Über Richard Vizethum

Es war die Liebe zu Pferden, die mich zu einem Sucher nach Wissen rund um diese wunderbaren Lebewesen werden ließ. Einer Liebe, die schon vor sehr vielen Jahren begann. Die Beschäftigung mit Pferden beschränkte sich dabei nicht nur auf das Reiten, sondern mich interessierte ganz besonders auch das Pferd als Individuum sowie im Herdenverbund. So studierte ich sehr intensiv das Sozialverhalten in unterschiedlich strukturierten Pferdeherden. Das daraus resultierende, sehr umfangreiche Wissen, findet sein Einsatzfeld nicht nur in meiner Arbeit mit Pferden – insbesondere sogenannten Problempferden, – sondern auch im Coaching (www.art-leadership.com). Mein reiterlicher Weg hatte seinen Anfang in der Westernreiterei (Reining), wo ich bei international renommierten und sehr erfolgreichen Trainern mein Basisrüstzeug erhielt. Doch das wahre Reiten und die richtige Art Pferde zu trainieren, lehrte und lehrt mich jeden Tag aufs Neue, die Arbeit mit Pferden und Reitern. Inzwischen sind es schon einige hundert wunderbare Pferdeseele, die mir den Weg gewiesen haben. Ich bin dabei den "harten Weg" gegangen, welcher aber das höchste Maß an Erfahrung erreichen lässt: Ich habe mir mein Wissen und meine Fähigkeiten selbst erarbeitet, durch Beobachten, Nachdenken, Ausprobieren … Immer mit dem Ziel ein pferdefreundliches, sehr feines und hocheffizientes Trainings-Konzept zu entwickeln. Im Studium der Literatur alter Meister und militärischer Reitvorschriften fand ich die Bestätigung vieler meiner Gedanken und Ideen. Besonders geprägt wurde ich dabei von zwei Reitmeistern: François Baucher und Otto Digeon von Monteton. François Baucher, entwickelte eine sehr effiziente und logische Methode Pferde auszubilden. Wie ich ging er dabei den „harten Weg“. Bis zu seinem letzten Atemzug im Jahre 1873 entwickelte er an dieser Methode, nichts beherrschte sein Leben mehr. Otto Digeon von Monteton, jener "liebenswerte Feuergeist", wie ihn Seunig beschrieb, ist so etwas wie mein Seelenverwandter. Mit demselben Herzen und derselben Leidenschaft, gewürzt mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, kämpfte er - wie ich - für eine redliche Reitkunst. Einer Reitkunst ohne Showeffekt nur an einer soliden Ausbildung und der Gesunderhaltung des Pferdes interessiert. Nuno Oliveira hat in Worte gefasst, was mir stets innere Verpflichtung ist: "Ich will alles daran setzen und mein Bestes geben, damit diese Pferde in ihrem freundlichen Wesen gut über mich urteilen und damit Harmonie walte, getragen vom Einvernehmen zwischen zwei Lebewesen."

1848 – Die Herrschaft der Anglomanie begann

Letzte Korrektur: 29.11.2017

Am 14. Oktober 1806 verlor Preußen im „Vierten Koalitionskrieg“ insbesondere in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt gegen Napoleon, was den militärischen und politischen Zusammenbruch Preußens bedeutete und in dessen Folge, die preußische Kavallerie alle ihre gutgerittenen Pferde an die Franzosen verlor. Die Stärke der Kavallerie wurde auf 42.000 Mann reduziert.

Trust-your-Horse - 1848 - die Anglomanie übernahm das Ruder
Bild: James Seymour, A Horseman Galloping, © Tate Modern Gallery

Mit dem Frieden (1814/15) hatten die Preußen also keine Pferde mehr im Land und sie waren gezwungen ihre Remonten aus den „wilden polnischen Gestüten, den sogenannten Moldauern [zu] nehmen“ [1]. Pferde, die „über keine Brücke gingen, und in den Ställen alles zerrissen und zerschlugen“ [1] Diese Pferde waren so unberechenbar, dass sie vom Nebenstand aus gefüttert und mit Striegeln an der Stange geputzt werden mussten. Das Reiten auf diesen Tieren war durchaus lebensgefährlich.

So bitter dieser Sachstand war, so verhalf er doch der Reitkunst zu einen Aufschub.

Denn, diese „sehr widerspenstigen Remonten“ [1] machten das Studium der Reitkunst zwingend notwendig. Zur Verbreitung dieses Wissen standen glücklicherweise noch eine große Anzahl alter Offiziere mit dem Wissen über diese Kunst als Autoritäten zur Verfügung.

Dies sorgte dafür, dass die Reiterei in den Jahren von „1815-1830 stets im Wachsen gewesen ist und diejenigen Höhe erreicht haben muß, die überhaupt mit so schwierigem Material in einer Armee zu erreichen ist, und daß sie deshalb wohl vollständig der vor Jenaschen Zeit (vor 1806) an die Seite zu setzen war. Vom Rittmeister aufwärts waren alle Staffeln noch aus der Zeit vor 1806 groß geworden von Kindesbeinen an, denn die Regimener nahmen schon Junker von 12-13 Jahren an …“ [1]

Das Land war nach dem Kriege arm, die Kavallerie stand in kleinen, damals erbärmlichen Garnisonen, was aber dafür sorgte, dass wieder „stille ernste Arbeit, fern von den Zerstreuungen der Welt“ möglich wurde.

Da die Offiziere und Unteroffiziere, welche noch im Sinne der alten Reitkunst ausgebildet wurde, noch relativ jung waren, blieben diese der Kavallerie zu der Zeit noch 20 Jahre erhalten und konnten so das Niveau halten!

1830 kamen die letzten polnischen Remonten, da wie es schien, die polnische Revolution (1830) diesem Transfer ein Ende setzte. Darüber hinaus hatte sich auch in Preußen seit 1815 wieder viel in der Pferdezucht getan.

„Als 1840 die Ordre kam, daß außer durch das Kadetten-Korps kein Offizier mehr über den Etat angestellt werden sollte … kam es zu einem erschreckenden Stillstand in der Armee“ [1] Der Zuwachs an Offizieren in den Jahren 1840-47 war, was die Kavallerie anbelangte, sehr gering.

Dies änderte sich schlagartig mit der Revolution von 1848. Da diese der Aristokratie nicht wohl gesonnen war, drängten viele junge Adelige in die Armee. Dies ging, da die Zugangsbeschränkungen inzwischen wieder aufgehoben waren.

Diese jungen Leute, von denen viele schon studiert hatten, wurden von allen Seiten verzogen und so begannen sie eine Rolle zu spielen, die ihnen vom Alter her in früheren Zeiten nicht zugestanden hätte. „Die Unruhen von 48, 49, 50 kamen dazu, wo die ruhige Arbeit der Reitkunst immer unterbrochen wurde, die Wettrennen wurden immer allgemeiner, welche namentlich in so unruhiger Zeit dem menschlichen Herzen auch viel sympathischer sind als ruhige ernste Arbeit, und mit ihr verfiel ganz naturgemäß das Verständnis und die Vorliebe für die Reitkunst“ [1]

Die alten Herren verließen aus begreiflichen Gründen die Armee und die obere Führung neigte sich mehr und mehr der schneidigen anglomanen Reiterei (versammlungslose Vorwärtsreiterei) zu. Anglomanen und Sparsamkeitsmänner versuchten der Reitkunst mehr und mehr die Etatmittel zu entziehen und waren auch geneigt diese in Gänze zu verändern und in Dilettantenhände zu übergeben [3]

Denn nach dem Frieden von 1815 legte man in den meisten Armeen verstärkt Wert auf Querfeldeinreiten, der größeren Angleichung an den Sattel und Sitz des Jagdreitens und vor allem auf die Verminderung der von den Pferden zu tragenden Last. Der Galopp wurde wieder zur Gangart des Angriffs. Diese Punkte wurde nahezu ausnahmslos in jeder Armee als Verbesserung angesehen [2] und prägten entsprechend die Reitvorschriften auch in Deutschland.

