Wieder einmal VORWÄRTS-ABWÄRTS

Da ich in meiner täglichen Arbeit wieder und wieder mit diesem leidigen Thema konfrontiert werde, möchte ich ERNEUT ein paar Worte über das VORWÄRTS-ABWÄRTS verlieren.

Trust-your-Horse - Wiedereinmal Vorwärts-Abwärts

NEIN, es wurde in der Geschichte der Reiterei ZU KEINER ZEIT in den heutigen Formen und der heutigen Intensität geritten!

NEIN, die Neuzeit hat KEINE besseren Erkenntnisse, die das Vorwärts-Abwärts begründen würden (Behauptung mancher Therapeuten)! Die Herrschaften von Damals verstanden WEIT MEHR von Biomechanik als man dies in der Neuzeit für sich in Anspruch nehmen darf.

NEIN, die sogenannten „Zeitzeugen“ die ihr Wissen von ihren Vätern haben, haben nicht Recht! Sie haben unreflektiert und gedankenlos FALSCHES übernommen. Das „Jagdhundschnüffeln“ ist blanker Unsinn!

NEIN, es gibt KEINE Form von etwas, was man heute als Vorwärts-Abwärts bezeichnet, dass aus der Vergangenheit (z.B. HDv.12 von 1937 …) abgeleitet werden kann!

NEIN, Vorwärts-Abwärts hat NICHTS mit Vertrauensbildung zu tun!

NEIN, Vorwärts-Abwärts (in seiner heutigen Ausprägung) hat keinen therapeutischen Nutzen!

NOCHEINMAL SEI GESAGT:

Das „Vorwärts-Abwärts der NASE“ oder auch das „Pferd in die Tiefe reiten“ wurde NUR in der REMONTEN-Ausbildung (bzw. bei KORREKTURPFERDEN) genutzt und auch NUR bei bestimmten Typen oder Verhalten von Pferden!
Dabei war IMMER die Nase oberhalb des Hüftgelenks (s.a.Bild)
Diese Höhe war die TIEFE!!!

DER ZWECK war es, das Pferd bei der Gewöhnung an das Reitergewicht (siehe auch „1 Ursache, 3 Aufgaben, eine Menge Fehlinterpretationen) zu unterstützen, gegen welches es zu Beginn UNTER UMSTÄNDEN (auch nicht immer) in unterschiedlicher Weise opponierte.

Die HÖHE DER KOPFSTELLUNG sollte sich nach der Richtung der Rückenwirbellinie (gestrichelte Linie a – siehe Bild) richten und die Nase nicht tiefer als diese Linie kommen (also i.d.R. Höhe Hüftgelenk). Auch wenn DIESE (Achtung Aufgepasst!) Kopf-/Halsstellung „in der ersten Zeit MITUNTER ETWAS TIEF ERSCHEINT“ (E.F. Seidler 1846). Diesen kleinen Hinweis von Seidler bitte intensiv lesen und richtig verstehen!

Die in der heutigen Zeit als korrektes Vorwärts-Abwärts definierte DEHNUNGSHALTUNG (konvexe Halsoberline, Nase Höhe Buggelenk) hatte damals – sinnvollerweise – ausschließlich den Zweck IMMER MAL WIEDER abzuprüfen, ob das Pferd sich beim Hingeben des Zügels an die Reiterhand „herandehnt“.

Diese Haltung wurde NICHT explizit als Dehnungshaltung bezeichnet (hätte man aufgrund der Form tun können – hat man aber nicht. Schließlich war sie kein eigenständiges Übungselement!), sondern entstand – in ähnlicher Form – am „hingegebenen Zügel“ oder am „langen Zügel“. Die TIEFE definierte dabei das Pferd (i.d.R. ging es nicht tiefer mit der Nase als Hüftgelenk).

Die DEHNUNGSHALTUNG heute – als aktiv betriebenes Übungselement gab es zu KEINER ZEIT und sie macht in dieser Intensität trainingstechnisch überhaupt KEINEN SINN! Ganz im Gegenteil sie ist KONTRAPRODUKTIV.
Übermäßig geritten macht es eine REELLE AUFRICHTUNG (welche man grundsätzlich hinterfragen sollte) unmöglich!

VORWÄRTS-ABWÄRTS IST DAS GEGENTEIL EINES HEILMITTELS!

Manche Formen schaden zwar nicht, sie haben aber auch keinen Nutzen.

