT MEHR von Biomechanik als man dies in der Neuzeit für sich in Anspruch nehmen darf.

NEIN, die sogenannten „Zeitzeugen“ die ihr Wissen von ihren Vätern haben, haben nicht Recht! Sie haben unreflektiert und gedankenlos FALSCHES übernommen. Das „Jagdhundschnüffeln“ ist blanker Unsinn!

NEIN, es gibt KEINE Form von etwas, was man heute als Vorwärts-Abwärts bezeichnet, dass aus der Vergangenheit (z.B. HDv.12 von 1937 …) abgeleitet werden kann!

NEIN, Vorwärts-Abwärts hat NICHTS mit Vertrauensbildung zu tun!

NEIN, Vorwärts-Abwärts (in seiner heutigen Ausprägung) hat keinen therapeutischen Nutzen!

NOCHEINMAL SEI GESAGT:

Das „Vorwärts-Abwärts der NASE“ oder auch das „Pferd in die Tiefe reiten“ wurde NUR in der REMONTEN-Ausbildung (bzw. bei KORREKTURPFERDEN) genutzt und auch NUR bei bestimmten Typen oder Verhalten von Pferden!
Dabei war IMMER die Nase oberhalb des Hüftgelenks (s.a.Bild)
Diese Höhe war die TIEFE!!!

DER ZWECK war es, das Pferd bei der Gewöhnung an das Reitergewicht zu unterstützen, gegen welches es zu Beginn UNTER UMSTÄNDEN (auch nicht immer) in unterschiedlicher Weise opponierte.

Die HÖHE DER KOPFSTELLUNG sollte sich nach der Richtung der Rückenwirbellinie (gestrichelte Linie a – siehe Bild) richten und die Nase nicht tiefer als diese Linie kommen (also i.d.R. Höhe Hüftgelenk). Auch wenn DIESE (Achtung Aufgepasst!) Kopf-/Halsstellung „in der ersten Zeit MITUNTER ETWAS TIEF ERSCHEINT“ (E.F. Seidler 1846). Diesen kleinen Hinweis von Seidler bitte intensiv lesen und richtig verstehen!

Die in der heutigen Zeit als korrektes Vorwärts-Abwärts definierte DEHNUNGSHALTUNG (konvexe Halsoberline, Nase Höhe Buggelenk) hatte damals – sinnvollerweise – ausschließlich den Zweck IMMER MAL WIEDER abzuprüfen, ob das Pferd sich beim Hingeben des Zügels an die Reiterhand „herandehnt“.

Diese Haltung wurde NICHT explizit als Dehnungshaltung bezeichnet (hätte man aufgrund der Form tun können – hat man aber nicht. Schließlich war sie kein eigenständiges Übungselement!), sondern entstand – in ähnlicher Form – am „hingegebenen Zügel“ oder am „langen Zügel“. Die TIEFE definierte dabei das Pferd (i.d.R. ging es nicht tiefer mit der Nase als Hüftgelenk).

Die DEHNUNGSHALTUNG heute – als aktiv betriebenes Übungselement gab es zu KEINER ZEIT und sie macht in dieser Intensität trainingstechnisch überhaupt KEINEN SINN! Ganz im Gegenteil sie ist KONTRAPRODUKTIV.
Übermäßig geritten macht es eine REELLE AUFRICHTUNG (welche man grundsätzlich hinterfragen sollte) unmöglich!

VORWÄRTS-ABWÄRTS IST DAS GEGENTEIL EINES HEILMITTELS!

Manche Formen schaden zwar nicht, sie haben aber auch keinen Nutzen.

Einige Formen schaden dagegen massiv. Wer sich über Rückenprobleme, Sehnenschäden, fehlende Trapezmuskulatur etc. etc. etc. bei seinem Pferd wundert, sollte bei der Ursachenforschung nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Sehr, sehr häufig ist das Vorwärts-Abwärts und dessen trainingstechnische Folgen, die Ursache!