Diejenigen, die noch auf den Grundsätzen der alten, edlen Reitkunst beharrten, wurden belächelt.

„DIE HERRSCHAFT DER ANGLOMANIE WAR ERRUNGEN!“, das Wort „schneidig“ betrat die Bühne, und der Glaube an die Reitkunst war verloren.“ [1]

Die anglomane Reiterei begann ihren „Erfolgszug“, der bis heute anhält, sich gar noch deutlich verstärkt hat! Die aktuelle Deutsche Reitlehre, insbesondere in ihren reitlichen Auslegungen, ist durchaus Ausdruck dieser „schneidigen“ Form des „Reitens“.

[1] von Monteton: Über die Reitkunst (1877)
[2] Friedrich Engels: Kavallerie (1858)
[3] Theodor Heinze: Hippologische Reisen … (1846)

Autor: Richard Vizethum
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BAUCHER – Wie gut war er wirklich?

TEXT IST EINE ARBEITSNOTIZ ZUM BUCH „GRAMMATIK DES REITENS“

François Baucher war der Reitmeister, der mich in einem besonderen Maße dazu inspiriert hat, über das Reiten, die Reitkunst und ganz speziell über die Ausbildung von Pferd und Reiter nachzudenken. Also zu dem zu werden, was Max Ritter von Weyrother den „denkenden Reiter“ nannte.

Baucher - Wie gut war er wirklich?

In meiner Beschäftigung mit François Baucher habe ich mich gedanklich sehr tief in seine Zeit hineinversetzt, mich auf seiner Methode und sein Leben eingelassen. Er wies mir dabei den Weg zur Effizienz. Einen Weg, den ich sehr konsequent beschreite, wenngleich nicht zwingend in den Punkten und der Art, wie er es tat.

Ich vertrat seine Lehre, dennoch kann man mich nicht als BAUCHERISTEN bezeichnen. Denn nicht eine Lehre treibt mich an, sondern die REINE LEHRE und davon, dass musste ich relativ schnell feststellen, war selbst Baucher noch weit entfernt. Anders gesprochen, er hat sich in gewisser Weise sogar vom Pfad der reinen Lehre weg, auf Nebenwege begeben.

Dies wurde mir erst klar, als ich mich sehr viel intensiver damit zu beschäftigen begann, die so vermeintlich zerstrittenen Lehren dies und jenseits des Rheins, objektiv auf Vereinbarkeiten hin abzuprüfen.

Sich damit zu beschäftigen ist eine sehr intensive Arbeit, welche alleine auf Basis theoretischen Wissens nicht funktionieren kann! Es bedarf dazu auch einer sehr großen praktischen Erfahrung, erworben durch die Arbeit mit VIELEN verschiedenen Pferden, die jeden Tag das Nachdenken über das eigene Tun herausfordern und auf ihre Art, den Weg zur Logik des Reitens öffnen.

Baucher war ein Reitmeister, der, wie E.F. Seidler (1846) es ausdrückte, „… in arrogantester Sprache sämtliche Stallmeister alter und neuer Zeit, nicht nur Frankreichs, sondern aller Staaten, als unwissende und nichtdenkend Reiter schildert, sich als die Sonne der Reiterwelt aufstellt und alle bisher bestandenen Prinzipien umzustoßen bemüht war…„.

Insbesondere sah Baucher sich von seinen eigenen Landsleuten angegriffen:
„Wackere Landsleute, die eine der eigenen Nation nützliche Neuerung weit lieber einem Fremden, als ihrem eigenen Landsmanne verdanken wollen!“

Anfangs konnte ich Baucher hier noch verstehen, da es ja immer wieder das gleiche Problem ist: Macht man etwas anders, dann zieht man sich die Feinde und Neider an. Baucher sah sich – aus seiner Sicht sicherlich zu Recht – von einer Heerschar von Feinden umgeben. Entsprechend harsch war auch seine Ausdrucksweise.

Doch wie berechtigt war seine Reaktion wirklich?

Dazu muss man sich die Frage nach dem Zweck der Ausbildung von Pferd und Reiter zur damaligen Zeit stellen – bezogen auf die Reitkunst.

De la Guérinière beispielsweise, der einen maßgeblichen Einfluss auf die Reiterei der damaligen Zeit hatte, arbeitet für den Adel. Die Ausbildung der Pferde, die ihren Grundzweck sicherlich aus dem militärischen Aspekt abgeleitet hatte, stellte zwar Reitkunst in „Vollendung“ dar, diente aber mehr dem Amüsement und nicht der Gebrauchsreiterei.

Die einzigen Institutionen, die Reitkunst mit Gebrauchsreiterei zu vereinen wussten, weil dies eine Notwendigkeit darstellte, war das Militär, die Kavallerie (als Sammelbegriff gebraucht).

Und hier muss man attestieren, dass, was die Qualität anbelangte, die preußische Kavallerie zur damaligen Zeit das Maß aller Dinge war. Die französische Militärreiterei – auch durch Saumur repräsentiert – hatte zwar das bessere „Pferdematerial“, war aber aus diesem „Bequemlichkeitsgrund“ nicht so gefordert sich intensivste Gedanken über das Pferd und dessen Ausbildung zu machen, wie dies auf preußischer Seite notwendig war.

Wieder zurück zu Baucher

Nimmt man die Ausbildungsstufen eines Militärpferdes (noch bis vor ein paar Jahren an der Hofreitschule in Wien gelebt), so sind diese:
1. Remonte
2. Kampagnen-/Gebrauchspferd
3. Schulpferd (incl. Schulen über der Erde)

Würde man diese Stufen nun auf die schulische Ausbildung eines Menschen umlegen, so würde ich diese Zuordnungen treffen wollen:
1. REMONTE: Grund-, Mittel und Realschule (Ansätze);
2. KAMPAGNEN-/GEBRAUCHSPFERD: Mittlere Reife, Abitur, Diplomabschluss Universität
3. SCHULPFERD: Promotion

François BAUCHER hat, betrachtet man seine Arbeit intensiv, einen Schnelldurchlauf Grund-, Mittel- und Realschule gemacht. Dies lässt sich allerdings nicht genau sagen, da über die Ausbildung von Remonten durch Baucher so gut wie gar nichts bekannt ist (Man sagt aber, dass gerade junge Pferde weniger empfänglich für den Baucherismus sind [5]). Mittlere Reife und Abitur hat er links liegen gelassen und ist nach einer kurzen Diplomarbeit sofort zur Promotion übergegangen.

Solche Form der Ausbildung zeigt zwar schnelle Erfolge, allerdings ohne umfassendes Fundament. Diese „Hochgeschwindigkeitsausbildung“ zog sich hinein bis in seine sogenannte 2. Manier. Erst in seinen letzten Lebensjahren machte er sich Gedanken über einen solideren Weg.

