Reitkunst – ein paar Worte dazu

Unter dem Begriff Reitkunst versteht durchaus jeder etwas anderes. Der eine sieht darin den Weg, Bilder klassischer Reitmeister wiederaufleben zu lassen und sie möglichst detailgetreu nachzuzeichnen. Mancher vermeint eine eigenständige Reitweise zu erblicken, wenn er an Reitkunst denkt oder stellt sich die sportliche Betätigung mit dem Pferd vor. Solche und manch andere Inhalte subsummieren sich wie selbstverständlich unter dem Begriff Reitkunst.

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An dieser Stelle möchte ich gerne einmal meine Definition von Reitkunst darlegen. Man muss diese nicht als allgemeinverbindlich ansehen, aber sie definiert meinen Weg mit Pferd und Mensch zu arbeiten. Einem Weg, der von Beobachten, Infragestellen und Nachdenken getragen ist.

KUNST HEISST ABSTRAKTION

Nimmt man den Begriff „Kunst“, und dass habe ich für mich erst durch die Werke von Picasso erfahren dürfen, dann geht es immer um Reduktion. Informationen werden solange reduziert und von jeder unnützen Ballast befreit, bis am Ende eine klar verständliche und interpretationsfreie Botschaft übrigbleibt.

Je höher der Grad der Abstraktion ist und je klarer die Botschaft zutage tritt, desto eher kann man bei einem Werk von Kunst sprechen. Davor ist es „nur“ schlichtes Handwerk.

Überträgt man es auf das Reiten, dann bedeutet dies für mich, ein Bild von Pferd und Reiter entstehen zu lassen, dessen Botschaft Feinheit, Anmut, Eleganz, Harmonie und Vertrauen ausstrahlt. Einer Botschaft, die auf ihrem Weg immer klarer zutage tritt, die entledigt ist von allen nutzlosen Zierrat und allem menschlichen Ehrgeiz.

EIN KUNSTWERK ENTSTEHT

Das Kunstwerk, das daraus entstehen soll, ist nicht nur das Ergebnis, sondern der gesamte Weg dahin. Schon im Training muss das Wesentliche im Fokus stehen, alles weggelassen werden, was nur der persönlichen Eitelkeit, aber nicht dem Training des Pferdes dient. All das, was an Ausrüstung oder Elementen des Trainings zur Anwendung kommt, muss einen wahrhaftigen Nutzen haben, nicht dem Zeitgeist folgen und darf das Pferd nicht unnötig belasten oder gar behindern.

Die Schritte auf diesem Weg sind kleine Schritte und folgen dem exponentiellen Charakter der Natur. Die Ausdrucksstärke des Kunstwerkes, das entsteht, misst sich nicht an Showeffekten, sondern daran, wie Pferd und Mensch harmonieren, ob in der Bahn oder im Gelände.

Lieber Reiter werde zum „Künstler“ und lass ein schönes Bild von Dir und Deinem Pferd entstehen.

Autor: Richard Vizethum
Auszug aus Buchentwurf zu „Die Grammatik des Reitens
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3 Gedanken zu „Reitkunst – ein paar Worte dazu

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  3. Lieber Richard, das iist schön geschrieben und ich empfinde vor allem den Satz mit Picasso und Deinem verständnisüber seine Kunst genau treffend! Jeh mehr ich mich aber mit dem Pferd und dem reiten beschäftige, um so größer wird für mich die Kluft zwischen dem was ich glaube zu wissen und was ich weiß. Das Pferd erscheint mehr und mehr von mir zu rücken, nicht weil ich Angst vor ihm habe, sondern weil ich es mehr und mehr achte. Ich habe früher viel gemalt, besser gezeichnet, vor ein paar Wochen habe ich wieder angefangen, meine Tochter hat mich geschubste, haha! Es ist so schwierig für mich, mich zu konzentrieren und nicht alles auf einmal zu lernen, diese Unruhe beschäftigt mich oft. Wenn ich dann wirklich mit meinen Pferden arbeite ist alles wieder in Ordnung. Was mir sehr fehlt, sind Menschen mit denen ich kommunizieren kann, die mir sozusagen helfen zu „grounden“. Vielen Dank für all die guten Diskussionen. Ich muss mich weiter mit Monteton beschäftigen auch mit der preußischen Reiterei. LG

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