Die Therapeuten freut es und sie empfehlen munter weiter Vorwärts-Abwärts als Heilmittel.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Autor: Richard Vizethum
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1848 – Die Herrschaft der Anglomanie begann

Letzte Korrektur: 29.11.2017

Am 14. Oktober 1806 verlor Preußen im „Vierten Koalitionskrieg“ insbesondere in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt gegen Napoleon, was den militärischen und politischen Zusammenbruch Preußens bedeutete und in dessen Folge, die preußische Kavallerie alle ihre gutgerittenen Pferde an die Franzosen verlor. Die Stärke der Kavallerie wurde auf 42.000 Mann reduziert.

Trust-your-Horse - 1848 - die Anglomanie übernahm das Ruder
Bild: James Seymour, A Horseman Galloping, © Tate Modern Gallery

Mit dem Frieden (1814/15) hatten die Preußen also keine Pferde mehr im Land und sie waren gezwungen ihre Remonten aus den „wilden polnischen Gestüten, den sogenannten Moldauern [zu] nehmen“ [1]. Pferde, die „über keine Brücke gingen, und in den Ställen alles zerrissen und zerschlugen“ [1] Diese Pferde waren so unberechenbar, dass sie vom Nebenstand aus gefüttert und mit Striegeln an der Stange geputzt werden mussten. Das Reiten auf diesen Tieren war durchaus lebensgefährlich.

So bitter dieser Sachstand war, so verhalf er doch der Reitkunst zu einen Aufschub.

Denn, diese „sehr widerspenstigen Remonten“ [1] machten das Studium der Reitkunst zwingend notwendig. Zur Verbreitung dieses Wissen standen glücklicherweise noch eine große Anzahl alter Offiziere mit dem Wissen über diese Kunst als Autoritäten zur Verfügung.

Dies sorgte dafür, dass die Reiterei in den Jahren von „1815-1830 stets im Wachsen gewesen ist und diejenigen Höhe erreicht haben muß, die überhaupt mit so schwierigem Material in einer Armee zu erreichen ist, und daß sie deshalb wohl vollständig der vor Jenaschen Zeit (vor 1806) an die Seite zu setzen war. Vom Rittmeister aufwärts waren alle Staffeln noch aus der Zeit vor 1806 groß geworden von Kindesbeinen an, denn die Regimener nahmen schon Junker von 12-13 Jahren an …“ [1]

Das Land war nach dem Kriege arm, die Kavallerie stand in kleinen, damals erbärmlichen Garnisonen, was aber dafür sorgte, dass wieder „stille ernste Arbeit, fern von den Zerstreuungen der Welt“ möglich wurde.

Da die Offiziere und Unteroffiziere, welche noch im Sinne der alten Reitkunst ausgebildet wurde, noch relativ jung waren, blieben diese der Kavallerie zu der Zeit noch 20 Jahre erhalten und konnten so das Niveau halten!

1830 kamen die letzten polnischen Remonten, da wie es schien, die polnische Revolution (1830) diesem Transfer ein Ende setzte. Darüber hinaus hatte sich auch in Preußen seit 1815 wieder viel in der Pferdezucht getan.

„Als 1840 die Ordre kam, daß außer durch das Kadetten-Korps kein Offizier mehr über den Etat angestellt werden sollte … kam es zu einem erschreckenden Stillstand in der Armee“ [1] Der Zuwachs an Offizieren in den Jahren 1840-47 war, was die Kavallerie anbelangte, sehr gering.

Dies änderte sich schlagartig mit der Revolution von 1848. Da diese der Aristokratie nicht wohl gesonnen war, drängten viele junge Adelige in die Armee. Dies ging, da die Zugangsbeschränkungen inzwischen wieder aufgehoben waren.