Einen soliden Weg, der in den Werken einiger deutscher Stall- und Reitmeister – vor 1848 – tatsächlich sehr präzise beschrieben und erklärt wurde. Einen Sachverhalt, den Baucher in seiner 1. Manier nachdrücklich negierte. Allerdings tat er dies in einer allgemein formuliert Form und nicht auf eine spezielle Nation bezogen [1].

Im Gegensatz zu seinen (Bauchers) Pferden waren die Pferde, die nach dem soliden Weg ausgebildet wurden, AUCH Kampagnen- und Gebrauchspferde, welche vermutlich sogar noch bedeutend feiner an den Hilfen standen (Stichwort: Sekundengehorsam).

Irgendwann (verm. in den Jahren 1842/43) war Baucher für einige Monate in Berlin und hatte dort, wie er es selbst ausdrückte „völligen Einblick in die deutsche Reitweise“ [4]. In dieser Zeit (1842) erhielt ein Husarenregiment aus Quedlinburg den Auftrag, ihre Pferde nach der Methode Bauchers auszubilden. Nach einem großen Kavalleriemanöver unter General Friedrich von Wrangel bei Berlin (1843) entschied man sich allerdings, lange vor Louis Seegers Warnung vor Baucher [7], nachdem die Methode „eklatante Misserfolge zeitigte, dass die unbedingte Beizäumungsmethode für ewige Zeiten untersagt“ wird. [3]

Während seines Aufenthalts in Berlin kam Baucher zu der Erkenntnis, „das die in Preußen geübten Grundsätze“ seinen „diametral entgegenstehen“ würden. Als Beispiel führte er hierzu die Meinungen einiger Offiziere an, welche in Deutschland, seiner Aussage nach, „ein hohes Ansehen als Reiter genießen“. Diese sagten ihm, dass „sie ihre Pferde VOR der Hand haben möchten“, worauf Baucher antwortete, dass er seine Pferde gerne „HINTER der Hand (Gebiss) und VOR den Beinen“ haben wolle. [4]

Hätte sich Baucher wirklich intensiv mit der preußischen Reiterei und dem reiterlichen Zeitgeist auseinandergesetzt, dann hätte ihm auffallen müssen, dass er in diesen Offizieren, Reiter vor sich hatte, die bereits stark vom anglomanen Virus infiziert waren. Auch das hohe Ansehen dieser Reiter spricht für diese „Erkrankung“, denn die anglomane Reiterei war – und ist es insbesondere auch heute noch – sehr „publikumswirksam“.

Wäre er auf alte Stallmeister der preußischen Reiterei getroffen, hätte er wahrscheinlich überrascht zu Kenntnis nehmen müssen, dass diese, was seine Aussage „HINTER der Hand (Gebiss) und VOR den Beinen“ betrifft, ihm zugestimmt hätten.

Baucher und Gebrauchspferde

Auch wenn man landläufig manchmal hört, dass man mit Bauchers Methode auch Gebrauchspferde ausbilden könnte, so möchte ich hier meine Bedenken anmelden.
Überall dort, wo Bauchers Methode mit der Gebrauchsreiterei in Berührung kam – beispielsweise bei der russischen und amerikanischen Kavallerie, handelte es sich um eine modifizierte Form dieser Methode.

James Fillis, ein Schüler-Schüler von Baucher, der für die Regelwerke der beiden genannten Militärreitereien verantwortlich zeigte, nahm vielfältige Anpassungen vor, um Bauchers Methode Gebrauchsreitereifähig zu machen.

WIE GUT WAR NUN BAUCHER WIRKLICH?

Baucher hat sich sicherlich sehr große Verdienste um die Reiterei gemacht. Dennoch hat er im Grunde eine abgespeckte Variante bereits vorhandenen Wissens etwas modifiziert und angereichert um neue, eigene, Erkenntnisse dargestellt. Man darf ihn aber desshalb keinesfalls als Plagiator anklagen! Das war er mit Sicherheit nicht! Denn jeder, der über das Reiten in seiner Essenz nachdenkt und mit Passion an der reinen Lehre arbeitet, wird letztendlich zu gleicher Erkenntnis gelangen – früher oder später. Es gibt nur EINEN Weg!

Auch muss man sich die Zeit betrachten, in der Baucher seine Erkenntnisse sammelte. Die Reitkunst war im Niedergang begriffen. In allen Ländern Europas griff die anglomane Reiterei rasend schnell umsich. Der Sport, die Jagd und das Rennen wurden wichtiger und erfreuten sich mehr und mehr der Popularität der Massen. Die Reitkunst mit ihren Bildern begann zu verblassen. Die letzten Wissenden in Form von Pferd und Mensch waren im Begriff auszusterben (im wahrsten Sinne des Wortes). Otto von Monteton ermittelte 1848 als eine Zäsur! [6]

Die Schulreiterei war vielen, insbesondere jungen Reitern („Die Jugend macht viel, kann aber nichts!“ – Otto von Monteton), zu schwierig geworden und so wandte man sich der zwar kühnen, aber schlichten und Pferde verheizenden anglomanen Reiterei zu und die, die wiederum damit unzufrieden waren, versuchten sich an Bauchers Methode.

Alles getreu nach den Worten  des Rittmeisters von W:

„Alles was lebt ist faul!“

IRGENDWIE WIEDERHOLT SICH DOCH ALLES

Quellen:

  • [1] Baucher: Methode der Reitkunst nach neuen Methoden (8.Auflage)
  • [2] Seidler: Die Dressur diffiziler Pferde (1846)
  • [3] von Monteton: „Über stätische Pferde“ (1899) – hippologische Abhandlung
  • [4] Baucher: Euvres complètes (1884)
  • [5] Racinet: Francois Baucher – Enfant terrible oder Genie?
  • [6] von Monteton: „Über die Reitkunst“ (1877)
  • [7] Seeger: Herr Baucher und seine Künste – Ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter (1852)

Autor: Richard Vizethum
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Vom Reiten und Tanzen – etwas zum Nachdenken

Hab ihr Euch schon einmal die Frage gestellt, wie es sich wohl für ein Pferd anfühlt, wenn wir als Reiter vom Sattel aus mit ihm „kommunizieren“ und wie sich die unterschiedlichen menschlichen Persönlichkeits- und Verhaltensmuster auf das Pferd und sein Verhalten auswirken können?

WAS GLAUBST DU DENKT DEIN PFERD DABEI ÜBER DICH?

An dieser Stelle will ich eine sehr liebe Schülerin und Freundin zu Wort kommen lassen …

Trust-your-Horse - Tanzen und Reiten

REITEN UND TANZEN
(von Lara Ammon)

Mein „Aha-Erlebnis“ zu diesem Thema entstand bei einem Anfänger-Tanzkurs, den ich vor ein paar Jahren besuchte. Der Vergleich mag im ersten Moment vielleicht etwas seltsam anmuten, aber dieser Tanzkurs hat mir die Augen geöffnet, für das was mein Pferd beim Reiten fühlen könnte!

Beim Tanzen lässt man sich – ohne Worte – auf die „Führung“ seines (männlichen) Partners ein. Dies hat sehr große Ähnlichkeit zur ebenfalls nonverbalen Kommunikation zwischen Reiter und Pferd.