Einige Formen schaden dagegen massiv. Wer sich über Rückenprobleme, Sehnenschäden, fehlende Trapezmuskulatur etc. etc. etc. bei seinem Pferd wundert, sollte bei der Ursachenforschung nicht unbedingt in die Ferne schweifen. Sehr, sehr häufig ist das Vorwärts-Abwärts und dessen trainingstechnische Folgen, die Ursache!

Die Therapeuten freut es und sie empfehlen munter weiter Vorwärts-Abwärts als Heilmittel.

Weitere Beiträge zu diesem Thema:

Autor: Richard Vizethum
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(Darf bei Namensnennung gerne geteilt werden)
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11 Gedanken zu „Wieder einmal VORWÄRTS-ABWÄRTS

    • Liebe Christine Sander!
      Man muss hier sehr genau unterscheiden …

      – zwischen Pferden, die in der Vergangenheit sehr intensiv Vorwärts-Abwärts geritten und dabei eventuell sogar in diese Position gezwungen wurden. Diese Pferde pullen sehr gerne nach V/A, da ihre Oberlinie nicht entsprechend trainiert ist und sie sich so Erleichterung verschaffen wollen. Dies darf man nicht mehr zulassen (langsamer Umbau!).

      – Pferde, welche durch das Training müde geworden sind. Diese kann man durchaus mal etwas lang lassen – darf aber dann keinesfalls nachtreiben! Besser ist es in so einem Fall, das Pferd sich im Stehen strecken zu lassen.

      – Körperbaubedingtes Vorwärts-Abwärts gehen. Dies kann z.B. bei Pferden passieren, die hinten überbaut sind. Hier muss man sehr vorsichtig mit dem „Umbau“ zu werke gehen. Man lässt das Pferd nicht tiefer gehen als max. Buggelenk, so es diesen Weg sucht. Dann arbeitetet man es ein paar Tage so und achtet dabei darauf, dass die Vorderbeine bis zum Lot der vorgestreckten Nase vortreten. Denn nur damit ist sichergestellt, dass sie mit den Vorderbeinen die Last von Hals und Kopf sicher stützen können. Mit der Zeit bringt man sie dann – ihrem Körperbau entsprechend – in immer mehr Aufrichtung.

      Liebe Grüße, Richard

    • … und wenn das Pferd sucht, was dann….

      😉

      Das hat sich das Gleichgewicht im Pferd verschoben.
      (Interessant sich mal ein dösendes Pferd im stehen genauer anzuschauen)

      In den Neuen Richtlinien für Reiten und Fahren Band 1 von 2018, hat man die Skala der Ausbildung auf ein Fundament gestellt.
      Vor den 6 Punkten kam jetzt:

      Finden des Gleichgewichts
      „Sobald ein Pferd die ungewohnte Situation mit dem Reiter auf seinem Rücken ohne Verspannung akzeptiert, ist das erste und auch später noch ganz zentrale Ausbildungsziel das Finden des GLEICHGEWICHTS UNTER DEM REITERGEWICHT. Daran muss sich der Reiter mit seiner Hilfengebung und in der dressurmäßigen Grundausbildung orientieren.“

      Hört man häufig:
      „Diese Nasenlinie ist aber hinter der Senkrechten = Also reitet der Reiter falsch. Die Nase muss vor sein. Dieser Reiter mit der NAse hinter der Senkrechten kann nicht reiten!

      Leider ist es dann doch nicht so einfach wie man es meinen könnte, denn die Nasenlinie ist schlicht nur ein Ergebnis. Ein Ergebnis der Skala der Ausbildung. Genauso wie das V/A, bzw. die Dehnungshaltung, schlicht ein Ergebnis ist. 1 +1 = 2. Ich kann so oft eine 2 fordern wie ich will, zwei Einsen werden es nie werden.
      Heute hat sich die landläufige Meinung in den Köpfen festgesetzt, wer dies nicht reitet und ihm sogar widerspricht, handelt gegen sein Pferd. Macht alles falsch, was man falsch machen kann.

      (*Dehnungshaltung ist schlicht „nur“ der 2 Punkt der Skala der Ausbildung. Die Losgelassenheit.
      Leider greifen sehr gute Trainer leider heute nur zu gern auf ihren eigenen Wortschatz zurück, als bei klassischen Definitionen zu bleiben. Was mit katastrophalen Folgen heute an der Basis endet.)