Diese jungen Leute, von denen viele schon studiert hatten, wurden von allen Seiten verzogen und so begannen sie eine Rolle zu spielen, die ihnen vom Alter her in früheren Zeiten nicht zugestanden hätte. „Die Unruhen von 48, 49, 50 kamen dazu, wo die ruhige Arbeit der Reitkunst immer unterbrochen wurde, die Wettrennen wurden immer allgemeiner, welche namentlich in so unruhiger Zeit dem menschlichen Herzen auch viel sympathischer sind als ruhige ernste Arbeit, und mit ihr verfiel ganz naturgemäß das Verständnis und die Vorliebe für die Reitkunst“ [1]

Die alten Herren verließen aus begreiflichen Gründen die Armee und die obere Führung neigte sich mehr und mehr der schneidigen anglomanen Reiterei zu. Anglomanen und Sparsamkeitsmänner versuchten der Reitkunst mehr und mehr die Etatmittel zu entziehen und waren auch geneigt diese in Gänze zu verändern und in Dilettantenhände zu übergeben [3]

Denn nach dem Frieden von 1815 legte man in den meisten Armeen verstärkt Wert auf Querfeldeinreiten, der größeren Angleichung an den Sattel und Sitz des Jagdreitens und vor allem auf die Verminderung der von den Pferden zu tragenden Last. Der Galopp wurde wieder zur Gangart des Angriffs. Diese Punkte wurde nahezu ausnahmslos in jeder Armee als Verbesserung angesehen [2] und prägten entsprechend die Reitvorschriften auch in Deutschland.

Diejenigen, die noch auf den Grundsätzen der alten, edlen Reitkunst beharrten, wurden belächelt.

„DIE HERRSCHAFT DER ANGLOMANIE WAR ERRUNGEN!“, das Wort „schneidig“ betrat die Bühne, und der Glaube an die Reitkunst war verloren.“ [1]

Die anglomane Reiterei begann ihren „Erfolgszug“, der bis heute anhält, sich gar noch deutlich verstärkt hat! Die aktuelle Deutsche Reitlehre, insbesondere in ihren reitlichen Auslegungen, ist durchaus Ausdruck dieser „schneidigen“ Form des „Reitens“.

[1] von Monteton: Über die Reitkunst (1877)
[2] Friedrich Engels: Kavallerie (1858)
[3] Theodor Heinze: Hippologische Reisen … (1846)

Autor: Richard Vizethum
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Caféhaus-Dialog gesucht

Gräben hat es in der Reiterei schon immer gegeben. Schulen und Lehrmeinungen, ja selbst Menschen und Nationen, haben sich gegeneinander abgegrenzt. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Das Massenphänomen „Reiten“ und die modernen Sozialen Medien haben gar zu einer massiven Verschärfung beigetragen.

Trust-your-Horse - Cafehaus-Dialog

Wo zu früheren Zeiten noch Reiter, über alle Gegensätze hinweg, sich fachlich austauschten und dabei auf eigene Erfahrungen als Referenz zurückgreifen konnten, verkommt der „Dialog“ heute zu einer Zitatenschlacht: „X hat gesagt…“, „Y ist der Meinung …“, „Z widerspricht …“. Bildung, Erfahrungen und Selbstreflexionen spielen kaum noch eine Rolle.

Das eigene reiterliche Weltbild wird gehegt und gepflegt, die Wahrnehmung und Aufnahme von Wissen erfolgt selektiv – eben weltbildkonform.

Nun gut, das alles wäre kein Problem, würden wir über Radfahren philosophieren, doch wir haben es mit einem anderen Lebewesen zu tun. Einem Lebewesen, dem unsere Diskussionen nichts bedeuten, das aber darunter leiden muss.

Ich würde mir wünschen, dass weniger in sozialen Netzen geschrieben und sich mehr zum fachlichen Austausch getroffen wird, zu einem Austausch, bei dem Gedanken „entwickelt und nicht erarbeitet“ (Danke Dr. Hans-Walter Dörr) werden. Einem Austausch, bei dem das Pferd und dessen Wohl im Vordergrund stehen und nicht Olympiasiege das Ziel bestimmen.

Eigene Erfahrungen müssen dabei eine höhere Gewichtung haben als angelesenes Wissen. Denn häufig ist das was der Autor eines Schriftstückes mit einer bestimmten Aussage darstellen wollte, nicht das, was der geneigte Leser darunter auch versteht – denn man liest ja selektiv, dem eigenen Weltbild konform und dabei bleibt Erkenntnis auf der Strecke.