Im Folgenden möchte ich daher von meinen Erfahrungen auf diesem Anfängertanzkurs mit drei  sehr unterschiedlichen Tanzpartnern berichten und Euch den Vergleich zu Reiter und Pferd überlassen:

No.1 DER SCHÜCHTERNE

Mein erster Tanzpartner war genauso unerfahren wie ich und noch dazu sehr unsicher. Er wollte nichts falsch machen und hatte stets Sorge, mich zu grob zu führen. Dies führte allerdings dazu, dass es eben keine Führung gab! Was mich sehr verunsicherte und zur Folge hatte, dass wir mehr schlecht als recht über die Tanzfläche stolperten. Wieder und wieder kamen seine Richtungswechsel völlig überraschend und für mich völlig unerwartet. Seine Unsicherheit machte ihn unberechenbar, so dass ich mich ebenfalls immer unsicherer und angespannter fühlte. Am liebsten hätte ich selbst die Führung übernommen um aus dieser für mich unangenehmen Lage zu entkommen.

No.2 DER DOMINANTE BESSERWISSER

Tanzpartner Nr. 2 war das genaue Gegenteil: er war sich in allem was er tat sehr sicher und absolut von sich überzeugt. Allerdings war er auch recht grob und seine Signale kamen immer unangekündigt und sofort mit viel Druck bei mir an. Das führte dazu, dass ich zwar schon verstand wohin er wollte, es mich aber trotzdem immer irgendwie überrumpelte und ich mich durch die groben Signale und die hohe Körperspannung seinerseits ebenfalls unwohl, angespannt und  „herumgeschubst“ fühlte, was er wiederum nicht nachvollziehen konnte, denn er war sich zum einen keines Fehlers bewusst und zum anderen schien das gewählte Maß an Druck für ihn wohl normal gewesen zu sein.

No.3 DER „PROFI“

Da gegen Ende des Kurses ein Teilnehmer krank wurde, hatte ich das Vergnügen einen sehr  erfahrenen Tanzpartner an meine Seite zu bekommen. Er hatte eine sehr feine Art der Kommunikation und führte mit einer großen Ruhe und Sicherheit. Mit ihm fühlte ich mich sofort wohl. Seine Führung war immer klar und nachvollziehbar. Zu keinem Zeitpunkt wurde er grob. Unsere Bewegungen wurden leicht und fließend, obwohl sich an meinen tänzerischen Fähigkeiten in der Zwischenzeit nicht viel verändert hatte.

Eventuellen Parallelen zum Reiten darf sich nun jeder gerne selbst ziehen!

Mogelpackung KLASSISCH

Es zeugt schon von sehr großer Unkenntnis der Reitgeschichte, wenn man die aktuelle Deutschen Reitlehre mit dem Attribut „KLASSISCH“ aufwertet. In der Produktwerbung würde man von einer „Mogelpackung“ sprechen.

Trust-your-Horse - Mogelpackung KLASSISCH

Zunächst einmal gilt festzuhalten: Die aktuelle Deutsche Reitlehre basiert auf der HDv.12 von 1937! Fakt ist, das diese Version der Deutschen Reitvorschriften alles sein kann, nur eines nicht: KLASSISCH!

Neben einer Zeitdimension hat der Begriff KLASSISCH auch eine Anspruchsdimension (siehe auch: KLASSIK – ein paar Caféhaus-Gedanken dazu):

Neben Begriffsdefinitionen wie: „herkömmlich“, „traditionell“ findet man da auch „als Vorbild geltend“, oder umgangssprachlich: super, klasse. Weiter steht da „vollendet“ und „zeitlos geformt“. D.h. den Anspruch, den man aus dem Begriff „klassisch“ ableiten kann ist schlicht ausgedrückt folgender: BESSER GEHT ES NICHT (Zumindest für eine gewisse Zeit – bis es halt jemand besser macht)!

Geht man in der Geschichte zurück, so lässt sich wohl durchaus sagen, dass die Reitkunst (also das, was man als KLASSISCH“ bezeichnen kann) so um das Jahr 1848 (Otto von Monteton) final der anglomanen Reiterei zum Opfer gefallen ist. Der Reiterei, die auch heute noch das Reiten dominiert. Dies lässt sich durchaus auch in den darauf folgenden Reitvorschriften erkennen, in denen z.T. grausamstes Reiten propagiert wurde.

Mit der Reitvorschrift HDv. 12 von 1926 flackerte noch einmal so etwas wie Reitkultur und Reitkunst auf, erreichte aber vermutlich ebenfalls nicht das Niveau von vor 1848, was auch der Veränderung in der strategischen und taktischen Ausrichtung der Kavallerie geschuldet sein dürfte. Explizit wurde in dieser Reitvorschrift von 1926 darauf hingewiesen, dass der Anhang, welcher sich u.a. mit Elementen der Hohen Schule befasst „nicht etwa eine erschöpfende Ausbildungsvorschrift zum Erlernen der hohen Schule sei“. Es ging dort vielmehr darum aufzuzeigen, „wie weiter fortgeschrittene Reiter ihre und ihrer Pferde Leistungen über den Rahmen der Gebrauchsreiterei hinaus fördern können“.

Mit der HDv. 12 von 1937 hat man so etwas wie die REITERLICHE BILDZEITUNG geschaffen. Alles was der einfache Reiter nicht verstehen konnte, wurde weggelassen (das hat man den Ausbildern überlassen – ist nun mal so beim Militär), auch die 1926 noch vorhandenen Elemente der „Hohen Schule“ fielen weg! Reduzierte Gebrauchsreiterei in ihrer Essenz.

Und auf Basis dieser BILDZEITUNG (die man noch um alles militärische abspeckte) entstand nun also die aktuelle Deutsche Reitlehre, der man dann quasi – mit dem Attribut „KLASSISCH“ – völlig zu Unrecht – den REITERLICHEN PULITZER-PREIS verlieh. Damit nicht genug, setzte man sich selbst noch die göttliche Krone auf, indem man die UNUMSTÖSSLICHKEIT der Lehre feststellte.

Wollen wir nun feststellen was wirklich KLASSISCH ist, dann muss man sich als objektiver Sucher auf den Weg in die Vergangenheit machen und die Scheuklappen des bisherigen eigenen Denkens ablegen.

Autor: Richard Vizethum
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Der TAKT – ein paar Worte dazu

Neben einem schwingenden und möglichst aufgewölbten Rücken wird in der heutigen Zeit immer wieder die Wichtigkeit des TAKTES hervorgehoben und nachdrücklich betont.

Trust-your-Horse - Der Takt

Was aber ist dieser Takt und wie wichtig ist er wirklich?

Von vielen wird, insbesondere im deutschsprachigen Raum, darunter die Unterscheidung der Gangarten verstanden (Schritt ist ein 4-Takt, Trab ein 2-Takt und der Galopp ein 3-Takt …). Der Engländer sagt zu dieser Gangartenunterscheidung „Rhythm“ und differiert damit sinnvollerweise zu dem Takt in seinem eigentlichen Sinne.

Dieser Takt in seinem eigentlichen Sinne muss nochmal unterschieden werden in ein räumliches und ein zeitliches Gleichmaß der Tritte.

Räumliches Gleichmaß

Das räumliche Gleichmaß definiert sich durch die gleiche Trittlänge der Beine des Pferdes! Ein schiefes Pferd („natürliche Schiefe“) kann deshalb niemals im räumlichen Gleichmaß gehen. Auch in Kurven, auf Volten oder Zirkel etc. kann sich ein Pferd nicht im räumlichen Gleichmaß bewegen.