      Als ich anfing die Nasenlinie dort zu lassen wo sie war und aufhörte eine Dehnungshaltung von meinem Pferd zu verlangen, in diesem Moment war dann die Nasenlinie dort wo sie sein sollte und die Pferde zeigte eine schöne Dehnungshaltung. Aber erst als ich verstand, was unter mir passierte und was das Ziel eines jeden Pferdes ist. Ich fing an das Gleichgewicht des Pferdes und mir zu suchen. Verliert man das Gleichgewicht als Ziel aus den Augen, ist jede Runde eine Runde zu viel.

      P:S Sehr geehrte Frau Sander, interessante Ausarbeitung über den Solarplexus und das Zwerchfell 😉 Bin auf der Suche nach Antworten über ihre Arbeit gestolpert.

  1. Hallo, viele Wege führen nach Rom! Fakt ist das Pferd ist nicht auf die Welt gekommen um Gewicht zu tragen!
    An die Schnalle reiten läßt das Pferd schneller ins Schwingen kommen. Der jeweilige Takt fängt im Maul an und endet über den Rücken in der Schweifrübe. Wenn der Reiter jetzt noch ausbalanciert Sitzt, also das Pferd nicht stört, kommt der Bauchmuskel des Pferdes in Aktion und drückt den Rücken nach oben! Hängebrückenprinzip! LG, Christoph Schulz

  2. Pingback: VORWÄRTS-ABWÄRTS – ein paar Worte dazu | Trust-your-Horse

  3. Pingback: Wie TIEF ist TIEF eigentlich? | Trust-your-Horse

  4. Pingback: RELATIVE vs. ABSOLUTE Aufrichtung – ein paar Worte dazu | Trust-your-Horse

  5. Pingback: 1 URSACHE, 3 Aufgaben – eine Menge Fehlinterpretationen! | Trust-your-Horse

  6. Es ist einfach zu erklären was man nicht tun sollte. Vielmehr würde mich interessieren wie man einem Pferd beibringt das Gewicht vermehrt mit der Hinterhand aufzunehmen. Studien ergaben, dass bei einer korrekt ausgeführten Piaffe eine Gewichtsverteilung von 50 zu 50 besteht! Um die Hinterhand zu aktivieren braucht der Reiter viel Erfahrung und eine grosse Anzahl zu diesem Ziel führender Übungen, welche dem Exterieur jedes einzelnen Pferdes angepasst werden sollten. Klemmen Sie sich doch mal hinter diese Aufgabe!

    • Liebe Gisela Krasensky!

      Dies würde dem Verfassen einer Reitlehre gleich kommen. Deren Inhalt sich auf das Wissen und Können der alten preußischen Stallmeister (ab der Zeit Friedrichs des Großen bis hinein in die Mitte des 19. Jahrhunderts) gründen würde (daran schreibe ich schon seit einer Weile – ob ich es jemals zu Ende bringen werde sei dahingestellt 🙂 ).
      Nur soviel:
      1. Die Ausbildung des Pferdes beginnt mit der Lösung von Spezialaufgaben und nicht der Bearbeitung des ganzen Pferdes.
      2. Das Aufrichten und Beinehmen der Nase – zunächst ohne Einbeziehung des Rückens und der (noch schwachen) Hinterhand ist eines der ersten Spezialaufgaben nach der Gewöhnung an das Reitergewicht (incl. dem Vorwärtsreiten | NIEMALS ABWÄRTS! „Pferd muss lernen vorwärts gehen zu dürfen!“).
      3. Dabei wird das Pferd aus seiner „natürlichen Haltung“ (Nase in etwa auf einer Linie Höhe HÜFTGELENK), welche grundsätzlich nicht zu unterschreiten ist, in Stufen AUFWÄRTS gearbeitet. Der Grad dessen was erreicht werden kann ist dabei abhängig von der Halsform, der Form und Größe der Ganaschen, der Position der Ohrspeicheldrüse … .
      4. „Danach“ beginnt die „Bearbeitung des Rückens“ und die Beugung (Biegen) der Hanken.

      Das WIE muss ich HIER offen lassen, würde dessen Beschreibung doch weit umfangreichere und den Rahmen sprengende Texte erforderlich machen (Reitlehre!).

      Was die Gewichtsverteilung 50:50 bei einer „korrekt ausgeführten Piaffe“ anbelangt, würde ich gerne einmal den Versuchsaufbau sehen.

      Herzliche Grüße,
      Richard Vizethum

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