Lasst uns in Caféhäusern treffen und REDEN! Dann haben die Pferde vielleicht wieder eine Chance und wir geben der Bildung und nicht nutzlosen Informationen Raum.

Ich liebe Caféhäuser!

KLASSIK – ein paar Caféhaus-Gedanken dazu

In der Reiterei wird man häufig mit Begriffen wie „klassisches Reiten“, „klassische Reitkunst“, „klassische Reitlehre“ oder ähnliches konfrontiert. Es kommt durchaus zu kontroversen Diskussionen, tauscht man sich über diese Begrifflichkeiten aus.
Ich möchte hier einmal ein paar meiner Caféhaus-Gedanken (Pausen zwischen Reitstunden) dazu äußern, in der Hoffnung, etwas zur Aufklärung oder zum Nachdenken beizutragen.

Trust-your-Horse - der Begriff KLASSIK

Versucht man sich Klarheit durch eine schlichte Internet-Recherche zu verschaffen, so findet man den Begriff „KLASSIK“ in zweifacher Weise definiert: als Anspruchs- und als Zeitdimension (ich nenne es einfach mal Dimension).

Die Anspruchsdimension

Mit dem Begriff „Klassik“ verbindet man in dessen Beschreibung einen durchaus hohen Anspruch, ein hohes Qualitätsniveau. Neben Definitionen wie: „herkömmlich“, „traditionell“ findet man da auch „als Vorbild geltend“, oder umgangssprachlich: super, klasse. Weiter steht da „vollendet“ und „zeitlos geformt“. D.h. den Anspruch, den man aus dem Begriff „klassisch“ ableiten kann ist schlicht ausgedrückt folgender: BESSER GEHT ES NICHT (Zumindest für eine gewisse Zeit)!

Die Zeitdimension

Klassik definiert sich hier in seiner historisch zeitlichen Einordnung. So steht der Begriff u.a. für die Kultur und Kunst der griechischen und römischen Antike. In der Literatur wird die Schaffensperiode von Goethe und Schiller als Klassik bezeichnet, auf die Zeit von 1786-1832 eingegrenzt. In der Musik wird hier eine etwas längere Periode von 1730 bis 1830 angenommen. Daneben gibt es noch eine Vielzahl weiterer als „Klassik“ bezeichneter Zeitperioden.

Betrachtet man nun die verschiedenen Epochen (Kultur, Kunst etc.) genauer, die den Titel „Klassik“ im Namen mitführen, kann man erkennen, dass die Zeitdimension durch die Anspruchsdimension definiert wird. Jede als „Klassik“ bezeichnete Zeitperiode hatte in dieser Zeit das vermeintliche „besser geht es nicht“ erreicht und man wertete diese Epoche mit dem Titel „Klassik“. Solange eben nicht eine Weiterentwicklung die vorherigen Qualitäten toppte.

Wieder zurück zum Reiten

Ich greife mal einfach beispielhaft eine Institution „klassischer Reitkunst“ heraus: die Spanische Hofreitschule in Wien. Mit dem Ziel den Begriff „Klassik“ im Zusammenhang mit Reiten näher zu erläutern.

„Die Spanische Hofreitschule Wien ist die älteste Reitschule und die einzige Institution der Welt, an der die klassische Reitkunst in der Renaissancetradition der „Hohen Schule“ seit mehr als 450 Jahren lebt und unverändert weiter gepflegt wird – was auch zum immateriellen UNESCO Kulturerbe der Menschheit zählt.“ (Quelle: http://www.srs.at/)

Die Hofreitschule beschreibt sich in ihrem Intro als Institution, die eine Reitkunst zelebriert, die in der Tradition der Renaissance steht.