Zeitliches Gleichmaß

Hierbei handelt es sich um die Reinheit und das zeitliche Gleichmaß der Bewegungen. Man könnte auch hörbaren Takt dazu sagen. Bei einem „klar“ gehenden Pferd kommen die Hufschläge der einzelnen Beine immer im selben (hörbaren) Abstand auch wenn das räumliche Gleichmaß nicht gegeben ist. Lahmheiten oder Verspannungen sorgen für HÖRBARE Taktunreinheiten. Das zeitliche Gleichmaß ist also gewissermaßen EIN Indikator für die, auf die Bewegung bezogene körperliche Verfassung des Pferdes.

WELCHER TAKT IST NUN VON BEDEUTUNG?

Geht man in der Geschichte etwas zurück, ist der Takt in seiner massiven Präsenz erst ein relativ neuzeitliches Problem.

Ursprünglich war das GLEICHGEWICHT, welches in der heutigen Richtlinie ein Schattendasein führt, ein vorrangiges Ausbildungsziel. Im Verlauf der Ausbildung wurde dabei die Gleichgewichtssituation des Pferdes dergestalt verändert, dass man von Anfang an am Geraderichten des Pferdes arbeitete und schon unmittelbar nach der Gewöhnung an das Reitergewicht, damit begann das Pferd auf die Hinterhand zu setzen. Das Pferd zu „biegen“ beinhaltete damals u.a. auch das „Falten der Hanken“!

Damit wird natürlich auch der messbare Takt, das Gleichmaß der Schritte, verbessert. In diesem Zusammenhang aber spielte das Wort „Takt“ keine Rolle!

TAKT bekam aber seine Wichtigkeit in einem anderen Kontext, nämlich, wie oben schon beschrieben, als Indikator für die körperliche Verfassung des Pferdes im Zusammenhang mit der Bewegung.

Insbesondere bei der Ausbildung der Remonten – im Stadium der Gewöhnung an das Reitergewicht – war dies eine wichtige Größe, da das Pferd zu Beginn dieser Phase häufig die Rückenmuskeln anspannte und so der Rücken weggedrückt, sowie Hals und Kopf angehoben wurden. Ein solcher Art verspanntes Pferd konnte nur noch eingeschränkt korrekt im Sinne des HÖRBAREN TAKTES gehen.

Vorrangige Ziel war es an dieser Stelle die verspannten Rückenmuskeln zu LÖSEN, so dass das Pferd sich auch unter dem Reiter wieder in seiner NATÜRLICHEN POSITION (nicht wie „ein Jagdhund am Boden schnüffelnd“) frei vorwärts bewegte. Erkennbar am hörbar gleichen Abstand der Hufschläge.

Die Verbindung zwischen LOSGELASSENHEIT und HÖRBAREM Takt ist also korrekt, ABER Losgelassenheit ist Voraussetzung für einen klaren hörbaren Takt und nicht umgekehrt!

Leider hat man bereits in der HDv.12 – aus welcher Verwirrung heraus auch immer – neben dem zeitlichen Gleichmaß auch vom RÄUMLICHEN Gleichmaß gesprochen und diesen Sachstand, zu allem Überfluss, auch noch gedankenlos (wie so vieles) in die aktuelle Skala der Ausbildung übernommen.

Dies ist nicht korrekt und dem Ausbildungsstand nicht angemessen!

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VORWÄRTS-ABWÄRTS und (k)ein Ende

Nach einigen kritischen Posts auf Facebook habe ich mir noch einmal (zum wiederholten Male) die Reitvorschriften D.V.E. Nr. 12 von 1912 und H.Dv. Nr. 12 von 1937 angesehen um näher an den Ursprung des Vorwärts-Abwärts heranzukommen.

Folgende Erkenntnisse

Zunächst gilt festzustellen, dass das Vorwärts-Abwärts, so wie wir es heute kennen, in KEINER der beiden Reitvorschriften beschrieben steht, weder in der Form, noch der neuzeitlichen, sehr intensiven Nutzung bei Pferden jeden Ausbildungsstandes!

Des Weiteren ist festzuhalten, dass immer dann wenn in den Reitvorschriften von Vorwärts-Abwärts gesprochen wurde, sich dies auf die Nase des Pferdes bezog („mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“). Dies ist eine durchaus bedeutsame Feststellung, denn aus dieser Formulierung kann nicht zwingend eine tiefe Halshaltung abgeleitet werden.

Die Varianten

Folgende „Varianten“, bei denen die Nase des Pferdes tiefer als bei der Gebrauchshaltung kommt, wurden – vor allem in der H.Dv. Nr. 12 von 1937 – erwähnt.

  • am (völlig) hingegebenen Zügel
  • am langen Zügel (Schritt)
  • die Zügel aus der Hand kauen lassen (in allen Gangarten)
  • das Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase
  • Anlehnung in die Tiefe (D.V.E. Nr. 12 von 1912)

Im Wesentlichen kamen alle diese „Varianten“ ausschließlich bei der Ausbildung von Remonten oder bei der Korrektur von Pferden zum Einsatz. Die einzige Ausnahme stellte das „die Zügel aus der Hand kauen lassen“ dar. Diese wurde immer wieder, auch beim fertig ausgebildeten Pferd zum Zwecke der Verprobung der Losgelassenheit eingesetzt.

Am hingegebenen Zügel

 „Die jungen Remonten sind zunächst so lange im Schritt mit vollkommen hingegebenen Zügeln zu reiten, bis der Schritt ganz ruhig, raumgreifend und gleichmäßig ist. Erst dann kann eine geringe Anlehnung angestrebt werden“ (H.Dv. Nr. 12 – Seite 141)

Dabei strecken die Pferde die Nase weiter nach vorne und haben natürlich auch die Möglichkeit in die „Tiefe“ (i.d.R. nicht tiefer als Hüftgelenk) zu gehen. Diese Phase war vergleichsweise kurz und man begann danach erste Anlehnung anzustreben (siehe „Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“).

Unabhängig von dieser ersten Phase wurde diese Vorgehensweise (am „hingegebenen Zügel“) in den ersten Monaten der Ausbildung einer Remonte immer wieder einmal durchgeführt. Zum Ende dieser ersten Monate sogar im Arbeitsgalopp.

Dieser Hinweis wurde aus dem „Ausbildungsplan für junge Remonten“ der H.Dv. Nr. 12 von 1937  entnommen. Im eigentlichen Regelwerk findet sich kein Hinweis oder genaue Beschreibung für einen „hingegebenen Zügel“ und dessen Nutzen insbesondere in Verbindung mit dem Arbeitsgalopp. Zumindest habe ich keinen gefunden. Es ist aber davon auszugehen, dass auch dadurch die Losgelassenheit der Remonten festgestellt werden sollte und dass dies nur in kurzen Reprisen durchgeführt wurde.

Am langen Zügel

Im Gegensatz zum „hingegebenen Zügel“ besteht beim „langen Zügel“ Kontakt („Anlehnung“) mit dem Pferdemaul.
Laut Ausbildungsplan und auch in Hinweisen im eigentlichen Regelwerk wurde dieser nur im Schritt zur Anwendung gebracht.

