Es menschelt – ein durchaus zulässiger Vergleich

Mitunter ist es ganz hilfreich, wenn man versucht über den Tellerrand hinaus zu blicken, eine Situation von einem anderen Blickwinkel heraus zu betrachten. So unterschiedlich wie wir Menschen oft glauben, sind Mensch und Tier gar nicht. Eine kleine Geschichte mit Mensch und Pferd als Protagonisten soll dies illustrieren.

Trust-your-Horse - Es menschelt

Es menschelt – ein durchaus zulässiger Vergleich

DER MENSCH (1)
Dieser Mensch, beispielsweise ein Buchhalter, der tagaus, tagein Zahlen in ein Buchhaltungssystem einträgt. So unspektakulär dies sein mag, so verhilft es ihm dazu ein relativ entspanntes Leben zu führen. Dies strahlt auch auf sein Privatleben aus, wo er sich in einer harmonischen Beziehung befindet. Mitunter schielt er vielleicht doch etwas neidisch auf manch „Besserverdienenden“.

DAS PFERD (1)
Ein etwas rangniedrigeres Tier, beispielsweise ein Wallach, welches tagaus, tagein mit den anderen Herdenmitgliedern über die Weide zieht, Gras frisst, ein Nickerchen macht oder Sozialkontakte pflegt. Seine Wachsamkeit hält sich in Grenzen und damit auch der alltägliche Stress. Nur manchmal wünscht es sich vielleicht einen begünstigteren Schlafplatz. Es freut sich, wenn seine Reiterin am Abend kommt und für Abwechslung sorgt. Gerne lassen beide zusammen den Tag bei einem entspannten Geländeritt ausklingen.

DER MENSCH (2)
Natürlich hat dieser Buchhalter auch immer mal wieder den Gedanken seinen Status zu verbessern, mehr Verantwortung, mehr Geld, vielleicht ein größeres Büro zu bekommen.

DAS PFERD (2)
Es würde dem Pferd durchaus gefallen, einen günstiger gelegenen Schlafplatz oder die Möglichkeit zu erhalten, früher an gutes Futter zu kommen.

DER MENSCH (3)
Eines Tages erhält der Buchhalter eine, über seinen beruflichen Alltag hinausgehende Herausforderung. Man eröffnet ihm, dass eine Betriebsprüfung anstehen würde und er dafür Sorge zu tragen habe, dass den Prüfern alle Unterlagen klar strukturiert zur Verfügung zu stellen sind.

DAS PFERD (3)
In der Pferdeherde ergibt sich ein Wechsel. Es gehen ein paar Pferde – darunter auch ein ranghoher Wallach – und es kommen zwei neue Pferde dazu. Mit einem Mal sieht sich der Wallach aus unserer Geschichte völlig unvermittelt in einer relativ ranghohen Position.

DER MENSCH (4)
Diese neue Verantwortung macht den Menschen unsicher. In einer vergleichbaren Situation war er bisher noch nicht. Er verspürt Nervosität und sein Stresspegel steigt.

DAS PFERD (4)
Auch für das Pferd bringt diese plötzliche neue Herdenposition Verantwortung mit sich. Wo er früher entspannt grasen konnte, muss er sich nun mehr und mehr der Herde und dessen Umfeld zuwenden. Im Grunde aber ist es keine Führungspersönlichkeit (wie beispielsweise eine echte Leitstute) und damit bringt diese Verantwortung eine Zunahme der Nervosität und ein Ansteigen des Stresses mit sich.

DER MENSCH (5)
An diesem Abend kommt unser Buchhalter nach Hause, nicht so entspannt wie sonst. Ihm beschäftigen die neue Aufgabe und die damit verbundenen Herausforderungen. Unbewusst fühlt er sich dem nicht gewachsen. Seine Partnerin hatte dagegen einen guten und entspannenden Tag gehabt und ist voller Vorfreude, hat sie doch den Plan gefasst, mit ihrem Mann ins Kino zu gehen. Sie hat sich extra einen Film herausgesucht, den er schon lange sehen wollte.

DAS PFERD (5)
Das Pferd läuft in der Herde immer wieder auf und ab und findet nur wenige Momente in dem es ruhig grasen kann. Am Abend kommt seine Reiterin, völlig entspannt und in Vorfreude auf einen gemütlichen Ausritt vorbei. Ihr Plan ist eine Strecke, auf der beide sehr gerne unterwegs sind.

DER MENSCH (6)
Der Kinobesuch kommt unserem Buchhalter gar nicht gelegen und er reagiert etwas gereizt auf das Ansinnen seiner Partnerin. Er will eigentlich nicht ins Kino, hat er doch seine Gedanken ganz wo anders. Doch seine Partnerin, die sein Verhalten so gar nicht verstehen kann, bringt ihn schließlich doch dazu mitzukommen, auch wenn ihre Stimmung durch sein Sträuben nicht mehr ganz so euphorisch ist. Angespannt machen sie sich auf den Weg ins Kino. Sie hofft, dass der Film ihn wieder etwas entspannt.

DAS PFERD (6)
Am Anbinder kehren die Gedanken des Pferdes immer wieder zur Herde zurück. Unruhig trippelt es, sehr zum Erstaunen seiner Reiterin, immer wieder hin und her. Sie putzt und sattelt es dennoch. Als sie losgehen, versucht das Pferd noch einmal deutlich zu machen, dass es heute ganz und gar nicht von der Herde wegmöchte. Reiterin und Pferd verlassen schließlich etwas angespannt den Hof. Die Reiterin hofft, dass sich ihr Pferd auf den schönen Sandwegen wieder beruhigen wird.

DER MENSCH (7)
Der Film bringt unseren Buchhalter keineswegs auf andere Gedanken, ganz im Gegenteil, alles um ihn herum reizt ihn. Die laute musikalische Untermalung des Films ebenso wie ein Popcorn essender Zuschauer ein paar Plätze weiter. In diesem Moment will er einfach nur noch nach Hause. Dieses Anliegen macht er auch seiner Partnerin deutlich, was diese wiederum überhaupt nicht verstehen mag und so kommt es zu einem Disput, der damit endet, dass der Buchhalter aufsteht und das Kino gereizt verlässt – Ziel: nach Hause.

DAS PFERD (7)
Jedes Geräusch erschreckt unser sonst so unerschrockenes Pferd. Auch die sonst so entspannenden Galoppaden auf den langen Sandwegen kann es nicht wirklich genießen. Bei jeder Abzweigung, die zum Hof zurückführt, versucht es seiner Reiterin deutlich zu machen, dass es nach Hause in den Stall möchte. Die Reiterin, die sich auf diesen Ausritt gefreut hatte, kann das Verhalten ihres Pferdes nicht verstehen und reagiert entsprechend missbilligend. Doch schließlich gibt sie sehr verärgert aber auch resigniert auf und nimmt den nächsten Weg zurück. Das Pferd will nur noch nach Hause.

DAS FAZIT dieser beiden Geschichten kann der geneigte Leser gerne selber ziehen.

Vielleicht aber helfen Dir diese Geschichtchen dabei genauer hinzusehen, um das Verhalten Deines Pferdes besser zu verstehen. DAS PFERD HAT IMMER RECHT! JA! – aber nicht immer ist der Reiter der Grund, warum man sich manchmal nicht versteht.

Der besseren Lesbarkeit wegen wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet.

Autor: Richard Vizethum
Eigene Notizen
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