„Als Kernzeitraum der Renaissance wird das 15. (Quattrocento) und 16. Jahrhundert (Cinquecento) angesehen. Die Spätrenaissance wird auch als Manierismus bezeichnet. Das Ende der Epoche vollzieht sich im beginnenden 17. Jahrhundert in Italien durch den neu hervortretenden Stil des Barock.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Renaissance)

Dies bedeutet, dass an der Spanischen Hofreitschule das Wissen einiger Meister dieser Zeitepoche quasi „eingefroren“ wurde – „seit mehr als 450 Jahren“, um damit deren Schaffen für Gegenwart und Zukunft zu erhalten. Bewahrung ist auch der Grund, warum die Spanische Hofreitschule in Wien zum „UNESCO Kulturerbe der Menschheit“ zählt. Einen bis dato verdienten Titel, den die Hofreitschule durch die aktuellen Entwicklungen massiv gefährdet – nebenbei bemerkt.

Nun kann man fragen, ob diese Reitkunst von vor über 450 Jahren als non plus ultra für alle Zeiten gelten darf, was den Begriff „klassische Reitkunst“ ohne weiteren Zusatz rechtfertigen würde.

Das dem in Gänze nicht so ist, drückt sogar die Hofreitschule dergestalt aus, dass sie ihre klassische Reitkunst auf die Zeit der Renaissance beschränkt und damit aber auch Weiterentwicklungen – auch im positiven Sinne – für sich ausschließen müsste.

Da die Anspruchsdimension auch die Zeitdimension des Begriffs „Klassik“ bestimmt, kann man den Titel „klassische Reitkunst“ nur dann für sich – ohne Zusatz – reklamieren, wenn es gelingt, durch positive Weiterentwicklungen ein Reitkonzept zu schaffen, welches Fehler und Unzulänglichkeiten der Reitkunst der letzten 450 Jahren beseitigt und damit eine insgesamt qualitativ verbesserte Reitlehre hervorbringt.

Betrachtet man die aktuellen Entwicklungen verschiedener Reitlehren, dann muss man allerdings attestieren, dass keine einzige davon das Recht hat, unter dem Titel „Klassische Reitkunst“ oder „Klassische Reitlehre“ zu firmieren, allenfalls mit einem Zusatz wie z.B. „des Barock“. Dies bedeutet aber auch, dass eine Reitlehre, die sich „klassische Reitkunst des Barock“ nennen würde, keine Neuerungen über das in dieser Epoche zulässige Methoden-Wissen hinaus, berücksichtigen darf.

Weiterentwicklungen im positiven Sinne hat es zwar durchaus  gegeben, die letzte durch Francois Baucher. Aber es wurden auch viele verschlechternde Eingriffe vorgenommen, so dass man leider feststellen muss, dass sich die Qualität der Reitkonzepte gegenüber der Vergangenheit eher verschlechtert hat.

EINE Reitlehre für ALLE

Würde man, ausgehend von den alten Meistern der Renaissance und der danach gekommenen Meistern, konsequent weiterdenken und folgende Grundsätze als unumstößliche Rahmenbedingungen für dieses Denken akzeptieren, dann könnte es irgendwann gelingen, dass man jenen EINEN Weg herausarbeitet. Jene EINZIGE Reitlehre für alle Reiter, alle Pferde. Machbar ist das!

Diese 4 Grundsätze sind es, die mein Nachdenken über jenen EINEN Weg leiten und bestimmen:

  • Behandle das Pferd stets mit größter Wertschätzung und Respekt
  • Das Konzept muss absolut logisch und stringent aufgebaut sein
  • Das Konzept muss eine hohe Effizienz aufweisen
  • Das Konzept muss minimalistisch angelegt sein

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Was wäre wohl aus der Reiterei geworden?

Welche Wendung hätte wohl die Geschichte der Reiterei genommen, wenn der Herzog von Orléans (Ferdinand Philippe d’Orléans, duc de Chartres) nicht am 13. Juli 1842 durch einen Kutschenunfall ums Leben gekommen wäre?