Trust-your-Horse Am langen Zügel
(Bild: Losgelassenheit im freien Schritt am langen Zügel)

Auf diesem Bild sieht man, dass das Pferd dabei, in seiner „natürlichen Haltung“ gehend, das Genick deutlich über Widerristhöhe trägt. Der Schritt dürfte ein sogenannter „Feldschritt“ sein, dass Pferd zieht dabei vermehrt nach vorne und kann so auch mit seiner Nase unterhalb der Hüftgelenkshöhe kommen.

Zügel aus der Hand kauen lassen

Das, „Zügel aus der Hand kauen lassen“, wurde in jeder Ausbildungsstufe des Pferdes zur Verprobung der Losgelassenheit gefordert.
„Das Pferd muss dabei mit nach vorne gedehntem Halse, die Kammlinie leicht nach oben gewölbt und vorwärts-abwärts gerichteter Nase völlig entspannt dahingehen und darf nicht eiliger treten.“

Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase

Diese Vorgehensweise der H.Dv. Nr. 12 von 1937 entspricht der „Anlehnung in die Tiefe“ der D.V.E. Nr. 12 von 1912.

Auch wenn – insbesondere die Begrifflichkeit der D.V.E. Nr. 12 von 1912 – suggeriert, dass das Pferd im Hals und Kopf sehr tief eingestellt worden wäre, ist festzustellen, das dem nicht so ist (siehe Bild aus der D.V.E. Nr. 12 von 1912 – dies entspricht der „Anlehnung in die Tiefe“). Der Remonte trug dabei Kopf und Hals in einer „natürlichen Haltung“.

Trust-your-Horse - Anlehnung in die Tiefe 1912

Für Steinbrecht wäre diese Einstellung wahrscheinlich schon zu tief gewesen. Er forderte die Zügel schon beim ersten Anreiten „kürzer“ zu fassen und erwartete schnell VOLLE Anlehnung. Diese beiden Sachverhalte führen in der Regel zu einer etwas höheren Einstellung der Pferdenase.

ZWISCHENFAZIT

Von all den erwähnten Varianten dürfte nur das „Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“ respektive die „Anlehnung in die Tiefe“ unter dem subsummiert werden, was man Heute als Vorwärts-Abwärts bezeichnet.

Zum Einsatz kam diese Vorgehensweise („Herandehnen an das Gebiss mit vorwärts-abwärts gerichteter Nase“) AUSSCHLIESSLICH bei Remonten und Korrekturpferden!

Kurt Albrecht von Ziegner merkte hierzu an:

„Junge Pferde, die ihren Rücken nicht korrekt einsetzen, müssen ‚vorwärts-abwärts‘ geritten werden, damit sie die notwendige Muskulatur entwickeln können. Hat das Pferd jedoch gelernt, den Reiter bei steter Verbindung zur Reiterhand problemlos zu tragen, wäre es FALSCH, in dieser Weise (vorwärts-abwärts) weiterzureiten. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, vom Pferd ein verstärktes Untertreten der Hinterhand zu fordern, wodurch es sich vorne etwas mehr aufrichtet, da wir unsere Pferde nicht unnötigerweise ‚auf der Vorhand‘ reiten wollen!“

GESTERN und HEUTE

Vergleicht man die Ausführungen der damaligen Zeit mit denen der Neuzeit (ab den 1960er Jahren), dann lässt sich bezogen auf HEUTE Folgendes feststellen:

  1. „Vorwärts-Abwärts“ kommt nicht nur bei Remonten oder Korrekturpferden zum Einsatz, sondern ist generelles Mittel der Ausbildung geworden. Ein Ziel jeder Ausbildung eines Pferdes muss es sein, dass Pferd vermehrt auf die Hinterhand zu setzen. Nach der „Vorwärts-Abwärts-Arbeit“ mit Remonten ging man damals relativ schnell dazu über, die Pferde in Richtung Hinterhand auszubilden und „Vorwärts-Abwärts“ war obsolet (Ausnahme: Zum Zwecke der Korrektur).
  2. Anstelle von meist kurzen Reprisen werden heute lange Passagen im „Vorwärts-Abwärts“ geritten.
  3. Die Pferde sind zu einem großen Teil viel tiefer eingestellt als damals. Früher gingen die REMONTEN in GERINGER ANLEHNUNG nicht tiefer mit der Nase als max. Buggelenk (normal Hüftgelenk) und das nur, weil man sie noch in ihrer „natürlichen Haltung“ belassen wollte, damit sie sich an die neue Belastung durch den Reiter gewöhnen konnten.
  4. „Vorwärts-Abwärts“ wird in der heutigen Zeit zu einem sinnlosen Showeffekt degradiert (Westernreiten). Während in den Dienstvorschriften das „Vorwärts-Abwärts“ im Zusammenhang mit Remonten und Korrekturpferden (das sei nochmals erwähnt) und in der Art wie es geritten wurde, Sinn gemacht hatte, ist die zum Teil extrem tiefe Einstellung von Hals und Kopf bei Westernpferden absolut sinnfrei!

Wenn man dabei von einem „falsch interpretierten Vorwärts-Abwärts“ spricht, dann sind dies genau diese Punkte!

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ANLEHNUNG – noch ein paar Worte

Im Grunde ist ANLEHNUNG ein stehender Begriff seit einigen Jahrhunderten. Schon bei de la Guérinière (* 8. Mai 1688; † 2. Juli 1751)  fand er seine Erwähnung (Appui). Dennoch ist es einer der am meisten diskutierten UND missverstandenen Begriffen in der Reiterei.

In der heutigen Zeit kommt erschwerend hinzu, dass man versucht „politisch korrekt“ zu formulieren und nicht müde wird, Anlehnung neu zu benennen. Das geht von  naheliegenden, aber unzutreffenden Umschreibung wie „Kontakt“ über bildsprachliche Begriffe bis hin zu fast mystisch verklärenden Umschreibungen.

Dabei ist alles eigentlich doch ganz einfach …

„ANLEHNUNG ist IMMER Druck auf die Laden des Pferdes. Dieser kann sehr sanft, kaum spürbar, aber auch sehr stark sein. Die Entscheidung über die Stärke des Drucks hat das Pferd!“

(Unterstellt, dass die Zügel in korrekter Grundposition gehalten werden)

Betrachtet man neuzeitliche Beschreibungen des Begriffs, so kann man feststellen, dass man immer von  einem hehren Idealzustand ausgeht. Dieser bedarf aber eines top ausgebildeten Pferdes und eines hochbefähigten Reiters mit einem völlig losgelassenen, ausbalancierten Sitz. Doch auch in dieser Konstellation ist dieser Idealzustand nicht ständig aufrecht zu erhalten.

Da das Pferd die Stärke des Drucks bestimmt – nimmt man die Aussagen der jeweiligen Reitlehre wirklich ernst – dann kann der Reiter nur den korrekten Rahmen liefern – die „stete Hand“ (stillstehende Hand) – an welchem sich das Pferd ausrichtet.

Da unterscheiden sich Baucher (exemplarisch) und die Deutschen Reitlehren der Vergangenheit (bis etwa 1930) im Grunde gar nicht soweit. Das Bauchersche „Main fixe“ ist eigentlich nichts anderes als die „stete Hand“, eben „stillstehende Hand“ der alter deutscher Lehren.

