Schultervor gerade

Wie der Mensch Rechts- oder Linkshänder ist, so sind dies alle Säugetiere – also auch das Pferd. Bei dieser als „natürliche Schiefe“ (besser wäre „natürliche Biegung“) bezeichnete Händigkeit ist das Pferd auf der einen Seite hohl (verkürzte Muskulatur).

Um dennoch geradeaus gehen zu können, muss es mit dem Vorderbein der anderen Seite weiter vorgreifen. Nach diesem weiter vorgreifenden Bein wird die jeweilige Händigkeit benannt (Rechtshänder beispielsweise ist auf der linken Seite hohl et vice versa).

Diese Händigkeit führt zur Überlastung der händigen Schulter (Rechtshänder = rechte Schulter) und stellt eine Diagonalverschiebung dar.

Der Reiter verschärft diese ungünstige Belastungs-situation. Um das Pferd auch als Reitpferd gesund zu erhalten muss deshalb ein Trainingsziel sein, das Pferd geradezurichten.

In der Skala (Stufenleiter) der Ausbildung steht das Geraderichten erst an fünfter Stelle, unmittelbar vor der Versammlung. Dabei ist das „Geraderichten“ des Pferdes eine elementar wichtige Übung auf dem Weg vom Pferd zum Reitpferd.

Ein Pferd welches nicht geradegerichtet ist – die Vorhand in gerader Linienführung vor der Hinterhand steht – kann weder den Rücken seriös geben, noch ist es zur korrekten Aufrichtung fähig.

Das Geraderichten sollte deshalb von Anfang der Ausbildung an ein wichtiges Element des Trainings eines Pferdes sein.

Es gibt sicherlich viele Übungen, mit deren Hilfe man ein Pferd geraderichten kann (z.B. Schulterherein), doch aus meiner Sicht ist das SCHULTERVOR die geeignetste Übung.

Es ist die Möglichkeit die verkürzte Muskulatur auf der hohlen Seite nicht durch zu starkes Stellen des Pferdes in die andere Richtung zu überlasten (Verspannungen, Muskelkater …).

WIE GEHT MAN VOR? (Beispiel: Rechtshänder)

Die Korrektur der „Natürlichen Schiefe“ im Schultervor erfolgt NUR auf der händigen Seite. Um das Pferd mit Hilfe des SCHULTERVOR geradezurichten muss man die weiter vorgreifende Vorhand (in diesem Fall rechte Vorhand) im Vorgriff etwas reduzieren.

Trust-your-Horse - SchultervorGerade

Dazu reitet man das Pferd auf einer geraden Linie. Dann nimmt man die eigene RECHTE Schulter etwas zurück, hebt den RECHTEN Zügel an, um die RECHTE Schulter des Pferdes anzuheben und stellt es vorsichtig nach RECHTS. Es ist darauf zu achten, dass man die Schultern und nicht nur Hals und Kopf des Pferdes nach rechts stellt. Der restliche Pferdekörper ist dabei geradegerichtet. Eine zu starke Überstellung von Hals und Kopf des Pferdes ist zu vermeiden.

Auf der händigen Hand wird das Pferd nun versuchen dem stellenden Zügel zu folgen und nach rechts zu weichen. Dies verhindert der Reiter, indem er mit seinem RECHTEN Knie in Richtung der rechten Pferdeschulter drückt um die Vorhand wieder nach links vor die Hinterhand zu setzen.

GERADERICHTEN IST KEINE EINMALSACHE

Das Geraderichten des Pferdes ist nicht etwas, was man ein paarmal übt und dann „funktioniert“ es, nein, es muss zum Bestandteil der täglichen Arbeit gemacht werden. Nur das häufige „Wiederholen“ kann das Muster verändern und das Pferd auch „im Kopf geraderichten“.

Ob auf dem Reitplatz oder im Gelände – GERADERICHTEN KANN MAN ÜBERALL.

2 Gedanken zu „Schultervor gerade

  1. Ist es nicht genau umgekehrt, was die „hohle Seite“ betrifft? Die hohle Seite ist die, die mehr Dehnung zulässt, dia andere Seite ist die „steife Seite“.
    Ein rechts hohles Pferd fällt im Zirkel rechterhand auf die innere Schulter und verkleinert; linkerhand läuft es über die äußere Schulter und vergrößert. So erscheint es mir logischer.
    Man liest überall etwas anderes.

    • Liebe Sandra!

      Ein rechtshändiges Pferd ist auf der linken Seite hohl, d.h. die Muskulatur auf der linken Hand ist etwas verkürzter et vice versa. Geht dieses rechtshändige Pferd nun auf einer Rechtsvolte, dann neigt es verstärkt dazu über die rechte Schulter nach innen zu fallen. Ein rechtshändiges Pferd, genau wie ein rechtshändiger Mensch werden immer leichter und korrekter nach Links gehen können (et vice versa).

      Herzliche Grüße,
      Richard

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