Trust-your-Horse - Herzog von Orléans

Der Herzog war ein Unterstützer und Förderer von François Baucher und ermöglichte diesem, als Oberkommandierender der Armee, seine Methode in der Armee zu erproben.
Alle Versuche, die stattfanden, zeigten die Überlegenheit der Methode von Baucher.

Das letzte und größte Experiment in Lunéville – Ostfrankreich, unter der Leitung von Bauchers Sohnes Henri, sollte nach 7 Wochen, mit einer großen Abschlussvorstellung (Caroussel) am 20. Juli 1842 enden. An diesem Experiment waren, u.a., zwei komplette Kavalleriekompanien beteiligt. Die eine Kompanie setzte sich dabei aus den besten Pferden zusammen, die nach der herkömmlichen Art ausgebildet waren. Die andere aus jungen Pferden mit nur wenigen Wochen Ausbildung, aber nach der Methode von Baucher.

Der Herzog von Orléans hatte mitgeteilt, dass er dieser Veranstaltung am 20. Juli 1842 vorstehen wolle. Diese Veranstaltung wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Bauchers größtem Triumph geworden. Doch dazu kam es nicht. Am 13. Juli 1842 kam der Herzog bei einem Kutschenunfall in Sablonville zu Tode.

Zu allem Übel wurde der Herzog an der Spitze der Armee durch seinen Bruder, dem Herzog von Nemours, einem Schüler von d’Aure, dem großen Gegner von Baucher, ersetzt. Der Herzog von Nemours entschied, dass alles zu verwerfen wäre, was sein Bruder an dieser Stelle eingeleitet habe.

Entgegen aller positiven und zum Teil begeisterten Schriftstücke, die von allen Offizieren über Bauchers Methode verfasst wurden, hielt der Herzog daran fest, Bauchers Methode bei der Armee nicht anzunehmen. Er sagte (zu Unrecht): „Ich möchte keine Methode, welche die Vorwärtsbewegung beeinträchtigt„.

„Je ne veux pas d’un systéme qui prend
sur l’impulsion des chevaux.“

(Duc de Nemours)

Ein Zitat, welches Louis Seegers aufgriff und zum Anlass nahm, sein Anti-Baucher-PamphletEin ernstes Wort an Deutschlands Reiter“ zu verfassen.

Als Baucher mit seiner Methode auch in Berlin für anfängliche Begeisterung sorgte – so das sich die örtlichen Berufsreiter gekränkt fühlten (die Zeiten ändern sich nie!) und diese angeführt von Seegers mit heftigen verbalen Breitseiten antworteten, gipfelnd in eben jenem Pamphlet – wurde Bauchers Zukunft in Deutschland zunichte gemacht.

Bahn frei für Steinbrecht.

Was nun aber wäre aus der Reiterei geworden, wenn der Herzog nicht ums Leben gekommen wäre?

Die Beantwortung überlasse ich dem geneigten Leser.

Quellen
  • Baucher et son Ecole – General Decarpentry
  • Francois Baucher – Enfant terrible oder Genie – J.C. Racinet
  • Ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter – Louis Seeger

Autor: Richard Vizethum
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Körperspannung des Reiters

Der Reiter muss wie ein leeres Blatt Papier sein, er „ruht“ auf dem Pferd. Keine Spannung, die über das, was für den Erhalt der aufrechten Haltung notwendig ist, hinausgeht, darf in seinem Körper vorhanden sein.

Es sind die gezielten An- und Abspannungen im Körper, mit denen er – aus dieser neutralen Position heraus – klar und unmissverständlich mit dem Pferd kommunizieren und seine Anweisungen formulieren kann.

Trust-your-Horse - Körperspannung des Reiters

Würde der Reiter von Grunde auf, beispielsweise durch Emotionen, Spannungen aufgebaut haben, dann wäre er vergleichbar mit einer Person, die neben mir stehend, laut Selbstgespräche führt. Diese Person kommuniziert zwar nicht mit mir, textet mich aber dennoch sinnlos zu.