YOGA zeigt was ANLEHNUNG bedeutet

Trust-you-Horse - ANLEHNUNG und kein Ende

Eine liebe Reitschülerin und Freundin, die intensiv Yoga betreibt hat mir ein wunderschönes Bild zum Begriff ANLEHNUNG geliefert …

YOGA: Übt man im Yoga eine Gleichgewichtsübung, wie z.B. den „Yoga-Baum“ (Vrksasana) ein, dann nutzt man anfangs mitunter eine Wand, an die man sich (dezent) ANLEHNT. Die Stärke der Anlehnung bestimmt der Mensch.

PFERD: Für das Pferd ist das Gebiss die Wand an das es sich ANLEHNT! Wie stark es dies tut ist seine Entscheidung!

YOGA: Man löst sich langsam von der Wand und steht nun frei. In diesem Moment „trägt man sich selbst“, man befindet sich im Gleichgewicht. Es mag noch ein Hauch vom Kleidungsstoff die Wand berühren, dennoch steht man frei.

PFERD: Das Pferd zieht sich (minimal) vom Gebiss zurück, löst sich also von der Stütze und „trägt sich selber“, ist also im Gleichgewicht.

YOGA: Kommt man nun wieder aus dem Gleichgewicht, verliert man also die Balance, dann sucht man erneut den Kontakt mit der Wand, um sich wieder anzulehnen.

PFERD: Verliert das Pferd das Gleichgewicht, dann sucht es wieder die Stütze auf dem Gebiss, lehnt sich an.

Ein Wechselspiel, das sich sowohl beim YOGA als auch beim Pferd stetig wiederholt. Mit einem, durch Training verbessertem Gleichgewicht, lassen sich die Phase des „SELBER TRAGENS“ bei Mensch und Pferd immer weiter ausdehnen.

Während beim YOGA die Wand das stabilisierende Moment ist, so ist es beim Reiten die „stete Hand“ / „Main fixe“. Würde diese Wand/Hand die Bewegungen mitmachen, dann käme dies für den, der sich anlehnen möchte, dem Versuch gleich, sich auf einem Schiff bei hohem Seegang an eine Wand lehnen zu wollen. Ein Unterfangen, das im günstigsten Fall Unsicherheit beschert.

Betrachtet man dieses YOGA-Beispiel genau, dann wird man feststellen, das ANLEHNUNG ein völlig zurecht gebrauchter und korrekter Begriff ist. Ihn ersetzen zu wollen, auch beispielsweise durch die Worte „Kontakt“ oder „Berührung“ ist absolut unnötig und wenig zielführend.

Auch ein passiver, hingegebener Zügel, um Anlehnung „zu umgehen“, hilft dem Pferd nicht, im Gegenteil, er trägt zu dessen Verunsicherung, im Falle leichter Balanceverluste, bei.

Autor: Richard Vizethum
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ANLEHNUNG – ein paar Worte dazu

Als ich mich auf meinen Theoriekurs „Vorwärts-Abwärts – Sinn oder Unsinn“ vorbereitete begegneten mir, wie schon so oft, Begrifflichkeiten wie „Anlehnung“, „An das Gebiss herandehnen“ oder „Vom Gebiss abstoßen“.

Wie bei den allermeisten Begriffen hat auch bei diesen Begrifflichkeiten jeder Leser mitunter ein anderes Bild im Kopf. Will man sie aber wirklich-wirklich verstehen, dann muss man sich von den – mitunter falschen Bildern – neuzeitlicher Definitionen lösen und sich auf den Weg in die Vergangenheit machen.

Trust-your-Horse - Anlehnung

Ich möchte mich zunächst einmal auf den Begriff ANLEHNUNG konzentrieren. Die beiden anderen Begrifflichkeiten lassen sich darunter subsummieren.

Nimmt man sich die Meister der letzten paar hundert Jahre vor, bei denen ANLEHNUNG thematisiert wurde, dann bleibt als Quintessenz folgende Aussage stehen:

„ANLEHNUNG ist IMMER Druck auf die Laden des Pferdes. Dieser kann sanft aber auch sehr stark sein. Die Entscheidung über die Stärke des Drucks hat das Pferd!“
(Richard Vizethum)

Mehr gibt es darüber nicht zu sagen!

Und „politisch korrekt“ sollte man hier auch nicht versuchen zu formulieren, dies würde nur zu realitätsfernen Formulierungen führen.

Formulierungen wie beispielsweise in der „Richtlinie für Reiten und Fahren“ Band 1 der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Diese sind verwirrend und nicht zielführend:

„Anlehnung ist die stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul. Das Pferd soll durch das taktmäßige, losgelassene Vorwärtsgehen, wofür der Reiter mit seinen treibenden Hilfen verantwortlich ist, die Anlehnung an das Gebiss suchen und somit an die Hand des Reiters herantreten … sie muss das Ergebnis der richtig entwickelten Schubkraft sein.“
(Richtlinie für Reiten und Fahren Bd.1 Seite 171)

Diese Aussage beinhaltet eine ganze Menge Voraussetzungen, die so von den Altvorderen, wenn sie über Anlehnung sprachen, nicht in diesem Zusammenhang thematisiert wurden und die auch nicht zu jedem Ausbildungsstand eines Pferdes erfüllbar sind.

Volle Anlehnung“ wurde beispielsweise bei Steinbrecht schon beim Anreiten einer Remonte erwartet. Zu einem Zeitpunkt, wo man weit davon entfernt ist, von einem taktmäßig und losgelassen vorwärtsgehendem Pferd sprechen zu können. Einem Pferd, dem man seine Schubkraft erst einmal unter dem Reitergewicht wieder zurückgeben muss um sie dann zu entwickeln.

Auch stellt die Formulierung
Anlehnung ist die stete, weich federnde Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul
ein nicht zu erreichendes Optimum dar, zumal der Kontakt ja vom Pferd ausgehen soll!

In diesem Zusammenhang sind wir dann auch bei den Begrifflichkeiten „An das Gebiss herandehnen“ und „Vom Gebiss abstoßen“.

Im Grunde genommen darf man sich das wie folgt vorstellen:

Dem Pferd wird das Gebiss „hingestellt“. Dabei dürfen die Zügel nicht zu lang sein, dies dürfte sich von selbst verstehen, zumindest hat das u.a. Steinbrecht so verstanden. Das Pferd wird motiviert vorwärts zu gehen und soll sich nun an die „Grenze“ Gebiss herandehnen – und zwar nach vorwärts.

Erreicht es bei diesem Dehnen die Grenze und „dehnt“ es sich weiter, wird der Druck auf die Laden immer stärker. Das Pferd hat nun die Möglichkeit sich tiefer in den Schmerz rein und auf die Zügel zu legen oder vom Schmerz zu weichen, sich also „vom Gebiss abzustoßen“.

Der lose Zügel scheidet die Reitlehren

Streng genommen müsste dabei ein „loser Zügel“ entstehen, also jener Hauch von Kontakt, den man sich doch in allen Reitlehren wünscht.

Genau! Das klingt doch alles so ähnlich wie die „unverrückbare Hand“ (siehe General L`Hotte) bei François Baucher – „Main fixe“. Diese stellt ein zentrales Element dessen Zügelführung dar. Leider wird dies häufig mit „fester Hand“ übersetzt, was zwangsläufig ein anderes, falsches Bild erzeugt.

Baucher macht damit genau das gleiche wie Steinbrecht und andere. Er zeigt dem Pferd eine klare Grenze auf. Und auch er erwartet, dass sich das Pferd von dieser Grenze, dem „Gebiss, abstößt“.

Dennoch gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied, nämlich eben diesen losen Zügel!

