Mogelpackung KLASSISCH

Es zeugt schon von sehr großer Unkenntnis der Reitgeschichte, wenn man die aktuelle Deutschen Reitlehre mit dem Attribut „KLASSISCH“ aufwertet. In der Produktwerbung würde man von einer „Mogelpackung“ sprechen.

Trust-your-Horse - Mogelpackung KLASSISCH

Zunächst einmal gilt festzuhalten: Die aktuelle Deutsche Reitlehre basiert auf der HDv.12 von 1937! Fakt ist, das diese Version der Deutschen Reitvorschriften alles sein kann, nur eines nicht: KLASSISCH!

Neben einer Zeitdimension hat der Begriff KLASSISCH auch eine Anspruchsdimension (siehe auch: KLASSIK – ein paar Caféhaus-Gedanken dazu):

Neben Begriffsdefinitionen wie: „herkömmlich“, „traditionell“ findet man da auch „als Vorbild geltend“, oder umgangssprachlich: super, klasse. Weiter steht da „vollendet“ und „zeitlos geformt“. D.h. den Anspruch, den man aus dem Begriff „klassisch“ ableiten kann ist schlicht ausgedrückt folgender: BESSER GEHT ES NICHT (Zumindest für eine gewisse Zeit – bis es halt jemand besser macht)!

Geht man in der Geschichte zurück, so lässt sich wohl durchaus sagen, dass die Reitkunst (also das, was man als KLASSISCH“ bezeichnen kann) so um das Jahr 1848 (Otto von Monteton) final der anglomanen Reiterei zum Opfer gefallen ist. Der Reiterei, die auch heute noch das Reiten dominiert. Dies lässt sich durchaus auch in den darauf folgenden Reitvorschriften erkennen, in denen z.T. grausamstes Reiten propagiert wurde.

Mit der Reitvorschrift HDv. 12 von 1926 flackerte noch einmal so etwas wie Reitkultur und Reitkunst auf, erreichte aber vermutlich ebenfalls nicht das Niveau von vor 1848, was auch der Veränderung in der strategischen und taktischen Ausrichtung der Kavallerie geschuldet sein dürfte. Explizit wurde in dieser Reitvorschrift von 1926 darauf hingewiesen, dass der Anhang, welcher sich u.a. mit Elementen der Hohen Schule befasst „nicht etwa eine erschöpfende Ausbildungsvorschrift zum Erlernen der hohen Schule sei“. Es ging dort vielmehr darum aufzuzeigen, „wie weiter fortgeschrittene Reiter ihre und ihrer Pferde Leistungen über den Rahmen der Gebrauchsreiterei hinaus fördern können“.

Mit der HDv. 12 von 1937 hat man so etwas wie die REITERLICHE BILDZEITUNG geschaffen. Alles was der einfache Reiter nicht verstehen konnte, wurde weggelassen (das hat man den Ausbildern überlassen – ist nun mal so beim Militär), auch die 1926 noch vorhandenen Elemente der „Hohen Schule“ fielen weg! Reduzierte Gebrauchsreiterei in ihrer Essenz.

Und auf Basis dieser BILDZEITUNG (die man noch um alles militärische abspeckte) entstand nun also die aktuelle Deutsche Reitlehre, der man dann quasi – mit dem Attribut „KLASSISCH“ – völlig zu Unrecht – den REITERLICHEN PULITZER-PREIS verlieh. Damit nicht genug, setzte man sich selbst noch die göttliche Krone auf, indem man die UNUMSTÖSSLICHKEIT der Lehre feststellte.

Wollen wir nun feststellen was wirklich KLASSISCH ist, dann muss man sich als objektiver Sucher auf den Weg in die Vergangenheit machen und die Scheuklappen des bisherigen eigenen Denkens ablegen.

Autor: Richard Vizethum
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