Der Reiterhintern – DAS wichtigste sprachliche Element

Wenn es beim Reiter ein Körperteil gibt, welches er aber besonders gerne und in nahezu jeder Situation und überwiegend unbewusst anspannt, dann ist es sein Hintern. Da dieser aber DAS wichtigste „sprachliche“ Element in der Körperkommunikation mit dem Pferd ist und mit ihm natürliche Reflexe beim Pferd genutzt werden, darf dieser nur gezielt unter Spannung gesetzt werden.

Meist aber führt der Reiter damit sinnlose Selbstgespräche und belästigt sein Pferd statt ihm eine klare, verständliche Botschaft zu übermitteln.

Lieber Reiter, entspann Deinen Hintern und führe keine Selbstgespräche.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
Notiz zu „Die Grammatik des Reitens
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Es menschelt – ein durchaus zulässiger Vergleich

Mitunter ist es ganz hilfreich, wenn man versucht über den Tellerrand hinaus zu blicken, eine Situation von einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten. So unterschiedlich wie wir Menschen oft glauben, sind Mensch und Tier gar nicht. Eine kleine Geschichte mit Mensch und Pferd als Protagonisten soll dies illustrieren.

Trust-your-Horse - Es menschelt

Es menschelt – ein durchaus zulässiger Vergleich

DER MENSCH (1)
Dieser Mensch, beispielsweise ein Buchhalter, der tagaus, tagein Zahlen in ein Buchhaltungssystem einträgt. So unspektakulär dies sein mag, so verhilft es ihm dazu ein relativ entspanntes Leben zu führen. Dies strahlt auch auf sein Privatleben aus, wo er sich in einer harmonischen Beziehung befindet. Mitunter schielt er vielleicht doch etwas neidisch auf manch „Besserverdienenden“.

DAS PFERD (1)
Ein etwas rangniedrigeres Tier, beispielsweise ein Wallach, welches tagaus, tagein mit den anderen Herdenmitgliedern über die Weide zieht, Gras frisst, ein Nickerchen macht oder Sozialkontakte pflegt. Seine Wachsamkeit hält sich in Grenzen und damit auch der alltägliche Stress. Nur manchmal wünscht es sich vielleicht einen begünstigteren Schlafplatz. Es freut sich, wenn seine Reiterin am Abend kommt und für Abwechslung sorgt. Gerne lassen beide zusammen den Tag bei einem entspannten Geländeritt ausklingen.

DER MENSCH (2)
Natürlich hat dieser Buchhalter auch immer mal wieder den Gedanken seinen Status zu verbessern, mehr Verantwortung, mehr Geld, vielleicht ein größeres Büro zu bekommen.

DAS PFERD (2)
Es würde dem Pferd durchaus gefallen, einen günstiger gelegenen Schlafplatz oder die Möglichkeit zu erhalten, früher an gutes Futter zu kommen.

DER MENSCH (3)
Eines Tages erhält der Buchhalter eine, über seinen beruflichen Alltag hinausgehende Herausforderung. Man eröffnet ihm, dass eine Betriebsprüfung anstehen würde und er dafür Sorge zu tragen habe, dass den Prüfern alle Unterlagen klar strukturiert zur Verfügung zu stellen sind.

DAS PFERD (3)
In der Pferdeherde ergibt sich ein Wechsel. Es gehen ein paar Pferde – darunter auch ein ranghoher Wallach – und es kommen zwei neue Pferde dazu. Mit einem Mal sieht sich der Wallach aus unserer Geschichte völlig unvermittelt in einer relativ ranghohen Position.

DER MENSCH (4)
Diese neue Verantwortung macht den Menschen unsicher. In einer vergleichbaren Situation war er bisher noch nicht. Er verspürt Nervosität und sein Stresspegel steigt.

DAS PFERD (4)
Auch für das Pferd bringt diese plötzliche neue Herdenposition Verantwortung mit sich. Wo er früher entspannt grasen konnte, muss er sich nun mehr und mehr der Herde und dessen Umfeld zuwenden. Im Grunde aber ist es keine Führungspersönlichkeit (wie beispielsweise eine echte Leitstute) und damit bringt diese Verantwortung eine Zunahme der Nervosität und ein Ansteigen des Stresses mit sich.