Während bei Baucher der lose Zügel ein gewünschtes Ergebnis ist, das Pferd soll „hinter die Hand“ (nicht zu verwechseln mit „hinter die Senkrechte“!) gehen – sich also auch vom „Gebiss abstoßen“, ist dieser „lose Zügel“ bei der deutschen Reiterei absolut nicht erwünscht.

So kritisierte beispielsweise Louis Seeger in seinem Pamphlet „Ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter“ Francois Baucher wie folgt:
… weil sein Pferd auch hierin hinter dem Zügel geht, also nicht die bedingte leichte, sondern gar keine Anlehnung hat“.

Er ging sogar so weit, in diesem Zusammenhang auch gleich noch Erklärungen für die Nutzung des Nasenriemens beim englischen Reithalfter, sowie über eine mögliche Stärke der Anlehnung mitzuliefern:

Den Nasenriemen kann Herr Baucher entbehren, weil er nie das Pferd andauernd mit steter ZügelANLEHNUNG führt, es mithin keine Gelegenheit erhält, sich der STRENGEN Wirkung der Gebisse durch zu freie Bewegungen der Unterkinnlade zu entziehen, welches der NASENRIEMEN zu verhindern bestimmt ist.

Der Unterschied zwischen Baucher und Vertretern der Deutschen Reitlehre (die aktuelle Deutsche Reitlehre sei hier mal ausgeklammert) ist also schlicht nur ein Hauch von Druck mehr (lässt man jetzt mal Seegers „STRENGE Wirkung der Gebisse“ beiseite) bei der Deutschen Reitlehre. Gerittenes Optimum (jede Seite reitet im Wortsinne ihrer Regeln) unterstellt …

Druck Baucher = 0 / Druck Deutsche Lehre = >1

Sieht nach einem kleinen Unterschied aus – oder?

Allerdings ist anzumerken, dass man bei Baucher die 0 SIEHT, während man bei der Deutschen Reitlehre kaum erkennen kann, ob der Druck nun 1 oder 1+x ist.

Weiterlesen:
ANLEHNUNG – noch ein paar Worte

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Spanische Hofreitschule – ein paar Worte dazu

„Die Spanische Hofreitschule Wien ist die älteste Reitschule und die einzige Institution der Welt, an der die klassische Reitkunst in der Renaissancetradition der „Hohen Schule“ seit mehr als 450 Jahren lebt und unverändert weiter gepflegt wird – was auch zum immateriellen UNESCO Kulturerbe der Menschheit zählt.“ [1]

Trust-your-Horse - Spanische Hofreitschule Quo Vadis

Doch was man in den letzten paar Jahren von der Spanischen Hofreitschule zu hören und zu sehen bekam, widerspricht dieser „Kulturpflege“.
Fragwürdige Entwicklungen in den Ausbildungsmethoden der Sportreiterei haben auch bei ihr Einzug gehalten. Wo früher Schönheit und Ausdruck das Bild bestimmten, hat man sich auch in der Vorstellung der Pferde optisch dem Zeitgeist angepasst.

Dies kann für die Zukunft dieses Institutes und für die gesamte Reiterei durchaus fatale Folgen haben.

Bis zum heutigen Tag basiert dort die Kenntnis über die Reitkunst der Renaissance und das daraus resultierende Methodenwissen auf mündlichen Überlieferungen. Die jungen Reiter haben von den alten und erfahrenen Bereitern und Oberbereitern gelernt und so wurde das Wissen über 450 Jahre nahezu unverändert weitergetragen.

Dieser Transfer wurde nicht nur unterbrochen, sondern das „neue Wissen“ welches gerade eingebaut wird, wird das sein, welches in Zukunft mehr oder weniger transportiert werden wird. Falls durch die stattfindende Reduzierung des Dialogs zwischen Alt und Jung überhaupt noch ein Wissenstransfer wie in der Vergangenheit stattfindet kann.

Einer Vergangenheit, bei der Reitmeister wie de la Guérinière, Max Ritter von Weyrother, Louis Seeger und der Freiherr von Oeynhausen neben dem k.u.k. Exerzierreglement für die Kavallerie [2] und den „Directiven“ von  Franz von Holbein-Holbeinsberg [3] die inhaltlichen Vorgaben für die Ausbildung von Reiter und Pferd an der Spanischen Hofreitschule darstellten und nicht niederländische Gedankenlosigkeit.

Ich hoffe sehr, man besinnt sich und kehrt zurück zu dem Weg, der auch dazu führte, das die Hofreitschule es zum immateriellen UNESCO Kulturerbe der Menschheit gebracht hat.

Aus Büchern kann man sich das Wissen der Vergangenheit erlesen, aber ob das, was wir herauslesen auch das ist, was der jeweilige Autor gemeint hat, wage ich zu bezweifeln.

Die Hofreitschule „war“ DIE Institution, quasie „die Hochschule des Reitens“, wie Oberst Alois Podhajsky sie nannte [2], die durch einen praktischen Wissenstransfer dafür gesorgt hat, dass diese, für die Reiterei so wichtigen Erfahrungen der Vergangenheit bis in unsere Zeit „so wie gemeint“ überdauern konnten.

Darum brauchen wir die ALTE Spanische Hofreitschule wieder!

Autor: Richard Vizethum
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Quellen:

  • [1] Spanische Hofreitschule Wien – Website
  • [2] Alois Podhajsky, Die klassische Reitkunst –
  • [3] Bernhard A. Macek, Franz von Holbein-Holbeinsberg: „Directiven“ der Spanischen Hofreitschule. Reitkunst, Militär und Gesellschaft des 19. Jahrhunderts. Wien 2007 (= Historica-Austria Bd. 7).

 

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Von der Wand weg

Sicher hat das jeder schon einmal erlebt, sein Pferd drängt über die äußere Schulter in Richtung auf eine Wand oder einen Gegenstand zu. Seinen Hals und Kopf hat es dabei nach innen, also weg von dem Gegenstand, gestellt.

Trust-your-Horse Pferd drängt nach Außen - Problem

Die Ursachen für dieses Verhalten können zwar vielfältig sein, doch sind in den allermeisten Fällen Fehler beim Sitz und/oder in der Hilfengebung des Reiters dafür verantwortlich, also nicht irgendwelche „Gespenster“ in irgendeiner Ecke.

Um nun aus dieser, mitunter problematischen Situation zu kommen, ist RICHTIGES und schnelles Reagieren notwendig. Die Lösung liegt dabei im Problem verborgen. Wenn das Pferd in Innenstellung nach Außen drängt, dann sollte es folglich auch in Außenstellung nach Innen weichen.

Trust-your-Horse - Pferd drängt nach Außen - Lösung

Und genau so ist es!

Der Reiter dreht sich dafür um seine Körperlängsachse ganz leicht mit Becken und Schultern nach außen. Diese Veränderung des Sitzes führt bereits zu einer mehr oder weniger starken Veränderung der Stellung des Pferdes in Richtung Außen. Da die Stellung für diese Korrektur eine zentrale Bedeutung hat, kann der äußere Zügel (auf der dem Gegenstand zugewandten Seite) durch leichtes Anheben diese Stellung nach außen etwas verstärken.
Nun kann sich das Pferd nicht mehr gegen das treibende Bein (nun das äußere Bein) stemmen.

Das Pferd weicht nach INNEN!

Natürlich funktioniert dies auch in der anderen Richtung!

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