DER MENSCH (5)
An diesem Abend kommt unser Buchhalter nach Hause, nicht so entspannt wie sonst. Ihm beschäftigen die neue Aufgabe und die damit verbundenen Herausforderungen. Unbewusst fühlt er sich dem nicht gewachsen. Seine Partnerin hatte dagegen einen guten und entspannenden Tag gehabt und ist voller Vorfreude, hat sie doch den Plan gefasst, mit ihrem Mann ins Kino zu gehen. Sie hat sich extra einen Film herausgesucht, den er schon lange sehen wollte.

DAS PFERD (5)
Das Pferd läuft in der Herde immer wieder auf und ab und findet nur wenige Momente in dem es ruhig grasen kann. Am Abend kommt seine Reiterin, völlig entspannt und in Vorfreude auf einen gemütlichen Ausritt vorbei. Ihr Plan ist eine Strecke, auf der beide sehr gerne unterwegs sind.

DER MENSCH (6)
Der Kinobesuch kommt unserem Buchhalter gar nicht gelegen und er reagiert etwas gereizt auf das Ansinnen seiner Partnerin. Er will eigentlich nicht ins Kino, hat er doch seine Gedanken ganz wo anders. Doch seine Partnerin, die sein Verhalten so gar nicht verstehen kann, bringt ihn schließlich doch dazu mitzukommen, auch wenn ihre Stimmung durch sein Sträuben nicht mehr ganz so euphorisch ist. Angespannt machen sie sich auf den Weg ins Kino. Sie hofft, dass der Film ihn wieder etwas entspannt.

DAS PFERD (6)
Am Anbinder kehren die Gedanken des Pferdes immer wieder zur Herde zurück. Unruhig trippelt es, sehr zum Erstaunen seiner Reiterin, immer wieder hin und her. Sie putzt und sattelt es dennoch. Als sie losgehen, versucht das Pferd noch einmal deutlich zu machen, dass es heute ganz und gar nicht von der Herde wegmöchte. Reiterin und Pferd verlassen schließlich etwas angespannt den Hof. Die Reiterin hofft, dass sich ihr Pferd auf den schönen Sandwegen wieder beruhigen wird.

DER MENSCH (7)
Der Film bringt unseren Buchhalter keineswegs auf andere Gedanken, ganz im Gegenteil, alles um ihn herum reizt ihn. Die laute musikalische Untermalung des Films ebenso wie ein Popcorn essender Zuschauer ein paar Plätze weiter. In diesem Moment will er einfach nur noch nach Hause. Dieses Anliegen macht er auch seiner Partnerin deutlich, was diese wiederum überhaupt nicht verstehen mag und so kommt es zu einem Disput, der damit endet, dass der Buchhalter aufsteht und das Kino gereizt verlässt – Ziel: nach Hause.

DAS PFERD (7)
Jedes Geräusch erschreckt unser sonst so unerschrockenes Pferd. Auch die sonst so entspannenden Galoppaden auf den langen Sandwegen kann es nicht wirklich genießen. Bei jeder Abzweigung, die zum Hof zurückführt, versucht es seiner Reiterin deutlich zu machen, dass es nach Hause in den Stall möchte. Die Reiterin, die sich auf diesen Ausritt gefreut hatte, kann das Verhalten ihres Pferdes nicht verstehen und reagiert entsprechend missbilligend. Doch schließlich gibt sie sehr verärgert aber auch resigniert auf und nimmt den nächsten Weg zurück. Das Pferd will nur noch nach Hause.

DAS FAZIT dieser beiden Geschichten kann der geneigte Leser gerne selber ziehen.

Vielleicht aber helfen Dir diese Geschichtchen dabei genauer hinzusehen, um das Verhalten Deines Pferdes besser zu verstehen. DAS PFERD HAT IMMER RECHT! JA! – aber nicht immer ist der Reiter der Grund, warum man sich manchmal nicht versteht.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
Eigene Notizen
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